Peter Graf (Maler)
Peter Graf (* 4. Juni 1937 in Crimmitschau) ist ein deutscher Maler und Grafiker.
Leben und Werk
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Graf nahm von 1949 bis 1950 bei Karl Michel an Zeichenkursen der Volkshochschule Zwickau teil. Nach dem Tod seines Vaters zog Graf 1952 mit Mutter und Bruder nach Dresden. Dort nahm er privaten Unterricht bei Heinz Drache. Dann besuchte er Kurse für Malerei von Jürgen Böttcher an der Volkshochschule und befreundete sich u. a. mit Winfried Dierske, Peter Herrmann, Ralf Winkler (A.R. Penck) und Peter Makolies. Ab 1953 besuchte er bei Jürgen Böttcher Abendkursen an der Volkshochschule. „Die Künstler um diesen Freundeskreis (eine Art Dresdner ‚Fauves‘) hatten sich … in einem Hinterhaus an der Hechtstraße eine eigene Galerie geschaffen, die, obgleich von geringerer Publizität, mit der Galerie Kühl und dem Leonhardi-Museum … wetteiferte.“[1] Graf war Mitglied der Künstlergruppe Erste Phalanx Nedserd. 1956 begann Graf ein Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Er wurde jedoch schon nach einem Jahr, wie auch sein Freund Georg Baselitz, exmatrikuliert. Graf zog daraufhin wieder nach Dresden, wo er seinen Lebensunterhalt als Transportarbeiter, LKW-Fahrer, Lagerist und Gabelstaplerfahrer sicherte und nach Feierabend malte. Dadurch gelang es ihm, künstlerisch von der Gängelung durch das DDR-Regime unabhängig zu bleiben. Graf wurde zu einem Geheimtipp in Künstler- und Intellektuellenkreisen der DDR. 1961 wurde die Öffentlichkeit das erste Mal auf Graf aufmerksam, als er an der wesentlich von Fritz Cremer initiierten Ausstellung Junge Künstler. Malerei in der Akademie der Künste der DDR teilnahm. Böttcher porträtierte ihn 1961 in seinem verbotenen Kurzdokumentarfilm Drei von vielen. 1971 gehörte Graf zu den Gründern der Gruppe Lücke, die „Publikum und Funktionäre mit wilden Gesten, infernalischen Auftritten, aber auch subtilen innerkünstlerischen Erkundungen“ provozierte.[2] 1976 gehörte er mit seinen Dresdner Freunden zu den Unterzeichnern des Offenen Briefes, mit dem Kunstschaffende, Schriftsteller und Schauspieler in der DDR gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann protestierten. Graf war von 1975 bis 1990 Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR. Er hatte eine außerordentlich große Zahl von Einzel- und Beteiligungen an Gruppenausstellungen.
Graf lebte und arbeitete seit 1985 freischaffend als Maler und Grafiker in Dresden. Ab 1996 mit seinem Atelier in Radebeul (Gewerbehof Alte Radebeuler Schuhfabrik), lebt er seit 2002 mit seiner Frau, der Malerin Karen Graf (* 1963), und den zwei Söhnen in Radebeul.[3]
Ehrungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1999: Bautzener Kunstpreis
- 2000: Egmont-Schaefer-Preis für Zeichnungen
- 2001: Hans-Theo-Richter-Preis der Sächsischen Akademie der Künste[4]
- 2007: Kunstpreis der Großen Kreisstadt Radebeul
- 2021: Ehrenmitglied der Sächsischen Akademie der Künste
Museen und öffentliche Sammlungen mit Werken Grafs (unvollständig)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Altenburg: Lindenau-Museum
- Dresden; Galerie Neue Meister[5]
- Dresden: Kupferstichkabinett[5]
- Dresden: Sächsischer Kunstfonds[5]
- Berlin: Neue Nationalgalerie
- Berlin: Stiftung Kunstforum der Berliner Volksbank[6]
- Köln: Museum Ludwig
Werke (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Teilnahme an Gruppenausstellungen (unvollständig)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1961: Berlin, Deutsche Akademie der Künste („Junge Künstler. Malerei“)
- 1976: Karl-Marx-Stadt, Städtische Museen („Jugend und Jugendobjekte im Sozialismus“)
- 1979 und 1985: Dresden, Bezirkskunstausstellungen
- 1987/1988: Dresden, X. Kunstausstellung der DDR
- 1991/1992: Kunsthalle Nürnberg und Altenburg Lindenau-Museum ("Erste Phalanx Nedserd. Ein Freundeskreis in Dresden 1953-1965")
- 2003: Nationalgalerie (Berlin) ("Kunst in der DDR"); Berlin Martin-Gropius-Bau ("Berlin-Moskau-Berlin")
- 2019: Museum der bildenden Künste Leipzig ("Point of No Return. Wende und Umbruch in der ostdeutschen Kunst")
- 2025: Berlin, Sammlung Scharf-Gerstenberg ("Strange! Surrealismen 1950-1990 aus den Sammlungen der Nationalgalerie")
- 2025: Dresden, Galerie Hieronymus („Ausstellung Malerei“, mit weiteren 10 Dresdner Künstlern)[8]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Graf, Peter. In: Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 274.
- Peter Graf. Peter Graf (Hrsg.), Edition Rothes Haus, Schwetzingen, 2021, ISBN 978-3-933495-30-3
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Kunst in der DDR: Peter Graf
- Sächsische Akademie der Künste Peter Graf
- Literatur von und über Peter Graf im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Suche nach Peter Graf (Maler). In: Deutsche Digitale Bibliothek
- Werke von Peter Graf in der Werkdatenbank Bildende Kunst Sachsen
- Peter Graf, Bildindex der Kunst & Architektur
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Lothar Lang: Malerei und Graphik in der DDR. Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig, 1983; S. 229/230
- ↑ GENIALE DILLETANTEN - Subkultur der 1980er. 21. Mai 2022, abgerufen am 28. September 2023 (deutsch).
- ↑ Kunstpreisverleihung der Großen Kreisstadt Radebeul 2007
- ↑ Hans-Theo-Richter-Preis für Peter Graf, auf sadk.de
- 1 2 3 Graf, Peer. SKD | Online Collection, abgerufen am 20. Oktober 2024.
- ↑ Kunstsammlung online - Stiftung KUNSTFORUM. Abgerufen am 29. September 2026.
- 1 2 Katalog der Ausstellung Junge Künstler-Malerei
- ↑ Enderlein: Ausstellung Malerei | Galerie Hieronymus. 27. Januar 2025, abgerufen am 6. Januar 2026.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Graf, Peter |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Maler |
| GEBURTSDATUM | 4. Juni 1937 |
| GEBURTSORT | Crimmitschau |