Polygonaldolmen


Der Polygonaldolmen ist eine Form der Architektur nordischer Dolmen.[1] Er kommt besonders oft im Norden der dĂ€nischen Insel Seeland, in der schwedischen Provinz BohuslĂ€n und auf der Kimbrischen Halbinsel (z. B. Troldkirken in JĂŒtland) vor. In Schleswig-Holstein sind Polygonaldolmen mit 11 erhaltenen Exemplaren vertreten; in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern (Polygonaldolmen von Lexow) und Sachsen-Anhalt (GroĂsteingrĂ€ber bei LĂŒdelsen) sind nur vereinzelte Exemplare erhalten. Neolithische Monumente sind Ausdruck der Kultur und Ideologie neolithischer Gesellschaften. Ihre Entstehung und Funktion gelten als Kennzeichen der sozialen Entwicklung.[2]
FĂŒnf bis neun Tragsteine bilden den polygonalen Kammergrundriss, der zumeist penta- oder hexagonal ist. Ein einzelner, oftmals besonders groĂer Deckstein liegt auf. Ein vorgebauter Gang ist zwar obligatorisch, aber oft nicht erhalten. Im Dithmarschen bilden die Rechteck- und Polygonaldolmen von Albersdorf einen Schwerpunkt. Der Brutkamp gehört zu den eindrucksvollsten Anlagen dieses Typs. Typologisch betrachtet ragt eine der 13 Kammern von Hemmelmark, Kreis Rendsburg-Eckernförde, mit der ungewöhnlichen GröĂe von 2,8 Ă 2,25 m und der Abtrennung eines Quartieres durch aufrecht stehende Platten heraus. Polygonaldolmen kommen seltener in HĂŒnenbetten (SchĂŒlldorf, Kreis Rendsburg-Eckernförde) und hĂ€ufiger in RundhĂŒgeln vor (z. B. Dannewerk, Eckernförde, HaĂmoor und SĂŒderende).
UrsprĂŒnglich ging man nach Ekkehard Aner (1914â1974) und Johannes BrĂžndsted (1890â1965) aufgrund des nĂ€herungsweise runden Baus von einem westlichen Ursprung dieses Typs aus. Diese Ansichten sind seit der umfassenden Untersuchung von Ewald Schuldt in Mecklenburg-Vorpommern, der die autochthone Entstehung der unterschiedlichen Typen herausstellt, widerlegt.
Frankreich
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Kammer des "Dolmen simple" ist rechteckig (Typ A) oder polygonal (Typ B) (franz. Dolmen polygonaux). Dieser Typ ist in SĂŒdwestfrankreich (Aveyron, Lot) und Mittelfrankreich (Puy-de-DĂŽme) verbreitet und weist mitunter lokal, spezifische Anpassungen auf.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Friedrich Laux: Ein Polygonaldolmen im nördlichen Niedersachsen In: Die Kunde N. F. 21 1970 S. 61â68
- Jutta RoĂ: MegalithgrĂ€ber in Schleswig-Holstein. Untersuchungen zum Aufbau der Grabanlagen nach neueren Ausgrabungsbefunden. KovaÄ, Hamburg 1992, ISBN 3-86064-046-1 (Zugleich: Hamburg, Univ., Magisterarbeit, 1987).
- Ewald Schuldt: Die mecklenburgischen MegalithgrĂ€ber. Untersuchungen zu ihrer Architektur und Funktion. Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1972 (BeitrĂ€ge zur Ur- und FrĂŒhgeschichte der Bezirke Rostock, Schwerin und Neubrandenburg. 6, ISSN 0138-4279).
- JĂŒrgen E. Walkowitz: Das Megalithsyndrom. EuropĂ€ische KultplĂ€tze der Steinzeit (= BeitrĂ€ge zur Ur- und FrĂŒhgeschichte Mitteleuropas. Bd. 36). Beier & Beran, LangenweiĂbach 2003, ISBN 3-930036-70-3.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Diese Feinunterteilung der Dolmen in Untertypen ist nur in Deutschland ĂŒblich. In den Niederlanden und Polen kommen diese Typen nicht vor. In DĂ€nemark und Schweden wird nur nach Dolmen (Dysse, Döse) und Ganggrab unterschieden. Doch wird hier bei Dolmen die Form der HĂŒgel (rund oder lang) in die Nomenklatur einbezogen.
- â J. MĂŒller In: Varia neolithica VI 2009 S. 15