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FeenmÀrchen

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FeenmÀrchen sind als VolksmÀrchen in vielen europÀischen LÀndern und MÀrchentraditionen bekannt. Im 18. und 19. Jahrhundert waren sie ein beliebtes Thema in den KunstmÀrchen, insbesondere in Frankreich.[1]

Otto Ubbelohde: Die Nixe im Teich

VolksmÀrchen

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Feen oder Elfen in den VolksmĂ€rchen und volkstĂŒmlichen Sagen sind Wesen einer Anderswelt, die sich den Menschen unter bestimmten Bedingungen zeigen und in das Leben der Menschen, im Guten wie im Bösen, eingreifen. Sie leben in einer eigenen Welt, die manchmal auch als Unterwelt bezeichnet wird. In den verschiedenen Regionen finden sich unterschiedliche Bezeichnungen wie das gute oder stille Volk in Irland, die Huldren in Island, die Samovilen oder Samodiven in osteuropĂ€ischen LĂ€ndern.[2]

Eine erste Sammlung legten die BrĂŒder Grimm mit den irischen FeenmĂ€rchen vor, die sie 1862 unter dem Titel „Irische ElfenmĂ€rchen“ erstmals veröffentlichten.[3]

Frederik Hetmann beschrieb die keltische Feenwelt, welche die LĂ€nder/Regionen Irland, England, Schottland, die Shetland-Inseln, Wales, Bretagne, Österreich, Schweiz, SĂŒdtirol und Italien umfasst.[4] Die verschiedenen Namen der von ihnen bewohnten Anderswelt charakterisieren zugleich das, was dort anders ist als in der menschlichen Welt so die ewige Jugend, das Selige, Hoffnung, Versprechen, Frauenherrschaft. Wie in der Diesseitswelt gibt in dieser Anderswelt BĂ€ume, StrĂ€ucher und Tiere, die der menschlichen Welt Ă€hnlich sind, die aber oft einen zauberhaften, verwunschenen Charakter bekommen. Es gibt MĂ€nner, Frauen und Kinder, die in ihrer Welt auch Ă€hnlichen TĂ€tigkeiten nachgehen wie die Menschen. Manche TĂ€tigkeiten haben aber eine grĂ¶ĂŸere Bedeutung wie das Musizieren und Tanzen, außerdem kommen TĂ€tigkeiten der Zauberei hinzu, zu der manchmal auch heilende KĂŒnste gehören können. Durch die Bezeichnung der menschlichen Welt als die der Sterblichen wird die Unsterblichkeit der Feen verdeutlicht.

Menschen können durch GegenstĂ€nde oder durch TrancezustĂ€nde in die Feenwelt geraten. Oft verschieben sich dabei die ZeitverhĂ€ltnisse: Eine in der Feenwelt kurze Zeit erweist sich nach der RĂŒckkehr in die menschliche Welt als eine wesentlich lĂ€ngere. In anderen ErzĂ€hlungen ĂŒberleben die Menschen den Aufenthalt in der Feenwelt nicht oder sie zerfallen zu Asche, wenn sie zurĂŒckkehren. Die Ambivalenz gegenĂŒber der Feenwelt zeigt sich in dem SpannungsverhĂ€ltnis von VerfĂŒhrung und Gefahr.

Hetmann typisiert die FeenmĂ€rchen nach den Charakteristika, dass Feen den Sterblichen helfen, sie schĂ€digen, sie zu bestimmten Zwecken entfĂŒhren, dem Motiv des Besuchs der Sterblichen in der Anderswelt und der MĂ€rchen, die sich um das Thema des Wechselbalgs drehen. Damit sind Kinder gemeint, die den Menschen untergeschoben werden. Ein weiteres Motiv ist die Heirat zwischen einem (meist mĂ€nnlichen) Menschen und einer (meist weiblichen) Fee, wobei es unterschiedlich ist, ob das gut oder schlecht ausgeht. Manchmal verlieren die Feen dadurch ihre Unsterblichkeit. Hetmann geht davon aus, dass die Merkmale und Motive der keltischen FeenmĂ€rchen auch in denen anderer LĂ€nder und Regionen auftauchen.[5]

In dem erstmals 1981 erschienenen Band ĂŒber die Anderswelt legte Hetmann selbst eine Sammlung von 94 Geschichten aus Irland vor, die in den Bereich der Sagen und Mythen ĂŒbergehen: von den frĂŒhesten Zeugnisse ĂŒber die Anderswelt, die verschiedenen Feenwesen, deren Treiben in der Anderswelt und in der der Menschen reicht, einem Kalender, durch den man erfĂ€hrt, was einem zu bestimmten Zeiten in der Feenwelt zustoßen kann bis hin zu Reisen zu den Inseln der Seligen und der Ewigen Jugend und Geschichten von Liebe und Tod fĂŒhrt.[6]

Eine geografisch weiteren Bereich deckt die Sammlung Feen-MĂ€rchen von Sabine Lutkat mit verschiedenen europĂ€ischen MĂ€rchen ab. Sie umfasst im Wesentlichen VolksmĂ€rchen, einige in literarischer Bearbeitung, wie sie im Kontext ihrer Aufzeichnung hĂ€ufiger vorgenommen wurden. Als Beispiele fĂŒr die unterschiedlichen Motive finden sich zwei MĂ€rchen, in denen Feen als Schicksalsfrauen ĂŒber die LĂ€nge des Lebens eines Menschen entscheiden: Das rumĂ€nische MĂ€rchen Der Prinz und die drei Feen und ein MĂ€rchen aus dem Balkan Neid zwischen Schwestern. Zehn der aufgenommenen MĂ€rchen zeigen das Motiv der hilfreichen, dankbare oder bestrafenden Feen gewidmet. Das bekannteste ist das irische MĂ€rchen O’Donoghue’s Dudelsack aus der Sammlung Die Harfe von Erin von Julius Rodenberg, in dem ein blinder, meist betrunkener Dudelsackspieler von seinem Besuch bei den Feen einen besonderen Dudelsack mit in die ĂŒberirdische Welt bringt. Eine weitere Gruppe bildet das Thema Die Feen und die Liebe mit acht MĂ€rchen, u. a. Die Elbenkönigin Hild aus Island, Der Hirt und die drei Samodiven aus dem Balkan und Die Mundharmonika aus Skandinavien. Als weitere Themen finden sich MĂ€rchen, in denen es um feentypische Dinge und Aspekte geht wie den Feenring, einen unbemerkt bleibenden Feenort, in den man unverhofft geraten kann, die Verbindung von guten Gaben mit an sie gebundenen Tabus oder die Vorliebe der Feen fĂŒr menschliche Kinder, die Nutzung menschlicher Ammen fĂŒr Feenkinder und das Motiv des Wechselbalgs.

Rosemarie TĂŒpker hebt im Kontext der MusikmĂ€rchen die NĂ€he der Feen zur Musik hervor: Zum einen sei die Musik, neben oder kombiniert mit dem Rausch, hĂ€ufiger die Möglichkeit des Übergangs eines menschlichen Protagonisten in die Feenwelt, zum anderen können die Protagonisten, die sich in der Feenwelt aufhalten, sich die Unterirdischen durch gutes Musizieren gewogen machen. Manchmal erhalten sie dafĂŒr einen Lohn, etwa die Heilung von einem Gebrechen oder ein besonders gutes Musikinstrument.

Auch die Wechselbalge ließen sich oft daran erkennen, dass sie einen besonderen Hang zur Musik hĂ€tten und schon als Kind eine besondere Gabe im Musizieren aufweisen. Dabei tauche eine große Vielfalt an Musikinstrumenten auf, die bei den Feen beliebt seien: Flöten, Mundharmonika, Maultrommel, Dudelsack, Harfe, Schalmei, aber auch Gesang, der Klang von Glocken oder von Tieren erklingende Melodien kĂ€men vor.[7]

Auch in einer Sammlung von Wolfgang Laade finden sich mehrfach musizierende Unirdische, Meerminnen, Elfen und Nixen in MĂ€rchen, aber auch ortsgebundenen Sagen.[8]

KunstmÀrchen

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Illustration zu Die Schöne und das Biest von Walter Crane (1874).

FeenmĂ€rchen sind auch bei den KunstmĂ€rchen ein beliebtes Genre. Dabei werden hĂ€ufig ĂŒberlieferte Stoffe frei in die Neuzeit ĂŒbertragen und mit psychologischen VerschlĂŒsselungen und weiteren Aspekten bereichert, manchmal auch mit Reflexionen moralischen Inhalts.

Im Frankreich des 17. und 18. Jahrhunderts waren FeenmĂ€rchen als AmĂŒsement beim Adel sehr beliebt. Sie stellten eine Verbindung von orientalischen Sagen und eigenen realen Erlebnissen dar. Die wichtigsten französischen Autoren sind Charles Perrault, Antoine Galland – der Tausendundeine Nacht ĂŒbersetzte –, Marie-Catherine d’Aulnoy, Henriette-Julie de Castelnau, comtesse de Murat und, im 19. Jahrhundert, Sophie de SĂ©gur. Gesammelt findet man die vorzĂŒglichsten FeenmĂ€rchen in dem Cabinet des fĂ©es von Charles-Joseph Mayer (41 BĂ€nde, Paris 1785–89). Von deutschen Autoren ist Christoph Martin Wieland fĂŒr Feengeschichten wie deren Kritik bekannt.[9]

Theater, Oper, Film

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In der literarischen Gattung der Feerie (auch: FĂ©erie, frz. ‚Zauberwelt‘), im deutschen auch ZauberstĂŒck genannt, dienen FeenmĂ€rchen als Material fĂŒr die Nutzung komplexer BĂŒhnentechnik, die es erlaubt, Zauberei auf die BĂŒhne zu bringen.

In der Alt-Wiener Volkskomödie spielten die dramatisierten französischen FeenmĂ€rchen eine wichtige Rolle und erfuhren ihren Höhepunkt in den frĂŒhen Zauberpossen von Ferdinand Raimund. Durch eine geschickte Verbindung des sozialen Alltags mit mĂ€rchenhaftem Zauber gelang es, die alte Zauberposse wieder zu beleben.

Im Bereich der Oper findet sich u. a. das Werk FeenmÀrchen, op. 312 (1866) von Johann Strauss (Sohn) und Die Feen (1888) von Richard Wagner.

Als ein modernes FeenmÀrchen erschien 2008 die Disney-Produktion Tinker Bell mit der Musik von Joel McNeely. Sie wurde mit jÀhrlichen Produktionen fortgesetzt und in mehrere Sprachen synchronisiert.

Ein Beispiel fĂŒr die mehrfache Verwendung ist das bekannte MĂ€rchen Die Schöne und das Biest.

Einzelnachweise

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  1. ↑ Klaus Hammer (Hrsg.): Französische FeenmĂ€rchen des 18. Jahrhunderts. Parkland-Verlag, Stuttgart 1980, ISBN 3-88059-145-8.
  2. ↑ Sabine Lutkat (Hrsg.): Feen-MĂ€rchen zum ErzĂ€hlen und Vorlesen. Krummwisch bei Kiel: Königsfurt-Verlag, 2007, ISBN 978-3-89875-191-9, S. 7–10.
  3. ↑ Irische ElfenmĂ€rchen. In der Übertragung der BrĂŒder Grimm. Friedrich Fleischer, Leipzig 1826
  4. ↑ Frederik Hetmann (Hg.): Keltische FeenmĂ€rchen. Zum ErzĂ€hlen und Vorlesen. Königsfurt-Urania, Krummwisch bei Kiel 2013ÂČ ISBN 978-3-86826-048-9
  5. ↑ Frederik Hetman: MĂ€rchen und MĂ€rchendeutung erleben und verstehen. Krummwisch bei Kiel: Königsfurt-Verlag, 1999, ISBN 978-3-933939-02-9, S. 91–112.
  6. ↑ Frederik Hetmann: Die Reise in die Anderswelt: FeenmĂ€rchen und Feengeschichten aus Irland. Königsfurt-Urania Verlag, Krummwisch bei Kiel, Neuauflage 2005, ISBN 978-3-89875-129-2 (Erste Ausgabe 1981)
  7. ↑ Rosemarie TĂŒpker: Musik im MĂ€rchen. Wiesbaden: Reichert-Verlag, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-89500-839-9, S. 205–224.
  8. ↑ Wolfgang Laade: Musik und Musiker in MĂ€rchen, Sagen und Anekdoten der Völker Europas: Eine Quellensammlung zum Problemkreis Musik als Kultur. Körner-Verlag, Baden-Baden, 1988
  9. ↑ Jens Tismar: KunstmĂ€rchen (Sammlung Metzler; 155) 2. Auflage Metzler, Stuttgart 1983. ISBN 3-476-12155-0, S. 12–22.