Giovanni Rasori

Giovanni Rasori (* 20. August 1766 in Parma; â 12. April 1837 in Mailand) war ein italienischer Arzt.
Leben und Wirken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Rasori war der Sohn des Direktors der Krankenhausapotheke von Parma. Er begann seine Studien an der UniversitĂ€t dieser Stadt und erregte dabei das Interesse des Herzogs von Parma Ferdinand von Bourbon. Dieser ermöglichte es ihm, seine Studien drei Jahre in Florenz bei Felice Fontana, zwei Jahre in Pavia und schlieĂlich zwei Jahre (1793â1795) in England u. a. bei dem Chirurgen John Hunter fortzusetzen. Rasori war vom Klima der AufklĂ€rung und von der vorrevolutionĂ€ren Ăra fasziniert. 1795 lieĂ er sich in Mailand nieder. 1796 ernannte man ihn an Antonio Scarpas Stelle zum Dekan der UniversitĂ€t Pavia und zum Professor fĂŒr Pathologie.
In der Cisalpinischen Republik wurde Rasori 1797 SekretĂ€r des Innenministers Tadini in Mailand. 1799 im Zweiten Koalitionskrieg verlieĂ er die Stadt zusammen mit den Franzosen und er kehrte 1801 nach der Schlacht bei Marengo zurĂŒck. Er wurde Chefarzt am MilitĂ€rkrankenhaus und lehrte von 1806 bis 1814 medizinische Klinik am Ospedale Maggiore. Wegen seiner Beteiligung an einer Verschwörung gegen die Ăsterreicher verlor er 1814 seine Stellung und er wurde bis 1818 eingesperrt. Nach seiner Freilassung war er nur noch als Arzt tĂ€tig.
Contrastimulus
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Rasori machte sich zunĂ€chst die Erregungstheorie des schottischen Arztes John Brown (1735â1788) zu eigen, die jede Krankheit entweder als âstheniaâ, d. h. Ăberreizung, oder âastheniaâ, die UnfĂ€higkeit, auf Reize zu reagieren definierte. DemgemÀà wurde die Therapie auf die Anwendung anregender und dĂ€mpfender Mittel reduziert.[1]
Bei einer schweren Thyphusepidemie in Genua 1799 konnte Rasori Browns Theorie in der Praxis in groĂem MaĂstab anwenden. Er war jedoch von den Ergebnissen enttĂ€uscht und erweiterte das Brownâsche System, indem er dem Zustand der âsthenieâ die Bezeichnung âdiathesis di stimuloâ und dem Zustand der âasthenieâ die Bezeichnung âdiathesis di contrastimuloâ gab. Um welchen Zustand es sich jeweils handle, könne nur durch die Wirkung des Heilmittels entschieden werden. Sein bevorzugtes Probemittel war der Aderlass, den er oft und reichlich anwandte.[2]
Werke (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- John Brown: Elementa medicinae. (Edinburgh 1780) Pavia 1792 (in italienischer Sprache).
- Storia della febbre epidemica di Genova negli anni 1799 e 1800. Pirotta e Maspero, Mailand 1801 (anno IX) (deutsch Wien 1803; französisch Paris 1822) (Digitalisat)
- Opusculi di medicina clinica. Band I und II, G. Pirotta, Mailand 1830 (Digitalisat)
- Theorie de la phlogose de J. Rasori, traduite de lâItalien par Sirus Pirondi. BailliĂšre, Paris 1839. Band I (Digitalisat) Band II (Digitalisat)
- Principii nuovi di terapeutica. Opera postuma. Band I und II. Ducale, Parma 1842 (Digitalisat)
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Josef Bauer. Geschichte der AderlĂ€sse. MĂŒnchen 1870, S. 207â211: Die Lehre vom Contrastimulus (Digitalisat)
- Julius Pagel. Rasori, Giovanni R. In: Biographisches Lexikon der hervorragenden Ărzte aller Zeiten und Völker. Urban&Schwarzenberg, Wien und Leipzig 1886, Band IV, S. 672â673 (Digitalisat)
- Giorgio Cosmacini: Il medico giacobino. La vita e i tempi di Giovanni Rasori. Laterza, Rom 2002.
- Rainer Brömer: Rasori, Giovanni. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): EnzyklopÀdie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1214.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Josef Bauer. Geschichte der AderlĂ€sse. MĂŒnchen 1870, S. 202â207 John Brown und dessen Einfluss (Digitalisat)
- â Josef Bauer. Geschichte der AderlĂ€sse. MĂŒnchen 1870, S. 207â211: Die Lehre vom Contrastimulus (Digitalisat)
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Rasori, Giovanni |
| KURZBESCHREIBUNG | italienischer Arzt |
| GEBURTSDATUM | 20. August 1766 |
| GEBURTSORT | Parma |
| STERBEDATUM | 12. April 1837 |
| STERBEORT | Mailand |