Dirk Jora

Dirk Jora, mittlerweile unter dem KĂŒnstlernamen Diggen aktiv[1] (auch: âDickenâ, âDJ Celticâ, âSwami Assangoâ; geboren 12. Februar 1960 in Hamburg) ist ein deutscher SĂ€nger, der vor allem als Frontmann der Punkband Slime bekannt wurde, deren Mitglied er bis Mitte 2020 war. Er sang auĂerdem bei C.I.A. und Rubberslime.
Leben und Karriere
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Jora ist als Sohn eines Matrosen und einer Hausfrau mit Schlagermusik aufgewachsen. Mit 16 Jahren verlieĂ Jora das Elternhaus. Seine musikalische Sozialisation erlebte er durch Rock ânâ Roll und Bands wie Led Zeppelin und The Clash. SpĂ€ter entwickelte Dirk Jora eine Vorliebe fĂŒr skandinavischen Punk ânâ Roll von Turbonegro, Backyard Babies, The Hellacopters und Gluecifer.[2] Als Teenager radikalisierte er sich linkspolitisch zunĂ€chst beim Kommunistischen Bund[3], spĂ€ter dann in der Hamburger Hausbesetzerszene in der dortigen HafenstraĂe.[4] Er sang zunĂ€chst in der kurzlebigen Band The Kreislaufkollaps, der er jedoch rĂŒckblickend keine groĂe Bedeutung in Bezug auf seine persönliche Entwicklung als Musiker beimisst.[5][6]
1979 wurde er unter dem Namen âDickenâ Mitglied der Punkband Slime, die kurze Zeit zuvor von Gitarrist Michael âElfâ Mayer, Bassist Sven âEddieâ RĂ€ther und Schlagzeuger Peter âBallâ Wodok gegrĂŒndet wurde. Als SĂ€nger und Frontmann trĂ€gt er einen groĂen Mitverdienst an dem Erfolg der Band.[7]
Slime löste sich kurz nach der Veröffentlichung ihrer vierten Platte Live in Berlin 1984 einstweilig auf, unter anderem wegen eines gespaltenen VerhĂ€ltnisses zur Szene. So erklĂ€rte der Schlagzeuger Stephan Mahler: âUns ging der Vorwurf, kommerziell geworden zu sein, furchtbar auf die Nerven. (âŠ) Auf der anderen Seite waren wir fĂŒr andere, groĂe Teile der Punkszene die âHeldenâ. (âŠ) Wir wollten keine Helden sein und einige Leute wollten uns dazu machen. Wir sahen damals keine andere Lösung als aufzuhören.â[8] Dennoch spielte die Band in alter Besetzung weiterhin vereinzelte Konzerte. Nach der ersten Auflösung von Slime 1984 verdiente sich Dirk Jora seinen finanziellen Lebensunterhalt als Hilfsarbeiter im Ernst-Deutsch-Theater in seiner Heimatstadt Hamburg, in der Gastronomie und als Taxifahrer. WĂ€hrend seiner TĂ€tigkeit am Ernst-Deutsch-Theater gehörten verurteilte BankrĂ€uber und ehemalige Mitglieder der Roten Armee Fraktion zu seinen Arbeitskollegen.[9] 1990 kam es zu einer Reunion von Slime und es entstanden die beiden Alben Viva la Muerte und Schweineherbst. 1994 trennte sich die Band ein zweites Mal. Im Jahr 1995 schloss er sein Soziologiestudium ab.[10]
1998 grĂŒndete Jora mit seinem frĂŒheren Bandkollegen Elf die Band C.I.A. Es folgten das Album Codename Freibeuter und eine kurze Tour, danach stieg Jora aus der Band aus und C.I.A. löste sich auf.[11] C.I.A. veröffentlichte auĂerdem in Zusammenarbeit mit Axel Kurth von der Band WIZO und Bela B. eine Coverversion von Rio Reisers Lied König von Deutschland.
2003 grĂŒndete sich aus ehemaligen Mitgliedern der Bands Slime und Rubbermaids die Band Rubberslime. Anlass fĂŒr die GrĂŒndung dieser Supergroup war ein SolidaritĂ€tskonzert fĂŒr den FC St. Pauli. FĂŒr den Verein schrieb die Band auch den Song Viva St. Pauli. Jora trat nun in Anlehnung an seinen Lieblingsverein Celtic Glasgow unter dem Namen DJ Celtic auf und trug auch oftmals das Trikot des Clubs. Es entstanden die Alben First Attack (2004) und RockânâRoll Genossen (2005). 2005 trennte sich die Band aus persönlichen GrĂŒnden von Jora.
2007 machte Jora nach eigenen Angaben eine Weiterbildung zum Ăbersetzer fĂŒr Wirtschaftsenglisch.[12]
2008 wirkte Jora als Interviewpartner in dem Punkfilm Chaostage â We Are Punks! (Regie: Tarek Ehlail) mit. Auch alte Hits von Slime fanden ihre Platzierung im Kinofilm.

2017 nahm Dirk Jora zusammen mit der Punk-Rock-Band Swiss und die Andern den Song Wir gegen die auf, fĂŒr den ein schwarzweiĂes Musikvideo gedreht wurde, in dem das Punk-Trio Wizo einen Gastauftritt hat. Daraus entstand eine langfristige Zusammenarbeit zwischen Jora und Swiss und die Andern.
Ab 2010 waren Jora und Elf mit neuen Bandmitgliedern erneut als Slime musikalisch aktiv und traten regelmĂ€Ăig auf verschiedenen BĂŒhnen auf. Ende Juli 2020 gab Jora den Ausstieg aus der Band bekannt. In einem persönlichen Statement verwies Jora auf âunĂŒberbrĂŒckbare interne Problemeâ und sprach unter anderem von Differenzen bei der praktischen Umsetzung von Texten des letzten Slime-Albums sowie bei der Frage, wie die Band mit Crew- und Band-Mitgliedern umgehen sollte.[13] Seiner Meinung nach hĂ€tte die Punk-Band Slime nach seinem Ausstieg ihren Bandnamen modifizieren oder sich umbenennen mĂŒssen, etwa in Slime 2.0.[14]
Sonstiges
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als es bei einem Konzert in den Berliner Pankehallen 1984 zu einer Auseinandersetzung mit Rechtsextremen kam, schrie Jora in einer berĂŒhmt gewordenen Ansage: âPasst auf, ihr ScheiĂer - ja? Uns ist das völlig egal, ob jemand aus Berlin kommt, aus Hamburg oder sonst woher. Ist uns völlig scheiĂegal, verstehst du? ScheiĂegal, ob jemand schwarz ist oder weiĂ, scheiĂegal, ob jemand TĂŒrke ist oder Deutscher, scheiĂegal! Versteht ihr mich, ihr Wichser? Ja? Und all die Leute haben Bock drauf, dass wir spielen. Und ihr kleiner ScheiĂhaufen werdet dieses Konzert nicht in' Arsch machen, sonst gibt es auf die Fresse, so satt und lang, wie ihr noch nie in eurem Leben auf die Fresse gekriegt habt! Klar, oder was?â[15][16]
Diskografie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Chartplatzierungen ErklÀrung der Daten | ||||||||||||
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Mit Slime
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- siehe Slime (Band)#Diskografie
Mit C.I.A.
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1998: Codename Freibeuter (Noise Records)
Mit Rubberslime
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- siehe Rubberslime#Diskografie
GastbeitrÀge
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1987: Goldene Zitronen â FĂŒr immer Punk auf Porsche, Genscher, Hallo HSV
- 1988: The Legendary Nice Boys â My Youngest Son auf Hamburg â88 (Sampler)
- 2012: Deichkind â Die rote Kiste auf Befehl von ganz unten
- 2014: Die Mimmis â All Cooks Are Bastards auf Fun Punks Not Dead
- 2017: Antilopen Gang â 110 auf Atombombe auf Deutschland
- 2017: Swiss und die Andern â Wir gegen die auf Wir Gegen Die (EP)
- 2021: Swiss und die Andern â Was geht die ScheiĂe dich an auf Orphan
- 2021: Swiss und die Andern - Keine Gewalt und Plenum auf Keine Gewalt/Plenum
Medien
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- DIGGEN! Mehrteilige Interview-Serie. MissglĂŒckte Welt, 2023. Online verfĂŒgbar
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â SWISS x DIGGEN x DIE ANDERN x NOCH NICHT KAPUTT (Official Video 4K). Abgerufen am 8. Oktober 2021 (deutsch).
- â Podcast "Und dann kam Punk": Folge 98 Interview mit Dirk "Diggen" Jora von Christopher & Jobst, 2:42 Stunden auf www.spotify.com (Spotify), 3. Januar 2023. Ab Stunde 1:20:00 zĂ€hlt SĂ€nger Dirk "Diggen" Jora diverse Rockbands auf, die ihn musikalisch beeinflussten.
- â DIGGEN! - Das Leben von Dirk Jora zwischen FuĂball, Anarchie und Punk - Trailer. Abgerufen am 8. MĂ€rz 2023 (deutsch).
- â Podcast "Und dann kam Punk": Folge 98 Interview mit Dirk "Diggen" Jora von Christopher & Jobst, 2:42 Stunden auf www.spotify.com (Spotify), 3. Januar 2023
- â Daniel Ryser: Slime - Deutschland muss sterben. Wilhelm Heyne Verlag, MĂŒnchen.
- â Podcast "Und dann kam Punk": Folge 98 Interview mit Dirk "Diggen" Jora von Christopher & Jobst, 2:42 Stunden auf www.spotify.com (Spotify), 3. Januar 2023
- â Der Freitag: Faust hoch!
- â Slime: Bandgeschichte ( des vom 11. Dezember 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
- â Podcast "Und dann kam Punk": Folge 98 Interview mit Dirk "Diggen" Jora von Christopher & Jobst, 2:42 Stunden auf www.spotify.com (Spotify), 3. Januar 2023. Ab Stunde 1:29:00 erzĂ€hlt Dirk "Diggen" Jora von beruflichen NebentĂ€tigkeiten.
- â Clemens Gerlach: Der Traum ist aus. In: Die Tageszeitung: taz. 4. Januar 1996, ISSN 0931-9085, S. 1004 (taz.de [abgerufen am 8. MĂ€rz 2023]).
- â Slime: Kurzbio Dirk ( des vom 14. Oktober 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
- â Sven Sakowitz: »Ich habe alles verballert!« Abgerufen am 8. MĂ€rz 2023.
- â SLIME: Diggen ist raus â geht es weiter? Ox-Fanzine, 30. Juli 2020, abgerufen am 30. Juli 2020.
- â Podcast "Und dann kam Punk": Folge 98 Interview mit Dirk "Diggen" Jora von Christopher & Jobst, 2:42 Stunden auf www.spotify.com (Spotify), 3. Januar 2023. Ab Stunde 1:54:50 schildert Jora den Hergang seines Ausstiegs bei Slime.
- â Michael Saager: Action und Arbeiterklasse. In: Die Tageszeitung (taz.de). 4. April 2013, abgerufen am 25. Juli 2025.
- â Ansage auf YouTube, 26. November 2015, abgerufen am 25. Juli 2025 (Live Pankehallen 21.01.1984).
- â Chartquellen: DE
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Jora, Dirk |
| ALTERNATIVNAMEN | Dicken; Diggen; DJ Celtic; Swami Assango |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher PunksÀnger |
| GEBURTSDATUM | 12. Februar 1960 |
| GEBURTSORT | Hamburg |