Magerung

Die Magerung ist in der Keramikherstellung (Töpferei) eine Technik, mit der zu fette Tone mit mineralischen oder organischen Zuschlagstoffen vermischt werden, zum Beispiel Sand oder gemahlenem Scherben (Schamott). Dies ist vor allem fĂŒr handgemachte Keramik wichtig. Durch eine entsprechende Magerung wird die PlastizitĂ€t des Tones reduziert, er wird dadurch weniger zĂ€h und klebrig, und fĂŒr den GefĂ€Ăaufbau standfester. WĂ€hrend des Trocknungsprozesses stĂŒtzt die Magerung die durch Wasserabgabe schrumpfende Tonmasse und reduziert die Rissneigung. Die ZuschlĂ€ge bewirken beim Brand eine bessere Temperaturverteilung innerhalb des Brenngutes. Bei dem fertig gebrannten Scherben können je nach Art und Menge der zuvor eingesetzten Magerung verschiedene physikalische und mechanische Eigenschaften wie zum Beispiel Temperaturunempfindlichkeit, WasseraufnahmefĂ€higkeit, Dichte und HĂ€rte beeinflusst werden.[1]
Analyse
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auswertbare Parameter der Keramikanalyse sind Magerungsanteile, Magerungsmenge, Magerungsform, Magerungsverteilung, Magerungsart und Magerungsfarbe.[2] Einige dieser Parameter können im Bruch mit dem bloĂen Auge oder ĂŒber DĂŒnnschliffe identifiziert werden.[3] FĂŒr andere sind aufwĂ€ndigere Untersuchungen erforderlich.
Die Magerungsform beschreibt die Ă€uĂerliche Erscheinung der zur Magerung verwendeten Materialien wie zum Beispiel gerundet, scharfkantig, blĂ€ttrig oder Ă€hnliches, sowie deren Korn- oder TeilchengröĂen. Die Magerungsmenge beschreibt die quantitative Menge im Vergleich zum eigentlichen Tonmaterial sowie deren Verteilung in der Tonmatrix.[2]
Magerungsarten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Anorganische Magerungsmittel
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Sand
- Quarz[2]
- Glimmer[2]
- Kalk[2]
- Feldspat[2]
- Grus: Michelsberger Kultur
- Muschelschalen: besonders im formativen Nordamerika[4]
- zerstoĂener HĂ€matit: Linearbandkeramische Kultur
- Eisenerz[5]
Organische Magerungsmittel
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- zerstoĂene Tierknochen: (La-Hoguette-Kultur, VNSG), eisenzeitliches Schweden,[6] ausnahmsweise in Glockenbecherkontext[7]
- Druschreste: Weizen (Körös-Kultur), eisenzeitliches Skandinavien[8] oder Reis (im Gujarat der Zeitenwende)[9]
- anderes organisches Material: (Ă€lteste LBK)
Diese Stoffe sollen den bindefĂ€higen Anteil des Tones herabsetzen. Sie wirken auĂerdem der Schrumpfung des Tones entgegen[10] und verhindern eine ungleichmĂ€Ăige Austrocknung.[11] Zudem verhindern Magerungskörner die Ausbreitung von Rissen und erhöhen so die WiderstandsfĂ€higkeit gegen thermischen Schock.[12] Oft fĂŒhren jedoch kulturelle GrĂŒnde zur Auswahl eines bestimmten Zuschlags.[13] Oft fĂ€llt die Trennung zwischen absichtlicher Magerung und natĂŒrlichen Beimischungen des Tons schwer. Heute verwendet man meist Schamott als Magerung.
Griechenland
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Amphore, BĂŒgelkanne oder Pithos sind hĂ€ufig gemagert, da nur so die statische Festigkeit erreicht wurde, die bei diesem Format fĂŒr den Brennvorgang erforderlich war. Viele dieser statuarischen Plastiken waren Hohlfiguren, die wegen des Brennvorganges im Brennofen auch kein StĂŒtzgerĂŒst besaĂen. Auch viele Votivstatuen mit dem Motiv einer Kore sind aus gemagertem Ton hergestellt worden. Beim groĂformatigen Kopf wurde dabei Gesicht und ĂŒbriger Kopf in zwei separaten, jedoch zusammengehörigen Formen abgeformt.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ingolf Bauer, Irmgard Endres-Mayser: Leitfaden zur Keramikbeschreibung: (Mittelalter â Neuzeit); Terminologie â Typologie â Technologie. ArchĂ€ologische Staatssammlung, MĂŒnchen 2005, ISBN 3-927806-32-3, S. 95â98.
- Ruth Löffler: Magerungstechniken im Neolithikum unter besonderer BerĂŒcksichtigung des westlichen und sĂŒdlichen Deutschland. UniversitĂ€t zu Köln, Köln 1987 (uni-heidelberg.de [abgerufen am 27. Februar 2019] Magisterarbeit, betreut von Wolfgang Taute).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Begriffe zur Keramik. (Elisabeth Wolber 2005).
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Ruth Löffler: Magerungstechniken im Neolithikum unter besonderer BerĂŒcksichtigung des westlichen und sĂŒdlichen Deutschland. UniversitĂ€t zu Köln, Köln 1987 (uni-heidelberg.de [abgerufen am 27. Februar 2019] Magisterarbeit, betreut von Wolfgang Taute).
- 1 2 3 4 5 6 Ingolf Bauer, Irmgard Endres-Mayser: Leitfaden zur Keramikbeschreibung: (Mittelalter â Neuzeit); Terminologie â Typologie â Technologie. ArchĂ€ologische Staatssammlung, MĂŒnchen 2005, ISBN 3-927806-32-3, S. 95â98.
- â zur Technik s. u. a. Michela Spataro: A comparison of chemical and petrographic analyses of Neolithic pottery from South-eastern Europe. In: Journal of Archaeological Science. Band 38, 2011, S. 255â269; allg. Patrick S. Quinn (Hrsg.): Interpreting silent artefacts: petrographic approaches to archaeological ceramics. Archaeopress, Oxford 2009.
- â Robert A. Cook, Lane F. Fargher: The Incorporation of Mississippian Traditions into Fort Ancient Societies: A preliminary View of the Shift to Shell-Tempered Pottery Use in the Middle Ohio Valley. Southeastern Archaeology 27/2, 2008 (Shell-Tempered Ceramics in the Eastern Woodlands), S. 222â237.
- â Brigitta HulthĂ©n, Temper Variations in ancient Ceramics, technological or cultural Origin? In: Third Nordic Conference on the Application of Scientific Methods in Archeology. ISKOS Nr. 5, Helsinki 1985, S. 329â337.
- â Ole Stilborg, Analyses of bone- and chaff-tempered Ceramics from Iron Age Scandinavia. In: European Journal of Archaeology. Nr. 4/3, 2001, S. 398â404.
- â Rosemary M. Cleary, Bone tempered Beaker Potsherd. Journal of Irish Archaeology 2, 1984, 73-75. JSTOR:30001586 Accessed: 21-10-2016
- â Ole Stilborg, Analyses of bone- and chaff-tempered Ceramics from Iron Age Scandinavia. In: European Journal of Archaeology. Nr. 4/3, 2001, S. 398â404.
- â Roberta Tomber, Caroline Cartwright, Sunil Gupta, Rice temper: technological solutions and source identification in the Indian Ocean. In: Journal of Archaeological Science. Band 38, 2011, S. 360â366, doi:10.1016/j.jas.2010.09.014.
- â Michael B. Schiffer, James M. Skibo, Theory and experiment in the study of technological change. In: Current Anthropology 28, 1987, S. 595â618.
- â James M. Skibo, Michael B. Schiffer, Kenneth C. Reid: Organic-Tempered Pottery: An experimental Study. In: American Antiquity. Band 54, 1989, S. 122â146.
- â Gordon Bronitsky, Robert Hamer: Experiments in Ceramic Technology: The Effects of various Tempering Materials on Impact and Thermal-Shock Resistance. In: American Antiquity. 51/1, 1986, S. 89â101.
- â Ole Stilborg, Analyses of bone- and chaff-tempered Ceramics from Iron Age Scandinavia. European Journal of Archaeology Nr. 4/3, 2001, S. 399.