Parkinsel

Die Parkinsel ist ein Teil der SĂŒdlichen Innenstadt der Stadt Ludwigshafen am Rhein. Sie ist zum Teil Hafengebiet, Wohngegend der gehobenen Klasse und Stadtpark.
Die Insel, die gegenĂŒber dem Mannheimer Stephanienufer und der ReiĂinsel am Rhein liegt, gehörte ursprĂŒnglich zum heutigen Stadtteil Mundenheim und war damals als Mundenheimer WĂ€ldchen bekannt.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Ludwigshafener Parkinsel ist nicht natĂŒrlichen Ursprungs, sondern entstand durch den Bau des Luitpoldhafens in den Jahren 1893 bis 1898 aus einem abgetrennten Mundenheimer Gemarkungsteil. Entlang der Uferlinie stand schon damals ein dichter Auwald, das Mundenheimer WĂ€ldchen. Seit 1968 ist die Parkinsel eigentlich keine Insel mehr, da sie mittels eines Damms wieder mit dem Festland verbunden wurde.
Vor der Rheinbegradigung war das Mundenheimer WĂ€ldchen ein Auenwald mit Eichen- und Ulmen-Bestand und wurde mindestens einmal im Jahr ĂŒberschwemmt. Dabei saugte der Waldboden das Hochwasser wie ein Schwamm auf und gab es allmĂ€hlich wieder ab.
Das WĂ€ldchen war bis 1899 im Besitz der eigenstĂ€ndigen Gemeinde Mundenheim. Schon 1898 ersuchte die Stadt Ludwigshafen ihre Nachbargemeinde, den Auwald abzutreten. Doch Mundenheim lehnte ab und verkaufte im Jahr 1898 das WĂ€ldchen an einen Investor, der es abholzen und darauf eine Wohnsiedlung bauen lassen wollte. Das Bezirksamt Ludwigshafen genehmigte jedoch dieses Vorhaben nicht. Daraufhin legte die Gemeinde Mundenheim Beschwerde beim Staatsministerium des Innern in MĂŒnchen ein. Die königlich-bayerische Forstbehörde genehmigte nun die Abholzung des Mundenheimer WĂ€ldchens. Nur durch eine Intervention des Ludwigshafener OberbĂŒrgermeisters Friedrich Krafft wurde die bereits erteilte Genehmigung wieder zurĂŒckgezogen. Im Jahr 1899 wurde Mundenheim eingemeindet und so gelangte auch die Parkinsel in den Besitz der Stadt Ludwigshafen. Nun konnte OberbĂŒrgermeister Krafft das WĂ€ldchen in einen Park umwandeln lassen. Im November 1900 genehmigte der Stadtrat die AusfĂŒhrung des Parks, den ein zwei Jahre zuvor eingestellter StadtgĂ€rtner planen sollte.
Ende der 1960er Jahre wurde die Parkinsel streng genommen zur Halbinsel, als die Kammerschleuse am sĂŒdlichen Ende des Luitpoldhafens geschlossen und durch einen befahrbaren Damm ersetzt wurde.
Ende Mai/Anfang Juni 2013 gab es ein schweres Hochwasser, das auch die Parkinsel heimsuchte. Der gesamte Stadtpark stand fast zwei Meter unter Wasser. Wegen des Hochwassers mussten die Zelte, die bereits fĂŒr das Festival des deutschen Films errichtet worden waren, kurzfristig wieder abgebaut werden. Nachdem das Wasser am 5. Juni 2013, eine Woche vor dem Festival, immer noch einen Meter im Stadtpark stand, wurde die Veranstaltung kurzerhand auf eine BrachflĂ€che gegenĂŒber der Parkinsel auf dem Festland am Luitpoldhafen verlegt. Diese Entscheidung war nötig, weil nach dem RĂŒckgang des Hochwassers nicht mehr ausreichend Zeit war, die Standfestigkeit sĂ€mtlicher BĂ€ume zu prĂŒfen; wegen des aufgeweichten Bodens bestand die Gefahr, dass BĂ€ume mitsamt den Wurzeln umkippten.
Im April 2022 gaben Georg Kuthan und Martin Wegner das Buch âVom Mundenheimer WĂ€ldchen zum Stadtpark. Eine kleine Geschichte der Ludwigshafener Parkinselâ im Llux-Verlag heraus. Es ist verfasst von Julia Kratz mit Bildmaterial des Ludwigshafener Stadtarchivs. Restexemplare der Erstauflage sind erhĂ€ltlich im Ludwigshafener BĂŒro von Kuthan-Immobilien und der Rechtsanwaltskanzlei von Martin Wegner. Eine Spende in Höhe von 15 Euro wird erbeten fĂŒr den Verein Kultur Rhein-Neckar e. V.
Wasserwerk Parkinsel
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bereits 1902 wurde am Rheinufer eine Pumpstation zur Förderung von Uferfiltrat errichtet, die ins Trinkwassernetz einspeiste. 1935 ging nach einer Bauzeit von zwei Jahren das heutige Wasserwerk auf der Parkinsel mit einer tĂ€glichen Fördermenge von 40.000 mÂł in Betrieb. Gewonnen und aufbereitet wurde ein Mischwasser aus Uferfiltrat und tieferem Grundwasser. Es ersetzte das 1895 fertiggestellte erste Wasserwerk der Stadt an der Speyerer StraĂe zwischen Mutterstadt und Oggersheim. Das Werk auf der Parkinsel wurde 1943, 1944 und Anfang 1945 mehrfach bombardiert und fiel kurze Zeit ganz aus. Nach dem Wiederaufbau wurde das Wasserwerk âParkinselâ zum Hauptlieferanten des Trinkwassers in der Stadt bis zur Inbetriebnahme des Wasserwerkes âMaudach/Oggersheimâ 1970. Seit diesem Zeitpunkt liefern beide Werke je die HĂ€lfte des Bedarfs.
Heute wird im Wassergewinnungsgebiet auf der Parkinsel Grundwasser aus Tiefbrunnen zwischen 200 und 400 m Tiefe gefördert, aufbereitet und ins Trinkwassernetz eingespeist. Dieses unbelastete Tiefengrundwasser ist durch mehrere, z. T. meterdicke abdichtende Tonschichten gegen schĂ€dliche UmwelteinflĂŒsse von oben abgesichert. Diese WĂ€sser aus den tiefen Grundwasserschichten nahmen letztmals vor 10.000 bzw. 20.000 Jahren am natĂŒrlichen Kreislauf teil (mit Radiocarbonmethode bestimmt).
Förderverein Parkinsel
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Juni 2013 wurde von BĂŒrgern der Parkinsel ein Förderverein gegrĂŒndet, der sich zum Ziel gesetzt hat, den Erhalt und die Pflege des Stadtparks auf der Parkinsel zu schĂŒtzen und durch ehrenamtliche Arbeit zu unterstĂŒtzen und zu fördern.
Chronologie
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- 1893â1898 Abtrennung der Parkinsel durch den Bau des Luitpoldhafens
- 1898 Gemeinde Mundenheim bewilligt Abholzung des Mundenheimer WĂ€ldchens (Ludwigshafens OberbĂŒrgermeister Krafft verhindert dies)
- 1899 Mundenheim wird eingemeindet
- 1900 Beschluss des Gemeinderates zur AusfĂŒhrung des Stadtparks auf der Parkinsel
- 1901 Eröffnung des Stadtparks
- 1903 Abschluss der Arbeiten am Stadtpark
- 1904 Erstes Parkfest mit 80.000 Besuchern
- 1934 AufschĂŒttung der Sandbank am Strandbad zum Badestrand mit feinem Sand
- 1947â1951 Beseitigung der KriegsschĂ€den, Neuplanung des Parks als offenere Anlage mit groĂen RasenflĂ€chen, Bau der Wege entlang des Rheins
- 1999 Starke SturmschÀden
- 2003 Hundertjahrfeier
- 2005 Erstes Festival des deutschen Film
- 2013 Schweres Hochwasser mit Ăberflutung des gesamten Stadtparks sowie der angrenzenden Rheinpromenade (Hannelore-Kohl-Promenade). Das Filmfestival wurde auf eine BrachflĂ€che am Luitpoldhafen verlegt.
Zitat von Ernst Bloch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Philosoph Ernst Bloch erinnerte sich 1970 bei einem Spaziergang am Rhein an seine Kindheit:
- âUnd meine alten hollĂ€ndischen Freunde, die Matrosen, die stiegen wieder vor mir auf, die mit acht Jahren mich zuerst Pfeife rauchen gelehrt haben mit hollĂ€ndischem Tabak, mit denen zusammen ich in den Mundenheimer Wald ging, den Munnemer Wald gegangen bin, wo wir Blindschleichen gefangen haben, gehĂ€utet, auf Feuer geröstet und statt Salz Pulver daran geschĂŒttet haben als richtige MĂ€nner.â
Zitat von Hedwig Laudien
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Schriftstellerin Hedwig Laudien schreibt ĂŒber das Mundenheimer WĂ€ldchen:
- Unheimliches WĂ€ldchen
- âEs war nicht gerade traulich zu nennen, dieses Mundenheimer WĂ€ldchen. Mit seinem dichten Unterholz, dem Geflechte der Waldreben, deren BlĂ€tter- und BlĂŒtengerank in ĂŒppiger FĂŒlle von den hohen Ulmen hernieder hing, und seinen vermoderten, gespensterhaften Sumpfweiden, die sich in stillen GewĂ€ssern spiegelten, konnte es eher ein leichtes Gruseln hervorrufen.â
Natur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Hartholzaue der Parkinsel wachsen Stieleiche, Esche, Feldahorn und einige Exemplare der Feldulme. Der Bestand an Ulmen war ursprĂŒnglich gröĂer, wurde jedoch durch den UlmensplintkĂ€fer stark beschĂ€digt. AuĂerdem kommen in der Hartholzaue Wildapfel, WeiĂdorn und die Wildbirne vor. In der Krautschicht des Auwaldes gibt es den ZweiblĂ€ttrigen Blaustern, Buschwindröschen, Blutampfer, Waldsegge und Aronstab.
Im Hochsommer wachsen an der Uferböschung seltene Arten wie der Kanten-Lauch, der Echte Haarstrang, der Weiden- und Wiesen-Alant. Diese Arten sind durch die zunehmende Verbuschung des Rheinufers bedroht.
Auf der Parkinsel leben rund 80 Vogelarten, darunter GrĂŒnspecht und Buntspecht, Zaunkönig, Stieglitz und GoldhĂ€hnchen. Seit ungefĂ€hr 1999 findet sich auch ein Schwarm von ca. 50 Halsbandsittichen auf der Parkinsel.
Die Parkinsel ist auch fĂŒr ihre reiche Anzahl an sehr alten BĂ€umen bekannt. Die Platanenallee am Ufer ist eines der Markenzeichen der Parkinsel.
Bildergalerie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Pegeluhr
- Speicher
- Luitpoldhafen
- Blick nach Mannheim
- BetriebsgelÀnde der Raschig GmbH
Festival des deutschen Films
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seit 2005 findet auf der Parkinsel das jÀhrliche Festival des deutschen Films, in dessen Rahmen auch der Deutsche Filmkunstpreis verliehen wird, statt.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Koordinaten: 49° 28âČ 5âłÂ N, 8° 27âČ 25âłÂ O