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Pech Maho

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Luftbild von Pech Maho, Blick von SĂŒdosten. Eine helle Linie am linken oberen Bildrand markiert die Mitte des in diesem Bild ausgetrockneten Flussbetts der Berre. Es verlĂ€uft von SĂŒd nach Nord, unterhalb und parallel zum westlichen Rand des Plateaus.

Pech Maho, auch Pech de Mao[1], ist ein HĂŒgel oberhalb der sĂŒdfranzösischen Gemeinde Sigean, etwa 20 Kilometer sĂŒdlich von Narbonne, auf dem sich in vorrömischer Zeit ein Oppidum der Elisyker befand. Eine Besiedelung ließ sich archĂ€ologisch von etwa 560 bis 200 v. Chr. nachweisen.[2]

Die Ruinen des „oppidum de Pech de Maho“ wurden schrittweise von 1961 bis 1963 als „Monument historique“ unter Denkmalschutz gestellt.[3]

Luftaufnahme.
Pech Maho mittig im Vordergrund, der Étang de Bages et de Sigean im Hintergrund und dahinter das Massif de la Clape. Rechts am Horizont das offene Mittelmeer.
Lage bekannter Oppida der Elisyker (rot) auf einer Karte mit den ungefĂ€hren eisenzeitlichen KĂŒstenverhĂ€ltnissen. Pech Maho ist der sĂŒdlichste der bekannten Orte der Elisyker. Andere antike StĂ€tte in Blau. Narbo Martius: heute Narbonne. Besara: BĂ©ziers, Agathe Tyche: Agde.
Wie vorherige Karte, aber mit den heutigen KĂŒstenverhĂ€ltnissen.

Das Oppidum lag auf einem etwa zwei Hektar großen, dreieckigen KalksteinhĂŒgel, der sich etwa 20 Meter ĂŒber das Umland erhebt. Eine Spitze des Dreiecks zeigt nach Nordwesten. Die beiden daran anschließenden Seiten sind durch steile HĂ€nge gut geschĂŒtzt. Nur von SĂŒden her ist das Plateau leicht zugĂ€nglich. Hier liegt es nur um fĂŒnf Meter ĂŒber der Gegend. Der HĂŒgel erhebt sich heute am direkt am rechten Ufer der Berre und ist knapp 10 Kilometer von der östlich gelegenen MittelmeerkĂŒste bei Port-la-Nouvelle entfernt. Die heutige Entfernung zum Ufer des nördlich liegenden Étang de Bages et de Sigean betrĂ€gt nur etwa 2,5 Kilometer.[2.1][4]

In der Eisenzeit erstreckte sich der nördlich liegende Étang jedoch vermutlich bis an die Basis des HĂŒgels, so dass die Berre bereits hier mĂŒndete. Pech Maho war daher eine Hafenstadt. Seitdem ist das MĂŒndungsgebiet durch von der Berre angeschwemmte Sedimente stark verlandet, so dass sich die MĂŒndung ĂŒber die Jahrtausende zunehmend nach Norden verschoben hat. Auch weitere KĂŒstenbereiche der nördlichen Étangs sind seitdem stark verlandet: Das nordwestlich gelegene Massif de la Clape war ein Insel, der Bereich zwischen dieser und dem westlichen Festland war den Römern als Lacus Rubrensis oder Lacus Rubresus bekannt, dessen grĂ¶ĂŸter Überrest heute der Étang de Bages et de Sigean ist. Möglicherweise gab es sĂŒdlich von Pech Maho einen Nebenfluss der Berre.[2.1]

Die SiedlungsstĂ€tte wurde auf etwa einem Hektar des Plateaus nachgewiesen. Nach SĂŒden hin war die Siedlung durch ein starkes Verteidigungssystem geschĂŒtzt. 500 Meter östlich des Oppidums liegt die Nekropole Las Peirros, die ebenfalls in die spĂ€te Eisenzeit datiert.[2.1][4]

In spĂ€teren Jahrhunderten fĂŒhrte die Römerstraße Via Domitia unweit von Pech Maho vorbei. Diese Straße folgte in weiten Teilen der frĂŒheren Via Heraclea, der „Straße des Herkules“, die die spanische mit der italienischen Halbinsel verband, die aber bisher nicht archĂ€ologisch nachgewiesen wurde. Es wird dennoch als sicher angenommen, dass bereits in der Eisenzeit ein wichtiger Landweg am Fuß von Pech Maho vorbei fĂŒhrte.[2.2]

Pech Maho liegt am sĂŒdlichen Ende der KĂŒstenebene des Languedoc. SĂŒdlich davon reichen die CorbiĂšres bis an die MittelmeerkĂŒste und bilden eine natĂŒrliche Grenze des Gebiets der Elisyker. Pech Maho war daher Relaisstation und der sĂŒdliche Grenzposten des von der Hauptstadt MontlaurĂšs aus beherrschten Gebietes.[2.2]

Siedlungsperioden

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Aus den archÀologischen Ausgrabungen haben sich drei Perioden der Besiedelung ergeben, Pech Maho I bis III, die zusammen von etwa 575/550 bis 225/200 v. Chr. dauerten.[5] Pech Maho III endete mit einer kriegerischen Zerstörung der Siedlung. Einige Arbeiten des 21. Jahrhunderts beschreiben nach der Zerstörung noch eine Nutzung in geringem Umfang, die als Pech Maho IV bezeichnet wird.[6]

Pech Maho I, 575/550 – 475/450

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Im Gegensatz zu den folgenden Perioden wird Pech Maho I noch der Ă€lteren Eisenzeit zugerechnet. Der Ort wurde als Handelshafen geplant, als Anlege- und Umschlagplatz fĂŒr den Mittelmeerhandel mit Griechen, Etruskern, Iberern und Puniern, im Sinne eines Emporions. Die GrĂ¶ĂŸe von nur etwa 1,5 Hektar steht dabei im Kontrast zu den massiven Befestigungsanlagen und der blĂŒhenden Wirtschaft des Ortes.[2.3]

Eine erste kurzlebige Bebauung bestand aus Lehmbauten mit Flechtwerk auf tragenden Pfosten, die ĂŒber das Plateau verstreut waren. Aus dieser Zeit gibt es bisher nur eine kleine AusgrabungsflĂ€che. BauplĂ€ne konnten nicht rekonstruiert werden. Es wurde aber der steinerne Sockel einer Befestigungsmauer gefunden, die den Zugang zum Platau von SĂŒden her beschrĂ€nkte. Auf dem Sockel war vermutlich eine Erhöhung aus Erde aufgebracht und vor der Mauer befand sich ein V-förmiger Graben. Auch die erste Siedlung war also bereits befestigt.[2.4]

Dieser allerersten Bebauung sind bereits eine Reihe von importierten Keramikfunden zuzuordnen, die eine genaue zeitliche Einordnung ermöglichen: ein etruskischer Kantharos im Bucchero-Stil, ein korinthischer Aryballos, eine Amphore aus Chios und ein attischer Krater aus der Werkstatt des Vasenmalers Lydos, dessen Herstellung genau auf die Zeit von 560 bis 540 v. Chr. datiert werden kann. Dominierend war aber einheimische Keramik.[2.3]

StÀdtische Struktur

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Bereits um 550/540 folgte den ersten Bauten ein großangelegtes Stadtplanungsprogramm. Die WohnhĂ€user waren nur etwa 20 bis 30 Quadratmeter groß, meist nur mit einem Raum, der Wohnraum also fĂŒr eine Familie sehr begrenzt. FĂŒr die HĂ€user wurden Lehmziegel verwendet, die auf Steinfundamente aufgebracht wurden. Diese Bautechnik war fĂŒr die Gegend neu. Mehrere HĂ€user grenzten aneinander und die HĂ€userblöcke wurden durch Straßen voneinander getrennt, die mit Kieselsteinen gepflastert waren. Ähnliche SiedlungsplĂ€ne setzten sich auch in anderen Regionen des heutigen SĂŒdfrankreichs durch, Pech Maho ist allerdings ein besonders frĂŒhes Beispiel. Dieses frĂŒhe Auftreten in Verbindung mit neuer Bautechnik und der InternationalitĂ€t des Ortes als Handelsplatz deuten auf technische Expertise der seefahrenden Handelsvölker hin. Es ist gut denkbar, dass das gemeinsame Interesse an einem neuen Handelsposten zu einer Zusammenarbeit von auslĂ€ndischen HĂ€ndlern mit einheimischen Machthabern gefĂŒhrt hat, wobei letztere die Mehrheit der ArbeitskrĂ€fte organisiert hĂ€tten.[2.5]

Die sĂŒdliche Stadtbefestigung wurde wesentlich verstĂ€rkt. Sie bestand nun aus zwei aufeinander folgenden Mauern, vor denen ein ĂŒber 10 Meter breiter und 3 Meter tiefer Graben lag. Auch eine solche Anlage war fĂŒr SĂŒdfrankreich neu. Die Stadtbefestigung wurde von zwei viereckigen TĂŒrmen ĂŒberragt, die allerdings keinen Wert fĂŒr die Verteidigung hatten und auch nicht am Haupttor standen, sondern wohl ReprĂ€sentationsbauten waren. Die GrĂ¶ĂŸe der Verteidigungsanlagen deutet darauf hin, dass diese nicht nur zur Verteidigung dienten, sondern auch die Macht des geschĂŒtzten Ortes demonstrieren sollte.[2.6]

Etwa hundert Meter weiter sĂŒdlich wurde ein zweiter, kleinerer Graben gefunden, dessen Bau ebenfalls dieser Zeit zugerechnet wurde. Er war etwa vier Meter breit und 1,50 Meter tief. Heute befindet er sich unter den angrenzenden Weinstöcken. Ob dieser Graben auch einen Wall hatte, ist ungeklĂ€rt, ebenso ob es sich um eine vorgeschobene Verteidigungsanlage oder um ein Viehgehege handelte.[2.7]

Die einheimische Keramik von Pech Maho I ist gleichartig zur ibero-languedocischen Keramiken der Zeit. Das Gebrauchsgeschirr fĂŒr KĂŒche und VorratsgefĂ€ĂŸe entsprang einheimischer Tradition und wurde noch ohne Töpferscheibe hergestellt. Tischgeschirr wurde dagegen mit Hilfe der Töpferscheibe hergestellt, die von den Griechen im 6. Jh. v. Chr. hier eingefĂŒhrt wurde. Es handelte sich um einfarbig graue Ware in phokĂ€ischer Tradition, jedoch lokal produziert. Bemalte Keramiken lokalen Ursprungs oder aus dem iberischen Kulturkreis importierte sind hauptsĂ€chlich GefĂ€ĂŸe, die zur Aufbewahrung dienten. In ohne Töpferscheibe gefertigten GefĂ€ĂŸen wurden Schmorgerichte gekocht.[2.8]

Daneben wurde eine Vielzahl importierter Werke gefunden, die den Mittelmeerhandel der Periode unterstreichen. Zum Tafelgeschirr gehörten auch dĂŒnnwandigere StĂŒcke aus Massalia und kostbarere Vasen, die als TrinkgefĂ€ĂŸe dienten, sogenannte „Ionische Schalen“, die in Ostgriechenland oder SĂŒditalien produziert wurden. Zu den besonders bemerkenswerten FundstĂŒcken gehört ein Rhyton, ein TrinkgefĂ€ĂŸ, in Form einer geflĂŒgelten Sphinx, der auf 470/460 datiert wird.[2.8]

Die aus Pech Maho I gefundenen Amphoren stammten zu je etwa einem Drittel aus etruskischen, griechischen und iberischen WerkstĂ€tten, letztere ĂŒberwiegend aus der Gegend um Valencia, die griechischen ĂŒberwiegend aus Massilia, aber auch aus SĂŒditalien, Korinth und der ÄgĂ€is. Die iberischen enthielten Öl, Fischlake oder Wein wĂ€hrend die etruskischen und griechischen fast ausschließlich fĂŒr Wein verwendet wurden. Importe aus der phönizisch-punischen Welt waren dagegen selten. Es wird angenommen, das sie ĂŒber EmpĂșries importiert wurden.[2.8]

Pech Maho II, 475/450 – 325/300

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Straßen (blau), HĂ€userblöcke (Ăźlots) und Stadtmauer (orange), markiert auf einem Luftbild von Pech Maho. Strukturen an den RĂ€ndern, die von BĂ€umen bedeckt sind, sind nicht eingezeichnet.

Der Beginn von Pech Maho II fÀllt mit dem Beginn der SpÀten Eisenzeit im Languedoc zusammen. Auch Pech Maho III gehört in diese Periode.[2.9]

Am Anfang dieser Periode wurden Änderungen am Stadtgrundriss vorgenommen, die entstandene Aufteilung wurde auch wĂ€hrend Pech Maho III weitgehend beibehalten. Die Stadtmauer wurde deutlich verstĂ€rkt, der Zugang bekam ein Tor, durch das Wagen fahren konnten.[4] Die Anordnung der Blöcke I und IV scheint sich im Vergleich zu Pech Maho I nicht verĂ€ndert zu haben. Die weiter nördlich gelegenen Bereiche wurden jedoch neu angelegt. Die Blöcke III und II sind typisch fĂŒr die Eisenzeit der Gegend. An eine in Nord-SĂŒd-Richtung verlaufende Brandmauer stoßen beidseits Zimmer an, die je eine TĂŒr zur Straße haben. Das östliche Ende von Block II ist nicht erhalten, da der Bereich im 3. Jh. v. Chr. neu gestaltet wurde.[2.10]

Westlich der Straße 7 wurden SĂ€ulenreste aus der Mitte des 5. Jahrhunderts entdeckt, die zu einer Halle oder einem SĂ€ulengang gehörten. Das GebĂ€ude selbst wurde Stand 2012 noch nicht ausgegraben. Dieses zivile oder religiöse öffentliche GebĂ€ude erinnert an die Architektur des Mittelmeerraums, derartige GebĂ€ude kommen bei einheimischen Bauten vor dem 3. Jh. kaum vor, es ist daher ein weiterer Fall bei dem in Pech Maho griechische Elemente frĂŒh ĂŒbernommen wurden.[2.11]

SpĂ€testens im 4. Jh. v. Chr. wurden auch GebĂ€ude außerhalb der Mauern errichtet. Am Hang hinunter zur Berre wurde ein ausgebrannter Getreidespeicher gefunden. Getreide wurde aber auch innerhalb der Mauer gespeichert, denn hier wurden gemeinschaftliche Getreidesilos entdeckt, die fĂŒr lĂ€ngerfristige Speicherung großer Mengen genutzt werden konnten. Es wird vermutet, dass hier Getreide aus der Gegend fĂŒr den Export auf dem Seeweg gespeichert wurde.[2.12]

Die lokale Keramik wurde zunehmend mit Hilfe von Töpferscheiben hergestellt; sie wird dem ibero-languedocischen Kulturkreis zugerechnet.[4] Der Handel mit den Etruskern nahm stark ab, wĂ€hrend Massilia und EmpĂșries ihre Position stĂ€rken konnten. Bei den importierten Amphoren stieg der Anteil Massilias stark an, die iberischen bildeten jedoch weiterhin die Mehrheit. Der Import feiner attischer Keramik hatte seinen Höhepunkt in der ersten HĂ€lfte des 4. Jh. Vermutlich wurden diese Trinkschalen hauptsĂ€chlich ĂŒber EmpĂșries eingefĂŒhrt.[2.13]

Übergang von Pech Maho II zu III

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Mitte oder Ende des 4. Jh., am Übergang von Pech Maho II zu III, kam es zu wesentlichen Umbauten. Block IV wurde neugestaltet um die Straße 2 anlegen zu können. SĂŒdöstlich von Platz 1 wurden Fundamente zweier VotivsĂ€ulen angelegt. Am Fuß der einen wurden Überreste angenagelter menschlicher SchĂ€del gefunden, daher wird angenommen, dass hier eine „SĂ€ule mit abgetrennten Köpfen“ gestanden hat. Derartige SĂ€ulen sind aus dem keltischen Raum bekannt, sie dienten der Zurschaustellung der Köpfe besiegter Feinde.[2.13]

Pech Maho III, 325/300 – 225/200

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In der dritten Periode von 325/300 bis 225/200 v. Chr. entwickelte sich die Stadt weiter. Der Handel mit EmpĂșries nahm zu, wie Keramikfunde und Amphoren von dort belegen. Einige von diesen sind mit iberischer Schrift verziert. Auch drei Bleibleche mit iberischer Schrift aus dieser Zeit wurden gefunden.[4]

Wenig ĂŒberraschend ist die Aufteilung der Stadt in der jĂŒngsten, obersten Schicht aus dem 3. Jh. v. Chr. heute am besten bekannt.[2.14]

Zugang von außen zum Stadttor

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Ende des 4. Jh., also am Anfang von Pech Maho III, wurde das Zugangssystem zum Stadttor verĂ€ndert. Im Luftbild lĂ€sst sich in der Stadtbefestigung in der rechten HĂ€lfte mittig gut ein ungefĂ€hres Quadrat mit einem vorgelagerten Halbkreis erkennen, das Fundament eines Turms, der vermutlich etwa 15 Meter hoch und ein wichtiges Element der Verteidigungsanlage war. Östlich dieses Turms wurden große Steine so in das VorgelĂ€nde eingelassen, dass ihre Spitzen noch deutlich aus dem Boden ragten und somit ein Hindernis darstellten. Ein leichter Zugang bis hier war dadurch nur direkt von SĂŒden möglich. Ab dem Turm mussten sich Ankommende einige Dutzend Meter parallel zur Mauer bewegen, um zum Stadttor weiter westlich zu gelangen. Eventuelle Angreifer mussten dadurch ihre rechte Seite den Verteidigern oben auf der Mauer prĂ€sentieren, die Seite, die in der Regel nicht durch ein Schild geschĂŒtzt war.[2.15]

Auf der Höhe des Stadttors erreichten die Ankommenden eine angelegte Terrasse. Dort mussten sie im spitzen Winkel nach rechts abbiegen um den Gang zum Tor zu erreichen. Dieser wurde westlich von einem Ein-Viertel-Turm und östlich vom Ende einer Bastion begrenzt, die hier eine dritte Verteidigungslinie bildete. Das Tor war zurĂŒckgesetzt und schrĂ€g eingebaut. Durch diese Gesamtanordnung war es nicht möglich, mit Belagerungsmaschine direkt das Tor zu schießen. Der Turm wĂŒrde Geschosse ablenken und ihre Wirkung vermindern. Diese Anordnung wurde wohl durch Ideen aus der griechischen Welt inspiriert.[2.15]

Die steilen West- und Nordost-HĂ€nge wurden durch eine durchgehende Mauer geschĂŒtzt, an die teilweise HĂ€user angebaut waren.[2.15]

Öffentlicher Bereich um den Hauptplatz am Stadttor

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Blick vom Platz 1 in Straße 2. Links der Block IV, rechts die Stadtmauer.

Das Stadttor in der Festungsmauer konnte durch eine DoppeltĂŒr verschlossen werden. Seine Schwelle zeigt deutliche Karrenspuren. Hinter dem Tor erstreckte sich der grĂ¶ĂŸte Platz der Stadt (heute Platz 1 oder Straße 1 genannt), etwa 20 Meter lang und 6 Meter breit. Am sĂŒdöstlichen Rand standen die beiden VotivsĂ€ulen, an die der Block IV anschließt. Am Nordende und sĂŒdlichen Rand von Block III ist der Sockel einer SĂ€ulenhalle oder ĂŒberdachten Galerie. Ein Ă€hnliches GebĂ€ude wird fĂŒr die Westseite des Platzes vermutet.[2.14]

Der westlich des Platzes gelegene Block IV besteht aus zwei Einheiten. Die am Platz gelegene, westliche Einheit (109) war von Norden (Straße 4) und SĂŒden (Straße 2) zugĂ€nglich. Neben einem kleineren, gut geschĂŒtzten Lagerraum, an dem eine TĂŒrschlossplatte gefunden wurde, und einem Innenhof hat das GebĂ€ude im nördlichen Teil einen großen 30 Quadratmeter großen Lagerraum mit ĂŒber einem Dutzend Dolia. Harzreste lassen vermuten, dass sie fĂŒr Wein verwendet wurden. Hinweise auf eine Bewohnung fanden sich dagegen nicht. Die fĂŒnf RĂ€ume dieser Einheit sind zusammen knapp 70 Quadratmeter groß. Die andere, östliche HĂ€lfte des Blocks IV (Einheit 110) enthielt eine 46 Quadratmeter große Schmiede mit drei ArbeitsplĂ€tzen mit je einem Ofen und einem gepflasterten Bereich.[2.14][7]

Die Straße 2 lĂ€uft vom Hauptplatz Richtung Osten auf die Stirnseite von Block I zu, wo sie sich platzĂ€hnlich verbreitert und den Blick auf ein Ensemble mit vermutlich öffentlichen Funktionen freigibt. Die beiden sĂŒdlichen Einheiten der Stirnseite (102 und 119) waren von hier aus zugĂ€nglich, ĂŒber einen Sockel zu dem Stufen fĂŒhrten. Möglicherweise standen auf dem Sockel SĂ€ulen, die ein Vordach trugen. Auf dem Sockel fand sich ein Grab einer vermutlich verehrten Persönlichkeit, dass durch eine Stele markiert war. Der Fund ist besonders, weil die Toten normalerweise außerhalb der Wohnbereiche der Lebenden, in Nekropolen, bestattet wurden. Möglicherweise handelte es sich um ein Heroon. Im sĂŒdlichen Bereich des Sockels befanden sich zwei kleine, direkt an die Stadtmauer angelehnte RĂ€ume, die als Kapellen interpretiert wurden. Einheit 102, in der Mitte der Stirnseite des Blocks I, war ein GebĂ€ude fĂŒr ZusammenkĂŒnfte, 36 Quadratmeter groß. Hier wurden zahlreiche Trinkschalen gefunden. Einheit 119, direkt an der Stadtmauer gelegen, besteht aus einem Hauptraum und einem kleinen Nebenraum in der rechten hinteren Ecke, zusammen 39 Quadratmeter groß. In der Mitte des Hauptraums wurde ein kleines steinernes Becken gefunden, das von drei Dolia und einer Amphore umgeben ist. In zwei Ecken wurde je ein weiteres Becken mit Dolium gefunden. Es wird vermutet, dass der Raum eine religiöse Funktion hatte.[2.16][7]

Die Vielzahl der GebĂ€ude mit Gemeinschaftsfunktionen am Stadttor und Hauptplatz lĂ€sst an einen Ort des Austauschs und des Handels denken, an dem die staatliche AutoritĂ€t auch durch die Architektur widergespiegelt wurde und an dem auch religiöse Motive fĂŒr alle sichtbar waren, Ă€hnlich einer griechischen Agora oder einem römischen Forum.[2.17]

Restlicher Block I

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Teil des an die Stadtmauer angebauten Block I, von Nordwesten gesehen. Davor die Straße 4.

An die Einheit 102 schließt sich nördlich Einheit 101 an, ein Lagerraum fĂŒr Dolia, dessen TĂŒr nach Norden auf die Straße 4 geht. Er wird als ein weiterer gemeinschaftlich genutzter Raum gedeutet. Zwei Holzpfeiler in der Mitte des Raums stĂŒtzten das Dach.[2.18]

Die östlich anschließenden weiteren sechs Einheiten des sich an der Stadtmauer entlang ziehenden Blocks I haben ihre EingĂ€nge ebenfalls nach Norden hin, zur Straße 4. Einige der zugehörigen HĂ€user werden als LĂ€den interpretiert, einer als Schmiede, als Lagerraum oder einer Kombination dieser Funktionen. Manche waren wohl nicht nur ArbeitsstĂ€tten, sondern auch bewohnt, erkennbar an Funden wie GetreidemĂŒhlen, FeuerstĂ€tten, KochgefĂ€ĂŸen und Geschirr. Einige hatten mehrere RĂ€ume, darunter Innenhöfe, die auch der Beleuchtung der angeschlossenen RĂ€ume dienten. WohnrĂ€ume waren im hinteren Bereich, an die Stadtmauer angelehnt. Es finden sich architektonische Ähnlichkeiten zu iberischen HĂ€usern, speziell im heutigen Katalonien.[2.18]

Einheit 106 von der Straße aus gesehen. Der rechte Außenwand des GebĂ€udes fehlt auf der Aufnahme.

In allen der sechs Einheiten fanden sich Hinweise auf Schmiedearbeiten. Da diese auch in Block IV und Block III zu Tage kamen, wird angenommen, dass Eisenverarbeitung eine der HaupttĂ€tigkeiten in Pech Maho war. Das Rohmaterial kam aus den Montagne Noire in Form von Barren an die KĂŒste um hier verarbeitet zu werden. Im vorletzten Haus (106) befand sich unter anderem ein Lagerraum mit einigen Dolia. Hier auch Trichter gefunden, die aus umgearbeiteten Amphoren hergestellt wurden. Außerdem fanden sich vier Bleirollen, die in iberischer Schrift Handelsdokumente enthielten. Zusammen deutet dies darauf hin, dass Waren hier nicht nur gelagert, sondern auch umgefĂŒllt und verwaltet wurden.[2.19]

Block II stellt bezĂŒglich seiner Aufteilung und der Funde im Vergleich zu den anderen einen Sonderfall dar. Leider ist bisher nur der westliche Teil ausgegraben, der im Westen an die Straße 3, im Norden an die Straße 5 und im SĂŒden an die Straße 4 angrenzt. Hier liegt er gegenĂŒber von Einheit 101 in Block I. Die Grenze der bisherigen Ausgrabungen beschrĂ€nkt den bisher bekannten Teil des Blocks nach Osten hin. In diesem Block sind alle RĂ€ume im inneren miteinander verbunden, er besteht also nur aus einer Einheit. Im ausgegrabenen Teil fanden sich 13 RĂ€ume (einschließlich Innenhof) mit zusammen 390 Quadratmetern. Es fanden sich keine Hinweise auf religiöse, handwerkliche oder HandelstĂ€tigkeiten. Es wird daher vermutet, dass es sich um die Residenz einer oder mehrerer hochgestellter Personen handelte. Diese Vermutung wird unterstĂŒtzt durch die Lage im Zentrum und am höchsten Punkt der Siedlung.[2.20][7]

Vermutlich entstand dieses GebĂ€ude gegen Ende des 4. Jahrhunderts, wĂ€hrend des Übergangs von Pech Maho II zu III, durch das zusammenlegen zweier Blocks durch Überbauen einer Nord-SĂŒd-Straße. Zwei EingĂ€nge in benachbarten RĂ€umen fĂŒhren auf die Straße 3. Einige der RĂ€ume wurden zur Lagerung verwendet, andere zur Essenszubereitung, aber nicht immer erlaubt die Fundlage die Zuordnung eines Raumes zu einer Funktion.[2.20][7]

Weitere Funde sind aus den Blocks X und III beschrieben, wobei letzterer noch wenig erforscht ist. Mit Funden wie Dolia, Amphoren, Tischkeramiken, Feuerstellen und Eisenschlacke wurden verschiedenen RĂ€umen als LagerrĂ€ume, KĂŒchen und WohnrĂ€ume oder Schmieden gedeutet.[2.21][7]

Der Block X in seiner letzten Form wurde im 3. Jh. ĂŒber einem Ă€lteren Haus vermutlich aus dem 4. Jh. erbaut. Soweit dessen Grundriss rekonstruierbar ist, ist dieser im Languedoc oder in iberischen Siedlungen sonst völlig unbekannt. Er Ă€hnelt jedoch einem griechischen Grundriss der Zeit, dem Pastashaus. Es wird daher spekuliert, ob sich Einheimische eines griechischen Grundrisses bedient haben, oder ob der Bau möglicherweise als Haus eines griechischen HĂ€ndlers entstand und somit einen Hinweise auf eine ethnisch gemischte Einwohnerschaft gelten könnte.[2.22]

Keramik- und MĂŒnzfunde

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Die Keramikfunde aus dem 3. Jh. v. Chr. zeigen eine starke Einbindung in die iberische Handelswelt und besonders mit EmpĂșries. Ibero-katalanische Amphoren treten zunehmend auf, genauso wie eingeritzte iberische Wörter auf Amphoren. Einige sind Namen von HĂ€ndlern oder EmpfĂ€ngern, darunter zahlreiche iberische Namen, andere Worte stehen fĂŒr Volumen oder Mengenangaben. In der Umgebung von EmpĂșries, der Baie de Rosas, gab es griechische KeramikwerkstĂ€tten, deren schwarzglasierte Ware sich finden lĂ€sst, ebenso wie graue Keramiken von der katalanischen KĂŒste. Unter den in dieser Schicht gefundenen Amphoren sind punische erwĂ€hnenswert, sowie griechisch-italische Weinamphoren aus der Gegend von Neapel – Ischia, die ab dem 3. Jh. zahlreich ĂŒber EmpĂșries nach Pech Maho gelangten und jene aus Marseille zunehmend ersetzten.[2.23]

Es bestanden auch enge Verbindungen mit den im sĂŒdlich benachbarten Roussillon siedelnden Sorden und ihrer Hauptstadt Ruscino nahe dem heutigen Perpignan. Von dort wurde viel graue Keramik und auch Dolia importiert. Letztere sind hĂ€ufig gestempelt, wobei die Stempelbilder keltische und iberische Motive kombinieren und einige auch iberische Schriftzeichen oder Worte beinhalten.[2.23]

Auch einige MĂŒnzen aus Marseille, EmpĂșries und Karthago aus dieser Zeit wurden gefunden.[2.23]

Nahrungsgrundlagen

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Die Zahl der Nahrungsquellen ist im 3. Jh. gestiegen. Aus gefundenen landwirtschaftlichen GerÀten wird geschlossen, dass ein Teil der Nahrung lokal produziert wurde. Ein Teil muss aber auch durch Handel erworben worden sein. Die hÀufigsten Nahrungspflanzen waren Weizen und Gerste, weniger stark vertreten waren Hirse, Erbsen, Hafer, Oliven und Weintrauben. Haustiere (Schafe, Ziegen, Rinder) waren hÀufiger Nahrung als Wild. Fisch und Schalentiere, besonders Miesmuscheln waren ebenfalls von Bedeutung.[2.24]

Zerstörung um 225/200

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Gegen Ende des 3. Jh. v. Chr. wurde das Oppidum durch Kriegshandlungen zerstört, teilweise abgebrannt und danach nicht wieder aufgebaut. Welche Kriegspartei hierbei beteiligt war, ist nicht bekannt, verschiedene Hypothesen werden diskutiert. In den Ruinen wurden vier als Wurfgeschosse verwendete Steinkugeln (lithobolos) gefunden, sowie ein Katapult-Projektil mit Eisenkopf. Beides weist auf den Einsatz von Belagerungsmaschinen hin, was einen Kampf mit benachbarten iberischen oder einwandernden keltischen StĂ€mmen (den Volcae) ausschließt. Vielmehr muss eine der hochentwickelten Mittelmeer-Kulturen involviert gewesen sein. Drei Szenarien werden erwogen.[6]

Die Zerstörung könnte mit dem Zug von Hannibal im Zweiten Punischen Krieg von Spanien nach Italien im Jahr 218 zusammenhĂ€ngen. Vermutlich ist seine Armee auf dem Weg von Spanien nach Italien auf dem Landweg ĂŒber die Via Heraclea direkt unterhalb von Pech Maho vorbeigezogen. Die PlĂŒnderung der von einigen Dutzend Bewaffneten beschĂŒtzten Siedlung zur Versorgung seiner Armee wĂ€re Hannibal sicher möglich gewesen. Es ist von Titus Livius ĂŒberliefert, dass Hannibal sich nach dem Überschreiten der PyrenĂ€en in Ruscino nahe dem heutigen Perpignan mit lokalen StammesoberhĂ€uptern traf und eine Vereinbarung schloss, die ihm freien friedlichen Durchzug erlaubte. Ein Angriff auf Pech Maho wĂ€re in Bruch dieser Vereinbarung gewesen, die den nachfolgenden Durchzug durch die nordöstlich gelegenen Gebiete sicher erschwert hĂ€tte. Allerdings schreibt Polybios, das Hannibal die Gunst einiger gallischer FĂŒhrer gewann und andere nötigte, so dass der Durchzug womöglich doch nicht immer friedlich war. Ein Angriff durch Hannibal wird als zwar plausibel aber sehr unsicher angesehen.[6]

Zehn Jahre spĂ€ter, im Jahr 208 sendeten die Karthager VerstĂ€rkung fĂŒr Hannibal unter dem Kommando seines Bruders Hasdrubal. Über den Zug dieser Armee ist wenig bekannt, nur dass sie den gleichen Weg nahm wie Hannibal.[6]

Auch eine Zerstörung durch die Römer ist denkbar, als diese als Ergebnis des zweiten punischen Krieges die Herrschaft ĂŒber Iberien ĂŒbernahmen und ein strategisches Interesse am Landweg unterhalb von Pech Maho haben mussten.[6]

Nach der Zerstörung: Pech Maho IV

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Neuere Untersuchungen konnten archÀologische Spuren entdecken, die erst nach der Zerstörung entstanden sind. Diese werden in zwei Abschnitte unterteilt: Pech Maho IVa entspricht der unmittelbaren Folgezeit der Zerstörung. IVb umfasst die gelegentlichen Nachweise von Spuren aus der ersten HÀlfte des 2. Jh. v. Chr.[6]

Exakte Abschrift eines iberischen Textes auf einer Bleirolle, die in Pech Maho gefunden wurde.

In Pech Maho wurden neben Schriftzeichen auf Keramiken auch einige Bleitafeln gefunden, in die lÀngere Texte eingeritzt waren.

Die Ă€lteste Tafel wurde anhand der Inschriften auf das 5. Jh. v. Chr. datiert. Sie ist auf einer Seite etruskisch und auf der anderen in archaischem ionischem Griechisch beschriftet. WĂ€hrend der etruskische Text nicht gelesen werden kann, gibt es fĂŒr den griechischen eine Übersetzung. Er beschreibt den Kauf eines Botes einer nicht genannten Person von Personen aus EmpĂșries, mit den gezahlten BetrĂ€gen und Übergabeort „am Fluss“, vermutlich an der Berre. Einige Zeugen der Übergabe werden namentlich genannt, einige haben iberische, andere gallische Namen.[2.25][4]

Der Text ist nicht nur ein frĂŒher Beleg fĂŒr den Handel mit EmpĂșries, er beschreibt auch die strukturierte Abwicklung eines HandelsgeschĂ€fts und bezeugt damit die Integration Pech Mahos in die mediterrane Handelswelt. MĂŒnzen wurden in SĂŒdgallien erst ab dem 1. Jh. v. Chr. verwendet, es wurde Tauschhandel betrieben. Die Tafel ist einer der frĂŒhesten Belege, dass einheimische HĂ€ndler mit den mediterranen HĂ€ndlern aber schon sehr viel frĂŒher Geldhandel betrieben und so als Vermittler zwischen diesen und der einheimischen Bevölkerung dienen konnten.[2.25]

Weitere Bleitafeln konnten ins 3. Jh. v. Chr. datiert werden. Sie tragen iberische Schrift, die nur teilweise ĂŒbersetzt werden kann. Es handelt sich ebenfalls um kommerzielle Texte.[2.25]

Name der Siedlung

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Der heutige Name ist okzitanischen Ursprungs. Pech bedeutet HĂŒgel. Die Schreibweise Maho existiert erst seit 1913. Ein wissenschaftlicher Artikel von 1988[8] bezeichnet diese Schreibweise als frei erfunden fĂŒr Mau. Pech Mau bedeutet wörtlich ĂŒbersetzt „schlechter HĂŒgel“. Warum der HĂŒgel schlecht sein sollte, ist unklar. Es wird auch die Ableitung von „Pech des Maures“, also HĂŒgel der Mauren diskutiert, der auf die Schlacht an der Berre zurĂŒckgehen könnte, die hier 737 geschlagen wurde, zwischen einem frĂ€nkischen Heer und muslimischen Truppen, die aus al-Andalus hier anlandend zur VerstĂ€rkung der von frĂ€nkischen Truppen belagerten Stadt Nabonne kamen.[8]

Der antike Name des Ortes ist unklar. In den Ruinen der im heutigen Katalonien gelegenen griechischen Stadt EmpĂșries wurde eine in ionischem Griechisch beschriftete Bleitafel gefunden, die etwa 480–460 v. Chr. erstellt wurde. Es ist ein Handelsbrief, der den Ortsnamen ΣαÎčÎłÎŹÎœÎžÎ· (Saiganthe) enthĂ€lt. 1988 wurde zunĂ€chst vorgeschlagen, dass sich der Name auf Sagonte (Sagunt) bezieht und auch andere VorschlĂ€ge wurden gemacht. 2014 wurde schließlich vorgeschlagen, dass dies die griechische Form des Namens des Oppidums von Pech Maho sei. Von diesem Namen sei dann der Name der heutigen Stadt Sigean abgeleitet, auf deren Gebiet das ehemalige Oppidum heute liegt.[9]

Forschungsgeschichte

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Ausgrabungen 2011

Die Stelle wurde 1913 entdeckt und zunĂ€chst von einer lokalen Amateurvereinigung ausgegraben. Dabei kamen Pferdeskelette und Teile von RĂŒstungen zum Vorschein, so dass zunĂ€chst spekuliert wurde es könne sich um den Schauplatz der Schlacht an der Berre handeln. Bald belegten weitere Funde jedoch eine Datierung in vorgeschichtliche Zeiten. Von 1948 bis 1979 fanden vom Centre national de la recherche scientifique (CNRS) finanzierte Ausgrabungen unter der Leitung von Yves Solier statt, auf den auch der Großteil der vorhandenen Dokumentation zurĂŒckgeht. Trotz einiger Publikationen blieb ein großer Teil davon unveröffentlicht. 1998 wurden die Ausgrabungen wieder aufgenommen. Ab 2004 standen sie unter der Leitung von Eric Gailledrat, erneut vom CNRS finanziert.[2.26]

Die Nekropole „des Oubiels“

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Etwa 500 Meter sĂŒdlich[10] oder östlich[11] von Pech Maho wurde eine Nekropole mit GrĂ€bern vom Anfang des 4. bis Anfang des 3. Jh. v. Chr. gefunden. Der Name „nĂ©cropole des Oubiels“ leitet sich vom modernen Namen des Gebiets ab, „plateau des Oubiels“, das bis zum Fuß des HĂŒgels von Pech Maho reicht[11]. Oubiels ist ein okzitanisches Wort fĂŒr Schafgatter.[12] Der Ortsname hier sollte nicht verwechselt werden mit der etwa vier Kilometer westlich liegenden Kirche Notre Dame-des-Oubiels auf dem Gebiet der Gemeinde Portel-des-CorbiĂšres.[2.27][10]

Bereits seit 1860 wurden erste archĂ€ologische Überreste gefunden, Ausgrabungen wurden erst ab 1971 von Yves Solier durchgefĂŒhrt. Er fand etwa 40 „Gruppierungen aus Keramiken, Mettallobjekten und menschlichen Überresten“, so dass auf einen vorgeschichtlichen Friedhof beziehungsweise eine Nekropole geschlossen werden konnte. Landwirtschaftliche Arbeiten auf dem GrundstĂŒck hatten im Laufe der Jahre schwere SchĂ€den an den GrĂ€bern verursacht und GegenstĂ€nde verteilt, so dass genaue SchlĂŒsse zur ursprĂŒnglichen Anordnung hĂ€ufig nicht möglich sind. Auch die Grenzen des GrĂ€berfeldes und damit seine Bedeutung fĂŒr Pech Maho sind nicht bekannt.[10]

Soweit noch feststellbar Ă€hnelte die Bestattungsart anderen zeitgenössischen Orten im Languedoc wie der Nekropole des Oppidum d’EnsĂ©rune. Die Toten wurden bekleidet und geschmĂŒckt auf einem Scheiterhaufen verbrannt, die MĂ€nner mit ihren Waffen. Als Urne fĂŒr die Asche wurde hĂ€ufig eine attische Trinkschale verwendet. Sie kam in eine Grube im Boden. Als Grabbeigaben dienten Vasen, MetallgegenstĂ€nde, Waffen und Speiseopfer. Manche GegenstĂ€nde, darunter Waffen und Bronzeschalen, wurden absichtlich verbogen oder zerstört, vermutlich um sie dem Toten zu weihen. Die verschlossenen GrĂ€ber wurden mit Steinen markiert. Ähnliche Bestattungssitten finden sich in der zeitgenössischen iberischen Welt, besonders im heutigen Katalonien bei Cabrera de Mar und Ullastret.[2.27]

Außer Keramiken wurden 223 Grabbeigaben gefunden. Davon konnten 153 identifiziert werden. Fast die HĂ€lfte (43 %) ist Teil von Bewaffnung, darunter acht Schwerter und sieben Scheiden. Die Schwerter entsprechen dem keltischen Typ La Tene I mit langer und spitzer Klinge. Unter den 18 Lanzenspitzen konnten einige keltischen oder iberischen Typen zugeordnet werden. Unter den weiteren Funden waren ein Schild, ein Soliferrum, ein AnhĂ€nger und ein OhrhĂ€nger aus Gold und zahlreiche GegenstĂ€nde aus Bronze: Vier GĂŒrtelschnallen keltischen Typs aber mit lokalen stilistischen Eigenheiten, eine Fibel und verschiedene Armreifen. Auch zahlreiche Teile von Bronzegeschirr wurden gefunden, sie machen 14 % der identifizierbaren FundstĂŒcke und damit nach Waffen und Körperschmuck (25 %) die drittgrĂ¶ĂŸte Gruppe aus, darunter Henkel von Situla, Teile von Schöpfkellen und ein unbrauchbar gemachter großer tiefer Teller. Keramikgeschirr ist jedoch zahlenmĂ€ĂŸig hĂ€ufiger vertreten. MetallbeschlĂ€ge werden als Überreste von MöbelstĂŒcken, NĂ€gel als Reste von Totenbetten, auf denen die Verstorbenen verbrannt wurden, gedeutet.[10]

Insgesamt zeigen die FundstĂŒcke keltische EinflĂŒsse und hohe Übereinstimmung mit FundstĂŒcken im iberischen Raum, besonders mit den Gebieten direkt sĂŒdlich der PyrenĂ€en. Das Metallgeschirr wiederum zeigt mittelmeerische EinflĂŒsse. Die GĂŒrtelschnallen dagegen wurden so nur im Languedoc gefunden, was fĂŒr eine eigenstĂ€ndige lokale Kulturtradition spricht. Auch die Verbrennungspraktiken des westlichen Languedocs dĂŒrften auf einheimische Traditionen zurĂŒckgehen. Der Fundort gilt daher als Beleg eines eigenstĂ€ndigen ibero-languedocischen Kulturkreises.[10]

Commons: Pech Maho – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. ↑ MinistĂšre d'État Affaires Culturelles: ArrĂȘtĂ©. 10. April 1963, abgerufen am 24. September 2026 (französisch, Anordnung zum Denkmalschutz).
  2. ↑ Eric Gailledrat: Pech Maho, comptoir lagunaire de l’Âge du fer (VIe–IIIe siĂšcle avant notre Ăšre). Hrsg.: Parc naturel rĂ©gional de la Narbonnaise en MĂ©diterranĂ©e (= Carnets du Parc. Band 12). 2012, ISBN 978-2-919202-05-8 (französisch, 72 S.).
    1. 1 2 3 S. 11 – 13
    2. 1 2 S. 14 – 15
    3. 1 2 S. 21 – 23
    4. ↑ S. 20 – 23
    5. ↑ S. 24 – 25
    6. ↑ S. 25 – 30
    7. ↑ S. 25 – 26
    8. 1 2 3 S. 30 – 31
    9. ↑ S. 20
    10. ↑ S. 33 – 34
    11. ↑ S. 34
    12. ↑ S. 37 – 38
    13. 1 2 S. 34 – 35
    14. 1 2 3 S. 38 – 40
    15. 1 2 3 S. 51 – 53
    16. ↑ S. 41 – 44
    17. ↑ S. 44 – 45
    18. 1 2 S. 44 – 46
    19. ↑ S. 46 – 47
    20. 1 2 S. 49 – 51
    21. ↑ S. 48 – 49
    22. ↑ S. 50
    23. 1 2 3 S. 53 – 54
    24. ↑ S. 54
    25. 1 2 3 S. 32
    26. ↑ S. 16 – 17
    27. 1 2 S. 43
  3. ↑ Vestiges de l'oppidum de Pech de Maho. In: POP, Plateforme ouverte du patrimoine. MinistĂšre de la Culture, abgerufen am 24. September 2026 (französisch, Reference de la notice: PA00102905).
  4. 1 2 3 4 5 6 Vestiges d’une occupation humaine Ă  l’ñge du Fer. In: Website der Gemeinde Sigean. Abgerufen am 5. September 2026 (französisch).
  5. ↑ Maria Carme Belarte; Eric Gailledrat; Jordi Principal: The functional and symbolic uses of space in Western Mediterranean protohistory: the Pech Maho example (Sigean, Western Languedoc, France). In: Oxford Journal of Archaeology. Band 30, Nr. 1, 2011, S. 57–83, doi:10.1111/j.1468-0092.2010.00359.x (englisch, wiley.com).
  6. 1 2 3 4 5 6 Eric Gailledrat, Nasrine Anwar, Alexandre Beylier, Henri Duday, SĂ©bastien Munos, Ariane Vacheret: Victorious and defeated: Warfare, rituals and funerary practices at the end of the 3rd century BC in Pech Maho (Aude, France). In: Ancient West & East. Band 16, 2017, S. 113–138, doi:10.2143/AWE.16.0.3214936 (englisch, hal.science).
  7. 1 2 3 4 5 Eric Gailledrat, Maria Carme Belarte: Architecture and Urbanism in the Fortified Settlement of Pech Maho (Sigean, France) in the Third Century BC: A Social and Economic Perspective. In: Oxford Journal of Archaeology. Band 38, Nr. 3, 2019, S. 271–301, doi:10.1111/ojoa.12173 (englisch, wiley.com).
  8. 1 2 Michel Lejeune; Jean Pouilloux: Une transaction commerciale ionienne au -Ve siĂšcle Ă  Pech-Maho. In: Comptes rendus des sĂ©ances de l’AcadĂ©mie des Inscriptions et Belles-Lettres. Band 132, Nr. 3, 1988, S. 526–536, doi:10.3406/crai.1988.14636 (französisch, persee.fr).
  9. ↑ MarĂ­a JosĂ© Pena: Quelques rĂ©flexions sur les plombs inscrits d’Emporion et de Pech Maho. Pech Maho Ă©tait-il un „comptoir du sel“ ? In: Revue des Études Anciennes. Band 116, Nr. 1, 2014, S. 3–21, doi:10.3406/rea.2014.5857 (französisch, persee.fr).
  10. 1 2 3 4 5 Nasrine Anwar: La nĂ©cropole Ă  incinĂ©ration des « Oubiels » (Sigean, Aude) : le mobilier non cĂ©ramique des IVe–IIIe siĂšcles av. J.-C. In: Philippe Barral u. a. (Hrsg.): L’ñge du Fer en Basse-Normandie. Gestes funĂ©raires en Gaule au Second-Âge du Fer. Presses universitaires de Franche-ComtĂ©, 2011, doi:10.4000/books.pufc.7242 (französisch, openedition.org).
  11. 1 2 Oppidum de Pech Maho. In: Sigean.fr. Commune de Sigean, abgerufen am 11. Oktober 2026 (französisch).
  12. ↑ ReinadouĂŻro, Sainte-Marie des Oubiels. In: MaClape.com. Abgerufen am 11. Oktober 2026 (französisch).

Koordinaten: 43° 2â€Č 44,5″ N, 2° 57â€Č 22,4″ O