Illegal
| Film | |
| Titel | Illegal |
|---|---|
| Originaltitel | Illégal |
| Produktionsland | Belgien Luxemburg Frankreich |
| Originalsprache | Französisch Russisch |
| Erscheinungsjahr | 2010 |
| LĂ€nge | 90Â Minuten |
| Stab | |
| Regie | Olivier Masset-Depasse |
| Drehbuch | Olivier Masset-Depasse |
| Produktion | Jacques-Henri Bronckart Olivier Bronckart |
| Musik | André Dziezuk Marc Mergen |
| Kamera | Tommaso Fiorilli |
| Schnitt | Damien Keyeux |
| Besetzung | |
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Illegal ist ein Filmdrama von Olivier Masset-Depasse aus dem Jahr 2010. Es entstand in belgisch-luxemburgisch-französischer Koproduktion.
Handlung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Oktober 2000: Der Asylantrag der Russin Tatiana Zimina, die mit ihrem Sohn Ivan in Belgien lebt, wird von den Behörden abgelehnt. Tatiana, genannt Tania, verbrennt sich verzweifelt die Fingerspitzen mit einem BĂŒgeleisen. Im Oktober 2008 lebt Tania immer noch in Belgien. Sie arbeitet als Putzfrau. Monsieur Nowak, der ihr eine Wohnung vermietet und dem Verbindungen zur Mafia nachgesagt werden, besorgt ihr falsche Papiere, die sie als Belarussin ausgeben. Da Belarus als Diktatur gilt, hofft Tania, im Ernstfall politisches Asyl zu erhalten. Dennoch verhĂ€lt sie sich in der Ăffentlichkeit vorsichtig und spricht mit ihrem Sohn stets Französisch. An seinem Geburtstag hat Ivan keine Lust auf die âParanoiaâ seine Mutter und redet im Bus Russisch mit ihr. Kurz darauf wird Tania von der Polizei nach ihren Papieren befragt. Sie kann nur ihre Versicherungskarte vorzeigen. Als sie den Polizisten folgen soll, wehrt sie sich und bringt Ivan dazu, wegzulaufen. Tania wird in Abschiebehaft genommen und in das Zentrum 111 fĂŒr Frauen und Kinder ĂŒberstellt. Weil ihre keine FingerabdrĂŒcke genommen werden können und sie ihre IdentitĂ€t nicht preisgibt, wird sie in der Haft unter der Nummer 9648 gefĂŒhrt.
Sie teilt sich in der Haft ein Zimmer mit der Chilenin Maria und ihrer Tochter Eva. Sie telefoniert kurz mit Ivan, der bei ihrer Freundin Zina Boulibianik untergekommen ist. Diese ist Belarussin und Tania hat sie schon mehrfach gedrĂ€ngt, endlich in Belgien Asyl zu beantragen. In der Nacht wird ihrem Zimmer eine Neue zugeteilt: AĂŻssa ist aus Mali und wurde zusammengeschlagen. Sie berichtet Tania spĂ€ter, dass sie bereits seit mehreren Monaten von einem AbschiebegefĂ€ngnis in das andere verlegt wird und sie ihre Abschiebung immer wieder verhindern kann. Sie macht ihr deutlich, dass die Behörden sie in der Regel nach fĂŒnf Monaten freilassen werden, wenn sie ihre IdentitĂ€t nicht herausbekommen, weil ohne IdentitĂ€t keine Abschiebung erfolgen kann. Tania zweifelt, ob sie fĂŒnf Monate durchhalten kann, doch AĂŻssa macht ihr Mut. Nach 18 Tagen wird Tania zum ersten Mal zu ihrer IdentitĂ€t befragt. Der zustĂ€ndige Polizist macht ihr klar, dass ihr wegen DokumentenfĂ€lschung bis zu zwei Jahre Haft drohen könnten, wenn sie ihre wahre IdentitĂ€t nicht preisgibt. Tania ist beunruhigt, doch teilt ihr ihr Anwalt mit, dass ohne vorliegende falsche Dokumente auch keine Anklage erhoben werden kann.
Ăber Telefonate mit Zina und Ivan erfĂ€hrt Tania, dass Monsieur Nowak ihren Sohn fĂŒr sich arbeiten lassen will, da die Wohnung weiterbezahlt werden muss. Tania ist entsetzt und untersagt Ivan jeglichen Kontakt zu Nowak. Der reagiert jedoch immer gereizter, je lĂ€nger die Mutter fort ist. Am Ende droht sie, dass er nicht mehr ihr Sohn sei, wenn er mit Nowak zusammenarbeite. Bei einer erneuten Befragung zu ihrer IdentitĂ€t wiederholt der Polizist seine Drohung, sie anzuklagen. Er gibt an, dass ein Polizist bei ihrer Festnahme ihre Versichertenkarte gesehen habe. Tania bricht zusammen und gibt ihren Namen als Zina Boulibianik an. Als Belarussin beantragt sie politisches Asyl. Ihr Anwalt erinnert sie kurz darauf daran, dass sie bereits bei ihrer Einreise in Polen Asyl beantragt habe. Sie ist nun ein sogenannter Dublin-Fall und muss nach Polen ĂŒberwiesen werden, wo ihr Antrag bearbeitet wird. Am 31. Tag erfolgt der erste Versuch der Behörden, sie nach Warschau zu ĂŒberstellen. Tania erleidet auf dem Weg zum Flugzeug einen Nervenzusammenbruch, sodass die begleitende Psychologin einen Abbruch der Ăberstellung anordnet. ZurĂŒck im Zentrum ist Tania glĂŒcklich. AĂŻssa, die am gleichen Tag wie sie abgeschoben werden sollte, wird ebenfalls ins Zentrum zurĂŒckgebracht. Sie wurde schwer misshandelt und kann sich kaum auf den Beinen halten. Die BrutalitĂ€t und die Aussichtslosigkeit auf Erfolg haben AĂŻssa gebrochen. Sie berichtet Tania, dass man sie nun am nĂ€chsten Tag mit Ausnahmegenehmigung abschieben wird. Kurz darauf erhĂ€ngt sie sich in der Duschkabine. Ihr Fall gelangt in die Presse und sorgt fĂŒr Furore. Am 43. Tag von Tanias Haft hört sie von den Protesten aufgrund des Todes von AĂŻssa. Maria und Eva, die bisher das Zimmer mit ihr geteilt haben, stimmen einer freiwilligen RĂŒckfĂŒhrung nach Chile zu. Tania wird zum zweiten Mal zum Flugplatz gebracht. Diesmal ist sie gefesselt, sodass die Beamten sie gegen ihren Willen in das Flugzeug tragen können. Kurz vor dem Abflug macht Tania die anderen Passagiere auf sich aufmerksam und ruft, dass sie gegen ihren Willen ausreisen muss. Die BrutalitĂ€t der Polizisten, die sie zum Schweigen bringen wollen, schockiert die Passagiere, die sich auf Tanias Seite stellen. Einige filmen das Geschehen mit ihrem Handy. Der FlugkapitĂ€n ordnet schlieĂlich an, dass Tania und beide Polizisten das Flugzeug verlassen mĂŒssen. Tania ist erleichtert. Auf der RĂŒckfahrt zum Zentrum wird sie von den wĂŒtenden Polizisten brutal zusammengeschlagen. RoutinemĂ€Ăig werden ihre Schreie dabei mit einer Matratze gedĂ€mpft.
Tania erwacht im Krankenhaus. Ihr Anwalt erscheint und zeigt ihr einen Fernsehmitschnitt, in dem ĂŒber ihren Fall berichtet wird. Ein Ă€rztliches Attest beweist, dass sie brutal misshandelt wurde und unter anderem RippenbrĂŒche erlitten hat. Nach AĂŻssas Fall hat sich die Polizei mit den erneuten Ăbergriffen keinen Gefallen getan. Einige Zeit spĂ€ter sieht Tania, dass der WĂ€chter vor ihrer TĂŒr eingeschlafen ist. Ihr gelingt die Flucht aus dem Krankenhaus. Trotz groĂer Schmerzen kann sie zu Zinas Haus laufen. Ivan tritt auf die StraĂe, erkennt sie und rennt zu ihr. GlĂŒcklich umarmt sie ihn.
Produktion
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Illegal wurde in Hermalle-sous-Huy sowie in LĂŒttich (unter anderem Flughafen) gedreht. Die KostĂŒme schuf Magdalena Labuz, die Filmbauten stammen von Patrick Dechesne. Hauptdarstellerin Anne Coesens ist geborene BrĂŒsselerin geboren und mit Illegal-Regisseur Olivier Masset-Depasse verheiratet.
Der Film erlebte am 18. Mai 2010 auf den Internationalen Filmfestspielen von Cannes seine Premiere und lief am 6. Oktober 2010 in den belgischen Kinos an. Französischer Kinostart war am 13. Oktober 2010, wobei der Film von 41.737 Zuschauern gesehen wurde.[1] In Deutschland wurde der Film untertitelt am 28. Juni 2012 im WDR erstmals gezeigt.
Kritik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der film-dienst nannte Illegal ein âpackend gespieltes Drama ĂŒber die prekĂ€re Lage so genannter WohlstandflĂŒchtlinge in den reichen LĂ€ndern der âFestung Europaââ.[2]
Auszeichnungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Cannes gewann Regisseur Olivier Masset-Depasse 2010 den Prix SACD im Rahmen der Quinzaine des rĂ©alisateurs und wurde auf dem Jerusalem Film Festival im gleichen Jahr mit dem In Spirit for Freedom Award ausgezeichnet. Auf dem Internationalen Filmfestival Warschau erhielt Masset-Depasse den Preis als Bester Regisseur; zudem war er fĂŒr den Grand Prix des Festivals nominiert.
Auf dem Palm Springs International Film Festival wurde Anne Coesens 2011 mit dem FIPRESCI-Preis als Beste Darstellerin geehrt. Der Film erhielt zudem 2011 eine César-Nominierung in der Kategorie Bester auslÀndischer Film.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Vgl. allocine.fr
- â Illegal. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 2. MĂ€rz 2017.