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Philipp Holzmann

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Die Philipp Holzmann AG war ein weltweit tĂ€tiger deutscher Baukonzern mit Sitz in Frankfurt am Main. Managementfehler beim Zukauf von Beteiligungen im In- und Ausland sowie bei der Projektentwicklung fĂŒhrten 2002 in die Insolvenz.

Logo der Philipp Holzmann AG (2000)

Unternehmensgeschichte

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Der Sohn Philipp Holzmann im Alter von 24 Jahren, 1860

Das Bauunternehmen wurde 1849 von Johann Philipp Holzmann in Sprendlingen (heute Stadtteil von Dreieich) gegrĂŒndet. Er begann 1818, im Alter von 13 Jahren, nach dem frĂŒhen Tod seines Vaters, seine unternehmerische TĂ€tigkeit mit der WeiterfĂŒhrung der vĂ€terlichen KreuzmĂŒhle (damals Gemarkung Götzenhain, heute Dreieichenhain, beide Stadtteile von Dreieich), anfangs unterstĂŒtzt von seiner Mutter. Er baute zusĂ€tzlich ein SĂ€gewerk und lieferte 1840 Schwellen fĂŒr die Taunus-Eisenbahn. Philipp Holzmann löste sich 1849 mit der GrĂŒndung einer eigenen Firma Holzmann aus einer persönlichen, vertraglich unklaren Verflechtung mit anderen Firmen. Er erweiterte laufend die Leistungen fĂŒr den Eisenbahnbau. Handarbeit und Pferdebetrieb waren damals die einzigen Mittel, um Erdarbeiten auszufĂŒhren. 1865 ĂŒbergab er die Firma „Holzmann“ an seine beiden Söhne Philipp und Johann Wilhelm. Philipp berichtet ĂŒber die Anfangsjahre: „Menschen und an hundert Pferde haben alle unter einem Dach gewohnt. Die Mutter hat fĂŒr alle Aufseher und Knechte gekocht. Der Betrieb ging Tag und Nacht.“ (Hans Meyer-Heinrich, S. 27).[1]

Philipp erweiterte als Unternehmer laufend die GeschĂ€ftsbereiche und war ĂŒberregional ausgerichtet. 1869 bis 1902 war Adolf Haenle Chefarchitekt bei Holzmann. 1873 folgte eine kommerzielle Trennung der Anteile der BrĂŒder und Philipp grĂŒndete die Kommanditgesellschaft Philipp Holzmann & Cie. Wilhelm blieb dem Unternehmen verbunden und ĂŒbernahm nach dem Tod von Philipp 1904 den Vorsitz im Beirat der Firma, bis zu seinem Tod 1913. Eine eigene Baufabrik (siehe Bild des Fabrikhofes) wurde zur UnterstĂŒtzung des eigenen Hochbaus errichtet, so wurden in den achtziger Jahren in der „Holzschneiderei“ von 300 Zimmerleuten Bauteile angefertigt, beispielsweise schwere Tore fĂŒr die Main-Kanalisierung. Im innerstĂ€dtischen Kanalbau war die Firma stark an der hygienischen Sanierung der rasch wachsenden StĂ€dte beteiligt. Weitere Schwerpunkte waren Eisenbahnbau und BrĂŒckenbau.

Internationale Aufmerksamkeit erlangte Holzmann durch die 1903 begonnene und von der Deutschen Bank finanzierte Bagdadbahn. Bereits zuvor war 1888 der französisch-deutschen „Gesellschaft fĂŒr den Bau der Kleinasiatischen Eisenbahnen“ unter Beteiligung von Holzmann der Bau der Bahntrasse İzmit – Ankara ĂŒbertragen worden.[2] Der Italienisch-TĂŒrkische Krieg und der Erste Balkankrieg hatten die Mobilmachung tĂŒrkischer Arbeiter zur Folge.[3] FĂŒr den Bau lieh sich das Unternehmen kostenlos 10.000 armenische Zwangsarbeiter von der Osmanischen Armee, die anschließend mit selbiger Bahn im Zuge des Völkermords an den Armeniern deportiert wurden.[4]

Das zeitweise grĂ¶ĂŸte deutsche Bauunternehmen war anfangs ĂŒberwiegend im Eisenbahnbau tĂ€tig, erweiterte sein Arbeitsgebiet aber bald in alle Bereiche des Hoch- und Tiefbaus. Das erste große Bauprojekt war der 1854 fertiggestellte Schwarzkopftunnel der Main-Spessart-Bahn.

UnterfĂŒhrung der Main-Spessart-Bahn bei Hain
Fabrikhof fĂŒr Zulieferung von Bauteilen
Bauphase des Opernhauses in Frankfurt am Main, 1873–1878
Stammaktie ĂŒber 100 Reichsmark, Frankfurt am Main, Mai 1933

1856 folgte der Umzug nach Frankfurt, wo 1863 eine eigene Baufabrik entstand.

Fortan war die Baugeschichte Frankfurts auch eng mit dem Unternehmen verbunden. In den Jahren 1873 bis 1880 erbaute Holzmann das Frankfurter Opernhaus nach einem Entwurf des Architekten Richard Lucae.

1877 folgte die WettsteinbrĂŒcke ĂŒber den Rhein in Basel als erstes Auslandsprojekt, 1882 der Bahnhof Amsterdam Centraal, 1883 das EmpfangsgebĂ€ude des Hauptbahnhofs Frankfurt, 1885 wurden 8 von 24 Freihafenspeichern der Hamburger Speicherstadt durch die Firma errichtet, 1889 Arbeiten fĂŒr den Nord-Ostsee-Kanal und 1892 der Justizpalast MĂŒnchen. Ebenfalls 1899 beteiligte sich das Unternehmen als Gesellschafter an der Studiengesellschaft fĂŒr Elektrische Schnellbahnen (St.E.S.) in Berlin.

1906 begann das Holzmann-Engagement in SĂŒdamerika mit Beteiligungsgesellschaften in Argentinien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Peru und Uruguay. 1907 war Holzmann am Bau des Elbtunnels in Hamburg beteiligt, 1910 an der Edertalsperre. 1917 folgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft. Auch im Wohnungsbau war das Unternehmen mit den Siedlungen Hellerhof und Riederwald in Frankfurt tĂ€tig. Ein weiteres Großprojekt war 1925 der Hindenburgdamm.

In einer Epoche der Expansion von 1895 bis 1917 etablierte sich die Firma global in vielen TĂ€tigkeitsbereichen. Die Leistung im Ausland nĂ€herte sich dem Umfang der deutschen Projekte an, teils mit NeugrĂŒndungen, so wurde 1912 die „Russische Gesellschaft fĂŒr Hoch- und Tiefbauten Philipp Holzmann & Cie“ gegrĂŒndet, Projekte waren die Erweiterungen der Hafenanlagen von Sankt Petersburg, sowie Baggerungen, Molenbauten und Hellinge (fĂŒr Trockenarbeiten an Schiffen) in Reval. Beginnend 1903 wurden wesentliche Teile der Bagdadbahn erbaut, Ă€hnlich eine Reihe von weiteren Bahnlinien, Hafenanlagen usw. in Afrika. In den USA wurden Talsperren, KanĂ€le und Hafenanlagen gebaut, entsprechend in Argentinien Hafenanlagen, Anlagen fĂŒr die „Deutsch-Überseeische ElektrizitĂ€tsgesellschaft“ sowie die erste Strecke der Untergrundbahn in Buenos Aires. Dabei gab es Behinderungen und RĂŒckschlĂ€ge durch die kriegerischen Ereignisse, so wurden die Gebiete der Tanganjikabahn und Ruandabahn von britischen Truppen besetzt und alle großen Bauwerke mussten gesprengt werden.

Am 30. Oktober 1917 wurde die ĂŒber viele Jahre enge Zusammenarbeit mit der „Internationalen Baugesellschaft“ umgesetzt zur GrĂŒndung der „Philipp Holzmann Aktiengesellschaft“. Damit wurde bewusst eine Organisationsform geschaffen, mit der man auf die sich fĂŒr die Zeit nach Kriegsende abzeichnenden Turbulenzen besser reagieren konnte (Hans Meyer-Heinrich, S. 136).[1] 1920 wurde den Leitern (spĂ€ter: Direktoren) der Niederlassungen grĂ¶ĂŸere Verantwortung bei der Akquisition von AuftrĂ€gen und der BaudurchfĂŒhrung vor Ort ĂŒbertragen (Hans Meyer-Heinrich, S. 139).[1] Deutlich war der Fortschritt der Mechanisierung der BauvorgĂ€nge (Hans Meyer-Heinrich, S. 151):[1] In der Bilanz von 1924 standen in Deutschland 100 Bagger aller Art, 87 KrĂ€ne, 233 Lokomotiven. 665 Pumpen mit Zubehör, insgesamt 56.800 Tonnen GerĂ€te. Das sind bei einer deutschen BelegschaftsstĂ€rke von rund 10.000 Mann fast 6 Tonnen BaugerĂ€t pro Bauarbeiter. Laufend wurde modernisiert, so wurde die Dampfmaschine weitgehend durch den Dieselmotor verdrĂ€ngt.

Die chaotischen VerhĂ€ltnisse wĂ€hrend der Inflation erzwangen auch bei der Philipp Holzmann AG flexible Improvisationen. Strategische Überlegungen zur Sicherung der EnergieverfĂŒgbarkeit fĂŒhrten zu mehr „weißer Kohle“ (ElektrizitĂ€t), innerhalb von sieben Jahren wurden von Philipp Holzmann AG 18 Großbauten (Kraftwerke, Staustufen) erstellt (Hans Meyer-Heinrich, S. 179),[1] so 1931 die Bleilochtalsperre in der oberen Saale.

Der Druck des nationalsozialistischen Regimes durch NichtberĂŒcksichtigung des Unternehmens bei öffentlichen BauauftrĂ€gen fĂŒhrte zur Trennung von den jĂŒdischen Mitgliedern im Vorstand und Aufsichtsrat. Der Vorsitzende des Vorstands Hermann Galewski wurde am 30. Oktober 1933 vorzeitig pensioniert. Der Jurist Charles A. Rosenthal, zustĂ€ndig im Vorstand seit 1921 fĂŒr Rechts- und Vertragswesen, reiste im Herbst nach BogotĂĄ aus, um ĂŒber eine Schweizer Tochtergesellschaft das SĂŒdamerikageschĂ€ft zu koordinieren. Ende 1934 kam es aber auf Druck des Außenpolitischen Amtes der NSDAP zur Trennung von Rosenthal, mit dem fĂŒr die Auflösung seines Vertrages fĂŒr fĂŒnf Jahre eine jĂ€hrliche Abfindungszahlung vereinbart wurde. Daneben mussten im Aufsichtsrat Adolf Meyer, Paul Stern und Max Warburg ihre Mandate aufgeben. Den Vorsitz im Vorstand ĂŒbernahm der Enkel des FirmengrĂŒnders Heinrich Holzmann, der am 1. Juni 1940 in die NSDAP eintrat und BetriebsfĂŒhrer war. Nachdem im Februar 1936 das Vorstandsmitglied Robert Hartmann starb und sein Kollege Otto Richter aus AltersgrĂŒnden in den Aufsichtsrat wechselte, wurden am 1. April 1936 die Prokuristen Friedrich Linsenhoff und Hans Meyer-Heinrich in den Vorstand berufen. 1937 folgte in die Unternehmensleitung Franz Rudolph und 1938 Martin Arndt. Meyer-Heinrich und Rudolph waren seit dem 1. Mai 1933 Mitglieder der NSDAP, Linsenhoff trat im Oktober 1942 ein.[5] Aufsichtsratsvorsitzender war von 1939 bis 1969 Hermann Josef Abs.

Vom Baubedarf im Nationalsozialismus profitierte auch die Philipp Holzmann AG als eines der grĂ¶ĂŸten deutschen Bauunternehmen. In der Zeit von 1933 bis 1939 erhielt Holzmann viele AuftrĂ€ge fĂŒr Industriebauten kriegswichtiger Betriebe, wie den Werkhallen der Brandenburger Motorenwerke, war aber auch an zahlreichen Bauvorhaben des NS-Regimes, meist in Arbeitsgemeinschaften, beteiligt. Dies waren unter anderem das Jagdhaus Karinhall, das neue ReichsbankgebĂ€ude und die Neue Reichskanzlei in Berlin sowie die Kongresshalle NĂŒrnberg und die KdF-Anlage Prora auf RĂŒgen. Beim Reichsautobahnbau war das Unternehmen an 22 Baulosen beteiligt und stellte ĂŒber 300 km Unterbau oder Fahrbahndecken her. Holzmann errichtete die TheißtalbrĂŒcke und in einer Arbeitsgemeinschaft die RheinbrĂŒcke bei Frankenthal.[6] Auch zum Westwall, einer 630 km langen Befestigungslinie an der Westgrenze des Deutschen Reiches, trug die Philipp Holzmann AG bei. Das Unternehmen baute von Ende Juni 1938 bis April 1939 den rund 100 km langen Abschnitt zwischen Weil am Rhein und Nonnenweier. Zusammen mit 85 „Nachunternehmern und Handwerker Akkordanten“ wurden 14.000 Arbeiter und Angestellte eingesetzt und in 621 Bauwerke 440.000 mÂł Beton und Stahlbeton eingebaut. Der Umsatz betrug 30 Millionen Reichsmark.[7]

Nach 1939 war ein Hauptauftraggeber die Organisation Todt. Am Atlantikwall hatte Holzmann mit einer Gesamtauftragssumme von 33,6 Millionen Reichsmark mit 16 Prozent den grĂ¶ĂŸten Anteil aller Bauunternehmen. 1941 beschĂ€ftigte Holzmann rund 21300 Arbeiter und Angestellte, davon waren zirka 9000 auslĂ€ndische Zivilarbeiter und 1300 Kriegsgefangene. Auch am Bauvorhaben des Bunawerks der I.G. Farben in Auschwitz Monowitz war Holzmann beteiligt. Der Auftragsumfang ist jedoch unbekannt.

Auf den kriegswichtigen Baustellen wurden unter anderem Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und KZ-HĂ€ftlinge eingesetzt. Diese wurden im Regelfall von der Organisation Todt oder Wehrmacht beziehungsweise SS gegen entsprechende VergĂŒtung zur VerfĂŒgung gestellt. Als Baustellen können unter anderem genannt werden:

  • Adolf Hitler beauftragte Albert Speer unmittelbar nach dem Sieg ĂŒber Polen, im Oktober 1939, mit dem Ausbau einer Residenz in der Posener „Kaiserpfalz“. Er ließ dort bis 1944 Schlaf-, Arbeits- und Wohnzimmer einrichten. In vier Jahren wurden 27 Millionen Reichsmark verbaut, vor allem von polnischen Arbeitern. Die ausfĂŒhrende Baufirma war Philipp Holzmann. Allerdings hat Hitler die RĂ€ume in Posen nie bezogen.[8]
  • Zu einem der grĂ¶ĂŸten Tiefbunker Berlins zĂ€hlte im Zweiten Weltkrieg die Schutzanlage unter dem Alexanderplatz. Sie wurde von 1941 bis 1943 im Auftrag der Deutschen Reichsbahn von Philipp Holzmann erbaut.[9]
  • Ab November 1942 wurden 34 „Ostarbeiter“, bei denen es sich wohl vorrangig um Russen handelte, bei der Firma Philipp Holzmann AG zu Wiederaufbauarbeiten an den kriegsbeschĂ€digten GebĂ€uden der Berliner CharitĂ© eingesetzt.[10]
  • An dem Projekt Riese der Organisation Todt war Holzmann mit 50 % beteiligt. 12.000 bis 16.000 betrug die PersonalstĂ€rke der Baustelle. Vor allem HĂ€ftlinge des KZ Groß-Rosen und Zwangsarbeiter mussten dort arbeiten.
Kölnarena, Projekt der Philipp Holzmann AG

Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte nur Martin Arndt im Amt bleiben, da er kein Parteimitglied war. Die anderen Vorstandsmitglieder wurden im Rahmen der Entnazifizierungsverfahren ĂŒberprĂŒft. Franz Rudolph, als MitlĂ€ufer eingestuft, nahm seine TĂ€tigkeit am 1. Dezember 1947 wieder auf. Heinrich Holzmann und Friedrich Linsenhoff wechselten in den Aufsichtsrat. Hans Meyer-Heinrich wurde erst 1948 nach dem Tod von Arndt im Februar des gleichen Jahres, gegen Vorbehalte des Betriebsrates, wieder in den Vorstand berufen.[11] Bis auf das GebĂ€ude der Berliner Niederlassung der Philipp Holzmann AG waren alle Niederlassungen zerstört: die BĂŒros in Stettin, Stuttgart, MĂŒnchen, Dresden und Halle waren zerbombt und ausgebrannt.[12]

In den Nachkriegsjahren beteiligte sich die Philipp Holzmann AG an der GrĂŒndung der Frankfurter TrĂŒmmerverwertungsgesellschaft, die in der Aufbereitungs- und Verwertungsanlage fĂŒr TrĂŒmmerschutt aus Bauschutt neues Baumaterial herstellte. Bei den BrĂŒckenbauten ĂŒber den Rhein waren die gesprengten und sperrigen TrĂŒmmer der alten Tragwerke ein schwer zu beseitigendes Hindernis; sie mussten mit UnterwasserschneidgerĂ€ten durch Taucher zerlegt und durch große SchwimmkrĂ€ne aus dem Flussbett geholt werden. Holzmann war u. a. in Frankfurt am Wiederaufbau des Goethe-Hauses, des Rathauses und der Paulskirche beteiligt. Im Verkehrsbereich baute Holzmann auf dem Frankfurter Flughafen und auch bei der Frankfurter U-Bahn mit.

Ferienpark Glockenberg in Altenau. 12 HochhÀuser, ein Hallenbad und eine Eissporthalle wurden im Auftrag der Engelhardt-Gruppe aus Hannover von 1970 bis 1972 in Altenau im Oberharz errichtet

Wichtige Bauvorhaben in Norddeutschland: Eidersperrwerk, Neuer Elbtunnel, KöhlbrandbrĂŒcke, Elbe-Seitenkanal, Kernkraftwerk KrĂŒmmel und weitere Großprojekte.

Krise und Insolvenz 2002

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Vor der Insolvenz 2002 war die Philipp Holzmann AG Jahrzehnte lang das grĂ¶ĂŸte deutsche Bauunternehmen und einer der grĂ¶ĂŸeren „global player“. So erwirtschaftete der Konzern 1994 mit knapp 43.000 Mitarbeitern eine Bauleistung von rund 13,1 Milliarden DM.[13] Das Ende war die Folge von Fehlern des Managements beim Zukauf von Beteiligungen im In- und Ausland sowie bei der Projektentwicklung. Noch im Jahr 1988 betrugen die Bankkredite 88 Millionen DM und Wertpapiere sowie Bankguthaben umfassten ein Viertel der Bilanzsumme.[14] Als Lothar Mayer (* 1933), seit 1992 Vorstandsvorsitzender, Ende 1997 abgelöst wurde, waren Schulden in Höhe von 3,2 Milliarden DM bekannt.[15]

Am 25. Oktober 1999 feierte Philipp Holzmann den 150. Geburtstag. Am 15. November 1999 gab der neue Vorstandsvorsitzende Heinrich Binder eine Überschuldung „aus bisher unentdeckten Altlasten“ bekannt. Es musste ein Verlust von 2,4 Milliarden DM[15] eingerĂ€umt werden, der auch, wie sich erst spĂ€ter herausstellte, einen operativen Verlust von rund 1,1 Milliarden beinhaltete.[15] Am 23. November 1999 waren die Verhandlungen mit den Banken gescheitert, der Insolvenzantrag wurde gestellt. Am 24. November 1999 wurde nach Initiative von Bundeskanzler Schröder ein „Rettungspaket“ verkĂŒndet, mit Übergangskrediten der Banken von einer Milliarde DM und einer BĂŒrgschaft des Bundes von 250 Millionen DM, die erst nach allen neuen Leistungen der Banken eingelöst werden konnte und deshalb nie beansprucht wurde. Ein Konsortium von 19 Banken hatte sich nach weiteren Verhandlungen an der Finanzierung eines Sanierungskonzepts des Unternehmens beteiligt. Das damalige Sanierungspaket umfasste insgesamt 4,3 Milliarden DM und bestand zusĂ€tzlich aus der EinrĂ€umung einer Kreditlinie, der Beteiligung an einer Kapitalerhöhung und dem Tausch von Forderungen in Wandelgenussrechte.[16] Binder trat im Dezember 1999 zurĂŒck, Konrad Hinrichs wurde sein Nachfolger.

Im Rahmen einer Krise der Bauwirtschaft gingen im Konzern die ArbeitsplĂ€tze von 28.300 Ende 1999 bis MĂ€rz 2002 auf 10.600 (25.000 inklusive Nachunternehmen) zurĂŒck. Die Sanierung der Philipp Holzmann AG scheiterte im MĂ€rz 2002 endgĂŒltig, als viele GlĂ€ubigerbanken keine weiteren Kredite geben wollten.[17] Neue Verluste und insgesamt 1,5 Milliarden Euro Verbindlichkeiten bei den Banken fĂŒhrten wegen Überschuldung zur endgĂŒltigen Insolvenz am 21. MĂ€rz 2002. Zu diesem Zeitpunkt bestanden ĂŒberwiegend erfolgreiche Niederlassungen der Philipp Holzmann AG unter anderem in Österreich, USA, China, Saudi-Arabien und Malaysia. Die VerkĂ€ufe erwiesen sich jedoch in den Folgejahren als schwierig; 7000 ArbeitsplĂ€tze konnten durch VerkĂ€ufe gerettet werden.[18]

Insolvenzversteigerung von BaugerÀten

Zur Schuldfrage des Missmanagements wurden Anhaltspunkte bekannt: Im November 2001 hatte sich die Philipp Holzmann AG mit der Haftpflichtversicherung ehemaliger Vorstandsmitglieder außergerichtlich geeinigt. Das Versicherungsunternehmen AIG zahlte danach 38 Millionen DM an die Philipp Holzmann AG. Hintergrund waren die gerichtlich geltend gemachten Schadensersatzforderungen gegen die ehemaligen Vorstandsmitglieder Lothar Mayer, Lothar G. Freitag, Gerhard Lögters, Dieter Rappert, JĂŒrgen Schönwasser und Michael Westphal. Zugleich hatte die Firma mit diesen frĂŒheren VorstĂ€nden separate Vergleiche verhandelt, die einen wesentlichen Verzicht auf Pensionsleistungen beinhalten. Das vereinbarte Vergleichsvolumen liegt bei 50 Millionen DM.[19] Ex-Vorstandschef Lothar Mayer und Ex-Finanzvorstand Michael Westphal wurden 2005 vor das Landgericht Frankfurt geladen, im Zusammenhang mit der Ausstellung von Scheinrechnungen (z. B. 13 Millionen DM fĂŒr einen potentiellen Großflughafen Berlin-Brandenburg in Sperenberg), um einen unerlaubten AktienrĂŒckkauf zu verschleiern – was zu einer Anklage der Untreue wegen gefĂ€lschter Angaben zur Mehrwertsteuer fĂŒhrte.[20]

Der Insolvenzverwalter ĂŒber das Vermögen der Philipp Holzmann AG, Rechtsanwalt Ottmar Hermann, hat bis 2007 im Rahmen von außergerichtlichen Vergleichen vereinbart, dass Kreditinstitute einen Betrag von insgesamt rund 210 Millionen Euro zu Gunsten der Insolvenzmasse zahlen. Im Gegenzug verzichtete der Insolvenzverwalter auf alle gegen die Banken geltend gemachten AnsprĂŒche. Über die Details der Vergleiche wurde Stillschweigen vereinbart. Offiziell hieß es, mit den Vergleichen hĂ€tten alle Beteiligten langjĂ€hrige gerichtliche Auseinandersetzungen vermieden.

Zentrale/Niederlassungen

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Ehemalige Hauptverwaltung, Taunusanlage 1, Frankfurt am Main

Die Zentrale befand sich in Frankfurt in der Taunusstraße, auf dem GelĂ€nde des Hochhauses Skyper. Dem zu FĂŒĂŸen steht die ehemalige Hauptverwaltung des Holzmann-Konzerns, ein denkmalgeschĂŒtzter ReprĂ€sentationsbau aus dem Jahr 1915.

Hauptniederlassungen gab es unter anderem in Berlin, DĂŒsseldorf, Hamburg, Hannover, Stuttgart und MĂŒnchen.

Börsennotierungen

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Die Philipp Holzmann AG besteht derzeit nur als Mantelgesellschaft weiter (Stand: 2019). Trotz der Insolvenz 2002 sind Aktien[21] weiterhin noch in Frankfurt, DĂŒsseldorf und Stuttgart börsennotiert.[22]

Aktienanteil gehalten bei der Deutschen Bank

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Etwa 19 % der Gesellschaft befanden sich per 17. April 2002 gemĂ€ĂŸ Bundesanstalt fĂŒr Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) laut meldepflichtigem Unternehmen noch im Besitz der Deutschen Bank Aktiengesellschaft.[23]

  • Hans Meyer-Heinrich (Hrsg.): Philipp Holzmann Aktiengesellschaft. Im Wandel von hundert Jahren 1849–1949. Umschau Verlag, Frankfurt am Main 1949.
  • Manfred Pohl: Philipp Holzmann. Geschichte eines Bauunternehmens 1849–1999. Verlag C. H. Beck, MĂŒnchen 1999, ISBN 3-406-45339-2.
  • Holzmann steht vor dem Aus. In: Tagesspiegel vom 22. MĂ€rz 2002, S. 17 (Chronik der Entwicklung zur Insolvenz)
Commons: Philipp Holzmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 5 Hans Meyer-Heinrich (Hrsg.): Philipp Holzmann Aktiengesellschaft, im Wandel von hundert Jahren 1849–1949. Umschau Verlag, Frankfurt am Main 1949.
  2. ↑ Mit Volldampf in den Orient - Der Bau der Anatolischen Eisenbahn., In: Der Spiegel, 2. September 2013, abgerufen am 26. Dezember 2023.
  3. ↑ Manfred Pohl: Philipp Holzmann – Geschichte eines Bauunternehmens 1849–1999. S. 103
  4. ↑ Azize Tank zur Armenier-Resolution: "Nicht nur eine Geschichte der TĂŒrkei". Deutschlandradio Kultur. 2. Juni 2016. Abgerufen am 10. Juni 2016.
  5. ↑ Manfred Pohl: Philipp Holzmann – Geschichte eines Bauunternehmens 1849–1999. S. 193–204.
  6. ↑ Manfred Pohl: Philipp Holzmann – Geschichte eines Bauunternehmens 1849–1999. S. 210–216.
  7. ↑ Manfred Pohl: Philipp Holzmann – Geschichte eines Bauunternehmens 1849–1999. S. 240–245.
  8. ↑ Heinrich Schwendemann: Das Posener Schloß – Von der „Kaiser“- zur „FĂŒhrerresidenz“. S. 124. (Memento des Originals vom 7. Oktober 2007 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF; 6,7 MB)
  9. ↑ Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 18. April 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  10. ↑ Steffen RĂŒckl: Ein unrĂŒhmliches Erbe – Zwangsarbeit- und Kriegsgefangeneneinsatz an der Friedrich-Wilhelms-UniversitĂ€t 1939-1945. (PDF; 2,3 MB) In: HUMBOLDT Die Zeitung der Alma Mater Berolinensis. Ausgabe 7 2004 / 2005. Humboldt-UniversitĂ€t zu Berlin, 13. Mai 2005, S. 3, abgerufen am 5. Mai 2023.
  11. ↑ Manfred Pohl: Philipp Holzmann – Geschichte eines Bauunternehmens 1849–1999. S. 285–290
  12. ↑ Manfred Pohl: Philipp Holzmann: Geschichte eines Bauunternehmens 1849-1999. C.H.Beck, MĂŒnchen 1999, S. 278. ISBN 3-406-45339-2.
  13. ↑ Wernhard Möschel: Das GerĂŒst der Bauriesen. In: Der Spiegel. Nr. 23, 1995 (online – 5. Juni 1995).
  14. ↑ Sören Jensen: Schöne Fassade. In: manager magazin 4/1990. Seite 56-66
  15. 1 2 3 . Wolfgang Reuter: BAUINDUSTRIE: Retter im Zwielicht. In: Der Spiegel. Nr. 19, 2001 (online – 7. Mai 2001).
  16. ↑ Wolfgang Reuter: Gigantische TĂ€uschung. In: DER SPIEGEL. 33/2000, S. 83
  17. ↑ Der Markt hat sein Urteil gefĂ€llt. In: Der Spiegel. Nr. 12, 2002, S. 96 (online – 18. MĂ€rz 2002).
  18. ↑ Annette Ruess: „Schlicht unverkĂ€uflich“, in: Wirtschaftswoche vom 20. MĂ€rz 2003, S. 68–70
  19. ↑ Pressestelle der Philipp Holzmann AG, in www.bauingenieur24.de/fachbeitrĂ€ge/unternehmen/451htm, Stand 5/2008
  20. ↑ Focus 45/2005, S. 204
  21. ↑ Dieter Fockenbrock: Mantel-Spekulation: Heiße Wetten auf Börsen-Zombies, handelsblatt.com, 31. August 2011
  22. ↑ Historische Aktienkurse und Verlauf bis 9. MĂ€rz 2020, abgerufen am 10. MĂ€rz 2020.
  23. ↑ Details zum Meldepflichtigen Deutsche Bank AG. In: Datenbank. Bundesanstalt fĂŒr Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin), 17. April 2002, abgerufen am 10. MĂ€rz 2020.