Grundwassernichtleiter
Mit Grundwassernichtleiter oder Aquifuge oder Aquiclude[1] werden in der Hydrogeologie die GesteinskÜrper bezeichnet, die eine grundwasserfähige Struktureinheit (Aquifer) begrenzen und selbst nicht wasserdurchlässig sind.[2]
Die häufig verwendete Definition der DIN 4049-3 (von 1994) definiert ihn als âGesteinskĂśrper, der wasserundurchlässig ist oder unter der jeweiligen Betrachtungsweise als wasserundurchlässig angesehen werden darfâ.[3] Zu beachten ist, dass diese Definition von der Anwendung bzw. Fragestellung her definiert ist. So kann ein Gestein, das zum Zweck der Trinkwassergewinnung als Grundwassernichtleiter gilt, fĂźr andere Zwecke, z. B. bei der Abdichtung von Deponien oder Altlasten, als Grundwassergeringleiter (auch Grundwasserhemmer oder Aquitarde) gelten.
Demgemäà ist es nicht mĂśglich, einen festen Schwellenwert fĂźr die Durchlässigkeit von Locker- oder Festgesteinen anzugeben, der als Schwelle zwischen Grundwassernicht- und -geringleitern anzusehen wäre; in der Literatur häufiger angegebene Schwellenwerte liegen in der GrĂśĂenordnung von 10â8 bis 10â9 Meter pro Sekunde. Aufgrund dieser Unschärfe wird in jĂźngerer Zeit oft empfohlen, den Begriff Grundwassernichtleiter ganz fallenzulassen.[4] Typische Grundwassernichtleiter als Festgesteine (Kluftgrundwasserleiter) sind Metamorphite und Tonstein, beide mit Durchlässigkeiten in der GrĂśĂenordnung von 10â9 Meter pro Sekunde und darunter.[5]
Es ist zu unterscheiden zwischen:
- de facto undurchlässigen Gesteinen oder Aquifugen[6]
- Gesteinen sehr geringer Durchlässigkeit (Grundwassergeringleiter) bzw. Aquitarden (viele Tonsteine).[2]
Unter Grundwasserhemmschichten und Grundwassernichtleitern liegende Grundwasserleiter kÜnnen dazu fßhren, dass artesisch gespanntes Grundwasser vorliegt, das bei Freilegung, z. B. in einem Bohrloch, als artesischer Brunnen zutage tritt.[7]
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â World Meteorological Organization (Hrsg.): International Glossary of Hydrology. WMO, 2012, ISBN 978-92-3-001154-3, S. 18.
- 1 2 Hans Murawski, Wilhelm Meyer: Geologisches WĂśrterbuch. 12. Auflage, Spektrum, Heidelberg 2010, S. 68.
- â zitiert nach: Frank Wisotzky, Nils Cremer, Stephan Lenk: Angewandte Grundwasserchemie, Hydrogeologie und hydrogeochemische Modellierung: Grundlagen, Anwendungen und ProblemlĂśsungen. 2. Auflage. Springer-Spektrum, Berlin 2018, ISBN 978-3-662-55557-6, S. 486.
- â Ingrid Stober, Andreas Gautschi: Geringleiter. Themenheft. (= Grundwasser â Zeitschrift der Fachsektion Hydrogeologie. Band 22). 2017, S. 163â164. doi:10.1007/s00767-017-0367-y
- â Rolf Mull, Hartmut Holländer: Grundwasserhydraulik und -hydrologie: Eine EinfĂźhrung. Springer Verlag, Berlin u. a. 2002, ISBN 3-540-43942-0, S. 36.
- â Hans-Gustav Olshausen, VDI-Gesellschaft Bautechnik (Hrsg.): VDI-Lexikon Bauingenieurwesen. Springer Verlag, Berlin u. a. 1991, ISBN 3-662-30425-2, Grundwassernichtleiter auf S. 259.
- â Helmut Prinz, Roland Strauss: Ingenieurgeologie. 5. Auflage. Spektrum-Springer, Heidelberg 2011, ISBN 978-3-8274-2472-3, S. 179â180.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Bundesministerium fĂźr Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) (Hrsg.): Grundwasser in Deutschland. (= BMU Reihe Umweltpolitik.). August 2008.