Pure Earth
Pure Earth ist eine 1999 in New York unter dem Namen Blacksmith Institute gegrĂŒndete private Organisation, die Projekte zur Beseitigung von gravierenden Umweltverschmutzungen unterstĂŒtzt. Hierbei arbeiten sie eng mit Nichtregierungsorganisationen und den betroffenen Regierungen zusammen. Unter anderem stellt sie strategische, technische und auch finanzielle UnterstĂŒtzung zur VerfĂŒgung, indem sie Experten fĂŒr das jeweilige Problem ausfindig macht und Sponsoren fĂŒr die Finanzierung der AufrĂ€umarbeiten findet.
Benannt wurde das Institut nach dem englischen Wort fĂŒr Grobschmied, da dieser speziell frĂŒher in schmutzigsten Umgebungen arbeitete und dabei trotzdem nĂŒtzliche, praktische und haltbare Dinge schuf. Die NamensĂ€nderung in Pure Earth (Reine Erde), die im MĂ€rz 2015 erfolgte,[1] geschah auf Vorschlag von Dev Patel, des Hauptdarstellers in dem Film Slumdog MillionĂ€r, da er die Absicht des Institutes in zwei Worten positiv darstellen wĂŒrde.
Listen der am stÀrksten verschmutzten Orte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im November 2003 begann das Institut seine Polluted Places Initiative, um stark verunreinigte Orte in der Welt zu identifizieren. Ăber eine Online-Nominierung wurden teils noch weithin unbekannte Orte identifiziert. Diese wurden dann ĂŒberprĂŒft und Berichte erstellt. Danach wurde Kontakt mit den Regierungen, ortsansĂ€ssigen Unternehmen und örtlichen Interessenvertretern aufgenommen.
Am 18. Oktober 2006 veröffentlichte das Institut erstmals eine Liste der am meisten verschmutzten Orte. Zuvor wurden weltweit 300 Orte untersucht und daraus die zehn am stĂ€rksten verschmutzen Orte ermittelt. Die weltweite Umweltverschmutzung macht Menschen krank und ist in den in der Liste aufgefĂŒhrten Orten fĂŒr bis zu 20 Prozent aller TodesfĂ€lle verantwortlich, so kommentierte Richard Fuller, der Direktor des Instituts, seine Ergebnisse.
Es wurde entschieden, die Orte nicht in eine endgĂŒltige Rangfolge zu bringen. Es sei schlimm genug, auf der Liste der zehn meist verschmutzten Orte der Welt zu sein; man brauche nicht noch auf eine dieser StĂ€dte zu zeigen und diese zur schlimmsten zu erklĂ€ren.
Die Top 10 (in alphabetischer Anordnung, Stand 2006)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Ort, Land | Potentiell betroffene Bevölkerung | Betroffenes Medium | Schadstoffe | Verursacher | Aktuelle GegenmaĂnahmen |
|---|---|---|---|---|---|
| Dserschinsk, Russland | 300.000 | Wasser, Boden | RĂŒckstĂ€nde (Chemikalien, giftige Nebenprodukte) aus der Zeit der Chemiewaffenproduktion im Kalten Krieg, u. a. Sarin, VX, Lewisit sowie Blei | Staatliche Chemiewaffenproduktionsanlagen, Industriebetrieb | in Planung |
| Haina, Dominikanische Republik | 85.000 | Boden | Blei | Batterie-Recycling | keine |
| Kabwe, Sambia | 250.000 | Boden | Blei, Cadmium | Bergbau | Sanierungsprozess mit UnterstĂŒtzung der Weltbank begonnen |
| La Oroya, Peru | 35.000 | Luft, Boden | Blei, Kupfer, Zink, Schwefeldioxid (SO2), | Erzgewinnung und VerhĂŒttung | unbekannt |
| Linfen, Shanxi Provinz, Volksrepublik China | 3.000.000 | Luft, Wasser | Flugasche, Kohlenmonoxid (CO), Stickoxide (NOx), Schwefeldioxid (SO2), Feinstaub (PM2,5, (PM10)), FlĂŒchtige organische Verbindungen (VOCs), Arsen, Blei | Verschiedene Industriebetriebe | unbekannt |
| Mailuussuu, Kirgisistan | 23.000 | Wasser, Boden | Radioaktive UranabfĂ€lle, Schwermetalle, Cyanide | ehemalige Uranfabrik | geplant (UnterstĂŒtzung durch Weltbank) |
| Norilsk, Russland | 134.000 | Luft, Wasser, Boden | Staub, u. a. 137Cs, 90Sr, Schwefeldioxid (SO2), Stickoxide (NOx), Nickel, Kupfer, Cobalt, Blei, Selen, Phenole | Bergbau und HĂŒttenwerke | unbekannt |
| Ranipet, Indien | 3.500.000 | Wasser, Boden | GerbereiabfÀlle, u. a. Chrom-Verbindungen, Azofarbstoffe | Gerbereien | geplant |
| Rudnaja Pristan (Dalnegorsk), Russland | 90.000 | Boden | Blei, Cadmium, Quecksilber, Antimon | Bergbau | keine |
| Tschernobyl, Ukraine | ursprĂŒngl. 5,5 Mio. | Wasser, Boden | Uran, Plutonium, radioaktives Iod, 137Cs, 90Sr, und andere Metalle | Kernkraftwerk Tschernobyl | laufend |
Die Top 10 (in alphabetischer Anordnung, Stand 2007)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auch im Jahr 2007 wurde wieder eine Liste der am meisten verschmutzen Orte veröffentlicht, diesmal in Kooperation mit Green Cross Schweiz. Die Orte Haina, Mailuussuu, Ranipet und Rudnaja Pristan sind nicht mehr unter den ersten zehn.
| Ort, Land | Potentiell betroffene Bevölkerung | Betroffenes Medium | Schadstoffe | Verursacher | Aktuelle GegenmaĂnahmen |
|---|---|---|---|---|---|
| Dserschinsk, Russland | 300.000 | Wasser, Boden | RĂŒckstĂ€nde (Chemikalien, giftige Nebenprodukte) aus der Zeit der Chemiewaffenproduktion im Kalten Krieg, u. a. Sarin, VX, Lewisit sowie Blei | Staatl. Chemiewaffenproduktionsanlagen, Industriebetrieb | in Planung |
| Kabwe, Sambia | 255.000 | Boden | Blei, Cadmium | Bergbau | Sanierungsprozess mit UnterstĂŒtzung der Weltbank begonnen |
| La Oroya, Peru | 35.000 | Luft, Boden | Blei, Kupfer, Zink, Schwefeldioxid (SO2), | Erzgewinnung und VerhĂŒttung | unbekannt |
| Linfen, Shanxi Provinz, Volksrepublik China | 3.000.000 | Luft, Wasser | Flugasche, Kohlenmonoxid (CO), Stickoxide (NOx), Schwefeldioxid (SO2), Feinstaub (PM2,5, (PM10)), FlĂŒchtige organische Verbindungen (VOCs), Arsen, Blei | Verschiedene Industriebetriebe | unbekannt |
| Norilsk, Russland | 134.000 | Luft, Wasser, Boden | Staub, u. a. 137Cs, 90Sr, Schwefeldioxid (SO2), Stickoxide (NOx), Nickel, Kupfer, Cobalt, Blei, Selen, Phenole | Bergbau und HĂŒttenwerke | unbekannt |
| Sukinda, Orissa, Indien | 2.600.000 | Wasser, Boden, Luft | Chrom | Chrom-Bergbau und Verarbeitungsindustrie | keine |
| Sumqayıt, Aserbaidschan | 275.000 | Luft, Boden | Kohlenstoff, Erdöl, Schwermetalle wie Quecksilber | Verschiedene Industriebetriebe, hauptsÀchlich Erdöl | |
| Tianying, Volksrepublik China | 140.000 | Luft, Boden | Blei und weitere Schwermetalle | Bergbau und VerhĂŒttung | |
| Tschernobyl, Ukraine | ursprĂŒngl. 5,5 Mio. | Wasser, Boden | Uran, Plutonium, radioaktives Iod, 137Cs, 90Sr, und andere Metalle | Kernkraftwerk Tschernobyl | laufend |
| Vapi, Gujarat, Indien | 71.000 | Boden, Wasser, Luft | Chemikalien und Schwermetalle | Verschiedene Industriebetriebe |
2008
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]2008 verĂ€nderten das Blacksmith Institute und Green Cross Switzerland ihr System etwas. Anstatt die Aufmerksamkeit auf einige wenige Orte zu lenken, veröffentlichten sie eine etwas andere Top-Ten-Liste als in den Vorjahren: die Worldâs Worst Pollution Problems, also jene Verschmutzungsprobleme, die weltweit am meisten SchĂ€den anrichten.
ZusÀtzlich wurden weitere Listen geschaffen:
- âDie 4 am meisten ignorierten Umweltschutzproblemeâ
- âDie Top 8 jener Umweltschutzprobleme, die besonders Kinder belastenâ
- âDie Top 7 der Umweltschutzprobleme in Afrikaâ
- âDie Top 4 jener Umweltschutzprobleme, unter der zukĂŒnftige Generationen besonders leiden werdenâ
Die Top 10 (in alphabetischer Anordnung, Stand 2013)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]2013 wurde wieder eine Liste der am meisten verschmutzten Orte veröffentlicht. Erneut in Kooperation mit Green Cross Schweiz. Die Orte La Oroya, Linfen, Sukinda, Sumqayıt, Tianying und Vapi sind nicht mehr in der Top 10.
| Ort, Land | Potentiell betroffene Bevölkerung | Betroffenes Medium | Schadstoffe | Verursacher | Aktuelle GegenmaĂnahmen |
|---|---|---|---|---|---|
| Agbogbloshie in Accra, Ghana | 40.000 bis 250.000 | Luft, Wasser, Boden | Blei, Cadmium, Quecksilber | Elektronikschrottverarbeitung in Agbogbloshie | Sanierungsprozess seit 2008, Erfolge bisher jedoch nur geringfĂŒgig |
| MĂŒndungsdelta des Citarum, bei Jakarta (Java) | 500.000 direkt, 5 Mio. indirekt | Wasser, Boden | Chemikalien, darunter Blei, Cadmium, Chrom und Pestizide | ungeklĂ€rte Industrie-AbwĂ€sser der Hauptstadt | Abhilfe mit Kreditmitteln der asiatischen Entwicklungsbank begonnen |
| Dserschinsk, Russland | 300.000 | Wasser, Boden | RĂŒckstĂ€nde (Chemikalien, giftige Nebenprodukte) aus der Zeit der Chemiewaffenproduktion im Kalten Krieg, u. a. Sarin, VX, Lewisit sowie Blei | Staatl. Chemiewaffenproduktionsanlagen, Industriebetrieb | in Planung |
| HÄzÄribÄgh in Dhaka, Bangladesch | 160.000 | Wasser, Luft | Chrom | rund 250 Gerbereien | unbekannt |
| Kabwe, Sambia | 300.000 | Boden | Blei, Cadmium | Bergbau | Sanierungsprozess macht bedeutende Fortschritte |
| SĂŒd- und Zentral-Kalimantan, Borneo, Indonesien | 225.000 | Luft, Wasser | Quecksilber, Cadmium | Handwerkliche Goldgewinnung im Amalgamverfahren | Bildungsarbeit bei den GoldschĂŒrfern |
| RĂo Matanza-Riachuelo in Buenos Aires, Argentinien | 20.000 | Wasser, Boden | Schwermetalle und FlĂŒchtige organische Verbindungen, insbesondere Toluol | IndustrieabwĂ€sser, vor allem FĂ€rbereien | Sanierung mit erheblichen Kreditmitteln der Weltbank begonnen |
| Ălpest im Nigerdelta, Nigeria | unbekannt | Wasser, Boden | Erdöl und Kohlenwasserstoffe | Ălförderung | ungewiss |
| Norilsk, Russland | 134.000 | Luft, Wasser, Boden | Staub, u. a. 137Cs, 90Sr, Schwefeldioxid (SO2), Stickoxide (NOx), Nickel, Kupfer, Cobalt, Blei, Selen, Phenole | Bergbau und HĂŒttenwerke | unbekannt |
| Tschernobyl, Ukraine | ursprĂŒngl. 5,5 Mio. | Wasser, Boden | Uran, Plutonium, radioaktives Iod, 137Cs, 90Sr, und andere Metalle | Kernkraftwerk Tschernobyl | laufend |
Weltkarte der Top 10
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Legen Sie den Mauszeiger auf die Symbole, um den Namen und das Jahr des Ortes zu erfahren.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Die Seite von Pure Earth (englisch)
- Top 10 Most Polluted Places (englisch)
- Welt online, 13. September 2007: Die Liste der zehn schmutzigsten Orte der Welt
- Top Ten Threats 2013.pdf
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â pureearh.org: The Meaning of Pure Earth, and Actor Dev Patelâs Role in Our Name Change. Abgerufen am 27. September 2015.