Konstantin XI.

Konstantin XI. Palaiologos (Κωνσταντῖνος Δραγάσης Παλαιολόγος Kōnstantînos Dragásēs Palaiológos, * 9. Februar 1404[1] in Konstantinopel; † 29. Mai 1453 ebenda) war vom 1. Mai 1428 bis März 1449 Despot von Morea und vom 6. Januar 1449 bis zu seinem Tod der letzte Kaiser des Byzantinischen Reichs. Er starb bei der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen.[2]
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Konstantin war das achte von zehn Kindern Kaiser Manuels II. Palaiologos und der Helena Dragaš, Tochter des serbischen Regionalfürsten Konstantin Dragaš. Vom Adelsgeschlecht seiner Mutter leitet sich der von ihm bevorzugte Zuname Dragases her.
Konstantin wuchs in der Hauptstadt auf und nahm von 1437 bis 1439 die Regentschaft für seinen von dort abwesenden Bruder, Kaiser Johannes VIII. Palaiologos, wahr. Vor seinem eigenen Kaisertum war er Despot der byzantinischen Provinz Morea auf der Halbinsel Peloponnes. Dort beseitigte er in den Jahren 1430 und 1432 die letzten Relikte des infolge des Vierten Kreuzzugs entstandenen fränkischen Fürstentums Achaia. Im Oktober 1448 starb Johannes VIII., und als sein Nachfolger ließ Konstantin sich am 6. Januar 1449 noch in der Despotatshauptstadt Mistra zum Kaiser krönen, um eventuellen osmanischen Einsprüchen zuvorzukommen. Dennoch war zu diesem Zeitpunkt der Untergang des Reiches so gut wie besiegelt, da die Osmanen bereits weite Teile des Balkans unter ihre Kontrolle gebracht und fast ganz Kleinasien erobert hatten, während Byzanz neben einem kleinen Gebiet um Konstantinopel nur die Morea und einige ägäische Inseln verblieben waren.
Sultan Mehmed II. bot dem neuen Kaiser die Herrschaft über die Morea an, falls er Konstantinopel an die Osmanen abträte. Da Konstantin dies ablehnte, begann die osmanische Armee 1452 mit den Vorbereitungen zur Belagerung der Stadt, die am 2. April 1453 begann. Als die Osmanen am 29. Mai den entscheidenden Sturmangriff auf die Stadt unternahmen, stellte sich ihnen der Kaiser mit den verbliebenen Verteidigern der Stadt entgegen. Konstantin fiel im Kampf, doch die genauen Umstände seines Todes und der Verbleib des Leichnams sind nicht bekannt. Es ist anzunehmen, dass er an der Theodosianischen Mauer fiel, da er sich dort wohl zuletzt aufgehalten hatte und sich seine Spur danach verlor. Die erhaltenen Augenzeugenberichte machen widersprüchliche Aussagen zum genauen Ende des Kaisers oder geben ausdrücklich nur Hörensagen wieder. Einer Sage nach ließ Mehmed II. nach der Einnahme der Stadt jeden Leichnam waschen und untersuchen, bis man den leblosen Körper des Kaisers gefunden hatte. Vor dem Kampf soll Konstantin sämtliche Rangabzeichen abgelegt, aber die kaiserlichen, purpurnen Schuhe anbehalten haben.
Nachfolgeansprüche
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mit Konstantins Tod und dem Fall Konstantinopels erlosch das oströmische Kaisertum de facto. Nur das kleine Kaiserreich Trapezunt am Schwarzen Meer sowie das Despotat Morea konnten sich noch für wenige Jahre halten, bis auch sie 1460 und 1461 von den Osmanen erobert wurden. Damit endeten die letzten Überbleibsel der byzantinisch-griechischen Herrschaft.
Gleichwohl führten Konstantins nach Italien geflohener Bruder Thomas und dessen Sohn Andreas weiterhin den kaiserlichen Titel und wurden damit in Westeuropa auch anerkannt. Aus Geldmangel verkaufte Andreas seinen Thronanspruch 1494 zunächst an König Karl VIII. von Frankreich[3] und übertrug ihn nach dessen Tod 1498 testamentarisch auf Königin Isabella I. von Kastilien und König Ferdinand II. von Aragón[4]. Den damit verbundenen Titel haben aber weder Karl III. noch die Katholischen Könige je verwendet. Thomas jüngerer Sohn Manuel Palaiologos dagegen kehrte 1477 nach Konstantinopel zurück, unterwarf sich Sultan Mehmed und erhielt von ihm im Gegenzug ein Landgut und eine jährliche Leibrente.[5]
Thomas’ Tochter Sofia Palaiologa wiederum, also eine Nichte Konstantins, heiratete 1472 Iwan III. Wassiljewitsch, den Großfürsten von Moskau, der 1478 den Titel Zar – abgeleitet vom südslawischen Wort für „Kaiser“ – annahm. Er und seine Nachfolger betrachteten sich als „Bewahrer des byzantinischen Throns“ sowie Hüter der Orthodoxie und ihre Hauptstadt Moskau als imperiales „Drittes Rom“.
Inoffizieller Heiliger
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Konstantin wird von vielen orthodoxen Christen als Heiliger betrachtet. Offiziell ist er aber nie kanonisiert worden, da er weder einen besonders religiösen Lebenswandel geführt hatte noch der Tod in der Schlacht als spezielles Martyrium für die Orthodoxie angesehen wird.
Denkmäler
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der griechischen Hauptstadt Athen steht auf dem Mitropoleos-Platz ein Denkmal für den byzantinischen Kaiser. Weitere Denkmäler stehen in Piräus und in Mystras. Ferner steht ein Denkmal des Konstantin XI. in Didymoticho vor dem örtlichen Dom.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- U. Mattejiet: Konstantin XI. Palaiologos. In: Lexikon des Mittelalters. 5, Sp. 1378 f.
- Donald Nicol: The Immortal Emperor: the life and legend of Constantine Palaiologos, last Emperor of the Romans Cambridge University Press, Cambridge, 1991, ISBN 0-521-89409-3.
- Alexios G. Savvides, Benjamin Hendrickx (Hrsg.): Encyclopaedic Prosopographical Lexicon of Byzantine History and Civilization. Vol. 2: Baanes–Eznik of Kolb. Brepols Publishers, Turnhout 2008, ISBN 978-2-503-52377-4, S. 255–257.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Constantine XI Palaeologus. In: Encyclopædia Britannica. Abgerufen am 14. März 2018 (englisch).
- ↑ John J. Norwich; Byzanz – Aufstieg und Fall eines Weltreiches – Seite 617; Übersetzung der amerikanischen Originalausgabe von 1997, 4. Auflage 2010, ISBN 978-3-548-60620-0.
- ↑ Übereignungsurkunde bei M. de Foncemagne: Éclairissements historiques sur quelques circonstances du voyage de Charles VIII en Italie, in: Mémoires de littérature, tirés des registres de l'Académie Royale des Inscriptions et Belles-Lettres 17, 1751, S. 572–577.
- ↑ P. K. Enepekides: Das Wiener Testament des Andreas Palaiologos vom 7. April 1502. In: Akten des 11. Internat. Byzantinisten-Kongresses 1958. München 1960, 138–143.
- ↑ Steven Runciman: Die Eroberung von Konstantinopel 1453, DTV, München 1977, S. 191
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
|---|---|---|
| Theodor II. | Despot von Morea 1428–1448 | Thomas, Demetrios |
| Johannes VIII. | Kaiser von Byzanz 1448–1453 | — |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Konstantin XI. |
| ALTERNATIVNAMEN | Konstantin Dragases Palaiologos; Konstantin Dragases; Konstantin Palaiologos |
| KURZBESCHREIBUNG | letzter byzantinischer Kaiser |
| GEBURTSDATUM | 9. Februar 1404 |
| GEBURTSORT | Konstantinopel |
| STERBEDATUM | 29. Mai 1453 |
| STERBEORT | Konstantinopel |