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Michael Vester

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Michael Vester (* 9. Dezember 1939 in Berlin) ist emeritierter Professor fĂŒr Politikwissenschaft an der UniversitĂ€t Hannover mit den Forschungsschwerpunkten Sozialstruktur, Milieu und MentalitĂ€t, soziale Bewegungen, sozio-politische Lernprozesse.

Werdegang und Forschungsgebiete

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Ab 1959 begann Michael Vester ein interdisziplinĂ€res Studium der Sozialwissenschaften in Hamburg, Neuengland und Frankfurt am Main. Er war in den deutschen und amerikanischen Studentenbewegungen aktiv und legte 1965 sein Diplom mit einer Arbeit ĂŒber die politische Soziologie von Charles Wright Mills ab. Er arbeitete als Hochschulassistent am von Peter von Oertzen geleiteten Institut fĂŒr Politische Wissenschaft der TH Hannover und in der Arbeiterbildung. Ab 1971 war er Professor fĂŒr Politische Wissenschaft und engagierte sich insbesondere in der Hochschulreform, der Jugendzentrumsbewegung und der Portugal-SolidaritĂ€t.

Sein Forschungsgebiet war zunÀchst die Geschichte und Theorie der Arbeiterbewegungen im Sinne von Edward P. Thompsons theoriegeleiteter Geschichte von unten. Am Fallbeispiel der AnfÀnge der englischen Arbeiterbewegung wurden die Herausbildung von Klassenbewusstsein in AbhÀngigkeit von Zyklen kollektiven Lernens sowie die Strategie- und IdentitÀtsbildung in den historisch verschiedenen Konfliktphasen von Klassenkampf analysiert.[1]

1969 untersuchte er die Roter-Punkt-Aktion gegen die Fahrpreiserhöhung des ÖPNVs in Hannover.[2] In den frĂŒhen 1970er Jahren leitete er eine empirische Untersuchung ĂŒber die soziale Situation der Studierenden in Hannover.

Ab 1976 entwickelte er den Schwerpunkt Soziale Bewegungen weiter, in dem er sich mit dem aktuellen Wandel der Sozialstrukturen und der sozialen Bewegungen beschĂ€ftigte. Anregungen ĂŒbernahm er aus den Erfahrungen in den Agrargenossenschaften der portugiesischen Revolution und aus der deutschen Friedensbewegung. Er fĂŒhrte in diesem Zeitraum die interdisziplinĂ€ren Forschungsprojekte Agrarreform und Entwicklung in SĂŒdportugal (1986–1990) und Sozialstrukturwandel und neue soziale Milieus in Westdeutschland (1988–1990) durch.

Das Forschungszentrum Arbeitsgruppe InterdisziplinÀre Sozialstrukturforschung (agis) leitete Michael Vester in den ersten Jahren seiner Entstehungszeit ab 1991. ZunÀchst wurden hier die Zuspitzungen des sozialen Wandels unter dem Einfluss der deutschen Einigung und der Globalisierung der MÀrkte untersucht. Weitere Themen von agis waren

  • die sozialen Milieus in Ostdeutschland,
  • die Milieus der Erwachsenen- und Arbeiterbildung,
  • der Zusammenhang von Milieus und Kirche,
  • die Milieus der ‚neuen‘ arbeitnehmerischen Mitte,
  • die soziale und politische ‚Verdrossenheit‘ der Milieus der WĂ€hler.

In Zusammenhang mit diesen Forschungen wurde ein neues empirisches und theoretisches Leitkonzept entwickelt, wie Strukturwandel und MentalitĂ€tswandel sich wechselseitig bedingen. Dabei wurden „klassische“ Paradigmen der Wirtschaftsethiken und MentalitĂ€ten von Max Weber bis Pierre Bourdieu genutzt, eine neue Sichtweise auf die Theorie von Karl Marx entwickelt und so versucht, die alte Frage der sozialen Gerechtigkeit auf fruchtbare Weise neu zu stellen.

Vester ist Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat von Attac.[3]

Veröffentlichungen (Auswahl)

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  • Die Entstehung des Proletariats als Lernprozess. EuropĂ€ische Verlagsanstalt: Frankfurt am Main 1970 ff.
  • Die FrĂŒhsozialisten, Bd. I und II. Rowohlt 1970/71
  • (m. JĂŒrgen Peters) Lehr-Spielfilm ‘Können Sie denn nicht lesen!’ (ARD 14. Oktober 1972, SFB 6. Juli 1974, WDR 20. August 1974): Drehbuch (S. 1–67), Köln 1973.
  • Über Kooperationsformen an UniversitĂ€ten. Akademismus und neue Lernformen – Neuer Wein in alten SchlĂ€uchen?, in: Politikon Nr. 43, April/Mai 1974, S. 17–26
  • (Hrsg.) Shlomo Na’aman, Gibt es einen 'Wissenschaftlichen Sozialismus? Frankfurt/M.: SOAK Verlag 1979
  • (Hrsg.) E.P. Thompson, Das Elend der Theorie. Frankfurt/M.: Campus 1980.
  • Die vergessene Revolution. Sieben Jahre Agrarkooperativen in Portugal. Materialis 1982;
  • (Hrsg.): Unterentwicklung und Selbsthilfe in europĂ€ischen Regionen. Offizin 1993;
  • (mit Peter von Oertzen u. a.) Soziale Milieus im gesellschaftlichen Strukturwandel. Köln: Bund Verlag 1993.
  • (Hrsg., mit Michael Hofmann u. Irene Zierke) Soziale Milieus in Ostdeutschland. Köln: Bund Verlag 1995;
  • (Hrsg., mit Peter A. Berger) Alte Ungleichheiten – neue Spaltungen, Opladen: Leske + Budrich 1998
  • M. Vester, P. v. Oertzen, H. Geiling u. a.: Soziale Milieus im gesellschaftlichen Strukturwandel. Frankfurt a. M.: Suhrkamp Verlag 2001ÂČ
  • (Hrsg., mit Wolfgang Vögele und Helmut Bremer) Soziale Milieus und Kirche, Ergon Verlag 2002
  • Soziale Milieus und Gesellschaftspolitik, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, 44–45/2006 kostenfreie pdf-Textversion
  • Der Kampf um soziale Gerechtigkeit. Zumutungen und BewĂ€ltigungsstrategien in der Krise des deutschen Sozialmodells, in: H. Bude / A. Willisch (Hrsg.): Das Problem der Exklusion, Hamburger Edition, 2008, S. 243–292
  • Andrea Lange-Vester & Helmut Bremer (Hg.): BewĂ€ltigung, Verarbeitung, Umstellung: Soziale Milieus und Wandel der Sozialstruktur. Festschrift fĂŒr Michael Vester, Wiesbaden: VS-Verlag fĂŒr Sozialwissenschaften. 2006

Einzelnachweise

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  1. ↑ Michael Vester: Die Entstehung des Proletariats als Lernprozess. EuropĂ€ische Verlagsanstalt, Frankfurt 1970
  2. ↑ Mit Lustgewinn. In: Der Spiegel. Nr. 29, 1969, S. 41–42 (online).
  3. ↑ Mitglieder Wissenschaftlicher Beirat Attac (Memento vom 4. MĂ€rz 2016 im Internet Archive) (Stand Januar 2016)