Pansexualismus
Als Pansexualismus bezeichneten kirchliche Pamphlete der 1920er und 1930er Jahre die Psychoanalyse von Sigmund Freud. Es wird darauf abgestellt, dass Freud unbewusste sexuelle TriebkrĂ€fte, bzw. deren UnterdrĂŒckung, fĂŒr das auffĂ€llige Verhalten seiner Patienten verantwortlich machte. Freud unterstĂŒtze damit die sittliche Verrohung des Menschen, er stifte heidnische âKulte der Sexualvergötterungâ. Die EinschĂ€tzung verkennt, dass Freuds Theorie keineswegs sexualisierende Elemente beinhaltete, sondern im Gegenteil gerade die Bewusstmachung und Kontrolle solcher Triebe des Es (SexualitĂ€t, Aggression) durch das kulturell gezĂ€hmte Ich zum Ziel der Behandlung erklĂ€rte.
Die Diskussion ĂŒber Inhalte und Wertigkeit der modernen Psychoanalyse hat sich von den damals geltenden Urteilen gelöst. Heutige Autoren greifen die Bezeichnung noch manchmal im Rahmen von allgemein kultur- und zivilisationskritischen Texten auf, um auszudrĂŒcken, dass ihrer Ansicht nach sexuelle Themen und Inhalte allgegenwĂ€rtig geworden sind.