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Gahmuret

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie

Gahmuret ist der Vater Parzivals,[1] des eigentlichen Helden im gleichnamigen mittelhochdeutschen Versroman Wolframs von Eschenbach.

Das Schicksal des Vaters erzĂ€hlt Wolfram als Vorgeschichte in den ersten zwei BĂŒchern. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat er die ErzĂ€hlhandlung weitgehend selbst entworfen, anders als die zentrale Geschichte von Parzival und dem Gral, die auf eine französische Vorlage von ChrĂ©tien de Troyes zurĂŒckgeht. Aus diesem Grund sind gerade die Gahmuret-BĂŒcher von besonderem Interesse fĂŒr viele Wissenschaftler.

Handlung um Gahmuret

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Gahmuret ist der jĂŒngere Sohn des Königs Gandin von Anschouwe. Nach dessen Tod soll der Ă€ltere der beiden Söhne den toten König allein beerben. Nach dem Wunsch des Volkes soll jedoch Gahmuret die HĂ€lfte des Erbes erhalten, um der Gerechtigkeit genĂŒge zu tun. Obwohl der Ă€ltere Bruder mit der Teilung des Erbes einverstanden ist, verlangt Gahmuret, der lieber die Welt erkunden will, nichts weiter als einen Tross fĂŒr eine Reise. Nachdem ihm zugestanden wird, was er verlangt, begibt er sich auf Erkundungsfahrt.

Seine Reise geht nach Osten bis in den Orient, den Wolfram nicht – wie seinerzeit ĂŒblich – als ausgesprochen wundersam, sondern in recht nĂŒchternem Ton beschreibt. Das gilt auch fĂŒr seine Darstellungen der Heiden. Im Orient heiratet Gahmuret die schöne Mohrenkönigin Belakane. Aus der Ehe geht ein Kind mit halb weißer und halb schwarzer Haut hervor, das Feirefiz genannt wird. Gahmuret verlĂ€sst seine Frau jedoch bereits vor dessen Geburt, vorgeblich, weil Belakane nicht getauft ist, sicher aber auch, weil er das Abenteuer liebt und sich deshalb nicht binden will, so dass er seinen Sohn aus der Verbindung mit Belakane niemals zu sehen bekommt.

SpĂ€ter fĂ€llt ihm in Spanien als Siegerpreis in einem Turnier die Hand der jung verwitweten Herzeloyde, einer Schwester des Gralskönigs Anfortas, zu. Obwohl Gahmuret diese Ehe zunĂ€chst nicht eingehen will, zwingt Herzeloyde ihn, den Turnierpreis anzunehmen. Gahmuret willigt erst ein, nachdem Herzeloyde ihm zugestanden hat, dass er regelmĂ€ĂŸig Turniere besuchen darf. Achtzehn Monate lang leben die beiden in großer Liebe, bevor Gahmurets Abenteuerlust sich wieder bemerkbar macht und er zum zweiten Mal eine schwangere Ehefrau verlĂ€sst und nicht mehr zurĂŒckkehrt.

Noch vor der Geburt ihres Sohnes Parzival erfÀhrt Herzeloyde vom Tod ihres Mannes, der wÀhrend einer neuerlichen Reise in den Orient in einer Schlacht umgekommen war[2]. Dies bewegt seine Frau Herzeloyde dazu, mit ihrem Sohn Parzival in der Wildnis zu leben, um diesen von einem Leben als Ritter und Abenteurer abzuhalten, damit sie nicht auch ihn noch verliert.

Parzival erlangt spĂ€ter durch die Verwandtschaft seiner Mutter mit dem Gralskönig Zugang zum Gralshof. Seinem Vater dagegen verdankt er die Verwandtschaft zum Artushof. Somit verbinden sich die beiden großen Verwandtschaftslinien des Romans in Parzival.

Zu erwĂ€hnen ist noch der doppelte Kursus der Gahmuret-Handlung: Das erste Buch, die Orientreise, und das zweite Buch, die Ehe mit Herzeloyde weisen signifikante Parallelen auf: Beide Frauen sind gerade erst verwitwete Königinnen und werben ungewöhnlich offensiv um Gahmuret. Schließlich werden beide von ihm schwanger zurĂŒckgelassen, da Gahmuret nicht von seinen ritterlichen Abenteuern lassen kann.

Einzelnachweise

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  1. ↑ Wolfram von Eschenbach, Parzival II, 9, 475,2f.: "mün vater der hiez Gahmuret, er was von arde ein Anschevün"; zitiert nach Wolfram von Eschenbach, Parzival Band 2, Reclams Universal-Bibliothek Nr.3682 [8] (1981), mittelhochdeutscher Text nach der Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung und Nachwort von Wolfgang Spiewok
  2. ↑ Parzival II, 9, 496, 28–30