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Eva Strommenger

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Eva Strommenger, auch Eva Strommenger-Nagel (* 20. Mai 1927 in Dortmund; † 17. April 2022[1]), war eine deutsche Vorderasiatische ArchĂ€ologin.

Noch vor dem Krieg zog sie mit ihrer Familie nach Berlin. Von 1948 bis 1954 studierte Eva Strommenger Vorderasiatische Altertumskunde, Altorientalische Philologie und Islamkunde, zuerst an der Humboldt-UniversitĂ€t, wechselte dann an die neu gegrĂŒndete Freien UniversitĂ€t Berlin. Sie gehörte zu den ersten Studenten von Anton Moortgat, der 1948 Ordinarius fĂŒr Vorderasiatische Altertumskunde wurde. 1954 wurde sie hier mit der Arbeit Grabformen und Bestattungssitten im Zweistromland und in Syrien von der Vorgeschichte bis zur Mitte des ersten Jahrtausends vor Christus promoviert. Der ungedruckten Dissertation folgte 1960 die Schrift Das Menschenbild in der altmesopotamischen Rundplastik von Mesilim bis Hammurapi, die das Ergebnis einer von Moortgat angeregten Untersuchung war. Darin kam sie aufgrund von Stilentwicklungen der plastischen Figuren zu einer Zeiteinteilung innerhalb der frĂŒhdynastischen Zeit Mesopotamiens. Sie fand Merkmale zur Abgrenzung zwischen dem Isin- und dem spĂ€teren Larsa-Stil.

Mit archĂ€ologischen Ausgrabungen begann Strommenger 1959 als Referentin am Deutschen ArchĂ€ologischen Institut in Bagdad (bis 1961). In Uruk, wo die deutschen Grabungen 1954 unter der Leitung von Heinrich Lenzen wiederaufgenommen worden waren, bearbeitete sie ĂŒberwiegend die Keramikfunde. In Ras al 'Amiya, einer kleinen sĂŒdmesopotamischen Siedlung aus der Obed-Zeit in der NĂ€he von Kisch grub sie zusammen mit dem britischen ArchĂ€ologen David Stronach.

1967 begannen unter Leitung von Ernst Heinrich und im Auftrag der Deutschen Orient-Gesellschaft die Ausgrabungen in Habuba Kabira, einer kupfersteinzeitlichen, von einer Mauer umgebenen Stadt am syrischen Euphrat. Die BlĂŒtezeit des Ortes war 3500 bis 3300 v. Chr. 1969 ĂŒbernahm Strommenger die Leitung der weiteren Grabungskampagnen, die bis zur Überflutung durch den Assad-Stausee 1975 andauerten. Die Keramikfunde zeigten erstmals eine sumerische Kolonie in diesem Gebiet.

Von 1971 bis zu ihrem Ruhestand 1992 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Altvorderasiatischen Abteilung am Museum fĂŒr Vor- und FrĂŒhgeschichte in Berlin; wĂ€hrend dieser Zeit erweiterte sie den Bestand durch AnkĂ€ufe und fĂŒhrte eine Reihe Ausstellungen durch. 1974 wurde sie an der Freien UniversitĂ€t Berlin fĂŒr Vorderasiatische Altertumskunde habilitiert. Sie war von 1973 bis 1980 Vorsitzende der Deutschen Orient-Gesellschaft, von 1980 bis 1986 stellvertretende Vorsitzende, seit 1986 Ehrenmitglied der Gesellschaft und seit 1982 korrespondierendes Mitglied des Deutschen ArchĂ€ologischen Instituts.

1977 ĂŒbernahm Strommenger fĂŒr eine Saison die Leitung der Grabung in Isin im SĂŒden des Irak. In diese Zeit fielen auch die Sondierungen fĂŒr ein grĂ¶ĂŸeres Projekt in der syrischen DschazÄ«ra-Region, das mit dem noch unausgegrabenen SiedlungshĂŒgel von Tell Bi'a, dem antiken Tuttul gefunden wurde. Von 1980 bis zum vorlĂ€ufigen Ende 1995 legte das Team der Deutschen Orient-Gesellschaft unter Leitung von Strommenger im Tell Bi'a unter römischen und byzantinischen Resten mehrere PalĂ€ste und eine ummauerte Stadt aus der FrĂŒhbronzezeit sowie der altbabylonischen Zeit frei. Die ausfĂŒhrlichen Grabungsberichte in mehreren BĂ€nden sind (Stand 2022) noch nicht alle veröffentlicht.

Schwerpunkt ihrer Arbeit bildete die SacharchĂ€ologie, die durch Untersuchung der ikonografischen VerĂ€nderungen zeitliche Einteilungen vornimmt. Im Teilbereich der Historischen ArchĂ€ologie erfolgte die zeitliche Einordnung ĂŒber datierte Inschriften. Das Inbeziehungsetzen von stilistischen Merkmalen der Fundobjekte zu historischen Texten bezeichnete Strommenger als archĂ€ologische Grundlagenforschung, wobei sie die BeschrĂ€nkung auf das philologische Arbeiten unter ihren (jĂŒngeren) Kollegen kritisch kommentiert hat.[2]

Sie war mit dem Vorderasiatischen ArchĂ€ologen Wolfram Nagel (1923–2019) verheiratet.

Veröffentlichungen (Auswahl)

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  • Das Menschenbild in der altmesopotamischen Rundplastik von Mesilim bis Hammurapi. Baghdader Mitteilungen 1, Berlin 1960
  • FĂŒnf Jahrtausende Mesopotamien. Die Kunst von den AnfĂ€ngen um 5000 v. Chr. bis zu Alexander dem Großen. Hirmer, MĂŒnchen 1962.
  • Ur. Hirmer, MĂŒnchen 1964.
  • (Red.): Sumer. Assur. Babylon. 7000 Jahre Kunst und Kultur an Euphrat und Tigris. Neue Galerie – Sammlung Ludwig, Aachen, 1978 (Ausstellungskatalog).
  • Habuba Kabira. Eine Stadt vor 5000 Jahren. Ausgrabungen der Deutschen Orient-Gesellschaft am Euphrat in Habuba Kabira – Syrien. Philipp von Zabern, Mainz 1980.
  • Mari ist eine Reise wert. Vom Mittelmeer zum Euphrat vor 4000 Jahren. Philipp von Zabern, Main 1982.
  • Sie bauten mit Lehm – Beispiele frĂŒher Lehmarchitektur in Vorderasien. Staatliche Museen, Preußischer Kulturbesitz, Berlin 1985.
  • mit Wolfram Nagel: Kalakent. FrĂŒheisenzeitliche Grabfunde aus dem transkaukasischen Gebiet von Kirovabad/Jelisavetopol. (Berliner BeitrĂ€ge zur Vor- und FrĂŒhgeschichte N.F. 4), Berlin 1985.
  • mit Kay Kohlmeyer, H. Schmid: Wiedererstehendes Babylon. Eine antike Weltstadt im Blick der Forschung. Berlin 1991.
  • mit Kay Kohlmeyer: Tall Bi'a / Tuttul–I. Die altorientalischen Bestattungen. Wissenschaftliche Veröffentlichungen der Deutschen Orient-Gesellschaft (WVDOG). SaarbrĂŒcker Druckerei und Verlag, SaarbrĂŒcken 1998.
  • mit Kay Kohlmeyer: Tall Bi'a / Tuttul–III. Die Schichten des 3. Jahrtausends v. Chr. im ZentralhĂŒgel E. SaarbrĂŒcker Druckerei und Verlag, SaarbrĂŒcken 2000.
  • mit Peter A. Miglus: Tall Bi'a / Tuttul–VIII. Stadtbefestigungen, HĂ€user und Tempel. SaarbrĂŒcker Druckerei und Verlag, SaarbrĂŒcken 2002.
  • mit Wolfram Nagel, Christian Eder: Von Gudea bis Hammurapi. GrundzĂŒge der Kunst und Geschichte in Altvorderasien. Böhlau Verlag, Köln 2005.
  • mit Peter A. Miglus: Tall Bi'a / Tuttul–VII. Der Palast A. Harrassowitz, Wiesbaden 2007.
  • mit Peter A. Miglus: Tall Bi'a / Tuttul–V. Altorientalische Kleinfunde. Harrassowitz, Wiesbaden 2010.
  • mit Barthel Hrouda, Wolfram Nagel: Vorderasiatische Altertumskunde: Forschungsinhalte und Perspektiven seit 1945. Böhlau Verlag, Köln 2009.
  • mit Wolfram Nagel, Christian Eder: Archaische Wagen in Vorderasien und Indien. Bauweise und Nutzung. Reimer Verlag, Berlin 2017. ISBN 978-3-496-01568-0
  • Barthel Hrouda: Einleitende Worte. In: Barthel Hrouda, Stephan Kroll, Peter Z. Spanos: Von Uruk nach Tuttul. Eine Festschrift fĂŒr Eva Strommenger. Studien und AufsĂ€tze von Kollegen und Freunden. Profil Verlag, MĂŒnchen/Wien 1992, S. 9–10.
  • Wilfried Menghin (Hrsg.): Das Berliner Museum fĂŒr Vor- und FrĂŒhgeschichte. Festschrift zum 175-jĂ€hrigen Bestehen. Staatliche Museen zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz, Berlin 2005, ISBN 3-88609-907-X, S. 549. (Acta praehistorica et archaeologica 36/37)

Einzelnachweise

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  1. ↑ Traueranzeigen von Eva Strommenger-Nagel. In: Tagesspiegel Trauer. 24. April 2022, abgerufen am 25. April 2022 (deutsch).
  2. ↑ Von Gudea bis Hammurapi. 2005, S. 12–18.