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Kopfpilz

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Kopfpilz ist ein im Jahr 1986 erschienener Gedichtband des Publizisten und spĂ€teren deutschen Kulturstaatsministers Wolfram Weimer.[1] Das lange kaum bekannte FrĂŒhwerk rĂŒckte 2025 nach dem Fund eines Exemplars in einem öffentlichen BĂŒcherschrank in MĂŒnchen ins mediale Interesse.[2] Seit Juni 2026 ist eine Digitalisierung des zuvor vergriffenen Bandes frei zugĂ€nglich.[3]

Entstehung und Gestaltung

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Weimer veröffentlichte die Sammlung 1986 im Alter von 21 Jahren; sie trĂ€gt die Überschrift „FĂŒr mich“.[1] Der Band enthĂ€lt 42 Gedichte und erschien als Eigendruck.[4] Auf dem roten Umschlag sind drei schreiende Figuren dargestellt, die mit dem Motiv von Edvard Munchs GemĂ€lde Der Schrei verglichen wurden.[2]

Inhalt und Stil

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Die meist kurzen Gedichte behandeln SexualitĂ€t, Körperlichkeit, Gewalt, Tod und Alltagsbeobachtungen wie das Fahrradfahren.[1] Charakteristisch sind drastische Körperbilder, Wortspiele und Wortneubildungen; zu den hĂ€ufig besprochenen Texten gehören UnglĂŒck und Vorfreude.[3] Mehrere Medien verglichen die derbe Bildsprache mit Texten von Till Lindemann und Rammstein.[5] Janis El-Bira deutete den Band dagegen als „hyper-expressionistisch“ und sah stilistische Spuren von Gottfried Benn, GĂŒnter Eich und Rolf Dieter Brinkmann.[6]

Wiederentdeckung und Rezeption

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Der Literaturkritiker Knut Cordsen stellte ein Exemplar im Mai 2025 in sozialen Medien vor, verzichtete aber auf Zitate, nachdem Weimer ihm mitgeteilt hatte, die Gedichte seien nicht zur Veröffentlichung freigegeben.[1] Im November 2025 lasen Moritz HĂŒrtgen und Dax Werner in ihrem Podcast Bohniger Wachmacher aus dem von HĂŒrtgen nach eigener Aussage gefundenen Band vor.[1] Kurz darauf griff Jan Böhmermann Kopfpilz im ZDF Magazin Royale auf; das zustĂ€ndige Kulturressort erklĂ€rte auf Nachfragen, es kenne die Gedichte nicht und könne ihre Echtheit nicht beurteilen.[2] Gerrit Bartels kritisierte die vorwiegend spöttische Aufnahme als unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig und ordnete die Texte als unappetitliche Jugendlyrik ohne grĂ¶ĂŸere literarische QualitĂ€t ein.[7]

Öffentliche ZugĂ€nglichmachung

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Im MĂ€rz 2026 befand sich Kopfpilz noch nicht unter den 20 Werken Weimers im Bestand der Deutschen Nationalbibliothek.[8] Dies Ă€nderte sich, nachdem die Hacktivistin Martha Root der Bibliothek im Mai 2026 ein Exemplar ĂŒbergab und eine Digitalisierung ĂŒber das Internet Archive bereitstellte.[3] Die Aktion war auch als Kritik an Weimers zunĂ€chst bekanntgewordener Entscheidung angelegt, den geplanten Erweiterungsbau der Nationalbibliothek in Leipzig zu stoppen.[9] Root kĂŒndigte zudem die Versteigerung eines gedruckten Exemplars zugunsten der Initiative „Lesen hilft“ an.[3]

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 5 Julia Hubernagel: Alte Gedichte des Kulturstaatsministers: Wolfram Weimers lyrisches FrĂŒhwerk. In: taz. 24. November 2025, abgerufen am 13. Juni 2026.
  2. 1 2 3 Anna Von Stefenelli: Wolfram Weimer: Gedichtband „Kopfpilz“ aus Jugendzeit aufgetaucht. In: watson. 29. November 2025, abgerufen am 13. Juni 2026.
  3. 1 2 3 4 Jonas Wahmkow: Veröffentlichung von Weimers Gedichten: „Kopfpilz“ fĂŒr alle. In: taz. 13. Juni 2026, abgerufen am 13. Juni 2026.
  4. ↑ Moritz HĂŒrtgen: Lyrik von Wolfram Weimer: Ein komischer Dichter. In: SĂŒddeutsche Zeitung. 25. November 2025, abgerufen am 13. Juni 2026.
  5. ↑ Kevin Gensheimer: Wolfram Weimers „Kopfpilz“: Frivole Gedichte, die man in seiner Behörde lieber nicht kennt. In: Berliner Zeitung. 28. November 2025, abgerufen am 13. Juni 2026.
  6. ↑ Janis El-Bira: Spiralblog 154 – Wolfram Weimers Lyrik. In: nachtkritik.de. 27. November 2025, abgerufen am 13. Juni 2026.
  7. ↑ Gerrit Bartels: Weimer-Mania: Und jetzt auch noch Gedichte. In: Tagesspiegel. 26. November 2025, abgerufen am 13. Juni 2026.
  8. ↑ Direktor der Deutschen Nationalbibliothek: „Wenn es uns nicht mehr gĂ€be, dann wĂŒrde das Land sein GedĂ€chtnis verlieren“. In: Tagesspiegel. 26. MĂ€rz 2026, abgerufen am 13. Juni 2026.
  9. ↑ Rainer Rutz: Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig: Weimer rasiert Leipziger BibliotheksplĂ€ne. In: taz. 13. MĂ€rz 2026, abgerufen am 13. Juni 2026.