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M-SchÀtzer

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie

M-SchĂ€tzer, auch maximum-likelihood-artige SchĂ€tzer stellen eine Klasse von SchĂ€tzfunktionen dar, die als Verallgemeinerung der Maximum-Likelihood-Methode angesehen werden können. M-SchĂ€tzer sind im Vergleich zu anderen SchĂ€tzern wie z. B. den Maximum-Likelihood-SchĂ€tzern robuster gegen Ausreißer.

Dieser Artikel behandelt M-SchÀtzer zur Ermittlung des Lageparameters.

Herleitung durch Verallgemeinerung der Maximum-Likelihood-Methode

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Das Prinzip von Maximum-Likelihood-SchÀtzern beruht darauf, die Funktion

∑i=1n−ln⁡fXi(xi;Θ)

mit entsprechender Dichte- bzw. Wahrscheinlichkeitsfunktion fX(x) in AbhÀngigkeit von Θ zu minimieren.

Die Idee bei M-SchĂ€tzern ist, die Funktion −ln⁥fXi(xi;Θ) durch eine Funktion ρ(x;Θ) zu ersetzen, welche weniger empfindlich auf Ausreißer reagiert. Aufgabe ist es, den Ausdruck

∑i=1nρ(xi;Θ)

in AbhÀngigkeit von Θ zu minimieren, bzw. die Gleichung

∑ψ(xi;Θ)=0

mit

ψ(xi;Θ)=∂ρ∂Θ(xi;Θ)

zu lösen.

Jede Lösung dieser Gleichung wird M-SchÀtzer genannt.

Implizite Definition

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Sei F eine beliebige Verteilungsfunktion und ψ eine ungerade und monoton wachsende Funktion ungleich 0. Dann ist Όψ(F) definiert als die Lösung ÎŒ=Όψ(F) der Gleichung

E⁥(ψ(x−Ό))=∫ψ(x−Ό)dF(x)=0

Beachtet werden muss, dass abhĂ€ngig von der Wahl von ψ und F es entweder keine, eine oder mehrere Lösungen geben kann. Im Falle einer konkreten Stichprobe wird ÎŒ=Όψ(Fn), die Lösung von

1n∑i=1nψ(xi−Ό)=∫ψ(x−Ό)dFn(x)=0

M-SchÀtzer genannt.

Geeignete Funktionen ρ

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Im Folgenden sind die xi gemĂ€ĂŸ

zi=xi−ΘSn

standardisiert, um Skaleninvarianz zu erreichen. Sn stellt hierbei einen StreuungschĂ€tzer dar, fĂŒr den meist der MAD (Median Absolute Deviation) verwendet wird.

Methode ρ(z) ψ(z) w(z)
Kleinste-Quadrate-Methode ρLS(z)=z22 ψLS(z)=z wLS(z)=1
Huber-k-SchĂ€tzer ρH(z)={z22|z|≀kk|z|−12k2|z|>k ψH(z)={z|z|≀kksgn⁥(z)|z|>k wH(z)={1|z|≀kk|z||z|>k
Hampel-SchĂ€tzer ρHa(z)={z22|z|≀aa|z|−a22a<|z|≀bab−a22+(c−b)a2(1−(c−|z|c−b)2)b<|z|≀cab−a22+(c−b)a2|z|>c ψHa(z)={z|z|≀aasgn⁥(z)a<|z|≀bac−|z|c−bsgn⁥(z)b<|z|≀c0|z|>c wHa(z)={1|z|≀aa1|z|a<|z|≀bac−|z|c−b1|z|b<|z|≀c0|z|>c
Andrews wave ρAw(z)={a2π2(1−cos⁥(πza))|z|≀a2a2π2|z|>a ψAw(z)={aπsin⁥(πza)|z|≀a0|z|>a wAw(z)={aπzsin⁥(πza)|z|≀a0|z|>a
Tukey's biweight ρTb(z)={a26(1−(1−z2a2)3)|z|≀aa26|z|>a ψTb(z)={z(1−z2a2)2|z|≀a0|z|>a wTb(z)={(1−z2a2)2|z|≀a0|z|>a

Die Gewichtsfunktionen im folgenden Bild zeigen die Unterschiede zwischen den SchÀtzern auf: bei Huber-k haben auch extreme Beobachtungen ein geringes Gewicht, beim Hampel-, Andrews wave- und Tukey's biweight-SchÀtzer wird extremen Beobachtungen das Gewicht Null zugeordnet.

Gewichtsfunktionen w(z) fĂŒr verschiedene M-SchĂ€tzer. Die Parameterwerte entsprechen den Standardwerten von SPSS.

Bei geeigneter Wahl von ψ (ungerade, beschrĂ€nkt und monoton steigend) haben M-SchĂ€tzer einen Bruchpunkt von ϔ∗=0,5.[1]

Numerische Lösungsmethode

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FĂŒr viele Funktionen ρ lĂ€sst sich keine explizite Lösung angeben, sie muss daher numerisch berechnet werden. Wie ĂŒblich zur Berechnung von Nullstellenproblemen bietet sich auch hier das Newton-Raphson-Verfahren an, und es ergibt sich folgende Iterationsvorschrift, wobei wiederum zi=xi−ΌSn :

ÎŒk+1=ÎŒk+Sn∑i=1nψ(zi)∑i=1nψâ€Č(zi)

Als geeigneter Startwert Ό0 wird meist der Median verwendet. Dieses Iterationsverfahren konvergiert sehr schnell, meist sind zwei bis drei Iterationsschritte ausreichend.

W-SchÀtzer sind M-SchÀtzern sehr Àhnlich und liefern im Normalfall gleiche Ergebnisse. Der einzige Unterschied liegt in der Lösung des Minimierungsproblems. W-SchÀtzer werden meist bei der robusten Regression eingesetzt.

Es wird die Wichtungsfunktion

w(z)=ψ(z)z

mit

ψ(xi;Θ)=∂ρ∂Θ(xi;Θ)

eingefĂŒhrt, mit deren Hilfe das Minimierungsproblem umgeschrieben werden kann in

∑i=1nziw(zi)=0

Einsetzen der Definition von zi, ausmultiplizieren und umstellen ergibt schließlich ĂŒber die Fixpunktgleichung

Θ=∑i=1nxiw(xi−ΘSn)∑i=1nw(xi−ΘSn)

die Iterationsvorschrift

Θt+1=∑i=1nxiw(xi−ΘtSn)∑i=1nw(xi−ΘtSn)
  • Ricardo A. Maronna, R. Douglas Martin, Victor J. Yohai, MatĂ­as SalibiĂĄn-Barrera: Robust Statistics – Theory and Methods (With R) (= Wiley Series in Probability and Statics). 2. Auflage. Wiley, Hoboken 2019, ISBN 978-1-119-21468-7.
  • Robert G. Staudte: Robust estimation and testing. Wiley, New York 1990. ISBN 0-471-85547-2
  • Rand R. Wilcox: Introduction to robust estimation and hypothesis testing. Academic Press, San Diego Cal 1997. ISBN 0-12-751545-3

Einzelnachweise

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  1. ↑ Ricardo A. Maronna, R. Douglas Martin, Victor J. Yohai: Robust Statistics – Theory and Methods. Wiley, Chichester 2006, ISBN 978-0-470-01092-1, S. 59.