Hans Nobiling

Johannes Theodor âHansâ Nobiling (* 10. September 1877 in Hamburg; â 30. Juli 1954 in JacarepaguĂĄ, Rio de Janeiro) war ein deutschbrasilianischer FuĂballspieler und -pionier.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Familie und Beruf
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Hans Nobiling war das jĂźngste von sechs Kindern aus erster Ehe des Hamburger Kaufmanns Theodor Nobiling (1815â1889). Nachdem zuerst seine Schwester Magda âGollaâ (1869â1949) nach SĂŁo Paulo auswanderte und dort um 1884 den deutschstämmigen Apotheker und Politiker Henrique Schaumann heiratete, nach dem heute eine StraĂe in der Stadt benannt ist, folgte sein Bruder Theodor. Dieser arbeitete zunächst fĂźr die Firma Zerrenner, Buelow & Cia. Später wurde er Teilhaber und leitete die Zweigstelle in Santos. Er war auch Honorarkonsul der Niederlande in Santos und wirkte, teils als Vorsitzender, bei diversen deutsch-migrantischen Institutionen wie der Deutschen Schule. In der Ehe mit Rosa, geb. Fenchel (1863â1907) war die Bildhauerin, Keramikerin und Grafikerin Elisabeth Nobiling das jĂźngste von fĂźnf Kindern. Sein Bruder Oskar Nobiling (1865â1912), Philologe und Romanist, folgte 1889 nach Brasilien und wurde dort ordentlicher Professor, ehe er nach Deutschland zurĂźckkehrte. Auch Hans Nobilings Schwestern Olga (1869â1940) und Gertrud (1872â1974), eine Lehrerin, lieĂen sich in Brasilien nieder.
Hans Nobiling kam 1897 in São Paulo an. Zunächst arbeitete er bis 1899 fßr Drogaria Mourier & Cia. Danach war er bei der Brasilianischen Bank fßr Deutschland, wo er ab 1907 Abteilungsleiter war. Zwischen 1930 und 1938 lebte er im von vielen Deutschen als neue Heimat auserkorenen Staat Santa Catarina. Dort war er Repräsentant des Vereins Sociedade Colonizadora Hanseatica in Joinville.
Sportliches Wirken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Deutschland hatte Hans Nobiling beim Sport Club Germania 1887, einem Vorgängerverein des Hamburger SV, FuĂball gespielt und es bis zur Hamburger Meisterschaft gebracht. Er wanderte 1897 von Hamburg nach SĂŁo Paulo aus, um sich dort als Kaufmann niederzulassen. Bei der Ankunft hatte er in seinem Gepäck unter anderem einen FuĂball, die Statuten der Germania und des Hamburger Sportverbandes. Zunächst trat er mit einer Mannschaft namens Hans Nobilings Team an, einer der ersten FuĂballmannschaften in Brasilien.
Als Nobiling aus der Spielgemeinschaft einen regulären Club machen wollte, kam es zu einem Namensstreit: 15 Spieler votierten fĂźr âInternacionalâ, fĂźnf fĂźr âGermâniaâ. Der somit am 19. August 1899 als Sport Club Internacional gegrĂźndete Verein sollte seinen Weg in der FuĂballgeschichte Brasiliens machen. Nach den Staatsmeisterschaften 1907 und 1928 geriet der Verein aber in den 1930ern in finanzielle Bedrängnis. Durch Fusionen wurde er bis zum Ende des Jahrzehntes Teil des späteren Weltpokalsiegers SĂŁo Paulo FC.

Hans Nobiling war enttäuscht, dass sein Namensvorschlag wenig Widerhall fand. Gemeinsam mit den BrĂźdern Wahnschaffe verlieĂ er den neuen Verein und bereits am 7. September 1899 begrĂźndete er mit anderen deutschen Einwanderern im Haus der Wahnschaffes den Sport Club Germânia. Er gab diesem nicht nur denselben Namen, sondern auch die gleichen Vereinsfarben wie seinem frĂźheren Hamburger Club. Germânia war damit nach dem Verein des englischstämmigen Urpioniers Charles Millers SĂŁo Paulo Athletic Club sowie dem Mackenzie College und Internacional der vierte FuĂballverein Brasiliens. Die Rudervereine aus Rio de Janeiro, Flamengo und Vasco da Gama mĂśgen wenige Jahre älter sein, doch begannen diese mit dem FuĂballspielbetrieb erst im zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts.
Nobiling blieb bis 1902 Präsident des SC Germânia, wurde später Ehrenmitglied und 1939, im Rahmen diverser tiefgreifender Satzungsänderungen und der Umbenennung des Vereins in Esporte Clube Germânia, einstimmig zum Ehrenpräsidenten gewählt. Germânia gehÜrte im Dezember 1901 zu den Grßndungsmitgliedern des der Liga Paulista de Foot-Ball und der Staatsmeisterschaft, dem Campeonato Paulista, welches der Verein 1906 und 1915 gewann. Hans Nobiling war an der Seite von Charles Miller, Belfort Duarte und Herbert Boyes Teil der Auswahlmannschaft von São Paulo die im Oktober 1901 auf dem Platz des São Paulo Athletic Clubs die ersten beiden Spiele gegen eine von Oscar Cox, dem Grßnder des Fluminense FC, angefßhrte Auswahl von Rio de Janeiro, und damit die ersten Spiele zwischen Mannschaften aus verschiedenen Bundesstaaten Brasiliens ßberhaupt, bestritt. Die Partien endeten 2:2 und 0:0.[1]
Gemeinsam mit Hermann Friese, der ebenfalls vom Hamburger SC Germania stammte, unterstĂźtzte er um 1909 die Ăffnung des Vereins auch fĂźr Farbige, um so die Aufnahme des deutschstämmigen Mulatten Arthur Friedenreich auf Wunsch dessen wohlhabenden Vaters zu ermĂśglichen. Friedenreich, der zum ersten groĂen Star der brasilianischen FuĂballgeschichte heranreifen sollte, spielte erstmals 1909 fĂźr Germânia und trat 1911 erneut fĂźr Germânia an. Bereits 1905 war es Nobiling, der enge Kontakte nach Deutschland hielt, gelungen, den späteren deutschen Nationalmannschaftskapitän und Olympiateilnehmer Camillo Ugi fĂźr ein viermonatiges Gastspiel beim SC Germânia zu gewinnen. Nobiling hatte ihn mit einem lukrativen Posten in seinem Handelskontor nach SĂŁo Paulo gelockt.
1924 gehĂśrten Nobiling und der SC Germânia auch zu den MitbegrĂźndern des Tennisverbandes von SĂŁo Paulo, der Federação Paulista de TĂŞnis.[2] Nobiling selbst war nach seinem RĂźckzug als aktiver FuĂballspieler begeisterter Tennisspieler. Der Sport wurde auch schon in den Anfangsjahren beim SC Germânia betrieben.
Nach einer weiteren Namensänderung 1942 bedingt durch den Zweiten Weltkrieg besteht der SC Germânia noch heute als EC Pinheiros fort. Der Verein ist nach eigenen Angaben zufolge heute mit Ăźber 35.000 Mitgliedern der grĂśĂte Vielzwecksportverein der sĂźdlichen Erdhalbkugel. FuĂball wird dort aber nicht mehr in groĂem Rahmen betrieben.
Zum Ende der 1950er Jahre wurde eine am Vereinsgelände vorbeifĂźhrende StraĂe nach ihm in Rua Hans Nobilng benannt. Die von Appartement-Hochhäusern bestandene Rua Hans Nobiling gilt aufgrund ihrer Lage in einem angesehenen Viertel und des unverbaubaren Ausblickes Ăźber das grĂźne Vereinsgelände als gute Adresse in SĂŁo Paulo.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- FamĂlias Brasileiras de Origem Germânica, Vol. 6, Instituto Hans Staden, Sâo Paulo, 1975, S. 192 ff.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Tony Mason: Passion of the people?: Football in South America, Verso, London & New York, 1995 ISBN 0-86091-403-8; S. 12.
- â HistĂłria. In: tenispaulista.com.br. Federação Paulista de TĂŠnis, 2012, archiviert vom am 1. April 2013; abgerufen am 18. August 2023 (portugiesisch).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Nobiling, Hans |
| ALTERNATIVNAMEN | Nobiling, Johannes Theodor (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsch-brasilianischer FuĂballspieler und -pionier |
| GEBURTSDATUM | 10. September 1877 |
| GEBURTSORT | Hamburg, Deutsches Reich |
| STERBEDATUM | 30. Juli 1954 |
| STERBEORT | JacarepaguĂĄ, Rio de Janeiro, Brasilien |