Kindersolbad Bethesda
Das Kindersolbad (von 1862 bis 2003 Kindersolbad Bethesda) in Bad Friedrichshall ist eine Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung und ehemalige Kinderheilanstalt, die seit 1862 besteht.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]AnfÀnge
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In den 1850er Jahren gab es erste GesprĂ€che und Verhandlungen zwischen den Ărzten August Hermann Werner aus Ludwigsburg und Dr. Pfeilsticker aus Kochendorf, eine Kinderheilanstalt, nach Vorbild der Ludwigsburger Heilanstalt von Werner, im heutigen Bad Friedrichshall-Jagstfeld zu errichten. Dazu wurde 1860 ein Bauplatz in der NĂ€he der Saline Friedrichshall erworben.
Am 17. Juni 1862 wurde die Kinderheilanstalt Bethesda als Zweigniederlassung der Ludwigsburger Heilanstalt eröffnet und das neue GebĂ€ude bezogen. Der Name Bethesda ist benannt nach einer Zisterne in Jerusalem, der auch heilende KrĂ€fte zugesprochen wurden. TrĂ€ger der Einrichtung wurden die Familie Werner sowie der König von WĂŒrttemberg. Zu Beginn wurden sechs Kinder in der Einrichtung betreut und gepflegt. Die Kinder kamen aus meist Ă€rmlichen VerhĂ€ltnissen und waren schwĂ€chlich oder an Skrofulose erkrankt. August Hermann Werner betrachtete die Jagstfelder Einrichtung als Sommeraufenthalt fĂŒr die ihm anvertrauten Ludwigsburger Kinder, welche er selbst mit dem Schiff nach Jagstfeld brachte. Im Jahr 1868 wurde ein Anbau aufgrund der groĂen Nachfrage unumgĂ€nglich: Der NordflĂŒgel in Richtung Jagstfeld entstand. 1874 entstand der sĂŒdliche FlĂŒgel, so dass kĂŒnftig 280 Kinder jĂ€hrlich aufgenommen werden konnten.
In den folgenden Jahren wurden auch alle auf Stoffwechselstörungen beruhenden Erkrankungen behandelt. 1898 wurde nach baulichen VerÀnderungen ein neuer Anbau eingeweiht. Zu den Feierlichkeiten erschienen auch Isabella GrÀfin von Zeppelin, Mary von Waldersee sowie Professoren aus allen Teilen Deutschlands. Nach 1899 wird das alte GebÀude zur Bethesda II umgebaut. WÀhrend des Ersten Weltkriegs mussten die HÀuser gerÀumt werden, ein Lazarett wurde eingerichtet. Infolge des Krieges wurden beide GebÀude schwer zerstört und die Bethesda geriet in eine finanzielle Notlage, da es von nun an keinen König mehr gab.
1926 wurde die Bethesda eine Einrichtung der Inneren Mission, wodurch sich gröĂere finanzielle Möglichkeiten bieten sollten, in der Folgezeit wurden neue Verfahren zur StĂ€rkung des körperlichen Befindens (beispielsweise das Klappsche Kriechen) eingefĂŒhrt.
Durch finanzielle UnterstĂŒtzung durch die Kriegshilfe WĂŒrttemberg und die Landesversicherungsanstalt WĂŒrttemberg konnte 1928 der Neubau durchgefĂŒhrt werden, welcher 1930 fertiggestellt und eingeweiht wurde. Bis 1939 ĂŒbernahm das Kinderhilfswerk Esslingen die Verteilung der PlĂ€tze. 1933 zĂ€hlte das Kindersolbad 1333, 1939 bereits 1881 Kinder, die zur Kur nach Jagstfeld kamen. Durch weitere ZuschĂŒsse und Spenden konnte in den Jahren 1936 und 1937 weitere Neubauten und Sanierungen umgesetzt werden. Die 75-Jahr-Feier 1937 musste abgesagt werden, da das Gesundheitsamt das Haus aufgrund von Diphtherieerkrankungen fĂŒr einige Tage geschlossen hatte.
Ab 1938 wurden im Kindersolbad Soldaten stationiert. Obwohl in den Sommerferien 1939 der Andrang zur Kur in der Bethesda so groĂ wie nie zuvor war, musste das Haus in der Nacht vom 26. auf den 27. August fĂŒr FlĂŒchtlinge und Verwundete gerĂ€umt werden. Erst ab Januar 1940 kamen wieder Kinder ins Solbad. Am 17. Januar 1940 ging das Kindersolbad an den WĂŒrttembergischen LandesfĂŒrsorgeverbund ĂŒber. 1941 kamen aus ganz Deutschland Kinder zur Kur nach Bad Friedrichshall, im April wurde das Haus jedoch wieder zu einem Katastrophenhilfskrankenhaus umgerĂŒstet. Ab 1942 war die Nachfrage so groĂ, dass nicht mehr alle Interessenten berĂŒcksichtigt werden konnten. Ferner mussten die Schwestern immer öfter mit den Kindern in den Luftschutzbunker. Nach dem Luftangriff auf Heilbronn wird die Bethesda zum MehrzweckgebĂ€ude umfunktioniert. Bei den Luftangriffen auf Bad Friedrichshall wurden groĂe Teile der HĂ€user zerstört.
Nach dem Kriegsende wurde die Bethesda I zum Hauptquartier der Amerikaner umfunktioniert und sĂ€mtliches Inventar nach Mannheim geschafft. Im August 1945 ĂŒbernahm die Stadt Heilbronn die Bethesda und eröffnete ein Krankenhaus. Erst im Juni 1946 konnten wieder Solekuren durchgefĂŒhrt werden. Die Stadt Heilbronn hat die Kinderklinik um eine Infektionsabteilung erweitert und wurde durch den LandesfĂŒrsorgeverbund dabei unterstĂŒtzt. Obwohl die Kooperation mit der Stadt Heilbronn reibungslos verlief, hatte der LandesfĂŒrsorgeverbund die Kinderklinik und die Infektionsabteilungen ĂŒbernommen. Nach 17 Jahren in Jagstfeld zog die Kinderklinik 1962 wieder zurĂŒck nach Heilbronn.
Nach 1952 fand die pĂ€dagogische Arbeit immer mehr Einzug ins Kindersolbad. Durch immer mehr Kinder mit psychosomatischen Gesundheitsstörungen, die oft mit VerhaltensauffĂ€lligkeiten verbunden waren, wurde das pĂ€dagogische Angebot stĂ€ndig erweitert. 1973 wurden erstmals Kuren fĂŒr geistig behinderte Kinder angeboten. Ab 1975 bot das Kindersolbad JugendĂ€mtern die Möglichkeit, Kinder aus Notsituationen in der Familie kurzfristig in die Bethesda einzuweisen.
Nachdem die Kinder seit 1980 von Lehrern unterrichtet worden waren und die Lehrerzahl stieg, wurde in Kooperation mit dem Landkreis Heilbronn die noch heute bestehende Krankenhausschule Bethesda Schule in der WilhelmstraĂe gegrĂŒndet.
Die Verbandsversammlung des Landeswohlfahrtsverbands WĂŒrttemberg-Hohenzollern beschloss am 26. November 2002 die TrĂ€gerschaft des Kindersolbads Bethesda zum 31. Dezember 2003 zu beenden; am 31. Dezember 2004 wurde der Verband selbst aufgelöst.
Heutiges Kindersolbad
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zum 1. Juli 2003 wurde die Kindersolbad gGmbH gegrĂŒndet, deren TrĂ€ger die Jugendhilfe Bad Friedrichshall e.V. ist. Der Bestand des Kindersolbades konnte somit gesichert werden. Neben stationĂ€ren Hilfen zur Erziehung bietet es nun ambulante und teilstationĂ€re Hilfen, Schulsozialarbeit an Grundschulen und weiterfĂŒhrenden Schulen, Jugendarbeit in Kommunen, UnterstĂŒtzung von Kommunen bei der Entwicklung der kommunalen Bildungslandschaft sowie ambulante pĂ€dagogische Hilfe fĂŒr Familien.
Ab MĂ€rz 2005 entstand der Neubau des Stammhauses, der 2006 bezogen werden konnte. Am 28. Juli 2006 fand die offizielle Einweihung des Neubaus statt. Am 6. Juni 2017 begannen die BaumaĂnahmen fĂŒr den Neubau des Bohnertshauses, welches in die Jahre gekommen und zu klein geworden war. Der Neubau befindet sich in unmittelbarer NĂ€he zum HauptgebĂ€ude.
Der zum Teil ĂŒber 100 Jahre zĂ€hlende Altbau wird seit Anfang 2018 abgerissen, um an dieser Stelle eine neue Wohn- und GeschĂ€ftsbebauung umzusetzen.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Stadtverwaltung Bad Friedrichshall: Durch Vergangenheit und Gegenwart der Stadt Bad Friedrichshall. Bad Friedrichshall, 1961