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Konditionierung

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie

Unter Konditionierung versteht man in der Lernpsychologie Formen des Lernens von Reiz-Reiz-Assoziationen bzw. Reiz-Reaktions-Assoziationen (Stimulus-Response-Lernen) durch wiederholte Koppelung von Reizen. Man unterscheidet zwei Grundtypen der Konditionierung: die Klassische Konditionierung, die ausgelöstes (reflektorisches) Verhalten betrifft (der lernende Organismus hat keine Kontrolle ĂŒber den Reiz und die von ihm ausgelöste Reaktion), und die Instrumentelle bzw. Operante Konditionierung, die ursprĂŒnglich spontanes Verhalten betrifft, das je nach der dem Verhalten folgenden Konsequenz zielgerichtet wird.

Beide Lernformen lassen sich bei nahezu allen Tierarten nachweisen und ermöglichen somit fundamental wichtige Anpassungsleistungen von Organismen an die jeweilige Umwelt.[1]

Klassische Konditionierung

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Lernen durch Klassische Konditionierung wurde erstmals von Iwan Petrowitsch Pawlow beschrieben und seither unzĂ€hlige Male experimentell repliziert. Pawlow beobachtete zufĂ€llig, dass einige der Hunde, mit denen er experimentierte, um NĂ€heres ĂŒber die Speichelsekretion herauszufinden, schon vor Beginn des Experimentes Speichel absonderten. Eine genauere Betrachtung ergab, dass dies nur bei jenen Hunden auftrat, die schon lĂ€nger im Labor waren und den Ablauf der Experimente kannten. Dieser Speichelfluss konnte daher nicht auf den Geruch oder den Anblick des Futters zurĂŒckgefĂŒhrt werden, sondern musste eine andere Ursache haben. Um dies zu analysieren, ließ Pawlow in einem Versuch zeitgleich mit dem Vorsetzen von Futter einen Glockenton ertönen. Nach einigen Wiederholungen floss der Speichel bei diesen „Pawlowschen Hunden“ beim Glockenton, obwohl kein Futter gegeben wurde.

Nach ausreichend hÀufiger gemeinsamer Darbietung (KontiguitÀt) wurde der vorher neutrale Reiz (Glockenton) durch Assoziation zu einem bedingten Reiz, der alleine fast dieselbe Reaktion (Speichelfluss) auslösen kann, wie der unbedingte Reiz (Futter), mit dem er gekoppelt wurde. Aus der unbedingten Reaktion (Speichelfluss) auf das Futter wurde eine bedingte Reaktion auf den Glockenton.

Heute weiß man, dass KontiguitĂ€t nicht hinreichend zur Ausbildung einer bedingten Reaktion ist, sondern dass der neutrale Reiz Informationsgehalt ĂŒber das Auftreten des unbedingten Reizes besitzen muss.[2]

Instrumentelle und operante Konditionierung

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Bei der operanten oder auch instrumentellen Konditionierung wird die HĂ€ufigkeit von ursprĂŒnglich spontanem Verhalten durch seine angenehmen oder unangenehmen Konsequenzen nachhaltig verĂ€ndert. In der Alltagssprache ist dies „Lernen durch Belohnung/Bestrafung“.

Die Verhaltensweise kann dem natĂŒrlichen Repertoire entstammen, oder aus natĂŒrlichem Verhalten abgeleitet sein. Durch positive oder negative VerstĂ€rkung wird die Auftretenswahrscheinlichkeit dieses Verhaltens erhöht. Durch positive oder negative „Bestrafung“ wird die Auftretenswahrscheinlichkeit dieses Verhaltens verringert. Die Erforschung begann mit den Experimenten von Edward Lee Thorndike am Ende des 19. Jahrhunderts. Besonders verdient gemacht hat sich auch Burrhus Frederic Skinner, der ab den 1950er Jahren intensiv auf diesem Gebiet forschte.

In beiden Konditionierungsarten auftretende Lerneffekte

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Den Lernprozess, nach dem die bedingte bzw. instrumentelle Reaktion nicht mehr gezeigt wird, bezeichnet man als Extinktion. Diese tritt ein, wenn der bedingte Reiz mehrmals „ohne“ Darbietung des unbedingten Reizes prĂ€sentiert wird (klassische Konditionierung) oder die Verhaltenskonsequenz des operant verstĂ€rkten Verhaltens mehrmals ausbleibt (operante Konditionierung). Dabei handelt es sich weder um Vergessen, noch um Verlernen, sondern um ein zusĂ€tzliches Lernen, das die Wirkung des bedingten Reizes vorĂŒbergehend und kontextabhĂ€ngig außer Kraft setzt.

Reiz-Generalisierung

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Wenn eine (klassisch oder operant) konditionierte Reaktion auf einen bestimmten Reiz gelernt worden ist, kann es vorkommen, dass Ă€hnliche Reize die gleiche Reaktion auslösen. Dabei gilt: Je Ă€hnlicher der Neureiz dem konditionierten Reiz ist, desto stĂ€rker werden die Reaktionen ausfallen. Paradigmatisch ist das Little-Albert-Experiment von Watson und Rayner (1920), bei dem der kleine Albert seine (konditionierte) Angst vor Ratten auf einen Hasen, einen Hund, eine Nikolausmaske, BaumwollbĂŒschel und einen Pelzmantel ausdehnte. Hat ein Kind zum Beispiel Angst vor Ärzten, kann diese Angst generalisiert werden auf Menschen, die weiße Kittel tragen. Nach ICD-10 klassifiziert man solche Symptome bei krankhafter AusprĂ€gung als Generalisierte Angststörung (Teilbereich Sonstige Angststörungen).

Reiz-Diskriminierung

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Die Reiz-Diskriminierung stellt den entgegengesetzten Prozess zur Reiz-Generalisierung dar. Nach erfolgreichem Reiz-Diskriminationslernen ist der Handelnde in der Lage, zwei Reize voneinander zu unterscheiden. Die konditionierte Reaktion tritt nur bei exakt den Reizen auf, die in der Lernsituation mit der Reaktion gekoppelt wurden. Ein Beispiel aus dem Humanbereich könnte sein, „dass das Kind eine sehr differenzierte bedingte Angstreaktion dem Vater gegenĂŒber zeigt, wenn hĂ€ufiger nur dieser schimpft“,[3] jedoch keine generelle Angst vor mĂ€nnlichen Erwachsenen empfindet.

Wiktionary: Konditionierung – BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  • Thomas Goschke: Lernen und GedĂ€chtnis. WS 2014/15 Neurobiologische Grundlage von Belohnung und VerstĂ€rkungslernen ( auf tu-dresden.de)

Einzelnachweise

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  1. ↑ M. E. Bouton: Learning and behavior: A contemporary synthesis. Sinauer Associates, Sunderland, MA 2007.
  2. ↑ J. Bredenkamp, W. Wippich: Lern- und GedĂ€chtnispsychologie. Band 1. Kohlhammer, Stuttgart 1977.
  3. ↑ W. Edelmann: Lernpsychologie. 6. Auflage. Psychologie Verlags Union, Weinheim 2000, ISBN 978-3-621-27465-4, S. 39.