Johannes Wedde

Friedrich Christoph Johannes Wedde (* 15. Januar 1843 in Uelzen; â 13. Januar 1890 in LĂŒbeck) war ein deutscher Dichter, Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei und Journalist.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Johannes Wedde war der Sohn des Tuchfabrikanten Friedrich August Louis Wedde und seiner Frau Marie Margarethe Ide[1] im damaligen Königreich Hannover. Nachdem der Vater seine Firma nicht halten konnte, siedelte die Familie zuerst nach Hannover und 1851 nach Hamburg ĂŒber. Hier grĂŒndete sein Vater die Firma âL. Wedde & Co.â, Tapetenfabrik und Tapetenhandel.[2] Wedde besuchte das Johanneum bis zum Abitur. Am 30. April 1862 begann er das Jurastudium in Heidelberg. Danach studierte er in Göttingen und Berlin, wo er sich mit Geschichte und Staatswissenschaften beschĂ€ftigte. In Heidelberg trat er dem Wingolf und in Göttingen der Burschenschaft Germania bei.[3] Seine schlechte Gesundheit und die materiellen VerhĂ€ltnisse seiner Familie zwangen ihn 1864,[4] eine angestrebte akademische Laufbahn aufzugeben. Wedde wurde Lehrer an Privatschulen in Hamburg (1867â1879). Gleichzeitig war er als Theaterkritiker fĂŒr die Hamburger Nachrichten von Emil Hartmeyer tĂ€tig, in dem er ĂŒber die AuffĂŒhrungen des Hamburger Stadttheater berichtete.[5] Nachdem er seinen Beruf als Lehrer aufgegeben hatte, verlor er durch einen Brand fast seine ganze Habe. Einige Zeit lebte er im Sachsenwald, um sich zu erholen.
Ab 1872 war Wedde Mitglied der Sozialistischen deutschen Arbeiterpartei, den sog. Eisenachern. Erst nach in Kraft treten des Sozialistengesetzes wurde Wedde auch öffentlich aktiv. J. H. W. Dietz schlug Wedde vor, nach dem bereits zwei Zeitungen in Hamburg auf Grund des Sozialistengesetzes verboten worden waren, die Hamburger âBĂŒrgerzeitungâ zu grĂŒnden und als Redakteur zu leiten.[6] Am 2. Juli 1885 wurde in Hamburg ein âDemokratischer Vereinâ gegrĂŒndet, der eine reichsweite âDemokratische Parteiâ bilden sollte. Es ging in dem Programm um die Aufhebung aller Ausnahmegesetze und um die 'EinfĂŒhrung eines Normalarbeitstages. Auf dem ersten Parteitag in Hamburg am 13. September 1885, auf dem nur 25 Delegierte anwesend waren, gab Wedde den Plan auf, der Partei beizutreten.[7] Bis zu seiner Ausweisung am 12. Oktober 1887[8] konnte er die Zeitung halten. Zu den Autoren der âBĂŒrgerzeitungâ gehörte auch August Bebel.[9]
Mit seiner Gedichtsammlung GrĂŒĂe des Werdenden machte er den Arbeitern Mut, sich gegen den Bismarck-Staat zu wehren. In dem Gedicht Zum GedĂ€chtnis (1875) wĂŒrdigte er die Pariser Kommune von 1871. Das Gedicht Korinthiaka widmete er dem jungen Wilhelm Blos. In Unterm Ausnahmegesetz, das auch in Der Sozialdemokrat erschienen war, wendete er sich gegen den FĂŒrsten von Friedrichruh.[10] Nachdem Wedde durch die VerhĂ€ngung des Kleinen Belagerungszustandes aus Hamburg vertrieben worden war, siedelt er in die Hansestadt LĂŒbeck ĂŒber. FĂŒr das Hamburger Echo war Wedde Redakteur und Verleger.[11]
Wedde schrieb ein kleines BĂŒchlein ĂŒber Theodor Storm,[12] das er auch dem Dichter zuschickte. Theodor Storm bedankte sich mit einem Brief vom 15. Mai 1888.[13] AnlĂ€sslich des 100. Jahrestages der französischen Revolution fand vom 14. bis 20. Juli 1889 ein Kongress zur GrĂŒndung der II. Internationale in Paris statt. Wedde war neben August Bebel, Wilhelm Liebknecht, Karl Frohme, Hermann Molkenbuhr, Karl Pinkau und Carl Legien u. a. einer der deutschen Delegierten.[14][15]
Auf Grund einer Influenza starb Wedde in der Nacht vom 12. auf den 13. Januar 1890. Nach seinem Tod wurde er auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg beerdigt. Mehr als 25.000 Hamburger folgten seinem Sarg.[16] Im Auftrage der SPD-Reichstagsfraktion hielt Karl Frohme[17] die Trauerrede und Wilhelm Blos die im Auftrag der Hamburger Genossen.[18]
Zitat
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]âDas ist wieder ein Schlag mit der UnterdrĂŒckung der âBĂŒrger-Zeitungâ und, wie ich heute lese, der Redakteur Wedde ausgewiesen. Das ist unerhört. Als wir dort waren, dachte kein Mensch daran, waren sie der Meinung, das Blatt nur im demokratischen Sinn zu redigieren, was auch der Fall war. Das GeschĂ€ft stand gĂŒnstig dar, ein neues GebĂ€ude, was noch im Umbau begriffen war, nun alles mit einem Schlag vernichtet, und der arme Wedde, ein eingefleischter und dort geborener Hamburger, der mit jeder Faser daran hĂ€ngt. Es ist ganz entsetzlich, wie viele Existenzen dadurch vernichtet werden. Was werden sie nur noch alles ausfindig machen, um die Sozialdemokratie zu vernichten.â
Ehrungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Er ist Namensgeber der WeddestraĂe in Hamburg-Horn.
- Zum Andenken an Wedde lieĂ 1913 der sozialdemokratische BuchhĂ€ndler und Verleger Hermann GrĂŒning (1841-1929) in Hamburg-Eilbek eine Ăffentliche BĂŒcherhalle errichten.[20]
Werke
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- Lilith. Die Lösung des WeltrĂ€thsels ausgeplaudert durch den JĂŒngling von Sais. LĂŒhrsen, Hamburg 1867
- Lieder eines Patreyka. Hermann GrĂŒning, Hamburg 1869
- Glauben und Unglauben. Eine Streitschrift zur kirchlichen Frage von H. Wagner und J. Wedde. Hermann GrĂŒning, Hamburg 1870
- Miscellen aus dem Sachsenwalde. In: Jahrbuch des Vereins fĂŒr niederdeutsche Sprachforschung, Jahrgang 1875. Verlag von J. KĂŒhtmannâs Buchhandlung. U. L. Fr. Kirchhof, Bremen 1876, S. 101â104
- Das Drama vom Römischen Reiche Deutscher Nation. Eine nationale Dichtung aus Barbarossa's Zeit. Zum ersten Male ĂŒbersetzt. GrĂ€dener, Hamburg 1878
- Dramaturgische SpĂ€hne. Hamburgische Theaterberichte 1876â1879. Hermann GrĂŒning, Hamburg 1880
- Shakespeare's âKaufmann von Venedigâ. 1880
- Edmund Hoefer: KĂŒstenfahrten an der Nord- und Ostsee. Geschildert von Edmund Hoefer, in Verbindung mit M. Lindeman, L. Passarte, O. RĂŒdiger, J. Wedde. Illustriert von Gustav Schönleber, in Verbindung mit H. Haisch, H. Bartels, E. Bracht, U. Gehrts, H. Knorr, G. KĂŒhl, L. Ritter und Anderen. Kröner, Stuttgart 1880â1881
- BĂŒrgerzeitung. Red. Joh. Wedde. Hamburg vom 17. April 1881 bis Nr. 220 vom 18. September 1887[21]
- Johann Friedrich Voigt; J. Wedde: Bedenken gegen die PlĂ€ne behufs AusfĂŒhrung des Anschlusses der Stadt Hamburg an das Zollgebiet. Besonderer Abdruck aus der BĂŒrgerzeitung. in Commission bei W. Mauke Söhne, Hamburg 1882
- Illustrirte Sonntags-Beilage der BĂŒrgerzeitung. Red. Joh. Wedde, Hamburg 1884â1887
- GrĂŒĂe des Werdenden. Gedichte eines democratischen Redacteurs im neuen deutschen Reiche. Verlag Johannes Wedde, Hamburg 1884
- Aus dem Feuilleton der âBĂŒrgerzeitungâ, April â Juni 1884. Verlag Johannes Wedde, Hamburg 1885
- GrĂŒĂe des Werdenden. Gedichte eines demokratischen Redacteurs im neuen deutschen Reiche. 2., mit ErlĂ€uterungen versehene Ausgabe. J. H. W. Dietz, Stuttgart 1885
- Das alte LĂŒbeck. Bilder aus der Kultur und Geschichte LĂŒbecks bis zum Anfange des 17. Jahrhunderts. zusammengestellt von Theodor Schwartz. Hrsg. von Johannes Wedde. Verlag Johannes Wedde, Hamburg 1887
- JĂŒrgen Wullenwever, BĂŒrgermeister von LĂŒbeck. Geboren zu Hamburg 1493, enthauptet bei WolfenbĂŒttel 1537. Gedenkblatt zum 350sten Jahrestage seines Todes dem 27. September 1887. Johannes Wedde, Hamburg 1887[22]
- Theophilus. Das Faust-Drama des deutschen Mittelalters Ăbersetzt und mit einer erlĂ€uternden Einleitung versehen. Hermann GrĂŒning, Hamburg 1887
- Theodor Storm. Einige ZĂŒge zu seinem Bilde. Hermann GrĂŒning, Hamburg 1888
- Gesammelte Werke. 2 BĂ€nde. Hermann GrĂŒning, Hamburg 1894
- Gedichte. Eine Auswahl aus den gesammelten Werken Mit einer Einleitung von Walter HĂŒbbe. Alfred Janssen Verlag, Hamburg 1903
- Die Freiheit und ihr Freier. Grundlinien einer monistischen Religion der Zukunft (Aus dem 2. Band der Gesammelten Werke gesondert hrsg. von Walter HĂŒbbe). Janssen, Hamburg 1907
- Lilith. GesÀnge. Nachgelassenes Werk. Alfred Janssen Verlag, Hamburg 1910
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Theodora Wedde: Johannes Wedde. GedenkblĂ€tter von seiner Schwester. Hermann GrĂŒning, Hamburg 1891.
- Wie Kam Johannes Wedde zur Sozialdemokratie? Hermann GrĂŒning, Hamburg 1894. Digitalisat
- Albert Steck: Johannes Wedde. Eine litterarische Studie. Hermann GrĂŒning, Hamburg 1896; Textarchiv â Internet Archive
- Hermann Arthur Lier: Wedde, Friedrich Christoph Johannes. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 41, Duncker & Humblot, Leipzig 1896, S. 386 f.
- Johannes Hermann MĂŒller: Der Sozialdemokrat Johannes Wedde als literarische GröĂe. Alfred Janssen Verlag, Hamburg 1901. (Digitalisat in der Deutschen Digitalen Bibliothek)
- G. Wenst: Johannes Wedde. In: Der Lotse. Hamburgische Wochenschrift fĂŒr deutsche Kultur. 2 Jg. Alfred Janssen Verlag, Hamburg 1902.
- Ernst Kreowski: Johannes Wedde als Dichter. In: Die Neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. 22.1903-1904, 1. Band (1904), Heft 24, S. 771â773. fes.de
- Johannes Wedde. In: Franz Osterroth: Biographisches Lexikon des Sozialismus. Band I: Verstorbene Persönlichkeiten. J. H. W. Dietz Nachf., Hannover 1960, S. 321â322.
- Wedde, Johannes. In: Lexikon sozialistischer deutscher Schriftsteller. Leipzig 1964, S. 522â524.
- Angelika Voss-Louis: Hamburgs Arbeiterbewegung im Wandel der Gesellschaft. Eine Chronik. Band 1: 1842 bis 1890. Christians Verlag, Hamburg 1987. (Hamburger BeitrÀge zur Sozial- und Zeitgeschichte. Beiheft 3) ISBN 3-7672-1008-8
- Christiane Teetz: Otto Stolten und die Sozialdemokratie in Hamburg bis zum Ende der Kaiserzeit. LIT, MĂŒnster 2004. (=Veröffentlichungen des Hamburger Arbeitskreises fĂŒr Regionalgeschichte 17) (Hamburg, Univ., FB Sozialwiss., Diss., 2001) ISBN 3-8258-6502-9
Nachlass
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Staats- und UniversitÀtsbibliothek Hamburg Wedde Nachlass. Umfang: 7 ArchivkÀsten
- Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek Kiel Theodor Storm Nachlass Zg-Nr: 8/1938
- BĂŒrger-Zeitung.Red.: Johannes Wedde.[23] 7(1887):no.218(17/9),2nd suppl. to no.219(18/9) IISG Signatur ZF 50702
- Sonntagsbote fĂŒr Stadt und Land. Wochen-Ausgabe der Hamburger BĂŒrger -Zeitung.Hrsg. Johannes Wedde. 2(1886):no.24,40-41,44,46; (1887):no.4,7-9,11-12 IISG Signatur: ZF 51829.x
- IISG. Gustav Mayer Papers 156: Johannes Wedde an Engels 28. Oktober 1886, 19. Mai 1887, 19. Juni 1887, 9. Juli 1887
- IISG. (SPD) BG A14/979: Fotografie Johannes Wedde, Georg Wolf & Co., Hamburg
- IISG. (SPD) BG A14/980: Fotografie Frau Wedde und Tochter, Georg Wolf & Co., Hamburg
- IISG Marx-Engels Nachlass L6232, L6233, L6234, L 6235 Johannes Wedde an Friedrich Engels 28. April 1886; 14. Mai 1887, 9. Juni 1887; 9. Juli 1887
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Kirchenbuch St. Marien, Uelzen. Taufe vom 20. Februar 1843.
- â Hamburger Adressbuch ab 1853; spĂ€ter âWedde & Wangemannâ.
- â Geografisch geordnetes Verzeichnis der Mitglieder des Wingolf. Halle 1874, S. 48.
- â Wedde wurde im âVerzeichniĂ der Studirendenâ in Berlin nur im Wintersemester 1863/64 Schiffbauerdamm 16 und im Sommersemester 1864 Kalkscheuen 3 erfasst. Als FakultĂ€t war in beiden Semestern âPhil.â eingetragen.
- â Dramaturgische SpĂ€hne. Hamburgische Theaterberichte 1876 - 1879.
- â Die Zeitung erschien vom 17. April 1881 und wurde am 20. September 1887 verboten. Angelika Voss-Louis, S. 196 und 212.
- â Angelika Voss-Louis, S. 207.
- â Wedde, J. Schriftsteller, Herausgeb. u. Redakteur d. âBĂŒrgerzeitungâ u. Buchdruckerei, gr. Bleichen 65 a H. 1, Wohn. St. P. Sternstr. 121. In: Hamburger Adressbuch 1887, S. 422
- â August und Julie Bebel. Briefe einer Ehe. Hrsg. von Ursula Hermann, Bonn 1997, S. 382.
- â Gemeint ist Otto von Bismarck.
- â Ulrich Bauche; Ludwig Eiber, Ursula Wamser; Wilfried Weinke (Hrsg.): «Wir sind die Kraft». Arbeiterbewegung in Hamburg von den AnfĂ€ngen bis 1945. Katalogbuch zu den Ausstellungen des Museums fĂŒr Hamburgische Geschichte. VSA-Verlag, Hamburg 1988, S. 39 ff.
- â Theodor Storm. Einige ZĂŒge zu seinem Bilde
- â Uwe Carstens: Lieber Freund Ferdinand. Die bemerkenswerte Freundschaft zwischen Theodor Storm und Ferdinand Tönnies. Norderstedt 2008, S. 69.
- â Angelika Voss-Louis, S. 217.
- â Gustav Radbruch. Biographische Schriften. GĂŒnter Spendel (Hg.), C.F. MĂŒller, Heidelberg 1988, S. 412.
- â Heinrich Laufenberg: Geschichte der Hamburger Arbeiterbewegung. Hamburg 1931. S. 97
- â Angela Graf: J. H. W. Dietz. Bonn 1998, S. 190.
- â Personenlexikon. In: Franklin Kopitzsch, Dirk Brietzke (Hrsg.): Hamburgische Biografie. Band 5. Wallstein, Göttingen 2010, ISBN 978-3-8353-0640-0, S. 54.
- â August und Julie Bebel. Briefe einer Ehe. S. 632.
- â Gerd von Borstel, Geschichtswerkstatt Horn, StraĂennamen auf der Geest, in Stadtteilmagazin Unsere Geest von Juli bis September 2026, S. 13
- â Berlin SAPMO-BArch ZDB-ID: 594943-9.
- â IISG Signatur: D 1036/1.
- â auch als âHamburger BĂŒrger-Zeitungâ bezeichnet.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wedde, Johannes |
| ALTERNATIVNAMEN | Wedde, Friedrich Christoph Johannes (vollstÀndiger Name); Silvanus (Pseudonym) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Politiker und Theoretiker |
| GEBURTSDATUM | 15. Januar 1843 |
| GEBURTSORT | Uelzen |
| STERBEDATUM | 13. Januar 1890 |
| STERBEORT | LĂŒbeck |