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Melchior Franck

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Melchior Franck (* um 1579 in Zittau; † 1. Juni 1639 in Coburg) war ein evangelischer deutscher Komponist an der Stilwende von der SpĂ€trenaissance zum FrĂŒhbarock.

Gedenkstein auf dem Coburger Schlossplatz

Über Melchior Francks LebensumstĂ€nde ist wenig bekannt. Es sind kein Bild und kein Nachlass erhalten, und es ist nur eine einzige Handschrift ĂŒberliefert. Bei dem in Ă€lterer Literatur hĂ€ufig angegebenen Geburtsjahr 1573 handelt es sich um eine Verwechslung mit einem Johannes Frank, der 1600 in Augsburg die Sammlung Cantiones sacrarum melodiarum drucken ließ, und der möglicherweise Melchior Francks Ă€lterer Bruder war.[1][2]

Melchior Franck besuchte das Gymnasium in Augsburg, war SchĂŒler Hans Leo Haßlers und ging mit ihm nach NĂŒrnberg. Dort war er 1602 ein Jahr lang als Schulgehilfe an St. Egidien tĂ€tig. Über seine weitere Ausbildung weiß man nichts; möglicherweise war er ein SchĂŒler von Christoph Demantius. Seine Werke aber zeigen eine grĂŒndliche Kenntnis des „niederlĂ€ndischen Stils“ der Schule Orlando di Lassos. Anders als einige seiner Zeitgenossen, etwa Heinrich SchĂŒtz, hatte Franck nicht die Möglichkeit einer Studienreise nach Italien. Den damals neuen italienischen Stil, die seconda pratica, hat er wohl durch Haßler kennengelernt. 1603 trat Franck die Stelle eines Hofkapellmeisters bei Herzog Johann Casimir in Coburg an, die er lebenslang innehatte.

Nach vielen SchicksalsschlĂ€gen, wie dem Tod seiner Kinder und seiner Frau, der Not des DreißigjĂ€hrigen Kriegs und dem Tod von Herzog Johann Casimir, starb Melchior Franck 1639 in Armut.

Melchior Franck steht an der Stilwende von der SpĂ€trenaissance (beispielsweise reprĂ€sentiert durch Giovanni Pierluigi da Palestrina, Thomas Tallis und Orlando di Lasso) zum FrĂŒhbarock. Er gehört zum stilistischen Umfeld von Michael Praetorius, Melchior Vulpius und Leonhard Lechner. Claudio Monteverdi und Heinrich SchĂŒtz gehören zu seinen Zeitgenossen. Er schuf ein umfangreiches kompositorisches Werk, das grĂ¶ĂŸtenteils im Druck erschien und auf den musikalischen Bedarf eines barocken FĂŒrstenhofes zugeschnitten war.

Francks Werk umfasst geistliche Musik in deutscher und lateinischer Sprache, vornehmlich zum Gebrauch im evangelischen Gottesdienst. Zahlreiche Motetten, Psalmvertonungen und andere Kirchenmusiken sind erhalten. Bekannt sind beispielsweise die vierstimmigen Gemmulae Evangeliorum (auch herausgegeben als Deutsche EvangeliensprĂŒche fĂŒr das Kirchenjahr) von 1623, einige ChorĂ€le (im Evangelischen Gesangbuch finden sich die Melodien zu Gen Himmel aufgefahren ist [EG 119] und Jerusalem, du hochgebaute Stadt [EG 150]) sowie der Kanon Da pacem, Domineⓘ/? (ursprĂŒnglich ein GĂ€stebucheintrag).

Franck komponierte ebenso weltliche Vokalmusik. Seine zahlreichen weltlichen LiederbĂŒcher haben hinsichtlich der Texte (Bergreihen, Reuterliedlein, Quodlibets, Liebes- und andere Volkslieder oder GesĂ€nge nach italienischen Mustern) auch literarische Bedeutung. Ferner schuf er Instrumentalmusik, beispielsweise TanzsĂ€tze. Das Volkslied Ach Tannenbaum, eine Ursprungsversion des Liebesliedes O Tannenbaum, das spĂ€ter zum populĂ€ren Weihnachtslied O Tannenbaum umgedichtet wurde, wird ihm zugeschrieben.

Franck wurde von Zeitgenossen wie Johann Staden und Valentin Dretzel als „berĂŒmbter Meister“ geschĂ€tzt. Seine Instrumentalwerke waren fĂŒr die Entwicklung der Orchester-Suite von Bedeutung. Seine Vertonung des 116. Psalms wurde 1623 im Sammelwerk Angst der Hellen und Friede der Seelen veröffentlicht.

Hundert Jahre nach seinem Tod war Franck vergessen. Sein Werk wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts und im 20. Jahrhundert wiederentdeckt. Nach wie vor sind große Teile davon nur Spezialisten bekannt.

Verdienste um die Pflege des Franck-Erbes hat sich u. a. der Melchior-Franck-Kreis Coburg erworben. Ensembles fĂŒr Alte Musik fĂŒhren Francks Musik regelmĂ€ĂŸig auf, beispielsweise das Ensemble Alte Musik Dresden oder Cantus Thuringia & Capella.

Commons: Melchior Franck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. ↑ Franz Peters-Marquardt: Melchior Franck, ein Altmeister deutschen Musikschaffens. In: Aus Coburg Stadt und Land – OberfrĂ€nkischer Heimatkalender. Verlag des oberfrĂ€nkischen Heimatkalenders, Coburg 1954, OCLC 643808839, S. 41–46.
  2. ↑ Markus Rathey: Franck, Melchior. In: Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Zweite Ausgabe, Personenteil, Band 6 (Eames – Franco). BĂ€renreiter/Metzler, Kassel u. a. 2001, ISBN 3-7618-1116-0, Sp. 1623–1633 (Online-Ausgabe, fĂŒr Vollzugriff Abonnement erforderlich)