Klaus Merten

Klaus Merten (* 31. Juli 1940 in Potsdam; † 24. Februar 2020[1]) war ein deutscher Kommunikationswissenschaftler. Als Professor für Soziologie und Kommunikationsforschung wirkte er in Gießen und Münster.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Klaus Merten, Sohn von Margit Merten, geborener Ocholt, und des promovierten Ingenieurs Rolf Merten, studierte an der Technischen Hochschule Aachen und der Universität Münster Mathematik, Publizistik und Soziologie. Seinen Abschluss machte er 1971 als Diplom-Soziologe in Münster. Er war Schüler von Niklas Luhmann und Jürgen Kriz. Von 1972 bis 1976 arbeitete er als Wissenschaftlicher Assistent an der Fakultät für Soziologie der Universität Bielefeld. 1976 wurde er dort mit einer Arbeit über den Kommunikationsbegriff zum Dr. rer. soc. promoviert. Von 1976 bis 1978 übernahm er die Lehrstuhlvertretung an der Universität Mainz und der Universität Gießen. Nach einer weiteren Gastprofessur an der Universität Berlin folgte Merten 1979 einem Ruf als Professor für Methoden der empirischen Sozialforschung an die Universität Gießen, wo er zugleich Direktor des Instituts für Soziologie wurde. 1984 folgte er dem Ruf auf die Professur für empirische Kommunikationsforschung an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster, wo er – unterbrochen durch eine Gastprofessur 1990 an der Universität Tunis – bis zu seiner Emeritierung blieb.
Gemeinsam mit Siegfried J. Schmidt und Siegfried Weischenberg war er von 1989 bis 1991 wissenschaftlicher Leiter des Funkkollegs Medien und Kommunikation, einer dreißigteiligen Hörfunksendereihe mit kostenpflichtigen Studienbegleitbriefen für registrierte Teilnehmer von hr, SDR, SR, SWF und WDR.[2]
Merten war Initiator des einjährigen Fernstudiengangs zum PR-Manager und gründete 2003 die com+plus GmbH, die diese Weiterbildung anbietet.
Klaus Merten war evangelisch, ab 1971 verheiratet mit Frogard Merten, geborener Nölting, wohnte in Annerod (seit 1971 Ortsteil von Fernwald) und hatte zwei Kinder (Jan und Christoph).
Kommunikation und Lügen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1986 veröffentlichte Merten vielbeachtete Schriften zur Evolution der Kommunikation und zu Public Relations. Merten formulierte 2006 einen Aufsatz Nur wer lügen darf kann kommunizieren (Pressesprecher, 4, Heft 1, 2006: 22-25), in dem er aus theoretischer Perspektive konsequent ableitete, dass Kommunikation immer die Möglichkeit fordert, auch ohne Wahrheit zu agieren. Dagegen wandte sich der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR), dessen Ethik von PR-Fachleuten stets die unbedingte Wahrheit fordert. Merten hielt dem DRPR daraufhin in einem offenen Brief und mehreren Studien massiv vor, zu wenig von Kommunikation zu verstehen, um eine wirksame Ethik glaubhaft vertreten zu können, und empfahl dem DRPR, sich aufzulösen. 2008 veröffentlichte Klaus Merten seine Theorie der „Fünf Ebenen der Wirklichkeit“.
Kommunikationsbegriffe nach Merten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1977 untersuchte Merten über 160 Begriffsbestimmungen von Kommunikation und entwickelte dabei ein eigenes Raster, das zwischen subanimalischer, animalischer, Human- und Massenkommunikation differenziert wie folgt:
- Subanimalische Kommunikation ist die Kommunikation zwischen einzelnen Organismen. Teil der subanimalischen Kommunikation sind sowohl technische als auch naturwissenschaftliche Phänomene wie etwa die gegenseitige Beeinflussung zweier magnetischer Substanzen.
- Animalische Kommunikation ist die Kommunikation zwischen tierischen Lebewesen, egal ob zwischen Tieren oder zwischen Mensch und Tier.
- Humankommunikation beschreibt ausschließlich die Kommunikation zwischen Menschen. Eine Besonderheit dieser Kommunikation ist die Verfügbarkeit des sprachlichen Kanals über und neben anderen – nonverbalen – Kommunikationskanälen.
- Massenkommunikation ist eine Art der Humankommunikation, die auf technische Hilfsmittel angewiesen (also indirekt) ist, in aller Regel einseitig ist und sich an ein disperses Publikum richtet.
- Computervermittelte (Gemeinschafts-)Kommunikation ist eine Kommunikationsform, die aus der Fusion von Telekommunikation, Computerisierung und herkömmlichen elektronischen Massenmedien entstanden ist.
Preise und Auszeichnungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1990 1. Preis der Fritz Thyssen Stiftung für den Beitrag „Meinungsführer in der Mediengesellschaft“
- 1988 2. Preis der Fritz Thyssen Stiftung für sozialwissenschaftliche Aufsätze (für einen Beitrag über das Kommunikationsmodell nach Lazarsfeld)
- 1977 Top Award International Communication Association (ICA), Berlin
Schriften (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- FORTRAN IV. 1975; 1980.
- Kommunikation. 1977.
- Inhaltsanalyse. 1983.
- Struktur der Berichterstattung der Tagespresse. 1985.
- Methoden. 1985.
- mit Helmut Giegler und Friederike Uhr: Grundlegende Ansätze und Methoden der Medienwirkungsforschung. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, 1992.
- mit Siegfried J. Schmidt und Siegfried Weischenberg: Die Wirklichkeit der Medien. Eine Einführung in die Kommunikationswissenschaft. 1994, ISBN 978-3-531-12327-1.
- Zur Theorie des Gerüchts. In: Publizistik. Jahrgang 54, 2009, Nummer 1, S. 15–42, doi:10.1007/s11616-009-0028-y
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Merten, Klaus. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 830.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und über Klaus Merten im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Personenseite am Institut für Kommunikationswissenschaft, Westfälische Wilhelms-Universität Münster. Abgerufen am 31. Dezember 2014
- Klaus Merten – im Gespräch mit Roland Burkart: Kommunikationswissenschaft audiosvisuell, Wien 2008
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Thomas Dillmann,: „Kommunikationswissenschaftler Klaus Merten verstorben“ auf pr-journal.de vom 13. März 2020, abgerufen am 15. März 2020
- ↑ Die Studienbriefe waren Grundlage für Merten / Schmidt / Weischenberg (Hrsg.): Die Wirklichkeit der Medien. Eine Einführung in die Kommunikationswissenschaft. Westdeutscher Verlag, 1994, ISBN 978-3-531-12327-1.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Merten, Klaus |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Kommunikationswissenschaftler und Soziologe |
| GEBURTSDATUM | 31. Juli 1940 |
| GEBURTSORT | Potsdam |
| STERBEDATUM | 24. Februar 2020 |