Karl Theodor Reinhold

Karl Theodor Reinhold (* 18. Mai 1849 in Vlotho; â 13. November 1901 in Charlottenburg)[1] war ein deutscher Politiker, Volks- und Staatswissenschaftler.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Er war der Sohn des Amtsgerichtsrats Friedrich Wilhelm Reinhold (geb. 1810 in GĂŒtersloh; gest. 1874 in Vlotho) und seiner Frau Ottilie Pauline Caroline Stemler (geb. 1824 in Minden). Karl Theodor Reinhold war der GroĂonkel von Hans-Werner Schlipköter, einem der VĂ€ter der Umweltmedizin in Deutschland. Nach dem Besuch der Gymnasien in GĂŒtersloh und Soest studierte er Rechtswissenschaften und Philologie in TĂŒbingen, MĂŒnchen, Berlin und Göttingen. Er war spĂ€ter Amtsrichter in Barmen und Amtsgerichtsrat. Die Ernennung zum Landgerichtsdirektor in Köln lehnte er ab.
Er vertrat von 1886 bis 1888 den Wahlkreis Lennep-Solingen im PreuĂischen Abgeordnetenhaus.[2] AuĂerdem war er in der siebten Wahlperiode ab 1887 Mitglied des Reichstages. Dort vertrat er den Wahlkreis Altena-Iserlohn. Er gehörte der nationalliberalen Partei an.
Daneben verfasste er politische und volkswirtschaftliche AufsĂ€tze und BroschĂŒren. Im Jahr 1883 erschien âDas deutsche Volkstum und seine Zukunftâ. Im Jahre 1884 war seine Schrift âBismarck als Reformator des deutschen Geistesâ erschienen. Darin sprach er sich fĂŒr eine staatliche TĂ€tigkeit zur Lösung der sozialen Frage aus. âDie Vertheilung auf vielen Schultern, die SolidaritĂ€t der Opfer und der HĂŒlfe, die straffe Organisation der kĂ€rglich zugemessenen HĂŒlfsmittel â das ist der spezifische Staatsgedanke, welcher unserer in materieller DĂŒrftigkeit und staatlich-ethnographischer Zerrissenheit kraftloses Volk allein retten kann.â Die staatliche TĂ€tigkeit zur Lösung der sozialen Frage bezeichnete er als Nationalsozialismus.[3] Im Jahr 1889 erschien sein Werk âDie bewegenden KrĂ€fte der Volkswirtschaftâ.
Im Jahr 1897 wurde er an der UniversitĂ€t in Berlin zum auĂerordentlichen Professor fĂŒr Staatswissenschaften ernannt. Ziel war es, den Einfluss der Kathedersozialisten zurĂŒckzudrĂ€ngen. Obwohl frĂŒher selbst den Kathedersozialisten zugehörig, wandte er sich von diesen ab. Im Ăbrigen war er ĂŒberzeugt, dass die Kathedersozialisten den Manchesterliberalismus nicht auf Dauer zurĂŒckgedrĂ€ngt hĂ€tten. Er warnte vor ĂŒberhandnehmendem Individualismus und sah durch die Zersplitterung der Einzelinteressen die Gesellschaft bedroht. Stattdessen trat er fĂŒr partnerschaftliche Modelle ein.
Der spÀtere Reichskanzler Gustav Stresemann wurde im Bereich Nationalökonomie wesentlich von Karl Theodor Reinhold geprÀgt.
Karl Theodor Reinhold starb 1901 im Alter von 52 Jahren in seiner Wohnung in der TauenzienstraĂe 20 in Charlottenburg[1]. Beigesetzt wurde er auf dem Kaiser-Wilhelm-GedĂ€chtnis-Friedhof in Charlottenburg (heutiger Ortsteil Berlin-Westend). Das Grab ist nicht erhalten.[4]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Anton Bettelheim (Hrsg.): Biographisches Jahrbuch und deutscher Nekrolog. Band 6, 1901, Reimer, Berlin
- Hermann Kalkoff (Hrsg.): Nationalliberale Parlamentarier 1867â1917 des Reichstages und der Einzellandtage. Schriftenvertriebsstelle der nationalliberalen Partei Deutschlands, Berlin 1917
- Bernhard Mann (Bearb.) unter Mitarbeit von Martin Doerry, Cornelia Rauh, Thomas KĂŒhne: Biographisches Handbuch fĂŒr das PreuĂische Abgeordnetenhaus 1867â1918 (= HandbĂŒcher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 3). Droste, DĂŒsseldorf 1988, ISBN 3-7700-5146-7.
- Kurt Koszyk: Gustav Stresemann. Köln 1989, S. 68f.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Karl Theodor Reinhold in der Datenbank der Reichstagsabgeordneten
- Biografie von Karl Theodor Reinhold. In: Heinrich Best: Datenbank der Abgeordneten der Reichstage des Kaiserreichs 1867/71 bis 1918 (Biorab â Kaiserreich)
- Familienverbindung Reinhold-Schlipköter ;
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 StA Charlottenburg I, Sterbeurkunde Nr. 691/1901
- â Bernhard Mann (Bearb.) unter Mitarbeit von Martin Doerry, Cornelia Rauh, Thomas KĂŒhne: Biographisches Handbuch fĂŒr das PreuĂische Abgeordnetenhaus 1867â1918 (= HandbĂŒcher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 3). Droste, DĂŒsseldorf 1988, ISBN 3-7700-5146-7, S. 316â317; zu den Wahlergebnissen siehe Thomas KĂŒhne: Handbuch der Wahlen zum PreuĂischen Abgeordnetenhaus 1867â1918. Wahlergebnisse, WahlbĂŒndnisse und Wahlkandidaten (= HandbĂŒcher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 6). Droste, DĂŒsseldorf 1994, ISBN 3-7700-5182-3, S. 718â722.
- â Cornelia Schmitz-Berning: Vokabular des Nationalsozialismus. Berlin 2000, S. 419
- â Hans-JĂŒrgen Mende: Lexikon Berliner BegrĂ€bnisstĂ€tten. Pharus-Plan, Berlin 2018, ISBN 978-3-86514-206-1, S. 479.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Reinhold, Karl Theodor |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Politiker (NLP) und Staatswissenschaftler, MdR |
| GEBURTSDATUM | 18. Mai 1849 |
| GEBURTSORT | Vlotho |
| STERBEDATUM | 13. November 1901 |
| STERBEORT | Charlottenburg |