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Kastell Vemania

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Kastell Isny
Alternativname Vemania,
Vimania
Limes Donau-Iller-Rhein-Limes,
Raetia II
Datierung (Belegung) aurelianisch,
260 n. Chr. bis frĂŒhes 5. Jahrhundert
Typ Alenkastell
Einheit ala II Valeria Sequanorum
GrĂ¶ĂŸe 45 × 80 m (Kastellplateau)
Bauweise Stein und Holz
Erhaltungszustand UnregelmĂ€ĂŸige, fĂŒnfeckige Anlage mit Tor-, Eck- und ZwischentĂŒrmen
Ort Isny im AllgÀu
Geographische Lage 47° 41â€Č 53,3″ N, 10° 4â€Č 2″ O
Höhe 701 mÂ ĂŒ. NHN
Vorhergehend Kastell Bregenz (Brigantium) (sĂŒdwestlich)
Anschließend Kastell Kempten-Burghalde (Cambodunum) (nordöstlich)
Rekonstruktionsmodell des Kastells im Stadtmuseum Isny
Antoninian des Probus
Befundskizze des Kastells nach Jochen Garbsch
Infotafel auf dem KastellgelÀnde
Bettmauer – Westseite des Kastellplateaus
Blick auf das Kastellplateau
Goldschmuck aus einem der Hortfunde
Halskette aus dem Schatzfund
Flussbett der Argen bei Bettmauer

Das Kastell Vemania (auch Vimania) war ein spĂ€trömisches Reiterkastell (Alenkastell) auf dem heutigen Gemeindegebiet von Isny im AllgĂ€u im Landkreis Ravensburg in Baden-WĂŒrttemberg.

Es war Teil der Kastellkette des spĂ€tantiken Donau-Iller-Rhein-Limes in der römischen Provinz Raetia II. Dieser Limes wurde ab 280 n. Chr. – grĂ¶ĂŸtenteils unter Kaiser Diokletian – als neue Grenze und Ersatz fĂŒr den im spĂ€ten 3. Jahrhundert n. Chr. aufgegebenen Obergermanisch-RĂ€tischen Limes eingerichtet. Die Befestigung war vermutlich auch Keimzelle der spĂ€teren, 1043 erstmals urkundlich erwĂ€hnten Stadt Isny.

Vemania wird in mehreren antiken Hauptquellen erwĂ€hnt: der Tabula Peutingeriana,[1] dem Itinerarium Antonini und der Notitia dignitatum. Der Platz muss also von einiger Bedeutung gewesen sein. Im 19. Jahrhundert war man der Ansicht, dass sich der Name der Stadt Isny von einem Tempel der Göttin Isis ableitete, der einst in unmittelbarer NĂ€he des Kastells gestanden haben soll. Bis ins Mittelalter mĂŒssen noch bedeutende Reste des aufgehenden Mauerwerks sichtbar gewesen sein, da der Name des angrenzenden Weilers „Bettmauer“ sich wohl auf die Kastellruine bezieht.[2]

Das Areal des Kastells liegt zwei Kilometer östlich des Ortsrandes von Isny entfernt, am Fuß eines Höhenzugs (Adelegg) zwischen Kleinhaslach, ca. 500 m nordnordwestlich des Weilers Bettmauer im Ortsteil Burkwang. Das Lager stand auf einer zwölf Meter hohen, 60–80 m langen, 40–45 m breiten, an der Spitze einer spornartigen MorĂ€nenterrasse ĂŒber der in der Antike stark versumpften Talaue der Unteren Argen. Von hier aus konnte man das umgebende HĂŒgelland nach Norden und Westen hin und eine nahe gelegene Furt durch den Fluss gut ĂŒberblicken. Ost- und Nordhang fallen sehr steil ab. Das Flussbett fĂŒhrte in römischer Zeit möglicherweise nahe am Plateau vorbei. Der dadurch entstandene Prallhang im Osten bot so einen natĂŒrlichen Schutz, wĂ€hrend die West- und SĂŒdseite durch einen Graben vor Angreifern gesichert werden musste.[3]

Vemania wird generell mit dem Kastell bei Isny/Burkwang gleichgesetzt. Dazu gehörte jedoch möglicherweise auch eine Zivilsiedlung im Raum Gestratz-Maierhöfen-GrĂŒnenbach, zu deren Schutz es ebenfalls gedient haben könnte. Strategisch bedeutend war die Befestigung fĂŒr den Schutz der Fernstraße von der Provinzhauptstadt Augsburg ĂŒber Kempten-Bregenz-Chur zu den AlpenpĂ€ssen. An dieser Stelle, also zwischen Kempten und Bregenz, bildete dieser Verkehrsweg zugleich die Grenze, zu deren Schutz das Kastell angelegt worden war. Die hier stationierte Reitereinheit hatte vor allem den Limesabschnitt bis Bregenz/Brigantium zu ĂŒberwachen. Das Lager war wohl Standort bzw. Sammelpunkt einer mobilen Einsatztruppe. Bei Bedarf konnten hier grĂ¶ĂŸere TruppenverbĂ€nde zusammengezogen und zu gefĂ€hrdeten Brennpunkten des Limes in Marsch gesetzt werden. Die Besatzung des Kastells kontrollierte in weiterer Folge die FlussĂŒbergĂ€nge sowie einen Verkehrsknotenpunkt, wo Straßenverbindungen von

Vermutlich fĂŒhrte auch eine Trasse nach Augsburg/Augusta Vindelicum – vor RĂŒcknahme der Reichsgrenze an die Iller – ĂŒber „Viaca“, weil man dadurch gegenĂŒber der etwas lĂ€ngeren Strecke ĂŒber Cambodunum eine ganze Tagesetappe einsparen konnte. Insbesondere im unmittelbaren Nahbereich Vemanias sind die TrassenfĂŒhrungen stark durch die natĂŒrlichen Gegebenheiten der gebirgigen Topographie vorgegeben sowie durch die Enge der Talsohlen, die von der Argen und ihren NebenlĂ€ufen durchflossen werden.

213 n. Chr. durchbrachen alamannische Scharen erstmals den rĂ€tischen Limes, gelangten dabei jedoch nicht sehr weit ins Hinterland. Dies glĂŒckte ihnen erst zwanzig Jahre spĂ€ter. Es war vor allem deshalb möglich, weil die kampfstĂ€rksten Truppen der römischen Rhein- und Donauarmee im spĂ€ten 3. Jahrhundert grĂ¶ĂŸtenteils auf den östlichen Kriegsschauplatz zum Kampf gegen das Sassanidenreich abgezogen worden waren. Die Grenzgarnisonen waren dadurch in ihrer Abwehrkraft erheblich geschwĂ€cht. Die Bevölkerung am obergermanisch-rĂ€tischen Limes wurde vom Kaiserhof in Rom praktisch sich selbst ĂŒberlassen, was schon bald zahlreiche germanische PlĂŒndererbanden anlocken sollte. Ihre Einfalle ins Reichsgebiet hatten aber noch keine Landeroberung, sondern nur BeutezĂŒge zu den reichen, vollkommen ungeschĂŒtzt auf dem Land liegenden StĂ€dte und Gutshöfe zum Ziel.

Hatten die Alamannen einmal die nur unzureichend gesicherte Grenze ĂŒberwunden, bot das gut ausgebaute römische Straßennetz die Möglichkeit, rasch ins Limeshinterland vorzustoßen. Kaiser Maximinus Thrax (235–238) konnte zwar den rĂ€tischen Limes wieder stabilisieren, aber bereits unter seinen Nachfolgern Valerian (253–260) und Gallienus (253–268) brach die Grenzverteidigung in RĂ€tien wiederholt zusammen. Infolgedessen konnten die Alamannen erneut fast ungehindert die Provinz verheeren, die StĂ€dte Augsburg und Kempten zerstören und sogar bis ins Umland von Mailand/Mediolanum vordringen. Einmal mehr trafen diese RaubzĂŒge vor allem die direkt am Limes ansĂ€ssige Zivilbevölkerung besonders hart. Das Dekumatland war bald nicht mehr zu halten und wurde von der Armee gerĂ€umt (siehe Limesfall). Zwischendurch vermochten aber einzelne Soldatenkaiser noch einmal energisch durchzugreifen und den Grenzprovinzen fĂŒr kurze Zeit wieder eine gewisse Sicherheit und StabilitĂ€t zurĂŒckzugeben. So wurde unter Kaiser Probus (276–282) eine neue Kastellkette vom Bodensee bis zur IllermĂŒndung aufgebaut, zu der auch Vemania zĂ€hlte.

Eine römische Niederlassung existierte hier wahrscheinlich schon seit dem frĂŒhen 3. Jahrhundert n. Chr. Anhand der Befunde gehen die ArchĂ€ologen davon aus, dass das erste Lager um 260 gegrĂŒndet wurde. Obwohl Vemania unter Probus mehrfach umgebaut und verstĂ€rkt worden war, dĂŒrfte es trotzdem immer wieder von den Alamannen verheert worden zu sein. 282/283 erstmals zerstört, wurde es unter der Herrschaft Diokletians (284–305), im Zuge der Einrichtung des Donau-Iller-Rhein-Limes, wieder aufgebaut, ging aber bereits um 302/303 erneut in Flammen auf. Darauf weist die MĂŒnzreihe von zwei der hier gemachten Hortfunde hin. Unter Konstantin I. (306–337) wurde es wieder instand gesetzt, wahrscheinlich dann noch einmal um 350 renoviert. In den 360er Jahren wurde das Lager zweimal niedergebrannt, aber erneut aufgebaut, ehe es zwischen 401 und 406 endgĂŒltig aufgegeben wurde. Die Kastellbesatzung hatte vermutlich das Lager vorher von allen noch Verwendbaren gerĂ€umt und dann angezĂŒndet. In diesen Jahren zog der weströmische Regent Flavius Stilicho fast alle Grenztruppen zum Schutz des Kernlandes Italien gegen die abtrĂŒnnige Gotenarmee des Alarich ab. Die Ruine wurde danach im Laufe der Jahrhunderte zur GĂ€nze durch Steinraub abgetragen. Eine SiedlungskontinuitĂ€t ausgehend vom römischen Kastell bis zum heutigen Isny ist nicht belegt. Auch VorgĂ€ngersiedlungen aus alamannischer Zeit sind bislang nicht bekannt geworden. Erste Siedlungsspuren finden sich erst ab dem 11. Jahrhundert.

Forschungsgeschichte

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1490 wurde der Platz im Auftrag des Abts Georg vom Kloster in Isny nach angeblich hier verborgenen SchĂ€tzen umgegraben. Dabei barg man anscheinend auch tatsĂ€chlich einige Gold- und Silberartefakte. 1855 fanden die ersten nach archĂ€ologischen Gesichtspunkten organisierten Ausgrabungen statt. Man suchte dabei aber in erster Linie nach Überresten eines Isis-Tempels, um die Theorie der Ähnlichkeit bzw. Ableitung des Namens der Stadt Isny mit der Ă€gyptischen Göttin Isis zu bestĂ€tigen. 1882 untersuchte Eduard Paulus das GelĂ€nde. 1926 fĂŒhrte Gerhard Bersu die ersten Grabungen nach modernen wissenschaftlichen Methoden durch.

Die wichtigsten Ausgrabungen erfolgten zwischen 1966 und 1970 durch die Kommission zur archĂ€ologischen Erforschung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in MĂŒnchen und des Staatlichen Amtes fĂŒr Denkmalpflege in TĂŒbingen, Leitung Jochen Garbsch. Dabei wurden unter anderem rund 2000 MĂŒnzen gefunden, die vor allem fĂŒr die Chronologie des Kastells von großer Bedeutung waren.[4]

Die Festungsanlage wurde in mehreren Bauphasen errichtet, der jĂŒngste Umbau hat wahrscheinlich in valentinianischer Zeit stattgefunden. Der Grundriss, ein unregelmĂ€ĂŸiges FĂŒnfeck, folgt exakt den Konturen des MorĂ€nenhĂŒgels. Insgesamt konnten sechs Bauphasen voneinander unterschieden werden. Eine erste – wohl zunĂ€chst nur provisorische – Befestigung entstand um 260 n. Chr. Sie beschrĂ€nkte sich in ihrer FlĂ€che auf den Nordteil des zuvor einplanierten Plateaus. Vom frĂŒhen Kastell konnte nur im Norden ein fĂŒnf Meter breiter und 1,7 m tiefer Graben (Spitzgraben A) nachgewiesen werden. In den spĂ€teren Bauphasen bzw. zur VergrĂ¶ĂŸerung des Kastells musste die PlateauflĂ€che von den römischen Ingenieuren durch AufschĂŒttungen erweitert werden. Die fast nur noch durch ihre FundamentgrĂ€ben nachweisbare Umfassungsmauer (Breite 1–1,80 m) maß im Osten 88 m und war zusĂ€tzlich mit drei Eck- und zwei ZwischentĂŒrmen verstĂ€rkt worden. Sie war bis zu einem Meter breit. Das Kastell war nur im Nordwesten durch ein Tor, mit einer Durchfahrt, zugĂ€nglich. Es war von zwei weit vorkragenden HufeisentĂŒrmen, mit je einem Durchmesser von vier Metern, flankiert. An West- und SĂŒdseite wurde ein zwölf Meter breiter und drei Meter tiefer Wehrgraben (Spitzgraben B) angelegt, der heute noch sichtbar ist. Er trennte das Plateau von dem leicht nach Westen abfallenden Vorland. Zwischen Kastellmauer und Graben lag eine sechs bis sieben Meter breite Berme.[5]

Im Inneren des Kastells standen zum ĂŒberwiegenden Teil einfache Holz- und Fachwerkbauten, die entlang der Wehrmauer angeordnet waren. Das einzige in Stein erbaute GebĂ€ude waren wohl die mit Ziegeln gedeckten Principia oder auch principia cum praetorio (15 × 19,50 m), mit Wohn- oder VerwaltungsrĂ€umen fĂŒr den Lagerkommandanten, die sich an der Ostmauer befanden. An Nord-, SĂŒd- und Westmauer standen im Abstand von 1,50–5 m bis zu fĂŒnf Fachwerkbaracken, die als UnterkĂŒnfte fĂŒr die Soldaten, als WerkstĂ€tten und PferdestĂ€lle dienten. Ihre Ausmaße schwankten wĂ€hrend der verschiedenen Bauphasen. In den WerkstĂ€tten wurde hauptsĂ€chlich Eisen-, Bronze- und Holzbearbeitung betrieben. Die Trinkwasserversorgung wurde durch zwei Brunnen gewĂ€hrleistet.[6]

Straßenposten

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Das Kastell war vermutlich auch ein Haltepunkt fĂŒr Durchreisende an der von Ost nach West verlaufenden Straße Bregenz–Kempten. Zu ihrer Sicherung hatte man entlang dieser Strecke zahlreiche Burgi errichtet. Zum nĂ€chstgelegenen Wachtturm in Richtung Osten, bei Nellenbruck, war der Kontakt mit Feuer- und Rauchzeichen möglich. In östlicher Richtung nach Kempten befand sich nach dem Wengener Tobel (heute bei Weitnau, in spĂ€terer Zeit Höhenburg bzw. Burg Alt-Trauchburg ĂŒber OT Kleinweilerhofen) bei Schwarzerd (NĂ€he Buchenberg) ein Wachturm (seine Überreste sind noch heute sichtbar) und etwas weiter kurz vor Kempten der Burgus Ahegg. Im Westen finden sich bei Heimenkirch in den Ortsteilen Meckatz, Dreiheiligen und Kappen die Reste von nicht weniger als vier spĂ€tantiken Burgi. Mit ziemlicher Sicherheit standen in der Region noch mehr dieser Befestigungen.

In der linearen Anordnung der WachtĂŒrme spiegelt sich deutlich das beim Donau-Iller-Rhein-Limes verfolgte Sicherungssystem wider, das Grenzgebiet von StĂ€dten aus mit einem Netz gut ausgebauter Straßen zu durchziehen, die durch eine Kette von Kastellen und dazwischenliegenden WachtĂŒrmen bzw. Burgi kontrolliert und gesichert wurden. Dies ermöglichte im Krisenfall die rasche NachrichtenĂŒbermittlung und Alarmierung aller verfĂŒgbaren Truppeneinheiten, die entlang des Limes stationiert waren.

Die Besatzungseinheit und der Dienstrang des Lagerkommandanten sind aus der Notitia dignitatum bekannt, wo sie in der Truppenliste des Oberbefehlshabers der Provinz, des Dux Raetiae primae et secundae, aufscheinen. In dieser findet sich fĂŒr „Vimania“ folgender Eintrag:

Praefectus alae secundae Valeriae Sequanorum, Vimania („der PrĂ€fekt des zweiten valerischen Reiterschwadrons der Sequaner in Vemania“).[7]

Vermutlich handelte es sich bei den Angehörigen dieser Truppe in der Mehrzahl um keltoromanische Sequaner, die ursprĂŒnglich in der Gegend von Besançon/Vesontio (zwischen Saone und westlicher Schweizer Jura), Provinz Maxima Sequanorum, rekrutiert worden waren. Eine Ala bestand generell aus rund 500 Reitern, im Kastell selbst dĂŒrften maximal 200 Soldaten untergebracht gewesen sein. Die ĂŒbrigen 300 Mann waren vermutlich als Besatzung auf die zwölf bis fĂŒnfzehn Burgi zwischen Vemania und Brigantium aufgeteilt. 296 bis 299 n. Chr. nahm die Einheit an einem Afrikafeldzug Kaiser Maximians teil. Zahlreiche GeldstĂŒcke mit dem PrĂ€gestempel der kaiserlichen MĂŒnze in Carthago aus einem der Hortfunde (siehe unten) bezeugen ihren Einsatz in Nordafrika.[8]

Zu den bedeutendsten Artefakten zĂ€hlen vier Hortfunde; zwei – ein Streufund in der NĂ€he des Tores und einer von 387 MĂŒnzen in der Kaserne am sĂŒdlichen Teil der Ostmauer – sind mit ziemlicher Sicherheit in die Jahre 282/283 zu datieren. Ein weiterer Hort mit 771 Folles aus Karthago wurde in der Mannschaftsbaracke an der Nordmauer und ein zweiter – bestehend aus MĂŒnzen und Frauenschmuck – am sĂŒdlichen Ende derselben Kaserne gefunden. Letzterer besteht aus 157 MĂŒnzen, die ursprĂŒnglich in einem Leinenbeutel verwahrt waren. In einem HolzkĂ€stchen befanden sich eine Auswahl von goldenen Halsketten, Arm-, Ohr- und Fingerringen. Als Besitzer der GegenstĂ€nde kommen aufgrund ihres Wertes am ehesten ein höherer Offizier beziehungsweise möglicherweise auch der Kommandant des Lagers und dessen Frau in Frage.[A 1] Diese beiden Hortfunde lassen sich in die Jahre 302/303 datieren.[9]

Funde von Schlackenresten und Werkzeugen, Bohrern, Hobeln, Meißeln, Bolzengeschossen und Pfeilspitzen belegen den Betrieb von Schmiede-, Bronze- und HolzwerkstĂ€tten im Kastell.[10] Daneben fand man diverses KĂŒchengeschirr, BeschlĂ€ge, Fahrzeugteile und SteigbĂŒgel, zwei Kalkbrennöfen, fĂŒnfundsechzig Gruben, fĂŒnfhundert Pfostenlöcher, fĂŒnfzig Herd- oder Feuerstellen und etwa 5700 Tierknochen unterschiedlichster Art wurden beobachtet. Darunter befanden sich bemerkenswerterweise auch die eines Kamels. Sie konnten als die Knochen eines baktrischen Kamels bestimmt werden. Es wurde wahrscheinlich von der Besatzung bei ihrer RĂŒckkehr aus Afrika als Lasttier mitgefĂŒhrt.[11]

von Kastell Vemania bis Cambodunum

ON/NameBeschreibung/ZustandAbbildung
Wachturm/Burgus Nellenbruck Der Turm befand sich in der NĂ€he des heutigen Weitnau im Ortsteil Nellenbruck, an der Römerstraße von Kempten (Cambodunum) nach Bregenz (Brigantium). Die Überreste des Wachturms wurden bereits im 19. Jahrhundert beschrieben und zwischen 1900 und 1918 durch archĂ€ologische Grabungen dokumentiert, dabei kamen auch MĂŒnzen zum Vorschein.
Wachturm/Burgus Wenk Turm mit quadratischen Grundriss, 11,5 m × 11,5 m.[12]
Wachturm/Burgus Buchenberg
Wachturm/Burgus Ahegg
Kastell Cambodunum

Hinweise und Fundverbleib

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Die Anfahrt mit dem PKW erfolgt ĂŒber Kleinhaslach, Kreuzung nach Rotenbach bzw. Burkwang. Von hier aus kann man die Fundstelle zu Fuß ĂŒber einen nach Osten fĂŒhrenden Feldweg erreichen. Ein Modell des römischen Kastells und einige FundstĂŒcke werden im Museum am MĂŒhlturm in Isny gezeigt bzw. aufbewahrt. Alle weiteren FundstĂŒcke werden im Landesmuseum WĂŒrttemberg in Stuttgart aufbewahrt.

Das Bodendenkmal ist als eingetragenes Kulturdenkmal im Sinne des Denkmalschutzgesetzes des Landes Baden-WĂŒrttemberg (DSchG) geschĂŒtzt. Nachforschungen und gezieltes Sammeln von Funden sind genehmigungspflichtig, Zufallsfunde an die Denkmalbehörden zu melden.

  • Anton R. Vincenz: Chronik der Stadt Isny im AllgĂ€u und Umgegend vom Jahr 200 bis 1854 nach Christi Geburt. Strehle, Isny 1854.
  • Eduard Paulus: Ausgrabung des Römerkastells bei Isny. In: WĂŒrttembergische Vierteljahreshefte fĂŒr Landesgeschichte. Band 6, 1883, ISSN 0179-0889.
  • Friedrich Hertlein, Oskar Paret, Peter Goessler: Die Römer in WĂŒrttemberg. W. Kohlhammer, Stuttgart 1928.
  • Jochen Garbsch: Der spĂ€trömische Donau-Iller-Rhein-Limes. Verlag Gentner, Aalen 1970.
  • Dieter Planck: Das spĂ€trömische Kastell Vemania bei Burkwang, Gemeinde Großholzleute, Lkr. Wangen (= Kulturdenkmale in Baden-WĂŒrttemberg. Kleine FĂŒhrer. Blatt 2). Landesdenkmalamt Baden-WĂŒrttemberg, Stuttgart 1972.
  • Jochen Garbsch: Ausgrabungen und Funde im spĂ€trömischen Kastell Vemania. In: AllgĂ€uer Geschichtsfreund. Band 73, 1973, S. 43–57.
  • Winfried Piehler: Die Knochenfunde aus dem spĂ€trömischen Kastell Vemania. Dissertation, UniversitĂ€t MĂŒnchen 1976.
  • Jochen Garbsch, Peter Kos: Das spĂ€trömische Kastell Vemania bei Isny I: Zwei Schatzfunde des frĂŒhen 4. Jahrhunderts (= MĂŒnchner BeitrĂ€ge zur Vor- und FrĂŒhgeschichte. Band 44). C. H. Beck, MĂŒnchen 1988, ISBN 3-406-33303-6 (online).
  • Bernhard Overbeck: Das spĂ€trömische Kastell Vemania bei Isny II: Ein Schatzfund von MĂŒnzen aus der Zeit des Probus (= MĂŒnchner BeitrĂ€ge zur Vor- und FrĂŒhgeschichte. Band 61). C. H. Beck, MĂŒnchen 2009, ISBN 978-3-406-10759-7 (online).
  • Peter Kos: Das spĂ€trömische Kastell Vemania bei Isny III: Auswertung der FundmĂŒnzen und Studien zum MĂŒnzumlauf in Raetien im 3. und 4. Jahrhundert (= MĂŒnchner BeitrĂ€ge zur Vor- und FrĂŒhgeschichte. Band 65). C. H. Beck, MĂŒnchen 2019, ISBN 978-3-406-10766-5 (online).
  • JĂŒrgen Weber, Karlheinz Eckardt: Die spĂ€trömische Zeit, Experimentalgruppen in Europa (= Historische Reihe. Band 2). ec Verlag, Benningen/N. 1998.
  • Jördis Fuchs: SpĂ€tantike militĂ€rische horrea an Rhein und Donau. Eine Untersuchung der römischen MilitĂ€ranlagen in den Provinzen Maxima Sequanorum, Raetia I, Raetia II, Noricum Ripense und Valeria. Diplomarbeit, Wien 2011.
  • Fabienne PigiĂšre, Denis Henrotay: Camels in the northern provinces of the Roman Empire. In: Journal of Archaeological Science. Band 39, 2012, S. 1531–1539.
  • JĂŒrgen Oldenstein: Kastell Alzey. ArchĂ€ologische Untersuchungen im spĂ€trömischen Lager und Studien zur Grenzverteidigung im Mainzer Dukat. Habilitationsschrift, UniversitĂ€t Mainz 1992 (online).
Commons: Kastell Vemania – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  1. ↑ Material/Technik: Kollier: Glasperlen, profilierte Goldblechzylinder; Fuchsschwanzkette mit Amulettkapsel: Gold; Halskette: Gagat, Glasflussperlen; Ohrringe: Goldblech, Goldraht, Lapis; MĂŒnzen: Bronze, SilberĂŒberzug. Maße: Kollier: L 40 cm; Fuchsschwanzkette: L 44 cm; Kapsel: L 5,2 cm; Ohrringe: H 1,3 cm, B 1,4 cm, hergestellt vermutlich 3.–4. Jahrhundert n. Chr.

Einzelnachweise

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  1. ↑ SEGMENTVM IV
  2. ↑ Informationstafel der Stadt Isny 2009 am Kastell.
  3. ↑ Garbsch/Kos 1988, S. 11
  4. ↑ Plank 1972, Blatt 2.
  5. ↑ Plank 1972; Garbsch 1973, S. 43, Weber/Eckard 1998, S. 45, Oldenstein 2002, S. 258.
  6. ↑ Jördis Fuchs 2011
  7. ↑ Notitia dignitatum Occ. XXXV, 20.
  8. ↑ JĂŒrgen Weber, Karlheinz Eckardt 1998, S. 45
  9. ↑ Garbsch 1973, S. 49.
  10. ↑ Infotafel vor Ort.
  11. ↑ F. Pigiùre, D. Henrotay 2012, S. 1535.
  12. ↑ Jochen Garbsch: 1988, S. 119.