Berlin Document Center

Das Berlin Document Center (BDC) wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Berlin errichtet, um zentral Unterlagen aus der Zeit des Nationalsozialismus zu sammeln, die zur Vorbereitung fĂźr die NĂźrnberger Prozesse gegen Kriegsverbrecher benĂśtigt wurden. Bis 1994 stand das BDC unter US-amerikanischer Verwaltung und wurde dann vom Bundesarchiv Ăźbernommen. Mikroverfilmte Kopien wurden fĂźr die National Archives and Records Administration angefertigt, wo der Zugang ungehindert vom deutschen Datenschutz mĂśglich ist. Das BDC befand sich am Ende des Wasserkäfersteigs, sĂźdĂśstlich der Krummen Lanke, in grĂśĂtenteils unterirdischen Gebäuden einer ehemaligen AbhĂśrstation des Reichsluftfahrtministeriums mit Bunkeranlage.[1] Nach der Ăbernahme durch das Bundesarchiv wurde das BDC zunächst als AuĂenstelle Berlin-Zehlendorf weitergefĂźhrt, ehe die Unterlagen 1996 in der neuen AuĂenstelle Berlin-Lichterfelde mit den Beständen der Abteilung Deutsches Reich zusammengefĂźhrt wurden.[2]
Das BDC war mit insgesamt Ăźber 20 Millionen Akten bis zur Ăbernahme durch das Bundesarchiv eines der grĂśĂten Personenarchive in der Bundesrepublik Deutschland.[3]
Bestände
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- NSDAP-Mitgliederkartei der NSDAP, 12,7 Millionen Karteikarten (80 Prozent)
- 60 Prozent der Personalakten der SS, etwa 600.000 personenbezogene Unterlagen (Akten und Karteien)
- SSO-Akten: die SS-Offiziersakten (abgekĂźrzt SSO), zu ca. 62.000 SS-FĂźhrern
- SSEM-Akten: (âSS Enlisted Menâ), zu ca. 380.000 SS-UnterfĂźhrern und einfachen SS-AngehĂśrigen
- sowie eine Sammlung mit Listen aus verschiedensten Provenienzen zu ca. 240.000 SS-AngehĂśrigen
- 500.000 Akten aus dem Rasse- und Siedlungshauptamt der SS, darunter zahlreiche Personal-FragebĂśgen
- 1,5 Millionen Parteikorrespondenzen
- mehrere 100.000 Personalakten der SA, des NS-Lehrerbundes, des NS-Bundes Deutscher Techniker und weiterer NS-Organisationen
- Informationen Ăźber 2,5 Millionen volksdeutsche Einwanderer
- Akten der Reichskulturkammer, des Volksgerichtshofes und von Gestapo-Dienststellen
Unter bestimmten Voraussetzungen und bei entsprechender Legitimation kĂśnnen diese Unterlagen eingesehen werden.
Auffinden der NSDAP-Zentralkartei
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Michel Thomas, der als Mitglied des Counter Intelligence Corps der 45. Infanterie-Division an der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau teilgenommen hatte, entdeckte am 20. Mai 1945 in der Papierfabrik Josef Wirth in MĂźnchen-Freimann 68 Tonnen Mitglieder-Karten der NSDAP-Zentralkartei, die dort eingestampft werden sollte. Hanns Huber, der GeschäftsfĂźhrer der PapiermĂźhle, verzĂśgerte jedoch die Vernichtung.[4] Die Kartei wurde dem US-Stadtkommandanten in MĂźnchen gemeldet und im Januar 1946 einschlieĂlich der originalen MĂśbel ins Berlin Document Center gebracht.[5]
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Babette Heusterberg: Personenbezogene Unterlagen aus der Zeit des Nationalsozialismus. Das Bundesarchiv in Berlin und seine Bestände, insbesondere des ehemaligen amerikanischen Berlin Document Center (BDC). In: Herold-Jahrbuch N. F. 5 (2000), ISSN 1432-2773, S. 147â186 (bundesarchiv.de [PDF; 108 kB]).
- Stefan Heym: Eine wahre Geschichte. In: Ders. (Hrsg.): Die Kannibalen und andere Erzählungen. List, Leipzig 1953, DNB 573995079, S. 51â76.
- Robert Wolfe: A Short History of the Berlin Document Center. In: George Leaman, Robert Wolfe: The Holdings of the Berlin Document Center. A Guide to the Collections. The Berlin Document Center, Berlin 1994, OCLC 44870799, S. XIâXXII.
- Sabine WeiĂler, Wolfgang Schäche (Hrsg.): Daten-Reich im Verborgenen. Das Berlin Document Center in Berlin-Zehlendorf. Jonas-Verlag, Marburg 2010, ISBN 978-3-89445-440-1.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Eintrag 09075991 in der Berliner Landesdenkmalliste als âAbhĂśrstation des Luftfahrtministeriums mit Bunkeranlage, danach Berlin Document Centerâ
- Berlin Document Center. Hintergrßnde zu Geschichte und Hauptbeständen auf bundesarchiv.de
- Liste der mikroverfilmten Kopien in den US National Archives
- Dan Rogers: U.S. Department of State Appendix to Testimony before the Subcommittee on International Organizations, International Security, and Human Rights April 28, 1994 ( vom 24. Mai 2011 im Internet Archive). In: h-net.org. 9. Mai 1994, abgerufen am 24. November 2017 (englisch; Aussage vor dem US-Kongress im April 1994 Ăźber die Ăbergabe ans Bundesarchiv, mit detaillierter Chronologie seit 1945)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Lageplan. In: maps.berlin-brigade.com, abgerufen am 24. November 2017.
- â Berlin Document Center. HintergrĂźnde zu Geschichte und Hauptbeständen. In: bundesarchiv.de. Abgerufen am 23. November 2018.
- â Horst Ulrich, Uwe Prell, Ernst Luuk: Berlin Document Center (BDC). In: Berlin Handbuch. Das Lexikon der Bundeshauptstadt. FAB-Verlag, Berlin 1992, ISBN 3-927551-27-9, S. 92.
- â Discovery of Party Documents in the Josef Wirth paper mill in Freimann by 45th CIC Detachment, 20 May 1945. Weekly Counterintelligence Report #16. In: Seventh Army, Western Military District, Annex No 2, Part 4 of 8, CIC Reports/Reporting Section G-2, period 20 May-20 June 1945. NARA.
- â Ulrich Raulff: Dein digitaler Schatten. In: SĂźddeutsche Zeitung. 25. September 2004.
Koordinaten: 52° 27â˛Â 2,4âłÂ N, 13° 14â˛Â 2,8âłÂ O