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Feldstein (Baumaterial)

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Feldsteinbauwerk in Campo del Agua (Spanien)
Mauerwerk der Dorfkirche Giesensdorf mit sorgfĂ€ltigen zugerichteten Bausteinen rechts und weniger sorgfĂ€ltig gequaderten Steinen links, die als Feldsteine hierfĂŒr gesammelt wurden

Der Begriff Feldstein bezeichnet in der Architektur und im Bauwesen einen Baustoff aus Naturstein, deren EinzelstĂŒcke selten Kanten haben und mit Werkzeugen nicht zugerichtet sind. Sie finden Verwendung zum Zwecke des Feldsteinbaus.[1][2] Feldsteine sind von den Ă€hnlich aussehenden Bruchsteinen zu unterscheiden. Erstere werden mit ihrer Form in der Natur vorgefunden, letztere entstehen kĂŒnstlich als Bruchmaterial aus SteinbrĂŒchen oder fallen bei der Bearbeitung von Werksteinen an und sind daher im Gegensatz zu Feldsteinen relativ scharfkantig.

Feldsteine sind meist Lesestein und untergeordnet auch im Tagebau („Steingruben“) gewonnene Geschiebe aus eiszeitlichen Lockergesteinen Nordostdeutschlands, den Blockpackungen des Baltischen LandrĂŒckens. Feldsteine als Lesesteine sind auf Wiesen, Weiden und Äckern liegende Steine und Blöcke, die abgelesen und an den FeldrĂ€ndern gesammelt oder auch abgefahren werden. Im nördlichen Mittel- und Osteuropa sind sie durch den glazialen Transport meist gut gerundet und lassen sich in der Regel nicht schichten, sondern wurden in Feldsteinhaufen und -wĂ€llen gesammelt. In den Regionen, die mit eiszeitlichen Lockergesteinen bedeckt sind, bilden die Feldsteine die einzigen Festgesteine. Sie dienten in diesen Regionen hĂ€ufig als Baumaterial. Dabei wurden auch Steine aus GroßsteingrĂ€bern verwendet und die Grabanlagen zerstört.

Schematische Darstellung der maximalen GletschervorstĂ¶ĂŸe der drei letzten Kaltzeiten im norddeutschen Tiefland:
‣ rote Linie = Eisrandlage der Weichsel-Kaltzeit;
‣ gelbe Linie = Eisrandlage der Saale-Kaltzeit;
‣ blaue Linie = Eisrandlage der Elster-Kaltzeit.
Feldsteine können nur in Eiszeitgebieten auftreten, vor allem in den jĂŒngeren, also letzten (gelbe und rote Linie).

Herkunft der Feldsteine

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Die Feldsteine sind Geschiebe, die von den eiszeitlichen Gletschern aus Skandinavien heran transportiert wurden und beim Abschmelzen der Gletscher abgelagert wurden. Durch den glazialen Transport sind sie meist gut gerundet. Der Anteil an metamorphen und magmatischen Gesteinen ist entsprechend dem Anstehenden im skandinavischen Ursprungsgebiet meist sehr hoch; Sedimentgesteine sind daher sehr untergeordnet vertreten. Durch Verwitterung, Erosion und durch bodenmechanische VorgÀnge, aber auch durch die Bodenbearbeitung, wurden und werden sie an die ErdoberflÀche gebracht.

Sie sind in den eiszeitlichen Lockergesteinen jedoch nicht gleichmĂ€ĂŸig verteilt. Man findet Feldsteine zum Beispiel hĂ€ufig auf GrundmorĂ€nen oder EndmorĂ€nen. Vor der Kolonisation dieser Gebiete Nordostdeutschlands (Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt) im 12. und 13. Jahrhundert waren viele Gegenden buchstĂ€blich von Feldsteinen ĂŒbersĂ€t, die bei der Urbarmachung gerĂ€umt werden mussten.

Feldsteine als Baumaterial

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Viele Kirchenbauten der Vorromanik und der FrĂŒhromanik – vor allem in lĂ€ndlichen Regionen (z. B. St-FerrĂ©ol-de-la-Pave u. a.) – sind aus nur wenig behauenen Feld- oder Bruchsteinen erbaut. Bei sĂ€kularen Bauten wie Burgen, Zehntscheuern, WohnhĂ€usern etc. hielt diese Tradition lĂ€nger an.

Feldsteinfundament eines zerstörten Schafstalls in der LĂŒneburger Heide

In Brandenburg (einschließlich der Neumark), Sachsen-Anhalt, Mecklenburg, Pommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen wurden Feldsteine insbesondere im 12. bis 15. Jahrhundert zum Bau von Feldsteinkirchen verwendet. Die Schauseite wurde anfangs zu Quadern geschlagen. Bei spĂ€teren Bauten wurden meist nur noch gespaltene Feldsteine verwendet. Bauwerke aus unregelmĂ€ĂŸigem Mauerwerk wurden verputzt und mit eingeritztem, regelmĂ€ĂŸigem Fugennetz versehen, wie es an vielen Dorfkirchen in der Altmark nachgewiesen ist.[3] Auch zum Bau der mittelalterlichen StĂ€dte wurden große Mengen an Feldsteinen benötigt (Mauern, HĂ€user, Straßen).

Im 19. Jahrhundert wurden Feldsteine in Brandenburg und im nördlichen Sachsen-Anhalt auch zum Bau von HĂ€usern (z. B. von landwirtschaftlichen GebĂ€uden) oder von Einfriedungsmauern verwendet. Allerdings wurden sie nicht zu Quadern geschlagen, sondern nur noch ein- oder zweimal gespalten und die AußenflĂ€chen der Mauern dann „verzwickelt“, d. h. die LĂŒcken zwischen den Steinen mit Gesteinssplittern ausgefĂŒllt.

Im 19. und noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Feldsteine im großen Stil zum Bau der Chausseen verwendet, wobei sie zu Prellsteinen und Pflastersteinen verarbeitet wurden. In der Uckermark wurden dazu Feldsteine sogar aus den MorĂ€nen in „Steingruben“ oder „FindlingsgrĂ€bereien“ abgebaut. Ferner nutzen auch Kiesbaggereien und Schotterwerke in Norddeutschland jene LagerstĂ€tten. In dieser Zeit gab es in Deutschland zahlreiche Gewinnungsbetriebe in den damaligen Provinzen Ostpreußen, Westpreußen, Brandenburg, Pommern und Posen. Bedeutenden Abbau gab es beispielsweise im ehemaligen Kreis Angerburg und durch die frĂŒheren UckermĂ€rkischen Steinwerke mit ihren BetriebsstĂ€tten in FĂŒrstenwerder bei Prenzlau sowie in Feldberg.[4][5]

Naturschutz und Naturdenkmal

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Lesesteinhaufen im Naturschutzgebiet Sacrower See (Potsdam)

Feldsteinhaufen gelten wegen der WĂ€rmespeicherung und der HohlrĂ€ume als seltene beziehungsweise wertvolle LebensrĂ€ume und sind daher in Brandenburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen naturschutzrechtlich geschĂŒtzt, da sie ein bedeutender Lebensraum fĂŒr Reptilien, Insekten und Pflanzen sind. Oftmals entwickelt sich aus einem Feldsteinhaufen auch ein kleines Gehölz oder GebĂŒsch.

  • Hillert Ibbeken: Die mittelalterlichen Feld- und Bruchsteinkirchen im FlĂ€ming. Berlin-Verlag Spitz, Berlin 1999, ISBN 3-8305-0039-4.
  • Carl GĂ€bert, Alexander Steuer, Karl Weiss (alle Hrsg.): Handbuch der Steinindustrie. Band 1: Die nutzbaren Gesteinsvorkommen Deutschlands. Verwitterung und Erhaltung der Gesteine. Union Deutsche Verlags-Gesellschaft, Berlin 1915.
Commons: Feldstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. ↑ GĂŒnter Mehling (Hrsg.): Natursteinlexikon. Callwey-Verlag, MĂŒnchen 1993 (4. Aufl.), S. 153
  2. ↑ Hans Koepf, GĂŒnther Binding: Bildwörterbuch der Architektur (= Kröners Taschenausgabe. Bd. 194). 4., ĂŒberarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-19404-X, S. 170–171, EintrĂ€ge Feldstein und Feldsteinbau.
  3. ↑ Matthias Friske: Die mittelalterlichen Kirchen in der nordwestlichen Altmark (= Bernd Janowski, Dirk Schumann [Hrsg.]: Kirchen im lĂ€ndlichen Raum. Band 9). Lukas, Berlin 2021, ISBN 978-3-86732-379-6.
  4. ↑ MĂ€rkische Eiszeitstraße: Feldsteinbauten. (Memento vom 10. April 2006 im Internet Archive) Gesellschaft zur Erforschung und Förderung der MĂ€rkischen Eiszeitstraße (MES) Eberswalde
  5. ↑ GĂ€bert, Steuer, Weiss: Handbuch der Steinindustrie. Band 1. 1915, S. 16–20.