M-SchÀtzer
M-SchĂ€tzer, auch maximum-likelihood-artige SchĂ€tzer stellen eine Klasse von SchĂ€tzfunktionen dar, die als Verallgemeinerung der Maximum-Likelihood-Methode angesehen werden können. M-SchĂ€tzer sind im Vergleich zu anderen SchĂ€tzern wie z. B. den Maximum-Likelihood-SchĂ€tzern robuster gegen AusreiĂer.
Dieser Artikel behandelt M-SchÀtzer zur Ermittlung des Lageparameters.
Herleitung durch Verallgemeinerung der Maximum-Likelihood-Methode
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Prinzip von Maximum-Likelihood-SchÀtzern beruht darauf, die Funktion
mit entsprechender Dichte- bzw. Wahrscheinlichkeitsfunktion in AbhÀngigkeit von zu minimieren.
Die Idee bei M-SchĂ€tzern ist, die Funktion durch eine Funktion zu ersetzen, welche weniger empfindlich auf AusreiĂer reagiert. Aufgabe ist es, den Ausdruck
in AbhÀngigkeit von zu minimieren, bzw. die Gleichung
mit
zu lösen.
Jede Lösung dieser Gleichung wird M-SchÀtzer genannt.
Implizite Definition
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Sei eine beliebige Verteilungsfunktion und eine ungerade und monoton wachsende Funktion ungleich 0. Dann ist definiert als die Lösung der Gleichung
Beachtet werden muss, dass abhÀngig von der Wahl von und es entweder keine, eine oder mehrere Lösungen geben kann. Im Falle einer konkreten Stichprobe wird , die Lösung von
M-SchÀtzer genannt.
Geeignete Funktionen Ï
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Folgenden sind die gemĂ€Ă
standardisiert, um Skaleninvarianz zu erreichen. stellt hierbei einen StreuungschĂ€tzer dar, fĂŒr den meist der MAD (Median Absolute Deviation) verwendet wird.
| Methode | |||
|---|---|---|---|
| Kleinste-Quadrate-Methode | |||
| Huber-k-SchÀtzer | |||
| Hampel-SchÀtzer | |||
| Andrews wave | |||
| Tukey's biweight |
Die Gewichtsfunktionen im folgenden Bild zeigen die Unterschiede zwischen den SchÀtzern auf: bei Huber-k haben auch extreme Beobachtungen ein geringes Gewicht, beim Hampel-, Andrews wave- und Tukey's biweight-SchÀtzer wird extremen Beobachtungen das Gewicht Null zugeordnet.

Robustheit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bei geeigneter Wahl von (ungerade, beschrÀnkt und monoton steigend) haben M-SchÀtzer einen Bruchpunkt von .[1]
Numerische Lösungsmethode
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]FĂŒr viele Funktionen lĂ€sst sich keine explizite Lösung angeben, sie muss daher numerisch berechnet werden. Wie ĂŒblich zur Berechnung von Nullstellenproblemen bietet sich auch hier das Newton-Raphson-Verfahren an, und es ergibt sich folgende Iterationsvorschrift, wobei wiederum  :
Als geeigneter Startwert wird meist der Median verwendet. Dieses Iterationsverfahren konvergiert sehr schnell, meist sind zwei bis drei Iterationsschritte ausreichend.
W-SchÀtzer
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]W-SchÀtzer sind M-SchÀtzern sehr Àhnlich und liefern im Normalfall gleiche Ergebnisse. Der einzige Unterschied liegt in der Lösung des Minimierungsproblems. W-SchÀtzer werden meist bei der robusten Regression eingesetzt.
Es wird die Wichtungsfunktion
mit
eingefĂŒhrt, mit deren Hilfe das Minimierungsproblem umgeschrieben werden kann in
Einsetzen der Definition von , ausmultiplizieren und umstellen ergibt schlieĂlich ĂŒber die Fixpunktgleichung
die Iterationsvorschrift
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Sogenannte RANSAC-Algorithmen
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ricardo A. Maronna, R. Douglas Martin, Victor J. Yohai, MatĂas SalibiĂĄn-Barrera: Robust Statistics â Theory and Methods (With R) (=Â Wiley Series in Probability and Statics). 2. Auflage. Wiley, Hoboken 2019, ISBN 978-1-119-21468-7.
- Robert G. Staudte: Robust estimation and testing. Wiley, New York 1990. ISBN 0-471-85547-2
- Rand R. Wilcox: Introduction to robust estimation and hypothesis testing. Academic Press, San Diego Cal 1997. ISBN 0-12-751545-3
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Ricardo A. Maronna, R. Douglas Martin, Victor J. Yohai: Robust Statistics â Theory and Methods. Wiley, Chichester 2006, ISBN 978-0-470-01092-1, S. 59.