ErbsÀlzer


Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die erste urkundliche ErwĂ€hnung der ErbsĂ€lzer stammt aus dem Jahr 1246, als Erzbischof Conrad von Köln die besonderen Privilegien der Werler SĂ€lzer bestĂ€tigte. Ăber die Jahrhunderte waren insgesamt ca. 44 Familien Mitglieder der ErbsĂ€lzer, u. a. auch die Familien Reuteken, Blesse und Dunker. Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts schrumpfte die Anzahl der siedeberechtigten Familien auf acht:
- Benditt (bis 1789)
- Bock (bis 1611)
- Brandis (Zelion genannt Brandis) (bis 1870)
- Crispen (bis 1718)
- Klingenberg genannt Schöler (bis 1776)
- Lilien
- Mellin (bis 1837)
- Papen
Sie hatten das erbliche Recht der alleinigen Salzgewinnung in der Stadt. Die Erblichkeit des Siederechts galt nur fĂŒr katholische, mĂ€nnliche eheliche Nachkommen mit Wohnsitz in Werl, die Residenzpflicht ist spĂ€ter weggefallen. Die Reichsadelsstandsanerkennung erhielten die ErbsĂ€lzer 1708 durch Kaiser Josef I. aufgrund einer Urkunde des Königs Sigismund aus dem Jahre 1432. Nach lĂ€ngeren Querelen zwischen den ErbsĂ€lzern und den anderen Ratsmitgliedern ordnete Erzbischof Hermann IV. 1485 an, dass die SĂ€lzer die HĂ€lfte aller Ratssitze bekommen sollten. So erlangten die SĂ€lzer ein politisches Ăbergewicht in der Stadt. Schon 1382 hatte der Landesherr in die Ratswahlordnung eingegriffen, indem er anordnete, dass bei der Ratswahl ein erzbischöflicher Kommissar den Vorsitz zu fĂŒhren habe. Meist wurde dem Drosten dies Amt ĂŒbertragen, der hatte nach den Wirren der Reformationszeit auch die Aufgabe zu ĂŒberwachen, dass nur katholische MĂ€nner zum Rat gewĂ€hlt wurden.
Das âCollegium der ErbsĂ€lzer zu Werl und Neuwerkâ existiert noch heute. RegelmĂ€Ăig zum Fest des Heiligen Michael am 29. September treffen sich die verbliebenen Familien von Lilien und von Papen in Werl zur Feier der Heiligen Messe und zum anschlieĂenden gemeinsamen Essen. DarĂŒber hinaus verwaltet das Collegium seinen Besitz, u. a. einen Teil des Kurparks in Werl.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ulrich Grun: Werler ErbsĂ€lzer kommt nach RĂŒthen. In: Reinhard Laumanns (Hrsg.): LippstĂ€dter HeimatblĂ€tter, Nr. 85 (2005), ZDB-ID 631644-X, S. 126 ff.
- Michael Hecht: Patriziatsbildung als kommunikativer Prozess â die SalzstĂ€dte LĂŒneburg, Halle und Werl in SpĂ€tmittelalter und FrĂŒher Neuzeit. Böhlau, Köln-Weimar-Wien 2010, (Volltext in der Google-Buchsuche).
- Peter Johanek: Salz und SĂ€lzer. In: A. Rohrer, H.-J. Zacher (Hrsg.): Werl â Geschichte einer westfĂ€lischen Stadt (= Studien und Quellen zur westfĂ€lischen Geschichte. Band 31). 1. Band, Paderborn/Werl 1994, ISBN 3-920980-40-9.
- Michael Jolk: Technik und Betrieb der Salinen. Das Leben auf dem Salzplatz. In: A. Rohrer, H.-J. Zacher (Hrsg.): Werl â Geschichte einer westfĂ€lischen Stadt (= Studien und Quellen zur westfĂ€lischen Geschichte. Band 31). 2. Band, S. 1145â1182. Paderborn/Werl 1994.
- Friedrich von Klocke: Das Wappenwesen der ErbsĂ€lzer, in: Zeitschrift Westfalen, Heft 2, MĂŒnster 1941, S. 49â62.
- Friedrich von Klocke: Das Patriziatsproblem und die Werler ErbsĂ€lzer. Aschendorffsche Verlagsbuchhandlung, MĂŒnster, 1965.
- Hartmut Platte: 750 Jahre ErbsÀlzer in Werl: 1246 - 1996. Werl 1996, ISBN 3-9802779-1-7.
- Rudolf Preising: 700 Jahre Stadt Werl, Werden, Wachsen und Schicksale einer WestfÀlischen Stadt am Hellweg. Herausgegeben von der Stadt Werl. Dietrich-Coelde-Verlag, Werl 1972.