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Fernwirken

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Blick auf einen Schaltschrank mit SCADA-Steuerung und Fernzugriff für die Ingenieure und Techniker der Long Island Rail Road (LIRR).

Unter Fernwirken (auch: Fernwirktechnik oder Telecontrol) wird die Fernüberwachung und -steuerung räumlich entfernter Objekte mittels signalumsetzender Verfahren, von einem oder mehreren Orten aus, verstanden.[1][2]

Es werden spezielle Datenübertragungsprotokolle genutzt, um die Prozessdaten sicher über Weitbereichsnetze geringer Bandbreite und Übertragungsqualität zu übertragen.

Das Thema ist mit der Telemetrie, Telematik, Teleoperation[3] und Fernwartung verwandt, sowie der Leittechnik und Automatisierungstechnik.

Beispiele sind:

Systembeschreibung

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Übertragene Informationsarten

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In der Fernwirktechnik werden übertragen:

  • Befehle
    • zum Stellen
    • zum Schalten
  • Meldungen
    • Schalterstellungen
    • Kennungen
    • Warnungen
  • Werte
  • sonstige Daten.

Systemanforderungen

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Solche Dienste sind technisch charakterisiert durch bestimmte Anforderungen an Geräte und Übertragungswege:

Fernwirktechnik (System)

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Die Fernwirktechnik gliedert sich in:

  • Fernwirk-Unterstellengeräte (die im Prozess bzw. prozessnah installiert sind)
  • Fernwirkzentralen (Synonyme: Prozesskoppelsysteme, Fernwirk-Gateways; sind heutzutage prozessfern aufgebaut und werden den Leitsystemkomponenten zugerechnet).

Fernwirk-Unterstellen und -Zentralen sind über WAN-Verbindungen gekoppelt.

Aufbau eines Fernwirkgeräts

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Ein Fernwirkgerät besteht typischerweise aus

  • vielen verschiedenen Prozessbaugruppen (Schnittstelle zwischen Prozess- und Systembus. Sie passen die Signalpegel an die Prozessbedingungen an. Ihre Funktion besteht in der Analog/Digital-Umwandlung und der Digital/Analog-Umwandlung von Informationen, aber auch in der Summierung von Zählimpulsen.)
  • dem Systembus
  • der Steuereinheit/Zentraleinheit
  • dem Sende-/Empfangskopf, der die Schnittstelle zur Übertragungstechnik bildet.

Wird ein Fernwirkgerät mit mehreren Sende-/Empfangsköpfen ausgestattet, so können auch mehrere Gegenstellen bedient werden. Dazu kann auch über unterschiedliche Fernwirkprotokolle kommuniziert werden.

Es hat in der Vergangenheit mehrfach Versuche gegeben, die Techniken für das Fernwirken zu vereinheitlichen. Diese Versuche waren zunächst nicht erfolgreich. Durch die gemeinsame Spezifikation der IEC-Protokolle durch mehrere Hersteller bildet sich inzwischen eine deutliche Standardisierung bei Neuinstallationen heraus. Durch die relativ hohe Lebensdauer von Fernwirksystemen beträgt die Lebenszeit der Protokolle etwa 10–20 Jahre, so dass auch weiterhin viele alte Protokolle im Einsatz sind.

Aktuell trifft man z. B. folgende Protokolle:

  • IEC 60870 mit den Anwendernormen IEC 60870-5-101, IEC 60870-5-104 (aktueller Standard in Europa und Asien)
  • IEC 61850: weltweit angewendet für Kommunikation in Schaltanlagen und im Energiebereich
  • DNP3.0 (US-Standard)
  • FW535/537, SINAUT (Siemens AG),
  • Modbus RTU (AEG)
    • ODP, Modbus-basiert (Videc GmbH)
  • Modnet-1F/SEAB-1F (früher AEG, heute OHP GmbH)
  • TG 065, TG 709, TG 80x (früher L&G, heute Siemens AG)
  • UNIP (SAE-ELEKTRONIK)
  • DULZ/DULU (IDS-Gruppe)
  • Ridat (Rittmeyer AG)
  • ReSyNet (Phoenix Contact)
  • HST TeleMatic, IP-basiertes Protokoll gemäß DWA-M 207 (HST Systemtechnik GmbH)
  • MFW-1G (EES – Elektra-Elektronik GmbH & Co Störcontroller KG).

Produktabhängige Leistungsmerkmale sind zum Beispiel:

  • ereignisgesteuerte Datenübertragung
  • Archivierung anhand von Zeitstempeln
  • Überwachung und Visualisierung der WAN-Verbindungen
  • automatisches Aufdaten (Aktualisieren) nach Beseitigung von Verbindungsstörungen.

Verwendete TK-Netze (PHY)

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Fernwirkanlagen nutzen praktisch alle physikalischen Telekommunikationsnetze (TK), die Datenübertragung ermöglichen, z. B.:

Richtlinien/Empfehlungen

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Vom BDEW (früher VDEW) wurden die Empfehlungen für Fernwirkanlagen in EVUs herausgegeben. Diese befassen sich mit „Planung und Einsatz von Fernwirkanlagen“ sowie den „Technischen Bedingungen für Fernwirkanlagen“.

Des Weiteren gibt es folgende VDE-Vorschriften: VDE 0160, 0660, 0670, 0800 und 0804.

Einzelnachweise

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  1. Fernwirken :: telecontrol. In: ITWissen.info. 15. Februar 2013, archiviert vom Original am 24. Juni 2021; abgerufen am 15. Juni 2026.
  2. Fernwirken und Fernwartung: Web und Cloud gehört die Zukunft. In: Elektroniknet. 11. Juli 2012 (Online [abgerufen am 15. Juni 2026]).
  3. Luis Basañez, Raúl Suárez: Teleoperation. In: Springer Handbook of Automation. Springer Berlin Heidelberg, Berlin, Heidelberg 2009, ISBN 978-3-540-78830-0, S. 449–468, doi:10.1007/978-3-540-78831-7_27 (englisch, Online [abgerufen am 15. Juni 2026]).
  4. Zainab Yusufali Motiwala et al.: Telesurgery: current status and strategies for latency reduction. In: Journal of Robotic Surgery. Band 19, Nr. 1, 12. April 2025, ISSN 1863-2491, S. 153, doi:10.1007/s11701-025-02333-1 (englisch).
  5. Günter Niemeyer, Carsten Preusche, Gerd Hirzinger: Telerobotics. In: Springer Handbook of Robotics. Springer, Berlin, Heidelberg, 2008, ISBN 978-3-540-30301-5, S. 741–757, doi:10.1007/978-3-540-30301-5_32 (englisch, Online [abgerufen am 15. Juni 2026]).
  6. Industrielle Datenverbindungen zum Fernwarten und Fernwirken im GSM-Mobilfunknetz. Archiviert vom Original am 4. September 2017; abgerufen am 15. Juni 2026.