Bajaj Mobility
| Bajaj Mobility AG | |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| ISIN | AT0000KTMI02 |
| Gründung | 1992 |
| Sitz | Wels, |
| Leitung | Gottfried Neumeister (Vorstandsvorsitzender seit Jänner 2025)[1]
Stephan Zöchling (Aufsichtsratsvorsitzender seit Jänner 2025)[2] |
| Mitarbeiterzahl | 6184 (Stand 2023)[3] |
| Umsatz | 1.879,0 Mio. Euro (2024)[4] |
| Branche | Fahrzeugbau |
| Website | www.bajajmobility.com |
| Stand: 2. Mai 2025 | |
Die Bajaj Mobility AG,[5] (bis 2026: Pierer Mobility AG,[6] zuvor bis 2019 KTM Industries AG) ist ein börsennotierter österreichischer Motorrad- und Sportwagenhersteller mit u. a. der Marke KTM. Nachdem KTM zunächst geländegängige Motorräder (Enduro und Motocross) herstellte, fertigt das Unternehmen seit einigen Jahren in ähnlicher Stückzahl auch sportliche Straßenmotorräder; neben der Marke KTM sind Motorräder und E-Bikes der Marken Husqvarna Motorcycles, GasGas und MV Agusta im Programm. Das Unternehmen ist seit 2012 der größte Motorradhersteller Europas. Es ging aus einer Reihe von Umstrukturierungen hervor, die nach der Insolvenz des Vorgängerunternehmens, der 1934 gegründeten KTM Motor-Fahrzeugbau KG, erfolgten. Die Motorradproduktion reicht bis 1953 zurück.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Frühe Jahre
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1934 gründete Hans Trunkenpolz in Mattighofen eine Schlosser- und Autowerkstätte. Nach dem Zweiten Weltkrieg firmierte das Unternehmen unter der Bezeichnung „Firma Moser & Co“. Ab Anfang der 1950er Jahre tauchte erstmals die Buchstabenfolge KTM auf, die zunächst für Kraftfahrzeuge Trunkenpolz Mattighofen[7] stand, seit dem Eintritt des Partners Ernst Kronreif im Jahr 1955 für Kronreif & Trunkenpolz Mattighofen.


Die Motorradproduktion reicht bis 1953 zurück und begann mit der Serienfertigung der „Moser-KTM“ oder Moser R 100[8], einer 98er Zweitaktmaschine.[9] Anfangs wurden mit 20 Mitarbeitern täglich drei Motorräder gefertigt, zum Jahresende 1953 waren es bereits sechs pro Tag.[10][11] 1980 wurde das Unternehmen in KTM Motor-Fahrzeugbau KG umbenannt und erreichte Mitte der 80er Jahre einen Umsatz von über 50 Millionen Euro.[12]
Nachdem das Unternehmen Ende der 80er Jahre wirtschaftlich stark unter Druck geraten war, ging die KTM Motor-Fahrzeugbau KG im Jahr 1991 in das Eigentum der Gläubiger-Banken über. Das Unternehmen wurde im Jänner 1992 für 55 Millionen Schilling (rund 4 Millionen Euro) verkauft und als KTM-Sportmotorcycles GmbH neu gegründet.[13] Käufer war die KTM Motorradholding GmbH, die sich aus der Cross Holding und den vier KTM-Importeuren aus den Niederlanden, Italien und den beiden deutschen Unternehmern Toni Stöcklmeier und Helmut Staab zusammensetzte. Die Kühlerproduktion wurde sofort an ein italienisches Unternehmen weiterverkauft. Die Fahrradproduktion, seither KTM Fahrrad, war bereits von den Banken ausgegliedert und verkauft worden.
Neustart in den neunziger Jahren und Börsennotierung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]KTM-Sportmotorcycles übernahm 190 der vormals 360 Mitarbeiter. Im folgenden Geschäftsjahr, 1992/93, wurden bereits wieder 6000 Motorräder verkauft.[14] 1993 kaufte die Cross Holding die Anteile der Importeure an der KTM Motorradholding und firmierte im November 1994 die KTM-Sportmotorcycles GmbH zur AG um. Das Unternehmen spezialisierte sich zunächst auf die Entwicklung und Produktion von sportlichen Offroad-Motorrädern. Im Jahr 1994 wurde mit der 620 Duke das erste Straßenmotorrad vorgestellt.[12] Seither wurde dieses Segment immer bedeutender; heute werden ähnlich viele Straßen- wie Offroadmodelle verkauft.[15] 1994 zählte das Unternehmen 212 Mitarbeiter. 1995 wurden der schwedische Motorradhersteller Husaberg und der niederländische Fahrwerkskomponentenhersteller White Power Suspension übernommen. 12.000 Motorräder wurden in jenem Jahr abgesetzt und der Umsatz überschritt die Milliarden-Schilling-Grenze (rund 73 Millionen Euro). So stieg der jährliche Absatz auf 18.000 Motorräder im Jahr 1996. Hauptexportländer waren Deutschland und die Vereinigten Staaten.[14]
Von 1993 bis 2016 notierte KTM an der Wiener Börse.[16] 1999 wurde die Cross Beteiligungsverwaltungs-AG gegründet, welche 99,77 % der Aktien der KTM Sportmotorcycle AG übernahm und diese im November 1999 von der Börse nahm. Die Gesellschafter der Cross Beteiligungsverwaltungs-AG waren die Cross Holding (2 %), die Cross Beteiligungs AG (38,3 %), die Hofer Privatstiftung (10,8 %) und die britische Finanzgesellschaft BC Partners (48,9 %).[17][18] Die KTM Motorradholding, in welche die KTM Sportmotorcycle eingegliedert war, wurde daraufhin in KTM Group umbenannt.[13] Das Unternehmen zog sich von der Börse zurück und setzte einen Finanzinvestor ein, da die geplanten großen Investitionen in den folgenden Jahren keine Ausschüttung einer Dividende an die Aktionäre ermöglicht hätten und ein Unternehmensgewinn überhaupt fraglich war.[13]
Im September 1999 wurde ein neues Werk in Mattighofen eröffnet, es folgten 2001 ein neues Ersatzteillager, 2003 ein neues Entwicklungszentrum und 2004 ein neues Verwaltungsgebäude, in Munderfing ging 2002 ein neues Motorenwerk in Betrieb. Im Dezember 2004 kaufte die Cross Holding sämtliche Anteile, ausgenommen jene der Hofer Privatstiftung, an der KTM Group zurück. Die Cross Holding besaß nun 89,2 Prozent der Anteile und somit erstmals seit 1999 wieder die Mehrheit am Unternehmen. Sie erklärte den Motorsport und All Terrain Vehicles (ATV) zu ihrem neuen Kerngeschäft und verschob ihre andersartigen Beteiligungen an ihre nicht börsennotierte Muttergesellschaft Cross Industries. Am 7. Juli 2005 nannte sich die Cross Holding schließlich in KTM Power Sports um.[19] Nachdem auch die Anteile der Hofer Privatstiftung aufgekauft waren, wurde am 1. Dezember 2006 die KTM Group GmbH aufgelöst und ihre 99,79-prozentige Beteiligung an der KTM Sportmotorcycle an die KTM Power Sports übertragen.[20]
Im Jahr 2005 übernahm die US-amerikanische Firma Polaris Industries 24,9 %. 2006 erzielte KTM bei 84.000 verkauften Motorrädern erstmals über 500 Millionen Euro Umsatz. 2007 ging der Anteil von Polaris an KTM auf unter 5 % zurück. Währenddessen erhöhte der indische Fahrzeughersteller Bajaj Auto seine Anteile auf über 14,6 %, erreichte im Frühjahr 2008 über 20 % Anteil.[21] Im April 2012 wurde der Firmenwortlaut der KTM Power Sports AG auf „KTM AG“ geändert.[22]
Zukäufe und Neuorganisation des Gesellschafterkreises
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]2013 übernahm KTM die Husqvarna Motorcycles GmbH und führte in der Folge Husqvarna als zweite Marke neben KTM. Seit 2017 stellt KTM Motorräder der MotoGP-Klasse her.[23] Zum 31. Dezember 2014 waren die Cross Industries mit 51,18 Prozent, die indische Bajaj Auto mit 47,99 Prozent an KTM beteiligt und 0,83 Prozent der Aktien befanden sich in Streubesitz.[24] Cross Industries gehört mehrheitlich einer Holding von KTM-Chef Stefan Pierer.[25] Im Jahr 2016 wurde die Firma Cross Industries AG in KTM Industries AG geändert, die im Oktober 2019 in Pierer Mobility AG umbenannt wurde.[26]
Im Oktober 2019 übernahm KTM 60 Prozent des spanischen Herstellers von Trial- und Enduromotorrädern GasGas vom bisherigen Eigentümer, dem Elektrobikehersteller Torrot.[27] Im November 2021 übernahm die Gesellschaft den Fahrradhersteller Felt Bicycles von Rossignol.[28] Im November 2022 beteiligte sich das Unternehmen an dem italienischen Motorradhersteller MV Agusta mit 25,1 Prozent;[29] diese Beteiligung wurde im März 2024 auf 50,1 Prozent erhöht.[30] Im Jänner 2023 lief beim indischen Kooperationspartner Bajaj Auto das 1.000.000. KTM-Motorrad seit Beginn der Fertigung im Jahr 2007 vom Band, eine 390 Adventure.[31]
Sanierungsverfahren
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kurz nachdem die Pierer Industrie AG Ende November 2024 ein Restrukturierungsverfahren begann, gemäß der EU-Richtlinie über Restrukturierung und Insolvenz um die Zahlungssicherheit zu erhalten,[32] reichte die KTM AG ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung über ihr Vermögen, sowie das ihrer Tochtergesellschaften KTM Components GmbH und KTM Forschung & Entwicklung GmbH ein. Als Gründe wurden ein hoher Finanzierungsbedarf und die nicht rechtzeitige Sicherung einer Investition durch den Hauptaktionär und Gesellschafter Bajaj Auto genannt.[33] Anfang Dezember wurden 250 Mitarbeiter gekündigt, 500 weitere sollten laut Sanierungsplan folgen.[34] Offiziell wurde der Sanierungsplan am 25. Februar 2025 von den Gläubigern angenommen. Zur Erfüllung musste die KTM AG eine 30-%-Quote (548 Millionen Euro) bis spätestens 23. Mai 2025 an ihre Gläubiger in Bar bezahlen.[35]
Ab Jänner 2025 war Stefan Pierer neben dem Vorstandsvorsitzenden Gottfried Neumeister Co-Vorstandschef der KTM AG, im März 2025 legte Pierer sein Vorstandsmandat der KTM AG zurück.[36]
Am 25. April 2025 wurden auf einer außerordentlichen Hauptversammlung zwei Erhöhungen des Grundkapitals durch Ausgabe von auf Inhaber lautende Stückaktien beschlossen zum Ausgabepreis von 7,50 Euro pro Stück. Zum einen (TOP 2) wurden 20.000.000 Stückaktien und zum anderen (Top 3) 26.666.666 Stückaktien beschlossen.[37] Am 20. Mai wurde verlautbart, dass die Pierer Mobility und ihre insolvente Tochter KTM eine Finanzierungszusage zur Erfüllung der 30-Prozent-Barquote im KTM-Insolvenzverfahren erhalten haben.[38] Diese Sanierung wurde im Juni 2025 rechtskräftig abgeschlossen.[39]
Aktionärsstruktur der Pierer Mobility AG
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten](Stand Februar 2025)[40]
- Pierer Bajaj AG (Pierer Industrie AG 50,1 % – Bajaj Auto 49,9 %) ca. 74,9 %
- Pierer Konzerngesellschaft mbH
- Streubesitz
Der Konzern Bajaj hat im November 2025 alle Anteile am bisherigen Joint Venture Pierer Bajaj übernommen. Damit ist Bajaj mit 74,9 Prozent auch kontrollierende Mehrheitsaktionärin der Pierer Mobility AG.[41]
Geschäftstätigkeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Marktstellung und Vertriebsstrukturen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Unternehmen ist seit 2012 der größte Motorradhersteller Europas.[42] Weltweit wurden im Jahr 2015 183.170 Fahrzeuge verkauft.[43]
Am 1. Jänner 2016 waren in Deutschland 102.806 KTM-Krafträder zugelassen, was einem Anteil von 2,4 Prozent entsprach.[44] Bis zum 1. Jänner 2026 stieg dieser Anteil mit 236.117 auf 4,7 Prozent.[45]

Es existieren weltweit 31 Vertriebstochtergesellschaften, vorwiegend in Europa, Amerika und dem asiatischen Raum. Davon gehören 24 zur KTM Sportmotorcycle GmbH und sieben zur Husqvarna Motorcycles GmbH. Hinzu kommen zwei Joint Ventures in Dubai und Neuseeland.[46]
Rund jeder sechste Unternehmensmitarbeiter arbeitet im Bereich der Forschung und Entwicklung (382 Mitarbeiter im Jahr 2015 – 6,7 % des Gesamtumsatzes).
Produkte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]KTM ist vor allem für die Herstellung und den Vertrieb von Motorrädern bekannt, liefert aber auch Motoren für Rennsportserien und an Chassisbauer.
Motorradmotoren und -modelle
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zurzeit (2024) vertreibt KTM in Europa Modelle mit folgenden Motoren (ohne Wettbewerbsmodelle):
| Motorbauform | Hubraum | Supersport Supermoto |
Naked Bike | Sporttourer | Reiseenduros | Bemerkung |
|---|---|---|---|---|---|---|
| V2 | 1390 cm³ | |||||
| 1301 cm³ | ||||||
| R2 | 947 cm³ | |||||
| 889 cm³ |
|
|||||
| 799 cm³ | A2-Führerschein-tauglich (mit Drosselung) | |||||
| R1 | 373 cm³ |