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Dompropstei Magdeburg

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Dompropstei (rechts), auf einem Holzschnitt von 1552, Blick von Westen, (links die Nikolaikirche)

Die Dompropstei Magdeburg war die Dompropstei des Domkapitels Magdeburg am Magdeburger Dom im Erzbistum Magdeburg.

AnsÀssig war die Dompropstei in der Magdeburger Altstadt im nördlichen Teil der Westseite des Domplatzes an der Adresse Domplatz 10.

Dem Dompropst oblag die Leitung des Domkapitels und somit die Verwaltung des großen Grundbesitzes des Kapitels. Schon 1325 wurden allerdings vom Kapitel Prokuratoren eingesetzt, die sowohl die Verwaltung als auch die Einnahme der EinkĂŒnfte ĂŒbernahmen. Der Propst verlor diese Aufgabe völlig. Letztlich gingen fĂŒr ihn Sitz und Stimme im Domkapitel verloren. Zugleich wurde jedoch ein großes Propsteivermögen ausgegliedert, das der eigenen Verwaltung oblag. Der Dompropst setze hierfĂŒr Vögte ein. Zur Propstei gehörten unter anderem landwirtschaftliche FlĂ€chen in Stadtfeld, Lemsdorf und Cracau sowie Viehweiden in Rothensee.

DarĂŒber hinaus hatte der Dompropst den jeweiligen Erzbischof in Fragen der Verwaltung der Diözese zu unterstĂŒtzen. Außerdem war er als Archidiakon fĂŒr die Stadt Magdeburg zustĂ€ndig und hatte somit jurisdiktionelle Funktionen. Diese wurden allerdings im SpĂ€tmittelalter dann bereits zu grĂ¶ĂŸeren Teilen von anderen FunktionstrĂ€gern, wie Generalvikaren und Offizialen ĂŒbernommen. Im 18. Jahrhundert war die Verwaltung des Erzbistums an den Domdechanten ĂŒbergegangen.[1]

Mit dem Amtsantritt von Prinz Heinrich von Preußen als Dompropst ĂŒbertrug König Friedrich Wilhelm I. die BesitztĂŒmer der Propstei der Kriegs- und DomĂ€nenkammer Magdeburg zur Verwaltung. 1737 wurde die Verwaltung dann jedoch einer eigenen Kammer des Prinzen in Königs Wusterhausen ĂŒbertragen. FĂŒr diese war vor Ort ein Kammerrat tĂ€tig, der fĂŒr Gerichtssachen von einem Justitiar unterstĂŒtzt wurde. Rechtsmittel gegen Entscheidungen des Dompropsteigerichts wurden von der Regierung in Magdeburg und in Kammerangelegenheiten von der prinzlichen Kammer bearbeitet.[2]

Entstanden ist die Dompropstei wohl mit der GrĂŒndung des Erzstifts im Jahr 968, eine erste urkundliche ErwĂ€hnung liegt aus dem Jahr 1179 vor. Vermutlich befand sich bereits im 10. Jahrhundert der Sitz der Propstei am nordwestlichen Teil des Domplatzes. Es wird angenommen, dass das Areal in der Zeit der Ottonen einen noch ausschließlich landwirtschaftlichen Charakter hatte. Es bestanden mehrere Wirtschaftshöfe, NebengebĂ€ude und ein Haupthaus. Zum Domplatz hin bestand ein Zaun. Noch im Jahr 1690 wurden StĂ€lle, Scheunen, Kornböden und Ă€hnliches genannt. Die Ausdehnung des GrundstĂŒcks war, der WĂŒrde der Pröpste Rechnung tragend, weitlĂ€ufig. Es umfasste weitgehend die ganze Westseite des Domplatzes und umfasste im Norden auch das GrundstĂŒck der heutigen GrĂŒnen Zitadelle. Im SĂŒden reichte das GrundstĂŒck bis sĂŒdlich der Breiten Straße, nach Westen bis zum Breiten Weg. Erzbischof Burkhard III. ĂŒbereignete einen Teil des Wirtschaftshofes im Jahr 1310, mit Zustimmung des Domkapitels und des Propstes, an das Nicolaistift, das hier die Nicolaikirche errichtete. 1497 erhielt das Domkapitel ein neben der Propstei gelegenes, wĂŒstes, zuvor mit einer Schmiede bebautes GrundstĂŒck.

Ein erstes PropsteigebĂ€ude wurde vermutlich beim Stadtbrand des Jahres 1207 zerstört. Es folgte wohl noch in der ersten HĂ€lfte des 13. Jahrhunderts der Neubau eines grĂ¶ĂŸeren aus Stein errichteten Hauses. Der Hof der PrĂ€positur umfasste auch die Kapelle der Heiligen Madelberta und der Heiligen Elisabeth, die zwischen 1363 und 1385 von Propst Hermann von Werberg gebaut worden war. Ob das Herrenhaus der Propstei zunĂ€chst zum Breiten Weg oder zum Domplatz ausgerichtet war, ist unsicher. 1486 war das Haus baufĂ€llig, so dass eine Erneuerung nötig wurde. Im Jahr 1361 waren insgesamt 21 Dörfer gegenĂŒber der Dompropstei zinspflichtig.

Neubau bis 1518

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Zwischen 1486 und 1518 wurde die Propstei neu errichtet, wobei das Herrenhaus zumindest nunmehr seine Frontseite zum Domplatz ausrichtete.[3] Begonnen wurde der Neubau mit einer Grundsteinlegung im Jahr 1486 unter Propst Melchior von Meckau, dann jedoch bereits ab 1487 von Adolf von Anhalt weitergefĂŒhrt und letztlich 1518 von Propst Magnus von Anhalt abgeschlossen.

Von der Fertigstellung und Ausstattung der Propstei kĂŒndeten Inschriften aus den Jahren 1517 und 1518, die an den Giebeln der Propstei angebracht waren. Oberhalb des Portals befand sich in der Überwölbung ein Quaderstein, der vom VorgĂ€ngerbau stammte und eine Bauinschrift trug, die jedoch nicht ĂŒberliefert ist.[4]

Diese PrĂ€positur war ein verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig kleiner PrĂ€latensitz. Das GebĂ€ude nahm den grĂ¶ĂŸten Teil der Westseite des Domplatzes ein und war Teil eines rechteckig angelegten Wirtschaftshofes. Das HauptgebĂ€ude befand sich im Bereich der spĂ€ter entstandenen Breiten Straße. Es bestand ein steinerner, in Teilen mit Rippengewölben versehener Unterbau im Stil der SpĂ€tgotik. Der obere Teil war in Fachwerkbauweise erstellt und kragte vermutlich vor. Wie es auch bei BĂŒrgerhĂ€usern der Zeit ĂŒblich war, war die Fassade bunt bemalt. Die ĂŒberlieferte Fertigungsinschrift verwies auf angebrachte Malereien, die von Magnus von Anhalt in Auftrag gegeben worden waren.[5] Im Erdgeschoss befand sich eine Hofstube mit getĂ€felter Decke. Im oberen Geschoss befanden sich das Herrengemach, die bunte Stube und weitere RĂ€ume. Es bestanden farbige hölzerne TĂ€felungen sowie Deckenmalereien. Auf der Nordseite des Wirtschaftshofes lagen die Kustodie sowie das Kornschreiberhaus und zwei weitere NebengebĂ€ude. Zum Breiten Weg hin befand sich das Brauhaus. Zum Anwesen fĂŒhrten zwei in massiver Bauweise errichtete EingĂ€nge, die jeweils mit Wappen verziert waren. Der Eingang zum Gehöft war mit behauenen KeilstĂŒcken, steinernen BĂ€nken und dem Wappen des Propstes Melchior von Meckau versehen. Der andere Eingang fĂŒhrte direkt zum Herrenhaus und zeigte das Wappen des Propstes Magnus von Anhalt

Die ab 1585 amtierenden Pröpste aus anderen Regionen Deutschlands werden hÀufig nicht in der Dompropstei anwesend gewesen sein. Die eigentlichen DienstgeschÀfte oblagen einem Kammerrat, der in der Dompropstei auch eine Dienstwohnung hatte. In der Mitte des 17. Jahrhunderts befand sich stadteinwÀrts das WohngebÀude des propsteilichen Prokurators. Dieses Haus erwarb im Jahr 1712 Herzog Heinrich, 1715 gehörte es dem propsteilichen Oberamtmann Johann Friedrich Schwarz.

Bei der Zerstörung Magdeburgs im Jahr 1631 blieb die Propstei in Teile erhalten. Der obere in Fachwerkbauweise errichtete Teil brannte ab, die massiven Bauteile blieben jedoch erhalten. Zerstört wurden auch viele der NebengebĂ€ude und wohl auch eine Andreaskapelle, die sich auf der SĂŒdseite der Nikolaikirche befand. Die Brandlinie verlief unmittelbar ĂŒber das GelĂ€nde der Propstei. UrsĂ€chlich soll ein Eingreifen Tillys gewesen sein, der seine Soldaten und zusammengetriebene Magdeburger BĂŒrger zum Feuerlöschen bei den HĂ€usern des Domplatzes aufbrachte, um so den Magdeburger Dom zu retten. In einem NebengebĂ€ude zum Breiten Weg hin befand sich wĂ€hrend der Belagerung von 1631 eine BĂ€ckerei, im Haus daneben eine Brauerei. Nach der Zerstörung der Stadt wurde hier zuerst wieder gebacken und gebraut.[6]

Zwischen 1652 und 1661 wurden die SchÀden an der Propstei unter Propst Franz, Herzog von Lothringen, ausgebessert.

Ehemalige Dompropstei im Jahr 1830
Garnisonslazarett, vermutlich in den 1880er Jahren

Ab MĂ€rz 1706 ließ Propst Herzog Heinrich von Sachsen-Barby die baufĂ€llige PrĂ€positur abreißen und trat den sĂŒdlichsten Teil des PropsteigrundstĂŒcks im Rahmen eines Tauschs mit dem GrundstĂŒck Breiter Weg 1/2 an den König ab. Der Abriss betraf auch die Propsteikapelle. Bis 1713 entstanden an gleicher Stelle neue GebĂ€ude, darunter auch ein palastartig angelegtes zweigeschossiges Herrenhaus. Dabei wurden die Giebel der VorgĂ€ngerbebauung weiter genutzt.[5] Der Neubau begann bereits 1706. Die Fassade des Hauses war elfachsig ausgebildet. Die mittleren drei Achsen waren in einem erhöhten Mittelrisaliten zusammengefasst, der ĂŒber eine breite Attika verfĂŒgte. Als Verzierungen befanden sich an den Ecken und am Risaliten genutete Lisenen sowie am Hauptgeschoss Pilaster. Die Fensterverdachungen bestanden aus geraden StĂŒrzen, nur im Bereich des Mittelrisaliten bestanden zwei kleine Dreiecksgiebel und ein Segmentbogen. Das mittig angeordnete Eingangsportal befand sich unterhalb eines schlichten, vorgelagerten SĂ€ulenvorbaus mit zwei ionischen SĂ€ulen, der im Obergeschoss einen Balkon bildete. Bedeckt war der Bau von einem gebrochenen Walmdach, dessen Höhe in etwa der eines der Hauptgeschosse entsprach. Auf dem Dach befanden sich mehrere Gauben und vier breite Schornsteine, deren Anordnung der der vier Vasen auf der Mittelvorlage entsprach. Zum Domplatz nach Osten und zur Breiten Straße nach SĂŒden befand sich eine Mauer die in Verbindung zu den NebengebĂ€uden den Hofraum der Dompropstei umschloss. Die Mauer reichte bis zum oberen Gesims des Erdgeschosses. An ihr war die Fenstergliederung des Hauses mit Blendrahmen nachgebildet.[7] Architekt des Hauses war Hauptmann C. Gerlach, der zumindest bis Februar 1707 tĂ€tig war. Seine PlĂ€ne sollen auf Skizzen des Weißenfelder und Barbyer Baumeister Christoph Pitzler zurĂŒckgehen. AuffĂ€llig ist die Ähnlichkeit des Vorbaus mit dem der Portalhalle des Barbyer Schlosses. Im Auftrag von Gerlach ĂŒbernahm dann Oberstleutnant von Börstell die Bauleitung. Im Oktober 1707 wurde bereits Steinmetz Johann Georg Trippel fĂŒr die Vasen auf dem Hauptgesims bezahlt. Zu diesem Zeitpunkt dĂŒrfte der Rohbau weitgehend fertiggestellt gewesen sein. Zu den Baumeistern gehörte Giovanni Simonetti, auf den auch ĂŒppige Stuckverzierungen an den Zimmerdecken zurĂŒckgingen. Er ĂŒbernahm ab Mai 1708 die Bauleitung und war auch als Stukkateur tĂ€tig. Seine TĂ€tigkeit erstreckte sich bis 1712. Im Jahr 1713 war der Bau fertiggestellt. Weitere Stuckateure waren Sebastian Perlascha, Johann Friedrich Schmitt, Antoni Taliatta und Johann Dietrich Sommer. Die im Haus 1709 bis 1711 angelegte Treppe war ein Werk des Holzbildhauers Francisco Charton.[8] Als Maurermeister war Eilwert, als Zimmermeister Johann Christoph Schmidt und als Bauaufsicht Andreas Heintze tĂ€tig. Bei spĂ€teren Reparaturen im Jahr 1726 wirkte Charton als Bauverwalter.[9] Weitere besondere Ausstattungselemente waren Kamine, vergoldete TĂŒren, goldene Spiegelrahmen und grĂŒngoldene Fensterbekleidungen.

König Friedrich Wilhelm I. beschlagnahmte nach dem Tod von Propst Heinrich von Sachsen die Propstei und sĂ€mtliche zugehörigen GrundstĂŒcke. Er machte die Dompropstei zu einem Apanagegut fĂŒr Prinzen seines Hauses. Insgesamt betrugen die EinkĂŒnfte der PrĂ€positur 15.000 Taler. Ab 1728 wurden so nur noch preußische Prinzen Dompröpste in Magdeburg. Im Haus wurden im 18. Jahrhundert nun auch hĂ€ufig fĂŒrstliche Besucher Magdeburgs untergebracht, so auch Friedrich II., Mitglieder des preußischen Königshauses, Verwandte des Herzogs Ferdinand von Braunschweig und der Erbstatthalter von Oranien, Herzog Franz Stephan von Lothringen. Zuletzt lebte ab 1795 Prinz Louis Ferdinand, zunĂ€chst als Chef des Infanterieregiments Nr. 20 ab 1802 dann als Propst, im Haus und gab auch viel beachtete Feste. 1743 wurde das Haus gelb gestrichen, so dass es farblich den anderen HĂ€usern am Domplatz entsprach.[10]

Nutzung als Lazarett

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Demonstration auf dem Domplatz im Jahr 1925, im Hintergrund die ehemalige Dompropstei

Nach der französischen Besetzung Magdeburgs ordnete der französische Lazarettdirektor Dukastell am 18. November 1806 die RĂ€umung der gesamten Propstei an. Die Möbel des verstorbenen Prinzen wurden im Rittersaal des hinter dem Dom gelegenen Kapitelhaus des Domkapitels am heutigen Remtergang eingelagert und dann spĂ€ter versteigert. Die Propstei wurde dann als MilitĂ€rlazarett genutzt. Es fanden zahlreiche Umbauten statt. So entstanden ein Apothekerraum, Badezimmer, eine Leichenkammer und weitere LazarettrĂ€umlichkeiten. Das GebĂ€ude wurde dadurch deutlich verĂ€ndert und verlor so viel von seiner Pracht. Das schon 1631 als BĂ€ckerei bestehende NebengebĂ€ude erhielt zum Breiten Weg hin Fenster. 1810 wurde die Dompropstei auch formal aufgehoben. Nach Ende der französischen Besatzung und des Königreichs Westphalen ging das Objekt in den Besitz des preußischen Staats ĂŒber. Die Nutzung als Lazarett wurde, dann durch preußisches MilitĂ€r, fortgesetzt. 1846 fand ein weitgehender Umbau inklusive Aufstockung eines zweiten Obergeschosses und eines Mezzanin statt, um so weitere RĂ€umlichkeiten zu schaffen. Zum Breiten Weg hin wurde ein bereits 1835 entworfener neuer FlĂŒgel errichtet, dessen Fassade in einem krĂ€ftigen Rustikastil gestaltet war. Die Umbauten im Inneren beruhten auf PlĂ€nen aus dem Jahr 1839. Der König benannte als oberen beratenden Architekten Karl Friedrich Schinkel, wie weit er jedoch tatsĂ€chlich eingriff ist unklar. Die Umbauten waren tiefgreifend, so wurden Stuckarbeiten von Giovanni Simonetti und auch die Treppe Chartons entfernt. Die Enfiladen der ehemaligen FĂŒrstengemĂ€cher wurden durchbrochen, um breite Flure anzulegen.[11]

Ab 1881 trug das Haus die Bezeichnung Garnisonlazarett. Als Lazarett war es letztlich bis 1920 in Nutzung.

Nutzung nach 1920

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Blick vom Domplatz auf den Bereich der ehemaligen Dompropstei im Jahr 1927

1923 fanden erneute Umbauten statt, um im GebĂ€ude die Wasserstraßendirektion und das Kanalbauamt unterzubringen. Ab 1925 befand sich im Haus die Elbstrombauverwaltung. SpĂ€ter saß im GebĂ€ude noch das OberfinanzprĂ€sidium sowie das Wasserstraßenamt II. Bis 1928 war noch die historische GrundstĂŒckseinfriedung aus der Zeit der Neuerrichtung des Hauses ab 1706 erhalten.

Am 16. Dezember 1936 erfolgte ein Eigentumswechsel von der Reichsschatzverwaltung hin zur Reichsfinanzverwaltung des Deutschen Reichs. 1939 befand sich im GebĂ€udeflĂŒgel am Breiten Weg die Zoll-Lehranstalt.[12]

WĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs wurde das Haus 1945 zerstört. In der Zeit der DDR entstand ab 1962, nach einem Entwurf des VEB Hochbauprojektierung und des Stadtbauamtes Magdeburg, ein fĂŒnfgeschossiger Appartementblock in Plattenbauweise.[13] Der 150 Meter lange Bau nahm in seinem nördlichen Teil auch den Bereich des ehemaligen Zeughauses ein. Nach der friedlichen Revolution des Jahres 1989 wurde der Bau letztlich abgerissen und durch einen modernen BĂŒrobau ersetzt, in dem sich die Magdeburger Filiale der Nord LB befindet. Der Bau war von der Architektin Julia Bolles-Wilson aus MĂŒnster entworfen worden. Seine Fassaden bestehen aus Quarzit-Natursteinplatten, Glas und Metall. Die Fensterteilung soll an schmale Barockfenster erinnern.[14] Zuvor fanden 2003 Ausgrabungen statt, bei denen Reste eines WirtschaftsgebĂ€udes und das Hofpflaster gefunden worden.[4]

FĂŒr die GebĂ€ude der Dompropstei sind mehrere historische Inschriften belegt.

Über dem Eingang des ab 1486 entstandenen dritten PropsteigebĂ€udes befand sich ein Wappenstein des Propstes Melchior von Meckau mit der Jahreszahl 1486. Das Wappen zeigte drei charakteristische schaufelförmige Gebilde. Beim Abriss des Hauses im Jahr 1706 wurde der Stein abgenommen. Über den weiteren Verbleib fehlen jedoch Nachrichten.[4]

An einem auf dem Hof befindlichen, nach Osten weisenden Giebel befand sich nach dem bis 1517 erfolgten Neubau die lateinische Inschrift in gotischen Minuskeln:

Structura noua deo duce illustris pr/incipis et d(omi)ni d(omi)ni magni in anhalt
pri(n)cipis comit(is) Ascanie et d(omi)ni in bern
burg preside(n)s hui(us) emi(nentis) ecc(lesi)e sub anno
M ccccc xvii° die martis ultima martij
su(m)mo satori laus beneplacens .
Der Neubau unter Gottes FĂŒhrung von dem vornehmen FĂŒrsten und Herrn, Herrn Magnus, FĂŒrsten von Anhalt, Grafen von Askanien und Herren in Bernburg, dem Vorsteher dieser hervorragenden Kirche im Jahr 1517, am Dienstag, dem letzten Tag des MĂ€rz - dem höchsten Schöpfer wohlgefĂ€lliges Lob. 

[5]

An einem Nordgiebel, in dem sich eine vom Breiten Weg aus erreichbare TĂŒr befand, stand die Inschrift:

Depinxit me illustris pri(n)ceps et d(omi)n(u)s d(omi)n(u)s magnus pri(n)
ceps in anhalt ascanie comes et d(omi)n(u)s in bernburg assum
pta ab altis cautio(n)e sub anno d(omi)ni millesimo quingent
esimo decimo octavo presidenti anno anteriori par
te perfecta hoc quod cernis opus consu(m)mando
ad laudem sacre legionis illibate virginis et
matris maximiq(ue) dei .
Mich malte der berĂŒhmte FĂŒrst und Herr, Herr Magnus, FĂŒrst von Anhalt, Graf von Askanien und Herr von Bernburg, unter Aufwendung hoher BĂŒrgschaften im Jahr des Herren 1518, nachdem im vorhergehenden Jahr dieser vordere Teil fertiggestellt wurde, zur Vollendung dieses Werkes, das du betrachtest, zum Lob der Heiligen Legion, der unversehrten Jungfrau und Mutter und des grĂ¶ĂŸten Gottes. 

[5]

An einem kleineren GebĂ€ude stand der Name magnus, wobei jede Letter in einen gesonderten Stein gehauen war. Zu einem nicht bekannten Zeitpunkt gingen die Steine verloren. Außerdem bestand eine Darstellung eines Wappens des Magnus von Anhalt. DarĂŒber hinaus gab es in Stein gehauene fĂŒrstlich anhaltinische Wappen ĂŒber den EingĂ€ngen zur Propstei und des Hofs.[15] Nach Norden an einem NebengebĂ€ude waren die Wappen der Dompröpste Joachim Friedrich, Herzog von Liegnitz und Eitel Friedrich von Hohenzollern vermauert,[16] die auch noch Anfang des 19. Jahrhunderts vorhanden waren. Der Wappenstein Eitel Friedrich von Hohenzollerns trug, geteilt durch das Oberwappen, die Inschrift ANNO 1621. Er befand sich zunĂ€chst am Bau von 1518, wurde dann jedoch auch beim Neubau wieder angebracht.[17]

Liste der Dompröpste

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Die Dompröpste waren die höchsten Dignitare des Domkapitels und wurden vom Kapitel gewĂ€hlt. Allerdings war dieses Wahlrecht umstritten und wurde letztlich im SpĂ€tmittelalter pĂ€pstlicherseits unterbunden, so dass dann Kandidaten des Papstes eingesetzt wurden. Auch nach EinfĂŒhrung der Reformation in Magdeburg im Jahr 1524 blieben die Dompröpste zunĂ€chst katholisch. 1661 setzte sich das evangelische gewordene Domkapitel dann auf Veranlassung des Administrators August von Sachsen ĂŒber die pĂ€pstlichen Rechte hinweg und setzte Augusts Sohn, der ebenfalls August hieß, als Propst ein. Auf ihn folgte sein Bruder Heinrich. Nachdem 1711 erstmals ein Prinz der Hohenzollern Propst wurde, war das Amt ab 1728 Apanage fĂŒr jĂŒngere Prinzen des Hauses, so dass das Domkapitel sein Wahlrecht wieder verloren hatte. Der letzte Dompropst war Prinz Louis-Ferdinand von Preußen. Er fiel 1806. Nach ihm wurde die DignitĂ€t nicht mehr verliehen und 1810 letztlich aufgehoben.[2]

Folgende Personen waren Dompröpste:[18]

Von 1806 bis 1810 war das Amt vakant und wurde dann aufgehoben.

  • Gottfried Wentz, Berent Schwineköper: Das Domstift St. Moritz in Magdeburg. In: Das Erzbistum Magdeburg. Band 1. De Gruyter, Berlin 1972 (uni-goettingen.de).
  • Ernst Neubauer: HĂ€userbuch der Stadt Magdeburg. Teil II. Max Niemeyer Verlag, Halle (Saale) 1956, S. 41 ff.
  • Thomas Rastig, Hans Fuhrmann, Andreas Dietmann, Cornelia Neustadt: Die Inschriften der Stadt Magdeburg. Dr. Ludwig Reichert Verlag, Wiesbaden 2020, ISBN 978-3-7520-0020-7, S. 202 f.
  • Sabine Ullrich: Die Geschichte des Magdeburger Domplatzes. Stadtplanungsamt Magdeburg 2001, S. 93 ff.

Einzelnachweise

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  1. ↑ Sabine Ullrich, Die Geschichte des Magdeburger Domplatzes, Stadtplanungsamt Magdeburg 2001, S. 94.
  2. 1 2 A 3e Domkapitel zu Magdeburg. Dompropstei, 1170-1855 (Bestand) auf recherche.landesarchiv.sachsen-anhalt.de
  3. ↑ Ernst Neubauer: HĂ€userbuch der Stadt Magdeburg Teil II, Max Niemeyer Verlag, Halle (Saale) 1956, S. 42.
  4. 1 2 3 Thomas Rastig, Hans Fuhrmann, Andreas Dietmann, Cornelia Neustadt, Die Inschriften der Stadt Magdeburg, Dr. Ludwig Reichert Verlag Wiesbaden 2020, ISBN 978-3-7520-0020-7, S. 202.
  5. 1 2 3 4 Thomas Rastig, Hans Fuhrmann, Andreas Dietmann, Cornelia Neustadt, Die Inschriften der Stadt Magdeburg, Dr. Ludwig Reichert Verlag Wiesbaden 2020, ISBN 978-3-7520-0020-7, S. 266.
  6. ↑ Gustav Hertel, Geschichte des Domplatzes in Magdeburger GeschichtsblĂ€tter, 38. Jahrgang, 1903, S. 275.
  7. ↑ Alfred Hentzen: Magdeburger Barockarchitektur. Dessau 1927, S. 33.
  8. ↑ Alfred Hentzen: Magdeburger Barockarchitektur. Dessau 1927, S. 34.
  9. ↑ Alfred Hentzen: Magdeburger Barockarchitektur. Dessau 1927, S. 89.
  10. ↑ Gustav Hertel, Geschichte des Domplatzes in Magdeburger GeschichtsblĂ€tter, 38. Jahrgang, 1903, S. 278.
  11. ↑ Sabine Ullrich, Die Geschichte des Magdeburger Domplatzes, Stadtplanungsamt Magdeburg 2001, S. 95.
  12. ↑ Guido Skirlo: Der Breite Weg – ein verlorenes Stadtbild. Landeshauptstadt Magdeburg, Stadtplanungsamt, 2005, S. 69.
  13. ↑ Sabine Ullrich, Die Geschichte des Magdeburger Domplatzes, Stadtplanungsamt Magdeburg 2001, S. 42.
  14. ↑ Sabine Ullrich, Die Geschichte des Magdeburger Domplatzes, Stadtplanungsamt Magdeburg 2001, S. 99.
  15. ↑ Thomas Rastig, Hans Fuhrmann, Andreas Dietmann, Cornelia Neustadt, Die Inschriften der Stadt Magdeburg, Dr. Ludwig Reichert Verlag Wiesbaden 2020, ISBN 978-3-7520-0020-7, S. 266 f.
  16. ↑ Gustav Hertel, Geschichte des Domplatzes in Magdeburger GeschichtsblĂ€tter, 38. Jahrgang, 1903, S. 274 f.
  17. ↑ Thomas Rastig, Hans Fuhrmann, Andreas Dietmann, Cornelia Neustadt, Die Inschriften der Stadt Magdeburg, Dr. Ludwig Reichert Verlag Wiesbaden 2020, ISBN 978-3-7520-0020-7, S. 500 f.
  18. ↑ Gustav Hertel, Die Dompröpste und Domdechanten von Magdeburg wĂ€hrend des Mittelalters. in Magdeburger GeschichtsblĂ€tter, 24. Jahrgang, 1889, S. 193 ff.

Koordinaten: 52° 7â€Č 34,3″ N, 11° 38â€Č 1,3″ O