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Hugo Strasser

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Hugo Strasser (2013)
Hugo Strasser (2013)
Chartplatzierungen
ErklÀrung der Daten
Alben[1]
Die Tanzplatte des Jahres
 DE2215.02.1967(4 Wo.)
Die Tanzplatte des Jahres ’68/69
 DE2815.02.1969(4 Wo.)
Die Tanzplatte des Jahres 69/70
 DE3615.02.1970(2 Wo.)
Die Tanzplatte des Jahres 71/72
 DE4115.01.1971(1 Wo.)
Die Tanzplatte des Jahres 72/73
 DE4615.11.1972(1 Wo.)
Die Tanzplatte des Jahres ’76/77
 DE3315.01.1977(2 Wo.)
Die Tanzplatte des Jahres ’82
 DE4201.03.1982(4 Wo.)
Die Tanzplatte des Jahres ’83
 DE2113.12.1982(12 Wo.)
Tanzgala international
 DE6106.06.1983(2 Wo.)
Die Tanzplatte ’86
 DE5514.10.1985(4 Wo.)

Hugo Strasser (* 7. April 1922 in MĂŒnchen-Schwabing; † 17. MĂ€rz 2016 in MĂŒnchen-Trudering[2]) war nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland ein Swing- und Jazzmusiker der ersten Stunde. Sein Orchester Hugo Strasser war bekannt fĂŒr seine Tanzmusik, vor allem durch die Albumreihe Tanzplatte des Jahres und die musikalische Ton- und Takt-Vorgabe bei vielen Tanz-Weltmeisterschaften.

Strassers Vater Simon, verbeamteter Hausmeister der Amalienschule (heute Fremdspracheninstitut der Landeshauptstadt MĂŒnchen),[3] stammte aus einer Bauernfamilie in Jetzendorf, seine Mutter aus Schrobenhausen. Seinen ersten öffentlichen Auftritt hatte Strasser als SiebenjĂ€hriger im Radio der Deutschen Stunde in Bayern, dem VorlĂ€ufer des Bayerischen Rundfunks. Er spielte das StĂŒck GroßmĂŒtterchen auf seiner Mundharmonika.[4]

Mit 16 Jahren kam er an die Staatliche Akademie der Tonkunst in MĂŒnchen. In seinem achten Semester (1940) wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Er musste aber am Krieg nicht aktiv als Soldat teilnehmen, sondern spielte in Stettin und spĂ€ter im Ruhrgebiet bei Soldaten-Kapellen.[5] Nach dem Krieg spielte Strasser Jazzmusik in amerikanischen Clubs in MĂŒnchen und anderen bayerischen StĂ€dten, unter anderem vom Juni 1945 bis zum Dezember 1945 im Oberhaus in Passau fĂŒr die dortige US-Infanteriedivision. Ab 1949 wirkte er als Altsaxophonist und Klarinettist im 1948 gegrĂŒndeten Max-Greger-Sextett, das spĂ€ter zu einem Tanzorchester erweitert wurde. Mit Jutta Hipp trat er 1954 auf dem Deutschen Jazzfestival auf („Flamingo“).

1955 grĂŒndete er sein eigenes, 16-köpfiges Tanzorchester, das Orchester Hugo Strasser, mit dem er bis 2016 auf zahlreichen Ballveranstaltungen auftrat, so unter anderem den FaschingsbĂ€llen im Deutschen Theater MĂŒnchen, und das nach seinem Tod weitergefĂŒhrt wurde. Der letzte Ball, den Hugo Strasser im Deutschen Theater spielte, war der Ball der Sterne am 30. Januar 2016. Entscheidend fĂŒr Strassers Erfolg war sein Sound, der dadurch entstand, dass – Ă€hnlich wie beim Glenn-Miller-Satz – die Klarinette die erste Trompete meist eine Oktave tiefer verdoppelte und natĂŒrlich auch solistisch eingesetzt wurde. Strassers Klarinette war die „Stimme“ seines Orchesters. Von großem Vorteil fĂŒr diesen berĂŒhmten Strasser-Sound war, dass seine Arrangeure immer auch Musiker seines Orchesters waren. Besonders zu erwĂ€hnen sind der 2001 verstorbene Tenorsaxophonist Werner Tauber, der Posaunist Hans Ehrlinger (1931–2010), der Trompeter Etienne Cap und der 2012 verstorbene Gitarrist Dirk Schweppe. 2008 bestand das Orchester neben Strassers Klarinette aus fĂŒnf Saxophonen, drei Trompeten, drei Posaunen, Keyboard, Gitarre, Bass und Schlagzeug. Obwohl das Orchester seit mehr als fĂŒnf Jahrzehnten existiert, gab es kaum personelle Wechsel. So fĂŒhrte der 1. Altsaxophonist und Klarinettist Hans Wolf (1927–2022) von 1957 bis 2009 Strassers Saxophonsatz an, sein Nachfolger war Werner Bernklau.

Bereits im Jahr 1956 begleitete Strasser zusammen mit seinem Orchester die ersten Tanzturniere. Die darauf folgenden Jahrzehnte professionalisierte er zusammen mit seiner Band die Tanzmusik. TĂ€nzer und Tanzsportler der Standard- und Lateinamerikanischen TĂ€nze liebten seine Musik. In Tanzturnierkreisen galt er unĂŒbertroffen als das wohl beste Tanzorchester der Welt. Die Tanzsportlegenden und 13-fachen Weltmeister Bill und Bobbie Irvine erklĂ€rten: „Wenn Hugo Strasser auf seiner Klarinette begleitet von seinem Orchester am Mikrophon steht und wir nach seinen KlĂ€ngen tanzen, ist uns, als schweben wir nur so ĂŒber das Parkett. FĂŒr uns ist Hugo Strasser der beste Tanzkapellmeister der Welt!“. Besonders erfolgreich war Strasser auch mit der Produktion der Tanzplatte des Jahres.

Mit seinem Orchester wirkte er unter anderem in der ZDF-Unterhaltungsshow Musik ist Trumpf mit Peter Frankenfeld und in zahlreichen TV-Sendungen mit Lou van Burg wie Wir machen Musik, Sing mit mir – tanz mit mir und Mit Musik geht alles besser mit. Zusammen mit Dieter Hildebrandt und Klaus Havenstein standen Hugo Strasser und sein Orchester in den 1960er und 1970er Jahren in dem legendĂ€ren Silvesterkabarett Schimpf vor 12 der Lach- und Schießgesellschaft auf der BĂŒhne.

Auch als Komponist und Arrangeur war Hugo Strasser erfolgreich. Weit ĂŒber 500 Melodien stammen aus seiner Feder.

AnlĂ€sslich eines Konzertes zu seinem 65. Geburtstag grĂŒndete Strasser die Formation Hot Five. Neben Strasser gehörten unter anderem Martin Schmid (Bass), Uwe Gehring (Gitarre), Ladia Base (Klavier und Arrangement) und Werner Schmitt (Drums) zur Besetzung.

Seit 2000 tourte er mit Max Greger († 2015) und Paul Kuhn († 2013) als Swing-Legenden mit der SWR-Bigband u. a. mit A Tribute to Glenn Miller durch die Lande. Zusammen mit Greger ging Strasser auch weiterhin regelmĂ€ĂŸig auf Tournee. Im Januar 2009 gab er zusammen mit Max Greger und Bill Ramsey als Swing-Legenden in der Stuttgarter Liederhalle ein Konzert. Gaststars waren die Kessler-Zwillinge. 2013 konzertierte er mit der Aichacher Swing-Band Crazy Oak Big Band, das Konzert kam nach einem Geburtstagsgruß zustande.[6][7]

Hugo Strasser spielte seit der Ballsaison 1955/1956 bis 2016 insgesamt 60 Jahre im Deutschen Theater in MĂŒnchen und an vielen anderen Orten deutschlandweit zu Ballabenden mit seinem Tanzorchester. Auch 2016, wenige Wochen vor seinem 94. Geburtstag, wirkte Strasser wie bereits seit vielen Jahren an der Ballnacht im Deutschen Theater mit.[8] Seinen letzten Auftritt hatte er am 28. Februar 2016 in Unterhaching. Am 17. MĂ€rz 2016 starb Hugo Strasser im Alter von 93 Jahren an den Folgen eines Blasenkrebsleidens.[9] Er wurde anonym auf einem Kemptener Friedhof bestattet.

Sein Sohn ist der SĂ€nger Thomas Strasser (* 1952).

In der Liste seiner Werke ist vor allem die Reihe Tanzplatte des Jahres zu nennen, die er von 1966 bis 1996 produzierte. Das erste Album aus dieser Reihe im Jahr 1965 trug keine Jahreszahl im Titel, da das Konzept aber in Tanzsportkreisen Ă€ußerst erfolgreich aufgenommen wurde, erschien bereits ein Jahr spĂ€ter Die Tanzplatte des Jahres 1966/67, auf die jedes Jahr eine neue Ausgabe folgte. Bis 1977 hatte Strasser das Exklusivrecht auf eine „Tanzplatte des Jahres“, danach gab es weitere vom ADTV autorisierte Platten, unter anderem von Max Greger und GĂŒnter Noris. 1996 kam mit Hugo Strassers Dancing 2000 das letzte Album dieser Reihe heraus. Nach 1996 erschienen noch ein paar Best-of-CDs, seine große Zeit war jedoch vorbei. Ein Kuriosum war das Album Was ich sagen wollte 
 (1989). Auf ihr war Strasser tatsĂ€chlich als SĂ€nger zu hören, mit Liedern ĂŒber sich, das Leben und seine Heimatstadt MĂŒnchen. Es kam sogar eine Single heraus mit dem Lied I kann ned tanzen (Strasser kokettierte zeit seines Lebens damit, dass er beim Tanzen stets aus dem Takt komme).

Daneben blieb er auch dem Swing und Jazz treu, zum Beispiel durch Auftritte in Quintettbesetzung, seiner so genannten Hot Five, von der es auch CDs gibt.

Gelegentlich komponierte er auch Filmmusik wie 1964 fĂŒr Das MĂ€del aus dem Böhmerwald mit Gerlinde Locker.

Diskografie (Auswahl)

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  • Schicke Tanzmusik (1962/63?; ModetĂ€nze wie Letkiss und Madison)
  • Turniertanz-TrĂŒmpfe (1963)
  • Die Tanzplatte des Jahres (30 StĂŒck; 1966 bis 1996; seit 1982 als Digital-Aufnahme, seit 1984 auch als CD)
  • Das Goldene Tanzalbum 1–4 (1967–1968; Teil 1: Valencia – Die Goldenen 20er Jahre; Teil 2: In the Mood – Melodie und Rhythmus; Teil 3: Warum mĂŒssen Jahre vergehen – ewig junge Filmschlager; Teil 4: Yesterday – Vom Twist zum Beat)
  • Das Goldene Hausparty-Album 1–3 (1968)
  • Mit Hugo Strasser im 3/4-Takt (1968)
  • Tanzweltmeisterschaft 1970 (1970)
  • Filmhits zum Tanzen (1970)
  • Tanztest-Platte (1971/72?; Querschnitt aus seinen ersten Platten, Fold-Out-Cover zum damals gerade frisch eingefĂŒhrten ADTV-Tanzabzeichen)
  • Tanzhits ’71 (1972; Beat- und Rock-Titel)
  • Romantic Party (1972; Strasser im Schmusesound, was unter seinen Fans gehörigen Protest hervorrief, da man zu seiner Musik tanzen wollte und nicht auf dem Sofa sitzen und zuhören; die nĂ€chste derartig ‚weichgespĂŒlte‘ Platte, The Dancing Clarinet, klang zwar immer noch relativ schmusig, war aber wieder bis auf einen Titel tanzbar. Es war die erste LP mit einem englischen, international vermarktbaren Titel, da Strasser nun von Amerika bis Japan gefragt war)
  • Olympia-Ball (1972; speziell komponierte Titel zu den Olympischen Spielen in Sapporo und MĂŒnchen)
  • Swinging Christmas (1973, bekannte Weihnachtslieder)
  • The Dancing Clarinet (1973; Traditionals aus aller Welt im strikten Rhythmus)
  • Der Goldene Tanzschuh (1974; Opernmelodien zum Tanzen; Strasser bekam hier diese Ă€ußerst selten vergebene Auszeichnung ob seiner Verdienste um die Tanzmusik bzw. den Tanzsport)
  • Der Goldene Tanzschuh (1986; Musik aus der gleichnamigen ZDF-Sendung; Lieblingstitel der PreistrĂ€ger wie Irvine, Trautz, Beer, Wessel-Therhorn oder FĂŒhrer; effektiv ein Zusammenschnitt aus Strasser-Platten 1963–1986)
  • Was ich sagen wollte
 (1989; Hugo Strasser singt)
  • Tanz! Tanz! Tanz! (1990; Peter-Kreuder-Melodien)
  • ARD Masters Gala ’92 (1992)
  • So What’s New? Single mit MC Matuschke und den Bananafishbones (2001)

Filmografie (Auswahl)

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Commons: Hugo Strasser – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  1. ↑ DE
  2. ↑ Veronika Beer: Die Klarinette ist verstummt. Trauer um Hugo Strasser (Memento vom 9. September 2016 im Internet Archive). „Hugo Strasser lebte zuletzt bei seiner langjĂ€hrigen LebensgefĂ€hrtin Eva Gehring-Pantelli in MĂŒnchen-Trudering, wo er auch verstarb.“ 18. MĂ€rz 2016, in: br.de, abgerufen am 30. MĂ€rz 2016.
  3. ↑ Jutta Czeguhn: Maxvorstadt – Biografie einer besonderen Schule. SĂŒddeutsche Zeitung, 28. Februar 2020, abgerufen am 1. MĂ€rz 2020.
  4. ↑ Alles Swing – Hugo Strasser zum 90. Geburtstag. Bayerischer Rundfunk, 25. MĂ€rz 2012, abgerufen am 5. MĂ€rz 2016.
  5. ↑ Christian Mayer: Der geborene Klarinettist . SĂŒddeutsche Zeitung, 17. Mai 2010.
  6. ↑ Bericht der Abendschau vom 21. Oktober 2013 (Memento vom 21. Oktober 2013 im Internet Archive) auf den Seiten des Bayrischen Fernsehens
  7. ↑ Crazy Oak Big Band mit Hugo Strasser. Bayerischer Rundfunk auf YouTube, 29. Oktober 2013, abgerufen am 5. MĂ€rz 2016.
  8. ↑ Die Ballnacht mit Hugo Strasser. Deutsches Theater MĂŒnchen, 23. Januar 2016, archiviert vom Original am 5. MĂ€rz 2016; abgerufen am 5. MĂ€rz 2016.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Anm.: Strasser ist im Video zu sehen und zu hören
  9. ↑ Swing-Legende Hugo Strasser ist tot Focus online, 17. MĂ€rz 2016
  10. ↑ Seehofer zeichnet 74 Persönlichkeiten aus. SĂŒddeutsche Zeitung, 5. Oktober 2012, abgerufen am 5. MĂ€rz 2016.