Otto Kirchheimer
Otto Kirchheimer (* 11. November 1905 in Heilbronn; â 22. November 1965 in Washington, D.C.) war ein sozialistisch geprĂ€gter deutsch-US-amerikanischer Staats-/Verfassungsrechtler und Politikwissenschaftler, der in Deutschland, Frankreich und den Vereinigten Staaten wirkte. Er gilt als einer der wichtigsten deutschen Staats- und Verfassungstheoretiker.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Otto Kirchheimer stammte aus einer jĂŒdischen Familie. Er besuchte von 1912 bis 1924 die Schule in Heilbronn, Heidelberg und Ettenheim. Im Anschluss studierte er Jurisprudenz und Soziologie in MĂŒnchen, Köln, Berlin und Bonn. 1928 schloss er sein Studium mit einem Doktorgrad (Dr. jur., magna cum laude) der UniversitĂ€t Bonn ab. Er war von Carl Schmitt mit der Arbeit Zur Staatslehre des Sozialismus und Bolschewismus promoviert worden. In Bonn galt Kirchheimer als âLieblingsschĂŒlerâ Schmitts. In der NS-Zeit wurde Kirchheimer der Doktorgrad aberkannt, worĂŒber Aufzeichnungen im Krieg verloren gingen. 2023 wurde Kirchheimer von der UniversitĂ€t Bonn rehabilitiert, nachdem sie auf diesen Umstand aufmerksam geworden war.[1]
Schon in seinen Jugendjahren bekannte sich Kirchheimer zu seiner sozialistischen Gesinnung. SpÀter war er Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands.
Von 1930 bis 1933 war Kirchheimer Mitarbeiter der sozialdemokratischen Zeitschrift Die Gesellschaft und Dozent fĂŒr Politikwissenschaft an der Handelshochschule. 1932 bis 1933 arbeitete er zudem als Anwalt in Berlin.
In der Zeit der Weimarer Republik trat der junge Kirchheimer mit Aufsehen erregenden Analysen ĂŒber das VerhĂ€ltnis von sozialer Struktur und Verfassung hervor. Vieldiskutiert war vor allem sein 1930 erschienener Aufsatz Weimar und was dann? Entstehung und Gegenwart der Weimarer Verfassung, in dem Kirchheimer die Weimarer Verfassung als eine nicht zukunftsfĂ€hige Staatsgrundlage beschrieben hatte.
Zusammen mit Ernst Fraenkel und Franz Leopold Neumann stand Kirchheimer zunĂ€chst dem konservativen Staatsrechtler Carl Schmitt nahe. 1932 veröffentlichte Kirchheimer in der sozialistischen Zeitschrift Die Gesellschaft einen Aufsatz mit dem Titel LegalitĂ€t und LegitimitĂ€t (Die Gesellschaft, Band 2, Heft 7, 1932). Carl Schmitt ĂŒbernahm diesen Titel fĂŒr eine berĂŒhmte, im September 1932 erschienene gleichnamige Schrift. Er bezog sich dabei ausdrĂŒcklich lobend auf Kirchheimer. Auch an anderer Stelle hatte Schmitt Kirchheimer wiederholt zitiert. So schrieb er 1929 in einem Aufsatz ĂŒber den Faschismus: âIn hochentwickelten Industriestaaten [âŠ] ist die innerpolitische Lage ganz beherrscht von dem PhĂ€nomen der âsozialen Gleichgewichtsstrukturâ zwischen Kapital und Arbeit, Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Dieses PhĂ€nomen, wohl von Otto Bauer zuerst erkannt und benannt, ist dann von O. Kirchheimer in einem interessanten Aufsatz in der Zeitschrift fĂŒr Politik (Band 17, 1928, S. 596) staats- und verfassungstheoretisch behandelt worden.â (Carl Schmitt: Wesen und Werden des faschistischen Staates. In: Ders.: Positionen und Begriffe, 1940, S. 124â130, hier S. 127). In LegalitĂ€t und LegitimitĂ€t schrieb Schmitt: âDeshalb halte ich die Formulierung des Aufsatzes von Otto Kirchheimer ĂŒber LegalitĂ€t und LegitimitĂ€t (Die Gesellschaft, Juli 1932) fĂŒr richtig, der sagt, daĂ die LegitimitĂ€t der parlamentarischen Demokratie ânur noch in ihrer LegalitĂ€t bestehtâ und heute âoffensichtlich die legale Schranke gleichgesetzt wird mit LegitimitĂ€tââ (Carl Schmitt: LegalitĂ€t und LegitimitĂ€t, S. 14). Kirchheimer revanchierte sich seinerseits durch positive Bezugnahmen auf Schmitt. So hieĂ es in einem Aufsatz von 1932: âWenn eine spĂ€tere Zeit den geistigen Bestand dieser Epoche sichtet, so wird sich ihr das Buch von Carl Schmitt ĂŒber LegalitĂ€t und LegitimitĂ€t als eine Schrift darbieten, die sich aus diesem Kreis sowohl durch ihr ZurĂŒckgehen auf die Grundlagen der Staatstheorie als auch durch ihre ZurĂŒckhaltung in den Schlussfolgerungen auszeichnet.â (Verfassungsreaktion, 1932. In: Die Gesellschaft, Band 9, 1932, S. 415 ff.)
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten emigrierte der sozialistische Jude Kirchheimer nach Paris. Hier war er vier Jahre lang als Wissenschaftler im französischen Zweig des Internationalen Instituts fĂŒr Sozialforschung (Horkheimer-Institut) tĂ€tig. Er begann mit der Neubearbeitung von Georg Rusches Punishment and Social Structure. Die Rusche-Kirchheimer-Version von Punishment and Social Structure wurde 1939 als erste englischsprachige Schrift des Instituts veröffentlicht. Kirchheimer war mit der Umarbeitung vom Winter 1937 bis Sommer 1938 beschĂ€ftigt.[2] Mit seinem Lehrer Carl Schmitt, der im nationalsozialistischen Deutschland zum âKronjuristen des Dritten Reichesâ aufgestiegen war, hatte Kirchheimer gebrochen.
Am 11. November 1937 emigrierte Kirchheimer mit seiner Frau Hilde Kirchheimer und seiner Tochter Hanna (geb. 1930) in die Vereinigten Staaten. Die Ehe wurde dort allerdings 1941 geschieden. In New York setzte Kirchheimer seine Arbeit fĂŒr das International Institute of Social Research als Wissenschaftlicher Assistent fĂŒr Recht und Sozialwissenschaften fort, 1937 bis 1942. Parallel war er Dozent fĂŒr das Institutsprogramm an der Columbia University.
1943 zog Kirchheimer mit seiner zweiten Frau, Anne Rosenthal, nach Washington, D.C., wo 1945 ihr gemeinsamer Sohn Peter geboren wurde. Der Jurist arbeitete zunĂ€chst ein Jahr (1943 bis 1944) in Teilzeit, dann von 1944 bis 1952 in Vollzeit als Research Analyst in der Research and Analysis Branch des U.S. Office of Strategic Services (OSS), einem VorlĂ€ufer der CIA. Am 16. November 1943 erhielt Kirchheimer die amerikanische StaatsbĂŒrgerschaft. Er war Gastdozent fĂŒr Soziologie am Wellesley College (1943). Daneben arbeitete er als Dozent an der American University (1951 bis 1952) und an der Howard University (1952 bis 1954). Von 1952 bis 1956 war Otto Kirchheimer Chef der Zentraleuropa-Sektion des Dienstes im State Department. Kirchheimer verlieĂ das OSS und nahm eine Gastprofessur an der Graduate Faculty of the New School for Social Research an (1954). Im nĂ€chsten Jahr wurde er dort ordentlicher Professor fĂŒr Political Science (bis 1961). Hier schrieb er sein Buch Political Justice. The Use of Legal Procedures for Political Ends, das 1961 abgeschlossen war. 1960 bis 1965 war Kirchheimer Professor fĂŒr Political Science an der Columbia University. Von 1961 bis 1962 war er zudem Fulbright Professor an der UniversitĂ€t Freiburg.
Am 22. November 1965 starb Kirchheimer an einem Herzanfall, als er am Dulles Airport ein Flugzeug besteigen wollte. Er wurde am 18. Januar 1966 auf dem JĂŒdischen Friedhof in Heilbronn beigesetzt.[3]
Werk
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Otto Kirchheimer verstand sich selbst als âHersteller politischer Analysenâ, dessen Ziel es war, âRegierungssysteme in voller AktivitĂ€t zu dechiffrieren, zu diagnostizieren oder in seinem Geist bessere fĂŒr sie zu substituierenâ.
Seine publizistischen AktivitĂ€ten begann Kirchheimer als Jungsozialist in der Weimarer Republik. Schwerpunkt seiner Arbeiten war hier das VerhĂ€ltnis von Verfassung und Sozialstruktur sowie die Analyse der gesellschaftlichen KrĂ€fteverhĂ€ltnisse und deren Auswirkung auf das Staatsrecht. Er untersuchte an verschiedenen Beispielen die Spannung zwischen politischer âLegalordnungâ und ökonomischer âMachtordnungâ. Mit Carl Schmitt teilte Kirchheimer die Ablehnung des Parlamentarismus und die Kritik am Pluralismus. Kirchheimer wird daher auch dem âlinken Schmittianismusâ zugerechnet. Wilhelm Hennis hatte die Ăbereinstimmung zwischen beiden Denkern auf die prĂ€gnante Formel gebracht: âSchmitts Methoden fĂŒr linke Zweckeâ.[4] FĂŒr Kirchheimer und Schmitt war ein parlamentarischer Konsens im Klassenstaat prinzipiell unmöglich. Das MajoritĂ€tssystem war fĂŒr beide an die Voraussetzung der HomogenitĂ€t gebunden, weil andernfalls nicht das Parlament ĂŒber die Politik entscheide, sondern ökonomische Machtkomplexe. Die Weimarer Verfassung betrachtete Kirchheimer nur als Episode. Sie sei ein ĂŒberkommener Rechtsmechanismus, der zwangslĂ€ufig an den realen MachtverhĂ€ltnissen scheitern mĂŒsse. Daher stellte er bereits 1930 die Frage: âWeimar und was dann?â
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten verlagerte sich der Schwerpunkt von Kirchheimers Arbeiten auf die Analyse des âdeutschen Faschismusâ. Dabei stellte sich Kirchheimer ausdrĂŒcklich gegen die These vom Doppelstaat, die sein Mitstreiter aus Weimarer Tagen, Ernst Fraenkel, aufgestellt hatte. Auch wandte er sich gegen die Auffassung der Frankfurter Schule, nach der der nationalsozialistische Primat der Politik den Monopolkapitalismus in einen Staatskapitalismus verwandelt habe. Ăhnlich wie in Franz Leopold Neumanns Behemoth. Struktur und Praxis des Nationalsozialismus 1933â1944 existieren auch bei Kirchheimer vom Staat abgekoppelte Hoheitsbereiche, deren Politik vom Machtkampf unterschiedlicher Machtgruppen bestimmt wird. Wie bei Neumann kann es also auch fĂŒr Kirchheimer im Nationalsozialismus keine strukturell einheitliche Staatsgewalt geben, das Dritte Reich erscheint somit als âUnstaatâ. Laut Kirchheimer bemĂ€chtigen sich â wieder schmittianisch gedacht â die gesellschaftlichen Gruppen des Staates und seiner Funktionen, die sie unter sich aufteilen. So entstĂŒnde ein Neben- und Gegeneinander unterschiedlicher Machtkomplexe, bei dem die Frage der verbindlichen Entscheidungskompetenz offen bliebe.
FĂŒr Kirchheimer bestand der gesellschaftliche Auftrag des Nationalsozialismus darin die kapitalistische Wirtschaftsordnung zu schĂŒtzen und damit den Interessen eine âhauchdĂŒnnen Oberschichtâ zu dienen. Er beobachtete, dass sich die Reihen der besitzenden Klasse, die die Produktionsmittel kontrollierte, infolge von Konzentration, Arisierung, AuskĂ€mmungsgesetzgebung, Quoten-Restriktionen und Betriebsstilllegung lichteten, doch das Ziel aller politischen MaĂnahmen des nationalsozialistischen Herrschaftssystems hĂ€tten in letzter Instanz der Verewigung der kapitalistischen Eigentumsstruktur gedient.[5]
In der Nachkriegszeit waren die Themenschwerpunkte Kirchheimers die Analyse der deutschen und zentraleuropĂ€ischen Nachkriegsentwicklung und die Untersuchung der Formen und Wirkungen âPolitischer Justizâ. In seinem gleichnamigen SpĂ€twerk beschrieb Kirchheimer das Problem der rechtsstaatlichen Erschleichung von politischer Ausgrenzung durch normales Gesetz bzw. der âVerwendung juristischer Verfahrensmöglichkeiten zu politischen Zweckenâ, wie auch der Untertitel der Untersuchung lautete. Von Politischer Justiz sprach Kirchheimer, âwenn Gerichte fĂŒr politische Zwecke in Anspruch genommen werden, so dass das Feld politischen Handelns ausgeweitet und abgesichert werden kann. Die Funktionsweise der politischen Justiz besteht darin, dass das politische Handeln von Gruppen und Individuen der gerichtlichen PrĂŒfung unterworfen wird. Eine solche gerichtliche Kontrolle des Handelns strebt an, wer seine eigene Position festigen und die seiner politischen Gegner schwĂ€chen will.â (Politische Justiz, S. 606).
Kirchheimer war einer der Nestoren der vergleichenden Parteienforschung. Seine Schriften zur Transformation westeuropĂ€ischer Parteiensysteme, mit der in ihr enthaltenen These eines Trends zur Allerweltspartei (âCatch-All-Partyâ) und einem damit einhergehenden âVerfall der Oppositionâ, gelten als Meisterwerke des Fachs. Im Zuge einer Entideologisierung, so die These Kirchheimers, nĂ€herten sich die groĂen Parteien der westeuropĂ€ischen LĂ€nder einander an, und die âWeltanschauungsparteienâ auf konfessioneller oder klassenstruktureller Basis wandelten sich zu Allerweltsparteien.
Obgleich Kirchheimer nach 1945 nicht nach Deutschland zurĂŒckkehrte, ĂŒbten seine Theorien auch in Deutschland einen erheblichen Einfluss auf die Konstituierung der Politikwissenschaft aus.
Gesammelte Schriften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]An der UniversitĂ€t Greifswald wurde von 2015 bis 2020 unter der Leitung von Hubertus Buchstein eine Ausgabe der Gesammelten Schriften Kirchheimers in sechs EinzelbĂ€nden erarbeitet, der letzte Band wird 2021 erscheinen. Das Editionsprojekt wurde fĂŒr den Zeitraum Oktober 2015 bis September 2018 aus Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.[6][7]
Es erschienen die folgenden BĂ€nde:
- Otto Kirchheimer: Gesammelte Schriften. Band 1: Recht und Politik in der Weimarer Republik, hrsg. v. Hubertus Buchstein, Baden-Baden 2017, ISBN 978-3-8487-3928-8.
- Otto Kirchheimer: Gesammelte Schriften. Band 2: Faschismus, Demokratie und Kapitalismus, hrsg. v. Hubertus Buchstein und Henning Hochstein, Baden-Baden 2018, ISBN 978-3-8487-4732-0.
- Otto Kirchheimer: Gesammelte Schriften. Band 3: Kriminologische Schriften, hrsg. v. Hubertus Buchstein und Lisa Klingsporn, Baden-Baden 2019, ISBN 978-3-8487-4733-7.
- Otto Kirchheimer: Gesammelte Schriften. Band 4: Politische Justiz und Wandel der Rechtsstaatlichkeit, hrsg. v. Lisa Klingsporn, Merete Peetz und Christiane Wilke, Baden-Baden 2019, ISBN 978-3-8487-4734-4.
- Otto Kirchheimer: Gesammelte Schriften. Band 5: Politische Systeme im Nachkriegseuropa, hrsg. von Hubertus Buchstein und Moritz Langfeldt unter Mitarbeit von Henning Hochstein, Lisa Klingsporn und Merete Peets, Baden-Baden 2020, ISBN 978-3-8487-4735-1.
- Otto Kirchheimer: Gesammelte Schriften. Band 6: Politische Analysen fĂŒr das OSS und Department of State, hrsg. v. Henning Hochstein und Frank Schale, Baden-Baden 2021, ISBN 978-3-8487-4736-8.
Schriften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Zur Staatslehre des Sozialismus und Bolschewismus. Heymann, Berlin 1928.
- Weimar â und was dann? Entstehung und Gegenwart der Weimarer Verfassung. Laub, Berlin 1930.
- Die Grenzen der Enteignung. De Gruyter, Berlin 1930.
- mit Georg Rusche: Punishment and Social Structure. Columbia University Press, New York 1939.
- Sozialstruktur und Strafvollzug. EuropÀische Verlagsanstalt, Frankfurt am Main, Köln 1974.
- erneut in: Otto Kirchheimer: Gesammelte Schriften. Band 3: Kriminologische Schriften, hrsg. v. Hubertus Buchstein und Lisa Klingsporn, Baden-Baden 2019, ISBN 978-3-8487-4733-7.
- Political Justice. The Use of Legal Procedure for Political Ends. Princeton University Press, Princeton 1961.
- Politische Justiz. Verwendung juristischer Verfahrensmöglichkeiten zu politischen Zwecken. Aus dem Amerikanischen von Arcadius Rudolf Lang Gurland. Luchterhand, Neuwied 1965.
- als Taschenbuch: EuropÀische Verlagsanstalt, Hamburg 1993, ISBN 3-434-46203-1.
- Politik und Verfassung. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1964; Neuauflage 1981.
- Politische Herrschaft. FĂŒnf BeitrĂ€ge zur Lehre vom Staat. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1967; Neuauflage 1981 (Aufsatzsammlung).
- Politics, Law and Social Change. Selected Essays of Otto Kirchheimer. New York, London 1969.
- Funktionen des Staats und der Verfassung. 10 Analysen. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1972 (Aufsatzsammlung).
- Von der Weimarer Republik zum Faschismus. Die Auflösung der demokratischen Rechtsordnung. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1976 (Aufsatzsammlung).
Otto-Kirchheimer-Preis
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach Otto Kirchheimer ist eine Auszeichnung fĂŒr herausragende Arbeiten zum Thema Demokratie und Parteienforschung benannt. Der Preis wurde 2015 vom Ehepaar Gudrun Hotz-Friese und Harald Friese, ehemals Heilbronner BĂŒrgermeister und Mitglied des Bundestages, gestiftet. Er wird alle zwei Jahre vom Förderverein Otto Kirchheimer-Preis e. V. auf Vorschlag eines Wissenschaftlichen Beirats in zeitlicher NĂ€he zum Todestag von Otto Kirchheimer in Heilbronn verliehen und ist mit 10.000 Euro dotiert. Erster PreistrĂ€ger war Ulrich von Alemann.[8]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Riccardo Bavaj: Otto Kirchheimers Parlamentarismuskritik in der Weimarer Republik. Ein Fall von âLinksschmittianismusâ? In: Vierteljahrshefte fĂŒr Zeitgeschichte. Bd. 55 (2007), H. 1, S. 33â51 (PDF-Datei).
- Hubertus Buchstein: Otto Kirchheimer und die Frankfurter Schule â PlĂ€doyer fĂŒr einen kritischen Institutionalismus. In: Ulf Bohmann, Paul Sörensen (Hrsg.): Kritische Theorie der Politik. Suhrkamp, Berlin 2019, S. 110â142.
- Hubertus Buchstein: Enduring Enmity â The Story of Otto Kirchheimer and Carl Schmitt. transcript Verlag, Bielefeld 2024, ISBN 978-3-8376-6470-6 (Open Access).
- Roland Czada: âHersteller politischer Analysenâ. Zur AktualitĂ€t von Werk und Person Otto Kirchheimers. Ein Tagungsbericht. In: Journal fĂŒr Sozialforschung. Jg. 26 (1986), H. 1, S. 107â113 (PDF-Datei; 95 kB).
- Alexandra Kemmerer: Kontroverses zur Weimarer Verfassung. Die seit langem diskutierte Frage: Gibt es einen Linksschmittianismus? lĂ€sst sich exemplarisch am Werk des linken Schmitt-SchĂŒlers Otto Kirchheimer studieren. Ein Bericht ĂŒber neue Literatur. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 25 v. 30. Januar 2008, S. N3.
- Raffaele Laudani (Hrsg.): Secret Reports on Nazi Germany. The Frankfurt School Contribution to the War Effort. Mit BeitrÀgen von Franz Neumann, Herbert Marcuse und Otto Kirchheimer. Vorwort von Raymond Geuss. Princeton University Press, Princeton 2013, ISBN 978-0-691-13413-0.
- deutsche Ausgabe: Im Kampf gegen Nazideutschland. Die Berichte der Frankfurter Schule fĂŒr den amerikanischen Geheimdienst 1943â1949, hrsg. v. Raffaele Laudani, Campus Verlag, Frankfurt 2016, ISBN 978-3-593-50345-5.
- Wolfgang Luthardt, Alfons Söllner (Hrsg.): Verfassungsstaat, SouverÀnitÀt, Pluralismus. Otto Kirchheimer zum GedÀchtnis. Westdeutscher Verlag, Opladen 1989, ISBN 3-531-12025-5.
- Volker Neumann: Verfassungstheorie politischer Antipoden. Otto Kirchheimer und Carl Schmitt. In: Kritische Justiz. 1981, H. 14, S. 31 ff.
- Robert Christian van Ooyen, Frank Schale (Hrsg.): Kritische Verfassungspolitologie. Das StaatsverstÀndnis von Otto Kirchheimer (= StaatsverstÀndnisse. Band 37). Nomos, Baden-Baden 2011, ISBN 978-3-8329-5404-8.
- Joachim Perels: Otto Kirchheimer (1905â1965), Demokratischer Marxist und Verfassungstheoretiker, in: Kritische Justiz (Hrsg.): Streitbare Juristen. Eine andere Tradition. Nomos, Baden-Baden 1988, ISBN 3-7890-1580-6, S. 401 ff.
- Samuel Salzborn: Kirchheimer, Otto. In: RĂŒdiger Voigt, Ulrich WeiĂ (Hrsg.): Handbuch Staatsdenker. Steiner, Stuttgart 2010, S. 210 f. (PDF-Datei).
- Frank Schale: Zwischen Engagement und Skepsis. Eine Studie zu den Schriften von Otto Kirchheimer. Nomos, Baden-Baden 2006, ISBN 3-8329-2255-5.
- Ernst C. Stiefel, Frank Mecklenburg: Deutsche Juristen im amerikanischen Exil (1933â1950). Mohr, TĂŒbingen 1991, ISBN 3-16-145688-2.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und ĂŒber Otto Kirchheimer im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Otto Kirchheimer Papers, 1929â1972 bei der State University of New York (mit tabellarischem Lebenslauf)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Andreas Archut: Senat der UniversitĂ€t Bonn rehabilitiert vier Promovierte. Rheinische Friedrich-Wilhelms-UniversitĂ€t Bonn, Pressemitteilung vom 9. November 2023 beim Informationsdienst Wissenschaft (idw-online.de), abgerufen am 9. November 2023.
- â Vgl. Rolf Wiggershaus: Die Frankfurter Schule. Geschichte â Theoretische Wirkung â Politische Bedeutung, MĂŒnchen 2008, S. 262.
- â Beisetzung nach Eintrag zu Otto Kirchheimer in der Datenbank HEUSS des Stadtarchivs Heilbronn, Zeitgeschichtliche Sammlung Signatur ZS-12721.
- â Roland Czada: Hersteller politischer Analysen. In: Journal fĂŒr Sozialforschung. 26. Jg., Heft 1, 1986, S. 109 (online, PDF-Datei; 95 kB).
- â Richard Saage: Arbeiterbewegung, Faschismus, Neokonservatismus. Frankfurt am Main 1987, S. 182 f.
- â Research.
- â Das Werk von Otto Kirchheimer und seine Gegenwartsbedeutung. Ein GesprĂ€ch zwischen Helmut König und Hubertus Buchstein (Teil I), theorieblog.de, 3. Februar 2020.
- â Ulrich von Aleman erhĂ€lt den Otto Kirchheimer-Preis. Heinrich Heine UniversitĂ€t DĂŒsseldorf, 25. November 2015, abgerufen am 2. Dezember 2023.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Kirchheimer, Otto |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsch-amerikanischer Jurist und Soziologe |
| GEBURTSDATUM | 11. November 1905 |
| GEBURTSORT | Heilbronn |
| STERBEDATUM | 22. November 1965 |
| STERBEORT | Washington, D.C. |
- Politikwissenschaftler
- Staatsrechtler (20. Jahrhundert)
- Person (Office of Strategic Services)
- Hochschullehrer (Columbia University)
- Hochschullehrer (The New School)
- Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus
- Deutscher Emigrant in Frankreich
- Deutscher Emigrant in den Vereinigten Staaten
- Vertreter der Kritischen Theorie
- SPD-Mitglied
- Person des Judentums (Heilbronn)
- Deutscher
- Geboren 1905
- Gestorben 1965
- Mann