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Frobeniusnorm

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie

Die Frobeniusnorm oder Schurnorm (benannt nach Ferdinand Georg Frobenius bzw. Issai Schur) ist in der Mathematik eine auf der euklidischen Norm basierende Matrixnorm. Sie ist definiert als die Wurzel aus der Summe der Betragsquadrate aller Matrixelemente. FĂŒr die Frobeniusnorm gibt es noch eine Reihe weiterer Darstellungen, beispielsweise ĂŒber eine Spur, ĂŒber ein Skalarprodukt, ĂŒber eine SingulĂ€rwertzerlegung oder ĂŒber eine Schur-Zerlegung. Die Frobeniusnorm ist submultiplikativ, mit der euklidischen Vektornorm vertrĂ€glich und invariant unter unitĂ€ren Transformationen, sie ist aber keine Operatornorm. Sie wird beispielsweise in der numerischen linearen Algebra aufgrund ihrer einfacheren Berechenbarkeit zur AbschĂ€tzung der Spektralnorm verwendet und bei der Lösung linearer Ausgleichsprobleme mittels der Moore-Penrose-Inverse eingesetzt.

Die Frobeniusnorm ‖⋅‖F einer reellen oder komplexen (m × n)-Matrix A∈𝕂m×n mit 𝕂 aus dem Körper der reellen oder komplexen Zahlen ist definiert als

‖A‖F:=∑i=1m∑j=1n|aij|2,

also die Wurzel aus der Summe der Betragsquadrate aller Matrixelemente aij. Die Frobeniusnorm entspricht damit der euklidischen Norm eines Vektors der LĂ€nge m⋅n, in dem alle EintrĂ€ge der Matrix untereinander notiert sind. Im reellen Fall können die Betragsstriche in der Definition auch weggelassen werden, im komplexen Fall jedoch nicht.

Die Frobeniusnorm ist nach dem deutschen Mathematiker Ferdinand Georg Frobenius benannt. Sie heißt nach seinem SchĂŒler Issai Schur auch Schurnorm und wird manchmal auch Hilbert-Schmidt-Norm genannt (nach David Hilbert und Erhard Schmidt), wobei letzterer Name meist bei der Untersuchung bestimmter linearer Abbildungen auf (möglicherweise unendlichdimensionalen) HilbertrĂ€umen verwendet wird, siehe Hilbert-Schmidt-Operator.

Reelle Matrix

Die Frobeniusnorm der reellen (3 × 3)-Matrix

A=(121−12−301−2)

ist gegeben als

‖A‖F=∑i=13∑j=13|aij|2=12+22+12+|−1|2+22+|−3|2+02+12+|−2|2=25=5.

Komplexe Matrix

Die Frobeniusnorm der komplexen (2 × 2)-Matrix

A=(1i−2i3−i)

ist gegeben als

‖A‖F=∑i=12∑j=12|aij|2=|1|2+|i|2+|−2i|2+|3−i|2=12+12+22+(32+12)=16=4.

Weitere Darstellungen

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Darstellung ĂŒber eine Spur

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Ist AH∈𝕂n×m die adjungierte Matrix (im reellen Fall transponierte Matrix) von A∈𝕂m×n, dann gilt fĂŒr die Spur (die Summe der DiagonaleintrĂ€ge) des Matrizenprodukts AHA

spur⁡(AHA)=∑i=1m∑k=1na¯ik⋅aik=∑i=1m∑k=1n|aik|2=‖A‖F2.

Somit besitzt die Frobeniusnorm die Darstellung

‖A‖F=spur⁡(AHA)=spur⁡(AAH)=‖AH‖F

wobei die mittlere Gleichung daraus folgt, dass unter der Spur Matrizen zyklisch vertauscht werden dĂŒrfen. Die Frobeniusnorm ist damit selbstadjungiert.

Darstellung ĂŒber ein Skalarprodukt

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Auf dem Matrizenraum der reellen oder komplexen (m × n)-Matrizen definiert fĂŒr A,B∈𝕂m×n

⟹A,B⟩=spur⁥(AHB)

ein Skalarprodukt, das auch Frobenius-Skalarprodukt genannt wird. Somit ist die Frobeniusnorm die von dem Frobenius-Skalarprodukt induzierte Norm

‖A‖F=⟹A,A⟩.

Der Raum der reellen oder komplexen Matrizen ist mit diesem Skalarprodukt ein Hilbertraum und mit der Frobeniusnorm ein Banachraum.

Darstellung ĂŒber eine SingulĂ€rwertzerlegung

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Betrachtet man eine SingulĂ€rwertzerlegung der Matrix A∈𝕂m×n

A=UÎŁVH

in eine unitĂ€re Matrix U∈𝕂m×m, eine reelle Diagonalmatrix Σ∈ℝm×n und eine adjungierte unitĂ€re Matrix VH∈𝕂n×n, dann gilt

spur⁥(AHA)=spur⁥((VÎŁHUH)(UÎŁVH))=spur⁥(VÎŁHÎŁVH)=spur⁥(ÎŁHÎŁ)=∑i=1rσi2,

wobei σ1,
,σr mit r=rang⁥(A) die positiven EintrĂ€ge der Diagonalmatrix ÎŁ sind. Diese EintrĂ€ge sind die SingulĂ€rwerte von A und gleich den Quadratwurzeln der Eigenwerte von AHA. Somit hat die Frobeniusnorm die Darstellung

‖A‖F=σ12+
+σr2,

womit sie der euklidischen Norm des Vektors der SingulÀrwerte und damit der Schatten-2-Norm entspricht.

Darstellung ĂŒber eine Schur-Zerlegung

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Betrachtet man weiterhin eine Schur-Zerlegung einer quadratischen Matrix A∈𝕂n×n

A=URUH

in eine unitĂ€re Matrix U∈𝕂n×n, eine obere Dreiecksmatrix R∈𝕂n×n und die zu U adjungierte Matrix UH, dann gilt

spur⁡(AHA)=spur⁡((URHUH)(URUH))=spur⁡(URHRUH)=spur⁡(RHR)=‖R‖F2.

Zerlegt man nun die Matrix R in ihre Hauptdiagonale Λ∈𝕂n×n bestehend aus den Eigenwerten λ1,
,λn von A und eine strikt obere Dreiecksmatrix N∈𝕂n×n, dann gilt fĂŒr die Frobeniusnorm von A

‖A‖F=‖R‖F=‖Λ‖F2+‖N‖F2=(|λ1|2+
+|λn|2)+‖N‖F2,

wobei die Frobeniusnorm von N genau dann Null ist, wenn A eine normale Matrix ist. Ist A nicht normal, dann stellt ‖N‖F ein Maß fĂŒr die Abweichung von der NormalitĂ€t dar.

Normeigenschaften

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Da die Summe zweier Matrizen A,B∈𝕂m×n und die Multiplikation einer Matrix mit einem Skalar komponentenweise definiert sind, folgen die Normeigenschaften Definitheit, absolute HomogenitĂ€t und SubadditivitĂ€t direkt aus den entsprechenden Eigenschaften der euklidischen Norm. Insbesondere folgt die GĂŒltigkeit der Dreiecksungleichung

‖A+B‖F≀‖A‖F+‖B‖F

aus der Cauchy-Schwarz-Ungleichung ĂŒber

‖A+B‖F2=‖A‖F2+2Re⁡⟹A,B⟩+‖B‖F2≀‖A‖F2+2‖A‖F‖B‖F+‖B‖F2=(‖A‖F+‖B‖F)2,

wobei ⟹⋅,⋅⟩ obiges Skalarprodukt auf Matrizen ist und Re den Realteil der komplexen Zahl angibt.

SubmultiplikativitÀt

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Die Frobeniusnorm ist submultiplikativ, das heißt fĂŒr Matrizen A∈𝕂m×n und B∈𝕂n×l gilt

‖AB‖F≀‖A‖F‖B‖F,

wie ebenfalls mit Hilfe der Cauchy-Schwarz-Ungleichung durch

‖AB‖F2=∑i=1m∑k=1l|∑j=1naijbjk|2=∑i=1m∑k=1l|⟹ai∗H,b∗k⟩|2≀∑i=1m∑k=1l‖ai∗H‖22‖b∗k‖22=∑i=1m‖ai∗H‖22∑k=1l‖b∗k‖22=‖A‖F2‖B‖F2

gezeigt werden kann. Hierbei ist ai∗ die i-te Zeile von A, b∗k die k-te Spalte von B, ⟹⋅,⋅⟩ das Standardskalarprodukt auf Vektoren und ‖⋅‖2 die euklidische Vektornorm.

VertrÀglichkeit mit der euklidischen Norm

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Die Frobeniusnorm ist mit der euklidischen Norm vertrĂ€glich, das heißt fĂŒr eine Matrix A∈𝕂m×n und einen Vektor x∈𝕂n gilt die Ungleichung

‖Ax‖2≀‖A‖F‖x‖2,

was wiederum ĂŒber die Cauchy-Schwarz-Ungleichung aus

‖Ax‖22=∑i=1m|∑j=1naijxj|2=∑i=1m|⟹ai∗H,x⟩|2≀∑i=1m‖ai∗H‖22‖x‖22=‖A‖F2‖x‖22

folgt und was lediglich den Spezialfall der SubmultiplikativitĂ€t fĂŒr l=1 darstellt.

UnitÀre Invarianz

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Die Frobeniusnorm ist invariant unter unitĂ€ren Transformationen (im reellen Fall orthogonalen Transformationen), das heißt

‖UAV‖F=‖A‖F

fĂŒr alle unitĂ€ren Matrizen U∈𝕂m×m und V∈𝕂n×n. Dies folgt direkt ĂŒber die Spurdarstellung aus

‖UAV‖F2=spur⁡((VHAHUH)(UAV))=spur⁡(AHA)=‖A‖F2.

Durch diese Invarianz Ă€ndert sich auch die Kondition einer Matrix bezĂŒglich der Frobeniusnorm nach einer Multiplikation mit einer unitĂ€ren Matrix von links oder rechts nicht.

Nichtdarstellbarkeit als Operatornorm

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Die Frobeniusnorm ist keine Operatornorm und damit keine natĂŒrliche Matrixnorm, das heißt, es gibt keine Vektornorm ‖⋅‖, sodass

maxx≠0‖Ax‖‖x‖=‖A‖F

gilt, da jede Operatornorm fĂŒr die Einheitsmatrix I den Wert Eins besitzen muss, jedoch ‖I‖F=min⁥{m,n} fĂŒr m,n≄2 einen Wert grĂ¶ĂŸer als Eins ergibt. Selbst eine entsprechend skalierte Version der Frobeniusnorm ist keine Operatornorm, da diese Norm dann nicht submultiplikativ ist, was eine weitere Eigenschaft jeder Operatornorm ist.

SpezialfÀlle

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Normale Matrizen

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Ist die Matrix A∈𝕂n×n normal mit Eigenwerten λ1,
,λn, dann gilt

‖A‖F=|λ1|2+
+|λn|2.

Die Frobeniusnorm entspricht damit der euklidischen Norm des Vektors der Eigenwerte der Matrix.

UnitÀre Matrizen

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Ist die Matrix A∈𝕂n×n unitĂ€r (im reellen Fall orthogonal), dann gilt

‖A‖F=spur⁡(AHA)=spur⁡(I)=n.

Die Frobeniusnorm hĂ€ngt in diesem Fall also nur von der GrĂ¶ĂŸe der Matrix ab.

Rang-Eins-Matrizen

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Besitzt die Matrix A∈𝕂m×n den Rang null oder eins, das heißt A=xyT mit x∈𝕂m und y∈𝕂n, dann gilt

‖A‖F=‖x‖2⋅‖y‖2,

wobei ‖⋅‖2 wieder die euklidische Vektornorm ist.

AbschÀtzung der Spektralnorm

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Die Frobeniusnorm wird in der numerischen linearen Algebra aufgrund ihrer einfacheren Berechenbarkeit hÀufig zur AbschÀtzung der Spektralnorm eingesetzt, denn es gilt

‖A‖2≀‖A‖F≀min⁥{m,n}⋅‖A‖2.

Gleichheit gilt dabei genau dann, wenn der Rang der Matrix null oder eins ist. Diese beiden AbschĂ€tzungen folgen aus der Darstellung der Frobeniusnorm ĂŒber die SingulĂ€rwertzerlegung aus

‖A‖22=σmax2≀σ12+
+σr2=‖A‖F2=σ12+
+σr2≀r⋅σmax2=r⋅‖A‖22,

wobei σ1,
,σr mit r≀min⁥{m,n} die SingulĂ€rwerte von A sind und σmax der maximale SingulĂ€rwert von A ist, der gerade der Spektralnorm entspricht. Die Summe der Quadrate der SingulĂ€rwerte wird dabei durch das Quadrat des grĂ¶ĂŸten SingulĂ€rwerts nach unten und durch das r-fache des Quadrats des grĂ¶ĂŸten SingulĂ€rwerts nach oben abgeschĂ€tzt.

Lineare Ausgleichsprobleme

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Ist A eine singulÀre oder nichtquadratische Matrix, so stellt sich oft die Frage nach ihrer nÀherungsweisen Inversen, also einer Matrix Z, sodass

A⋅Z≈I.

mit I als der Einheitsmatrix gilt. Die Moore-Penrose-Inverse A+ ist eine wichtige solche Pseudoinverse und definiert als diejenige Matrix, fĂŒr die die Abweichung in der Frobeniusnorm

‖I−A⋅Z‖F

minimal wird. Sie hat mittels einer SingulÀrwertzerlegung von A die Darstellung

A+=VÎŁ+UH,

wobei Σ+ aus der Diagonalmatrix Σ dadurch entsteht, dass die von Null verschiedenen Elemente invertiert werden. Über eine Pseudoinverse lassen sich beispielsweise Matrixgleichungen

A⋅X=B

durch

X≈A+B

nĂ€herungsweise lösen, wobei die NĂ€herungslösung ĂŒber die Moore-Penrose-Inverse dann den Fehler

‖B−A⋅X‖F

in der Frobeniusnorm im Sinne der Methode der kleinsten Quadrate minimiert.