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Jeanne de Jussie

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Unterschrift, 1561
Petite Chronique

Jeanne de Jussie (* 1503 in Jussy; heimatberechtigt ebenda; † 7. November 1561 in Annecy) war eine Genfer Klarissin und savoyardische Äbtissin. Sie wurde als Chronistin der Reformationszeit bekannt.

Jeanne de Jussie war eine Tochter des Junkers Louis de Jussie und seiner Frau Jeanne. Nach dem Besuch der Töchterschule in Genf trat sie 1521 mit 18 Jahren in das dortige Klarissenkloster Sainte-Claire in unmittelbarer NĂ€he der Kathedrale Saint-Pierre ein, das einzige Frauenkloster in Genf. Bald darauf wurde de Jussie Schreiberin des Klosters. Nach einem Überfall der Genfer flĂŒchteten die Schwestern im August 1535 ins Kloster Sainte-Croix in Annecy. In ihrer Chronik erzĂ€hlt sie von den Drohungen gegen die Nonnen sowie von angsterfĂŒllten Wochen, bis die Syndics dem Konvent erlaubten, die Stadt zu verlassen. Danach schildert sie die Reise von Genf nach Annecy. De Jussie wurde 1548 wurde zur siebten Äbtissin der Gemeinschaft ernannt und ĂŒbte das Amt bis zu ihrem Tod aus.[1]

Wahrscheinlich begann de Jussie 1535 mit der Niederschrift der Petite Chronique («Kleine Chronik»), die sie zwischen 1541 und 1546 beendete. Ihre Darstellung setzt mit dem Burgrechtsvertrag ein, den Genf 1526 mit Bern und Freiburg schloss. Sie berichtet ĂŒber die Ereignisse von 1530 und schildert anschließend die AnfĂ€nge der Reformation in der Stadt Genf sowie die wachsenden Spannungen zwischen Katholiken und Reformierten, die zu GewaltausbrĂŒchen fĂŒhrten und in einem Bildersturm endeten. Sie beschreibt den Druck, den Bern auf die Genfer Institutionen ausĂŒbte, zum neuen Glauben ĂŒberzutreten. Trotz ihres Klosterlebens innerhalb der Klausur zeigt sie sich gut ĂŒber die VorgĂ€nge in der Stadt informiert. De Jussie beschreibt den Überfall von 1535, den sie als Augenzeugin miterlebte. Die «HĂ€retikerinnen» unter FĂŒhrung der von ihr verabscheuten Marie DentiĂšre drĂ€ngten sie zur Aufgabe des Klosterlebens, aber sie weigerte sich. Über die Praktiken der Reformierten entsetzt, hielt sie standhaft am alten Glauben fest. Ihre Genesung nach den Erlebnissen von 1535 schrieb sie dem heiligen Romanus zu.[1]

Erstdruck, 1611

Ihre Chronik schildert eine fĂŒr die Genfer Geschichte entscheidende Epoche und wird als guter Einblick in das Denken und Empfinden der katholischen, savoyenfreundlichen Partei betrachtet. In Form und Inhalt ĂŒberarbeitet, wurde der Text 1611 in ChambĂ©ry unter dem Titel Le Levain du calvinisme ou commencement de l’hĂ©rĂ©sie de GenĂšve erstmals veröffentlicht.[1] Eine moderne kritische Edition stammt von Helmut Feld.

  • Helmut Feld: Jussie, Jeanne de. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 16, Bautz, Herzberg 1999, ISBN 3-88309-079-4, Sp. 830–832.
  • Helmut Feld: Jeanne de Jussie: Der Stand der JungfrĂ€ulichkeit und das große Gut der Ehe. In: Ders.: Frauen des Mittelalters. Zwanzig geistige Profile. Böhlau, Köln 2000, ISBN 3-412-05800-9, S. 308–325.
  • Liliane Mottu-Weber: Jeanne de Jussie. In: Erica Deuber Ziegler, Natalia Tikhonov (Hrsg.): Les Femmes dans la mĂ©moire de GenĂšve. Hurter, Genf 2005, S. 42–43.
Commons: Jeanne de Jussie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  1. 1 2 3 Lucienne Hubler: Jeanne de Jussie. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 30. Oktober 2006, abgerufen am 30. November 2025.