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Greta Thunberg

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Greta Thunberg mit der palästinensischen Kufiya (November 2025)

Greta Tintin Eleonora Ernman Thunberg[1] [ˈɡreːˌta ˈtʉːnˌbærj] anhörenⓘ/? (* 3. Januar 2003 in Stockholm) ist eine schwedische Aktivistin. International bekannt wurde sie ab 2018 durch ihre Schulstreiks für mehr Klimaschutz, aus denen die Bewegung Fridays for Future (FFF) hervorging.

Ihr Einsatz für eine an den Erkenntnissen der Wissenschaft orientierte, konsequente Klimapolitik fand weltweit Beachtung. Die von ihr initiierten „Schulstreiks für das Klima“ sind zur globalen Bewegung Fridays for Future angewachsen. Mit Schulstreiks wollte sie erreichen, dass Schweden das Klima-Übereinkommen von Paris einhält. Als Repräsentantin der internationalen Klimaschutzbewegung wurde sie 2019 mit dem Right Livelihood Award ausgezeichnet und vom US-Magazin Time als bislang jüngste Person zur Person of the Year gewählt.

Seit Beginn des Krieges in Israel und Gaza 2023 engagiert sich Thunberg als propalästinensische Aktivistin und vertrat dabei auch Positionen, die als antisemitisch kritisiert wurden.

Leben

Greta Thunberg ist die ältere von zwei Töchtern der Opernsängerin Malena Ernman und des Schauspielers Svante Thunberg.[2] Zu ihren Großeltern zählen die Schauspieler Olof Thunberg (1925–2020) und Mona Andersson (* 1936). Vom Klimawandel erfuhr sie zum ersten Mal mit acht Jahren in der Schule; danach begann sie, immer mehr darüber zu lesen.[3] Sie entwickelte Depressionen; mit 12 Jahren wurde bei ihr Asperger-Autismus diagnostiziert.[2][4] Ihr anschließendes Klima-Engagement half ihr, Essstörungen und Depression zu überwinden.[5] Sie begann zunächst, zur Energieeinsparung die Beleuchtung im Haus auszuschalten. Später entschied sie sich, nicht mehr zu fliegen und sich vegan zu ernähren, und überzeugte auch ihre Familie davon.[6][7]

Im Mai 2018 wurde die damals fünfzehnjährige Thunberg Preisträgerin eines Schreibwettbewerbs zur Umweltpolitik, der vom Svenska Dagbladet initiiert worden war. Durch die Veröffentlichung ihres Beitrags entstanden gemäß Angaben Thunbergs Kontakte zu verschiedenen Personen, die sie zu ihrem Engagement inspirierten.[8][9] Kurz darauf begann sie, sich auch in der Öffentlichkeit aktiv für den Klimaschutz einzusetzen. Gegenüber dem New Yorker erklärte sie (übersetzt): „Ich sehe die Welt etwas anders, aus einer anderen Perspektive. Ich habe ein Spezialinteresse. Es ist sehr verbreitet, dass Menschen im Autismus-Spektrum ein Spezialinteresse haben.“[10] Mit Schulstreiks wollte sie erreichen, dass Schweden das Klima-Übereinkommen von Paris einhält.[2][10][11][12] Gegenüber dem ZDF ergänzte sie: „Und ich mag es nicht, wenn Menschen das eine sagen und das andere machen.“[13] Gemeinsam mit ihrem Vater und ihrer jüngeren Schwester Beata wirkte sie am 2018 erschienenen Buch Scener ur hjärtat (deutsch „Szenen aus dem Herzen“) ihrer Mutter mit.[14]

Im Schuljahr 2018/2019 war Thunberg im Abschlussjahrgang der 9-jährigen Grundschule, die sie trotz ihres Schulstreiks mit hervorragenden Noten abschloss.[15] Am 31. Mai 2019 kündigte sie am Rande einer Demonstration in Wien an, nach dem Abschluss zunächst ein Jahr die Schule auszusetzen (Gap Year), da sie Klimaaktivismus und Schulbesuch nicht vereinbaren könne.[16] Eine Schulpflicht galt für sie nicht mehr, diese endet in Schweden nach neun Jahren. Im August 2020 nahm Greta Thunberg den Schulbesuch im kommunalen, auf Nachhaltigkeit orientierten Stockholmer Gymnasium Globala gymnasiet[17] wieder auf.[18]

Im Herbst 2021 verließ sie ihr Elternhaus und bezog eine eigene Wohnung in Stockholm.[19] Mit Abschluss ihrer Schullaufbahn im Juni 2023 erklärte sie ihren persönlichen „Schulstreik“ für beendet, kündigte jedoch gleichzeitig an, weiterhin freitags für Klimaschutz zu demonstrieren.[20]

Positionen

Thunberg in Brüssel (6. Oktober 2018, schwedisch mit Untertiteln)

Thunberg vertritt die Meinung, dass die Politik viel zu wenig für Klimaschutz tue und damit unverantwortlich handle, insbesondere gegenüber jungen Menschen. Sie fordert eine erhebliche Intensivierung der Klimaschutzbemühungen weltweit und will so lange weiterstreiken, bis ihr Heimatland Schweden die Treibhausgasemissionen um 15 % pro Jahr reduziert. Hierbei argumentiert sie, Schweden als reiches Land habe die Verpflichtung, die Emissionen schneller zu senken als andere Staaten.[21] Thunberg beklagt, dass die Biosphäre geopfert werde, damit reiche Menschen in Ländern wie Schweden in Luxus leben können. Sie verweist auf globale Ungerechtigkeit und das durch den Menschen verursachte Artensterben. Sie fordert, dass Staaten wie Schweden und das Vereinigte Königreich als erste ihre Emissionen aus Verbrennung fossiler Energieträger um jährlich 15 % senken sollen. Um globale Gerechtigkeit gemäß dem Pariser Klimaabkommen anzustreben, sollten reiche Länder ihre Emissionen innerhalb von sechs bis zwölf Jahren auf null reduzieren und so Ländern wie Indien und Nigeria den Aufbau von Infrastruktur ermöglichen. Die Menschen sollten durch zivilen Ungehorsam einen Systemwechsel erwirken, so dass kein Öl mehr gefördert werde.

Mit Verweis auf die seit 1995 jährlich stattfindenden Klimakonferenzen und die trotzdem steigenden Treibhausgasemissionen sieht sie Politikversagen. Unter anderem sprach sie auf der UN-Klimakonferenz in Katowice 2018 und betonte die Schwere der Klimakrise, die noch nicht verstanden sei: Politiker verhielten sich unverantwortlich und wie kleine Kinder, daher sei es nun an der jungen Generation, ihre Zukunft selbst in die eigenen Hände zu nehmen und das zu tun, was die Politik schon lange hätte tun müssen. Es sei die Aufgabe der Jugend, zu verstehen, was ihr die ältere Generation mit dem Klimawandel angetan habe, und das Chaos aufzuräumen, mit dem ihre Generation leben müsse. Daher müssten junge Menschen nun selbst dafür sorgen, dass ihre Stimmen gehört würden. Hingegen werde sie die Spitzenpolitiker nicht weiter anflehen, sich um die Zukunft der jungen Generation zu kümmern. Vielmehr werde sie ihnen klarmachen, dass es zu Änderungen komme, ob sie wollten oder nicht. Ihr eigener Protest, der rasch Nachahmung in aller Welt gefunden habe, zeige, dass niemand zu unbedeutend sei, um etwas zu bewegen.[21]

“What I hope we achieve at this conference is that we realise that we are facing an existential threat. This is the biggest crisis humanity has ever faced. First we have to realise this and then as fast as possible do something to stop the emissions and try to save what we can save.”

„Was ich auf dieser Konferenz zu erreichen hoffe, ist die Erkenntnis, dass wir einer existenziellen Bedrohung ausgesetzt sind. Dies ist die größte Krise, in der sich die Menschheit je befunden hat. Zuerst müssen wir dies erkennen und dann so schnell wie möglich etwas tun, um die Emissionen aufzuhalten, und versuchen, das zu retten, was wir noch retten können.“

– Greta Thunberg auf der UN-Klimakonferenz in Katowice 2018: Zitiert in: The Guardian, 4. Dezember 2018[21][22]

Ihre Klimaschutzaktionen sieht sie als wichtiger an als in die Schule zu gehen. An andere Schüler gerichtet sagte sie, sie müssten nicht streiken, jeder solle selbst für sich entscheiden. Allerdings frage sie sich, welchen Sinn es habe, in der Schule für eine Zukunft zu lernen, die es schon bald nicht mehr geben könnte. Daher sei der Streik für sie wichtiger als die Schule.[21] Den versäumten Lernstoff hole sie außerhalb des Unterrichts nach.[23]

“Some people say that I should study to become a climate scientist so that I can ‘solve the climate crisis’. But the climate crisis has already been solved. We already have all the facts and solutions. All we have to do is to wake up and change.”

„Einige Leute sagen, dass ich studieren sollte, um Klimawissenschaftlerin zu werden, damit ich ‚die Klimakrise lösen‘ kann. Aber die Klimakrise ist bereits gelöst. Wir haben bereits alle Fakten und Lösungen. Alles, was wir tun müssen, ist, aufzuwachen und uns zu verändern.“

– Greta Thunberg: Rede bei der „Declaration of Rebellion“ in London 31. Oktober 2018[24]

Als Begründung für ihren Schulstreik, bei dem sie die Schulpflicht vernachlässigt, nannte sie die Zukunftsvergessenheit der Erwachsenen.

„Wir Kinder tun oft nicht das, was ihr Erwachsenen von uns verlangt. Aber wir ahmen euch nach. Und weil ihr Erwachsenen euch nicht für meine Zukunft interessiert, werde ich eure Regeln nicht beachten.“

– Greta Thunberg: Zitiert in: Der Tagesspiegel, 3. Dezember 2018[25]

Auf einem Flyer beschreibt sie ihr Selbstverständnis und die Motive ihres Handelns pointierter:

„Wir Kinder tun normalerweise nicht das, was Erwachsene uns sagen. Wir tun es ihnen nach. Und nachdem ihr auf meine Zukunft scheißt, scheiße ich auch darauf.“

– Greta Thunberg: Zitiert in: Zeit Online, 30. Januar 2019.[26]

Aus Flugscham und somit zur Vermeidung der CO2-Emissionen von Flugreisen reist Greta Thunberg auch zu weit entfernten Veranstaltungen mit dem Zug oder im Elektroauto.[27][28][29] Sie zog 2018 ihre Teilnahme als Finalistin für den Kinder- und Jugendklimapreis des Energieversorgungsunternehmens Telge Energi zurück, da die anderen Finalisten und ihre Begleiter mit dem Flugzeug nach Stockholm fliegen sollten, aber die Generation der Erwachsenen bereits das CO2-Budget aufgebraucht habe.[30]

Nachdem am 15. März 2019 in verschiedenen Städten laut Veranstaltern weltweit über 1,4 Millionen Schüler demonstriert hatten, appellierte Thunberg, zur Lösung der Klimakrise das Gesamtbild zu betrachten und sich von der besten verfügbaren Wissenschaft leiten zu lassen.[31]

Thunberg schrieb im März 2019 auf Facebook, dass Kernenergie ein kleiner Teil einer neuen kohlenstofffreien Energielösung sein könne, dass sie Kernenergie jedoch für „extrem gefährlich, teuer und zeitaufwendig“ halte. Nach zahlreichen Reaktionen und von ihr empfundener „Rosinenpickerei“ ihrer Aussage durch Medien und Bürger präzisierte sie, dass der erste Teil des Satzes die Einschätzung des Weltklimarats (IPCC) wiedergebe und sie persönlich gegen Atomkraft sei.[32][33][34]

In einem am 2. Februar 2019 veröffentlichten Interview mit Spiegel Online antwortete Greta Thunberg auf die Frage „Ist die Demokratie Ihrer Ansicht noch das richtige System, um die Krise abzuwenden? Oder wollen Sie eine Art Ökodiktatur?“ mit den Worten: „Unsere Demokratie ist alles, was wir haben. Wir dürfen sie nicht opfern. Und gerade darum müssen wir jetzt handeln: innerhalb unseres demokratischen Systems.“[11]

In der Ellen DeGeneres Show sagte sie am 1. November 2019, ein Treffen mit US-Präsident Trump wäre Zeitverschwendung, weil sie ihm nichts sagen könne, was er nicht schon gehört habe. Von Ellen DeGeneres zu ihrem Autismus befragt bekräftigte sie, dass sie die Diagnose als Geschenk ansehe: „In einer Krise wie dieser brauchen wir Leute, die anders denken können.“ Befragt, was sie selbst tue, nannte sie vier Punkte: Sie habe aufgehört zu fliegen, sie lebe vegan, habe sich einen „Shop Stop“ auferlegt, kaufe also nur noch das Nötigste, und sie übe auf Leute in Machtpositionen Druck aus.[35]

Thunberg in Göteborg (September 2022)

Im Zuge der Energiekrise nach dem russischen Überfall auf die Ukraine sprach sich Thunberg im Oktober 2022 in einem Interview mit der Journalistin Sandra Maischberger für den Weiterbetrieb der deutschen Atomkraftwerke aus. Sie hielte es für falsch, die noch aktiven AKW in Deutschland abzuschalten und stattdessen verstärkt auf Kohlekraft zu setzen. „Wenn sie schon laufen, glaube ich, dass es ein Fehler wäre, sie abzuschalten und sich der Kohle zuzuwenden“, sagte die Gründerin der Bewegung Fridays for Future wörtlich.[36]

Wirken

Thunberg vor dem schwedischen Parlamentsgebäude in Stockholm im August 2018 („Schulstreik für das Klima“)

Klimastreikbewegung

Thunbergs Klimaaktivismus begann während der Dürre- und Hitzewelle 2018, die weite Teile Europas erfasst hatte, und drei Wochen vor der Wahl zum Schwedischen Reichstag. Am 20. August 2018, dem ersten Schultag nach den Ferien, platzierte sie sich mit einem Schild mit der Aufschrift „Skolstrejk för klimatet“ („Schulstreik für das Klima“) vor dem Schwedischen Reichstag in Stockholm.[2] Zunächst agierte sie allein. Am ersten Tag berichteten mehrere schwedische Medien über Thunberg, so unter anderem das schwedische Boulevardblatt Aftonbladet auf seiner Website[37] und die Zeitung Expressen.[38] Am nächsten Tag war Thunberg auf der Titelseite der Stockholmer Regionalausgabe von Dagens Nyheter abgebildet.[39] Thunberg berichtete von ihrer Aktion auf ihrem Twitter-Konto, das allerdings laut einer Auswertung des Onlineportals Faktenfinder der ARD-Tagesschau damals sehr selten genutzt wurde und nur eine geringe Verbreitung erfuhr.[40] In Deutschland veröffentlichte am 27. August Die Tageszeitung einen ersten Bericht.[23] Sowohl ihre Eltern als auch ihre Lehrer kritisierten laut der Berichte ihren Streik, unterbanden ihn aber nicht. Sie führte diesen Schulstreik bis zur Wahl zum Schwedischen Reichstag am 9. September 2018 täglich durch und nach der Reichstagswahl nur noch einmal pro Woche am Freitag.

Ihre Fähigkeit, Menschenmengen zu begeistern (darunter nicht nur Jugendliche und junge Erwachsene), zeigte sie bei einem Auftritt bei Extinction Rebellion in London am 31. Oktober 2018.[41][42]

Als Klimastreikerin fand Greta Thunberg ab November 2018 Nachahmer, zunächst in Schweden, wo sich bald Schülerinnen und Schüler vor den Rathäusern von rund hundert schwedischen Kommunen ihrem Protest anschlossen. Es folgten gleichartige Aktionen unter anderem in Australien, Belgien, Frankreich, Finnland und Dänemark.[2][43] Die Jugendlichen, bei denen die Botschaft Thunbergs, sich die Zukunft nicht stehlen zu lassen, Anklang fand und findet, organisieren sich unter dem Hashtag #FridaysForFuture.[44]

In Australien streikten am 30. November 2018 mehr als 10.000 Schüler gegen den Klimawandel. An diesem Tag waren es allein in Belgien mehr als 1.000 Schüler, die gegen den Klimawandel streikten.[45] Premierminister Scott Morrison kommentierte die Entwicklung in seinem Land mit den Worten: „Wir wollen mehr Lernen und weniger Aktivismus in der Schule.“[2] Die Kinder sollten zur Schule gehen. Thunberg erwiderte via Twitter: „Tut uns leid, Mr Morrison. Können wir nicht erfüllen.“[2] Ähnlich wie ihr australischer Amtskollege argumentierte im Februar 2019 auch die damalige britische Premierministerin Theresa May.[46] Bis Anfang Dezember 2018 hatten sich dem Aufruf weltweit mehr als 20.000 Schüler in rund 270 Städten angeschlossen.[21] Auch in Deutschland bestreikten Schüler in verschiedenen Städten den Unterricht.[47]

Thunberg, mittlerweile zu einem Idol der Klimaschutzbewegung geworden,[29][48] trat in den folgenden Monaten bei Protestveranstaltungen in verschiedenen europäischen Ländern auf.

Am Rande der Münchener Sicherheitskonferenz deutete die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel an, dass es einen Zusammenhang zwischen den anschwellenden Schülerprotesten in Deutschland und der „hybride[n] Kriegsführung“ [Russlands] gebe. Einen Anlass dafür, „dass plötzlich alle deutschen Kinder – nach Jahren ohne sozusagen jeden äußeren Einfluss – auf die Idee kommen, dass man diesen Protest machen muss“, könne sie nicht erkennen.[49] Diese Lesart dementierte Regierungssprecher Steffen Seibert kurz darauf auf Twitter. Greta Thunberg interpretierte Merkels Äußerung als unglückliche Formulierung. Problematisch sei allerdings das Muster, dass im Zusammenhang mit den Schulstreiks alle möglichen Themen erörtert werden, jedoch nicht der Klimawandel, der schließlich der Anlass dafür sei. Der These, dass es für die Schülerstreiks keinen „äußeren Einfluss“ gegeben habe, widersprach Thunberg und verwies darauf, dass die Führungselite der Welt seit Jahrzehnten über die existenzielle Bedeutung der Klimakrise informiert gewesen und im Grunde untätig geblieben sei.[50]

Am 22. April 2019 verschärfte Greta Thunberg in London ihre Kritik an den Politikern und anderen Mächtigen: „Viel zu lange standen die Politiker und die Leute an der Macht im Weg, ohne irgendetwas zu tun, um gegen die Klimakrise und die ökologische Krise zu kämpfen. […] Aber wir werden sicherstellen, dass sie nicht länger damit davonkommen.“[51]

UN-Klimakonferenz in Katowice 2018

Im Dezember 2018 reiste sie zusammen mit ihrem Vater in einem Elektroauto zur UN-Klimakonferenz in Katowice nach Polen.[6] Dort traf sie sich mit dem UN-Generalsekretär António Guterres. Sie richtete einen Appell an ihn[21][52] und hielt später eine Rede im Plenarsaal des Gipfels. Diese Rede wurde anschließend im Internet viral geteilt.[7] Infolgedessen wurde Thunberg unter anderem von Leugnern des Klimawandels und rechten Politikern kritisiert, angefeindet oder als „ideologisch verblendet“ diffamiert.[53][54]

Weltwirtschaftsforum Davos 2019

Vom 23. bis 25. Januar 2019 nahm Greta Thunberg am 49. Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums teil. Sie brach einen Tag vorher von Schweden aus in Richtung Davos auf. Um die hohe CO2-Emission einer Flugreise zu vermeiden, fuhr sie mit der Bahn.[55]

In Davos traf sie prominente Forumsteilnehmer wie Christine Lagarde (IWF),[56] den Musiker Bono und die Verhaltensforscherin Jane Goodall.[57] Die Session Preparing for Climate Disruption, an der Greta Thunberg teilnehmen konnte, fand am Freitagvormittag statt, als schon viele einflussreiche Teilnehmer abgereist waren; zudem wurde nur hinter verschlossenen Türen in einem Saal mit 58 Plätzen diskutiert. In der anschließenden Fragerunde stellte Greta Thunberg fest, dass sie die Vertreter der Öl- und Gasindustrie, denen sie gerne persönlich ihre „Verbrechen gegen die Menschheit“ erklärt hätte, nicht mehr auf der Tagung vorgefunden habe.[58] Ihr Auftritt hatte insbesondere auf Twitter diskreditierende Kommentare hauptsächlich von Männern des rechten Spektrums zur Folge. Diese zielten oftmals auf ihr Alter, ihr Geschlecht und ihren Autismus ab. Damit werde versucht, Thunberg als „Person und Individuum abzuwerten“, um eine Auseinandersetzung auf Augenhöhe mit ihren Argumenten zu verhindern. Eine inhaltliche Kritik an Thunbergs Positionen fand in solchen Kommentaren überwiegend nicht statt.[59]

Europäische Union

Greta Thunberg spricht mit dem Präsidenten des Europäischen Parlaments, Antonio Tajani, 2019

Am 21. Februar 2019 sprach Thunberg vor dem Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss in Brüssel. Sie forderte, dass die EU den CO2-Ausstoß bis 2030 um mindestens 80 Prozent senkt. Dabei dürften auch die Bereiche Luftfahrt und Schifffahrt nicht ausgespart werden. Sie bezog sich auf die Warnungen des Weltklimarates IPCC, nach dessen jetzigen Erkenntnissen die Temperaturen um drei bis vier Grad ansteigen könnten.[60]

Jean-Claude Juncker, Präsident der Europäischen Kommission, begrüßte Greta Thunberg in Brüssel. Ohne Thunberg namentlich zu nennen, sagte er, er habe selbst als junger Mensch immer nur in seiner Freizeit demonstriert.[61]

Am 16. April 2019 sprach Thunberg vor dem Umweltausschuss. Sie forderte die Abgeordneten auf, „in Panik über den Klimawandel zu geraten“ und keine Zeit mehr „mit Diskussionen über den Brexit zu verschwenden“.[62]

Atlantiküberquerung in Ost-West-Richtung

Thunberg bei einer Demonstration für mehr Klimaschutz in Denver im Oktober 2019
Thunberg im Gespräch mit dem US-amerikanischen Abgeordneten Brendan Boyle, 2019

Greta Thunberg nahm am UN-Klimagipfel im Rahmen der jährlichen Climate Week NYC vom 23. bis zum 29. September 2019 in New York City und an der Generalversammlung der Vereinten Nationen teil. Sie wollte anschließend zur ursprünglich in Santiago de Chile geplanten UN-Klimakonferenz 2019 reisen.[63]

Ende Mai erklärte sie dazu, dass ihre Teilnahme eine zeitaufwändige Anreise erfordere, da sie Flugreisen ablehne. Sie kündigte ein einjähriges Schul-Sabbatical an.[16] Im Juli nahm sie ein Angebot des deutschen Seglers Boris Herrmann an, den Atlantik mit der Segelyacht Malizia II zu überqueren, deren elektrische Systeme mit Strom aus Hydrogeneratoren und einem Photovoltaiksystem betrieben werden.[64] Für alle anfallenden klimaschädlichen Aktivitäten des Teams Malizia erfolgt nach eigenen Angaben seit 2018 eine Klimakompensation. Am 14. August 2019 legte das Boot mit Herrmann, seinem Kollegen Pierre Casiraghi, Thunberg, ihrem Vater sowie dem Dokumentarfilmer Nathan Grossman an Bord in Plymouth für seine etwa zweiwöchige Fahrt ab.[65]

Die Tageszeitung schrieb am 15. August 2019, Thunbergs Atlantiküberquerung per Segelyacht verursache mehr Treibhausgasausstoß, als wenn die Aktivistin und ihr Vater nach New York geflogen wären. Die taz berief sich auf die Angabe von Andreas Kling, Sprecher des Teams Malizia, dass „etwa fünf Mitarbeiter“ die Yacht nach Europa rücküberführen würden, wofür sie in die USA fliegen müssten. Zudem werde Boris Herrmann zurückfliegen. Es fielen also sechs Flüge an statt nur zwei.[66] Am selben Tag sagte Kling laut Nachrichtenagentur dpa, diese Rechnung sei ihm bekannt. Es gehe aber nicht darum, mit der Aktion allein das Klima zu retten, sondern man wolle Aufmerksamkeit erregen.[67] Später erklärte Malizia-Sprecherin Holly Cova, vier Mitarbeiter würden das Boot zurücksegeln, „zwei von ihnen werden bereits in den USA sein.“ Außer Herrmann werde aus Zeitgründen auch sein Co-Skipper Pierre Casiraghi nicht zurücksegeln können.[68]

Am 28. August 2019 traf die Klimaaktivistin in New York ein und wurde von zahlreichen Sympathisanten begrüßt.[69] Dort wurde sie von 17 von der UN ausgesandten Segelbooten empfangen, die jeweils eines der 17 von den Vereinten Nationen anvisierten Ziele für nachhaltige Entwicklung auf den Segeln trugen.[70][71] An der Seite von Jamie Margolin und weiteren Aktivisten sagte sie 2019 als Zeugin vor dem US-Kongress aus.

Rede vor UN-Klimagipfel

Am 23. September 2019 traf sie beim UN-Klimagipfel in New York zunächst Bundeskanzlerin Angela Merkel und hielt anschließend eine Rede. Dort forderte sie emotional aufgewühlt die rund 60 anwesenden Staats- und Regierungschefs zu mehr Einsatz beim Schutz des Klimas auf und warf ihnen vor, ihre Generation im Stich zu lassen. Menschen würden leiden und sterben. Die Welt stehe am Anfang eines Massenaussterbens, und die einzigen Themen, worüber Politiker redeten, seien „Geld und die Märchen von einem für immer anhaltenden wirtschaftlichen Wachstum“. Sie hätten ihr mit „ihren leeren Worten“ ihre „Träume“ und ihre „Kindheit gestohlen“. Sie zeigte sich empört darüber, wie Politiker es wagen könnten, zu behaupten, dass sie genug täten; und sie wolle Politikern einfach nicht glauben, wenn sie sagten, dass sie die Dringlichkeit verstünden. Denn, wenn es Politiker im vollen Bewusstsein um die Situation nicht fertig brächten, zu handeln, dann wären sie „bösartig“. Und das wolle sie einfach nicht glauben.[72] Zugleich fragte sie mit Bitternis: „Wie könnt ihr es wagen zu glauben, dass man das lösen kann, indem man so weitermacht wie vorher – und mit ein paar technischen Lösungsansätzen?“ Wenn die Regierungen sich dazu entschieden, die künftigen Generationen im Stich zu lassen, dann würden diese ihnen niemals verzeihen.[73][74][75] Ihr Ausruf „How dare you!“ („Wie könnt ihr es wagen!“) wurde von der Presse weltweit aufgegriffen.[74][76][77] Es wurde in verschiedenen Musikstücken[78][79] und Buchtiteln[80]