Aradul Nou


Aradul Nou (deutsch Neu-Arad, ungarisch Ăjarad) ist der IV. Bezirk des Munizipiums Arad und gehört durch seine Lage am linken Maroschufer zur historischen Region Banat. Der Stadtbezirk war ursprĂŒnglich ein selbstĂ€ndiges und mehrheitlich von Deutschen bewohntes Dorf und wurde 1948 an Arad angegliedert.
Lage
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Aradul Nou liegt am linken Maroschufer und ist mit Arad durch zwei BrĂŒcken verbunden. Die eine BrĂŒcke befindet sich auf dem Drum naÈional 69 bzw. EuropastraĂe 671 TimiÈoaraâArad und verbindet das Banat mit dem Kreischgebiet. Die zweite ist eine EisenbahnbrĂŒcke. Neu-Arad grenzt an die Dörfer Kleinsanktnikolaus, Segenthau, Saderlach und an die Marosch.
Etymologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Schon 1332 war in den pĂ€pstlichen Zehentlisten auf dem Gebiet des heutigen Aradul Nou ein Ort namens Apachya vermerkt. In den Jahren 1483â1485 wurde der Ort als Praedium Apacya gefĂŒhrt. Am selben Ort entstand, die im Jahre 1661 erwĂ€hnte Siedlung Yeni-Varat (Neu-Arad), eine tĂŒrkische Bezeichnung in Anlehnung an die benachbarte Stadt Arad. 1717 war der Ort unter der Bezeichnung Schela bzw. Skela eingetragen. Bei den Einwohnern setzte sich jedoch die schon von den TĂŒrken geprĂ€gte Bezeichnung Neu-Arad (Neo Aradiensis, Ăjarad, Aradul Nou, Novi Arad) durch.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im 17. Jahrhundert hatte sich die Siedlung auf dem Gebiet des heutigen Neu-Arad durch Entvölkerung aufgelöst. 1720â1722 begann die Ansiedlung des Ortes mit Deutschen aus Franken und Elsass-Lothringen. 1762â1742 kamen weitere Kolonisten aus ElsassâLothringen, aus WĂŒrttemberg und aus der Pfalz. Die dritte Ansiedlung fand 1764 statt, als Deutsche aus dem Schwarzwald, aus dem GroĂherzogtum Hessen und aus WĂŒrttemberg kamen. 1918 brach der Vielvölkerstaat Ăsterreich-Ungarn auseinander. Der Friedensvertrag von Trianon vom 4. Juni 1920 teilte die historische Region Banat zwischen RumĂ€nien, Serbien und Ungarn auf.
Neu-Arad wurde RumÀnien zugesprochen und war bis 1948 eine selbstÀndige Gemeinde, der die Dörfer Kleinsanktnikolaus, Segenthau, Saderlach und Siegmundhausen angehörten. 1948 wurde Aradul Nou der Kreishauptstadt Arad eingemeindet und bildet deren IV. Bezirk.
Wirtschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Um 1900 waren in der Land- und Gartenwirtschaft 2.680 Personen beschÀftigt, 43,6 Prozent der Gesamtbevölkerung. Die Gewerbetreibenden waren mit 21,5 Prozent und die Handwerker mit 27,7 Prozent vertreten.
Landwirtschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der wichtigste Wirtschaftszweig in Neu-Arad war die Landwirtschaft insbesondere der Ackerbau, der GemĂŒsebau, der Obstbau und der Weinbau. An zweiter Stelle kam die Viehzucht, allen voran die Pferdezucht, die Zucht von Hornvieh, die Schweinezucht, die GeflĂŒgelzucht sowie die Imkerei. Als beliebteste Pferderassen waren in Neu-Arad die Rassen Nonius, Gidran sowie die Rassen Oldenburger und Trakehner vertreten. Unter dem Hornvieh herrschte bis 1890 das langhornige ungarische Steppenrind vor. Ab 1900 kam das Simmentaler Fleckvieh aus der Schweiz und aus Deutschland hinzu. Die Schweinezucht war zwischen 1920 und 1940 der eintrĂ€glichste landwirtschaftliche Erwerbszweig. 1833 kam aus Serbien das Mangalica-Schwein, nach 1920 wurden vorwiegend die Berkshire- und die Yorkshirerasse gezĂŒchtet. Nebenbei wurde in Neu-Arad auch die Imkerei betrieben; 1944 zĂ€hlte man 263 Bienenvölker und 10 Imker, mit einem durchschnittlichen Jahresertrag von 20â25 kg Honig je Volk. 1772 musste jeder Ansiedler zwölf MaulbeerbĂ€ume pflanzen, so dass 1895 in Neu-Arad bereits 886 MaulbeerbĂ€ume waren, die auf eine Seidenraupenzucht deuten lassen.
Gewerbe
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Gewerbe in Neu-Arad war gleich nach der Ansiedlung stark vertreten, es waren die fĂŒr die Bauern notwendigen Handwerker: Schmiede, Wagner, Schuster, Schneider, Weber. Im 19. Jahrhundert war die Wanderschaft bei den Neu-Arader Gesellen beliebt. Es wurden Gesellenbriefe und Leumundszeugnisse ausgestellt. Beliebte Wanderschaftsstationen waren Lippa, Temeswar, Hatzfeld, Werschetz, Grosswardein, Szegedin, Pest und Wien. Die Handwerker waren in ZĂŒnften organisiert. Das handwerkliche Können wurde durch das MeisterstĂŒck bestĂ€tigt. 1819 entstand in Neu-Arad eine gemischte Innung. Bereits 1850 gab es einen Gewerbeverein. Ab 1868 wurde die erste DampfmĂŒhle und 1936 eine moderne WalzmĂŒhle in Betrieb gesetzt.
Handel
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Anwesenheit von Kaufleuten und HĂ€ndlern ist erst ab 1829 belegt. Zum Teil spezialisierten sich diese auf den Handel mit Eisenwaren, Holz, Mehl und Salz. Ab 1812 gab es jĂ€hrlich drei groĂe MĂ€rkte in Neu-Arad, am 1. MĂ€rz, am 16. Juni und am 18. Oktober. Der Wochenmarkt fand dienstags statt.
Geldinstitute
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das rege wirtschaftliche Leben brachte in Neu-Arad, zwischen 1869 und 1944, einige Geldinstitute hervor, die Neu-Arader Sparkasse A.G., eine Filiale der SchwĂ€bischen Handels und Gewerbebank A.G., eine Filiale der Ersten Temeschburger Sparkassa A.G. die Hansabank und die Volksbank Aktiengesellschaft fĂŒr Neu-Arad und Umgebung.
Kulturelle Einrichtungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchenleben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 23. September 1723 wurde der Grundstein der katholischen Kirche gelegt. Neu-Arad war von Anfang an eine selbststĂ€ndige Pfarrei und wurde zwischen 1724 und 1739 von 14 MinoritenâPatern aus dem Arader Kloster betreut. Ab 1739 waren es weltliche Priester, die die Gemeinde betreuten. Am 14. September 1756 wurde die Kirche vom Generalvikar Clemente Rossi des CsanĂĄder Bistums feierlich geweiht. Im Jahr 1812 musste die alte Kirche infolge eines Brandes abgerissen werden; erst elf Jahre spĂ€ter, am 12. Januar 1823, wurde die heutige Kirche geweiht.[1] Im Jahre 1871 baute Anton Dangl die Orgel; diese wurde 1912 von der Firma Wegenstein umgebaut.[2]
Schuleinrichtungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seit 1725 gab es in Neu-Arad einen Lehrer. 1823 wurde das erste SchulgebĂ€ude aus Stein gebaut. 1838 kam eine konfessionelle Volksschule hinzu. 1853 wurde die Knabenschule eingerichtet und 1884 kamen eine MĂ€dchenschule und ein Kindergarten hinzu, in denen die Armen Schulschwestern des NotreâDameâOrdens unterrichteten. Es waren bis zu 12 Schulschwestern tĂ€tig, die bis zu 480 SchĂŒlerinnen unterrichteten; im Kindergarten waren bis zu 300 Kinder.
1940 wurde das gesamte deutsche Schulwesen RumĂ€niens der deutschen Volksgruppe untergeordnet. Das Neu-Arader deutsche Gymnasium wurde nach Arad verlegt, wo das AdamâMĂŒllerâGuttenbrunnâGymnasium gegrĂŒndet und bereits 1944 wieder geschlossen wurde.
Nach der MachtĂŒbernahme der Kommunisten wurden alle deutschen Schulen geschlossen. Erst durch das Schulgesetz vom 3. August 1948 wurden die Voraussetzungen fĂŒr den muttersprachlichen Unterricht der nationalen Minderheiten geschaffen. Durch den akuten Lehrermangel bedingt, wurde 1951 neben Temeswar und Hermannstadt auch in AradulâNou eine PĂ€dagogische Lehranstalt gegrĂŒndet; diese wurde jedoch nach einigen Jahren in ein Lyzeum umgewandelt, in dem es eine deutsche und eine rumĂ€nische Abteilung gab. 1989 wurde das Theoretische Lyzeum Adam MĂŒller-Guttenbrunn in Neu-Arad wieder eröffnet.
Vereinsleben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Neu-Arader Landwirtschaftsverein wurde 1893, als Ortsgruppe des SĂŒdungarischen Landwirtschaftlichen Bauernvereins gegrĂŒndet. Der Verein verbreitete landwirtschaftliches Wissen im Bauernstand, errichtete Winterschulen, vermittelte Landmaschinen und Bedarfsartikel fĂŒr das In- und Ausland, organisierte kulturelle Veranstaltungen, veröffentlichte Tages-, Wochen- und Fachzeitungen fĂŒr seine Mitglieder: Banater Landwirt (1923), SĂŒdostdeutsche Landpost (1941). Zudem gab es in Neu-Arad noch weitere Vereine, wie die Neu-Arader Filiale der Allgemeinen Kranken- und Invaliden-Kassa (1875), die Freiwillige Feuerwehr Neu-Arad (1877), der Neu-Arader Kulturverein (1920), die Philharmonie (1920), der Neu-Arader-Rotkreuzverein (1900), der Katholische Volksverein (1909), der Neu-Arader SchĂŒtzenverein (1791), der Neu-Arader Sportverein (1919), der FuĂballklub Titanus (1930) usw.
Wichtige GebÀude
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kirche
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das wichtigste Bauwerk des Ortes ist die Kirche. Sie wurde zwischen 1814 und 1823 gebaut. Im Turm sind fĂŒnf Glocken, die 1923 feierlich geweiht wurden. Die alten Glocken wurden im Oktober 1917 von der k. u. k. Monarchie fĂŒr Kriegszwecke requiriert. Im Kircheninneren sind drei AltĂ€re, der Hauptaltar, der Heiligen Jungfrau Maria geweiht, und zwei NebenaltĂ€re, der eine dem gekreuzigten Heiland, der andere der Heiligen Dreifaltigkeit geweiht. Rechts vom Hauptaltar ist die Sakristei. In der Kirche sind 32 groĂe und 4 kleine BĂ€nke aufgestellt. Der gemauerte Chor wird durch zwei feste SĂ€ulen getragen. 1902 wurde die alte Orgel aus dem Jahr 1838 durch eine neue ersetzt. Das Gotteshaus besitzt ein Knochenpartikel des Hl. Franz Xaver. Die Reliquie wurde am 7. Januar 1772 zur Verehrung freigegeben. Das Pfarrhaus wurde bereits 1759 auf Erlass der Kaiserin Maria Theresia erbaut.
Klosterschule
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Klosterschule ist das imposanteste SchulgebĂ€ude in Neu-Arad. Das einstöckige GebĂ€ude nimmt die ganze StraĂenfront ein. In der Mitte ist die Einfahrt, rechts und links davon sind im Erdgeschoss und im Obergeschoss je drei hohe Fenster. Ăber dem Einfahrtstor ist ebenfalls ein Fenster, ĂŒber dem ein Kreuz angebracht ist, welches wĂ€hrend des kommunistischen Regimes hinter einer Verschalung verborgen war. Im Eingang liegt linker Hand das Treppenhaus zum Stockwerk. Fast am Ende des GrundstĂŒckes liegt ein breites GebĂ€ude, in dem frĂŒher der Kindergarten untergebracht war.
Gemeindehaus
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das erste Gemeindehaus wurde 1870 erbaut und enthielt die Dienstwohnung des Notars. 1909 bekam Neu-Arad ein stattliches Gemeindehaus, nach den PlĂ€nen des Arader Architekten Ludwig Szantay. Im Hinterhof war der am 26. Juni 1925 eingeweihte Steigerturm der Feuerwehr. Das GebĂ€ude dient als drittes Haus des Adam-MĂŒller-Guttenbrunn-Lyzeums.
DenkmÀler und Statuen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Kriegerdenkmal vor der Kirche wurde am 14. Juni 1925 feierlich eingeweiht. Es ist ein 7,30 Meter hoher Obelisk der im oberen Abschlussteil ein Kreuz in Relief trÀgt. Im unteren Teil sind die 158 Namen der Gefallenen aus dem Ersten Weltkrieg auf allen vier Seiten auf schwarzen Marmortafeln mit Goldbuchstaben eingraviert. Das Denkmal ist von einem gusseisernen Gitter umgeben. Desgleichen befinden sich in Neu-Arad die Statue des Johannes Nepomuk (1754), die Florianstatue, der Schutzpatron der Feuerwehr (1869), der Kalvarienberg, die Friedhofskapelle (1884).
Persönlichkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Georg Bauer (* 23. MĂ€rz 1843 in Neu-Arad; â 6. November 1925 in TimiÈoara), Domherr der Cenader Diözese
- Franz Anton Bellinger, Vorsitzender der Heimatortsgemeinschaft Neu-Arad
- Herbert Bockel (* 23. Oktober 1940 in Neu-Arad; â 30. August 2024 in Passau), Germanist, RumĂ€nist, Literaturhistoriker und Hochschullehrer
- Alois Bohn (* 16. November 1879 in Neu-Arad; â 7. Januar 1937 in Baden bei Wien), Architekt
- Anton Dangl (* 1810 in Neu-Arad; â 1892 in Arad), Orgelbauer[3]
- Alois Ohrenberger (* 16. Mai 1920 in Neu-Arad; â 23. Januar 1994 in Eisenstadt), österreichischer ArchĂ€ologe
- Karl Robert Perko (* 25. Juni 1944 in Neu-Arad; â 29. Februar 2025 in Kaiserslautern), Kunstmaler und Grafiker
- RĂłbert ZselĂ©nszky (1850â1939), Politiker und GroĂgrundbesitzer
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Anton Peter Petri: Heimatbuch der Marktgemeinde Neu-Arad im Banat. Theodor Breit Verlag, Marquartstein, 1985.
- Nikolaus Bitto: Neu-Arads Geschichte von 1332 bis 1718 und von 1723 bis heute (1923), Arad, 1923.
- Franz HumâUrsachi und Franz Anton Bellinger: Kleine Ortsmonographie der Marktgemeinde Neu-Arad, 2000.
- Elke Hoffmann, Peter-Dietmar Leber und Walter Wolf: Das Banat und die Banater Schwaben. Band 5. StĂ€dte und Dörfer, Mediengruppe Universal Grafische Betriebe MĂŒnchen GmbH, MĂŒnchen, 2011, 670 Seiten, ISBN 3-922979-63-7.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- hog-neuarad.de, Nikolaus Bitto: Geschichte des Ortes von 1332 bis 1718 und von 1723 bis heute (1923)
- hog-neuarad.de, Dr. Franz Hum-Ursachi und Franz Anton Bellinger: Kleine Ortsmonographie der Marktgemeinde Neu-Arad
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â kath-kirche.neuarad (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Oktober 2022. Suche im Internet Archive) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prĂŒfe den Link gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.), Römisch Katholische Kirche Neuarad / RumĂ€nien
- â edition-musik-suedost.de, Neuarad / Aradul Nou
- â edition-musik-suedost.de, Franz Metz: Anton Dang (1810â1892)