Regentropfeneinschlagkrater

Regentropfeneinschlagkrater (en.: raindrop impact crater) sind winzige geomorphologische Strukturen, die durch den Einschlag von Regentropfen in weiche, feinkörnige Lockersedimente entstehen.
Beschreibung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In einem einzigen stĂŒrmischen Regenereignis können Regentropfen bis zu 225 Tonnen Erde pro Hektar FlĂ€che bewegen. Auf geneigtem GelĂ€nde werden die gelockerten Partikel langsam abwĂ€rts transportiert. Die Tropfen sind in vielen Regionen ein wichtiger Faktor der Bodenerosion (Spritz-Erosion)[1] â so beispielsweise auf HĂŒgelkuppen, die ĂŒblicherweise nicht von fluviatiler Abtragung beeinflusst werden. Zudem werden BodenporositĂ€ten durch das Spritzen der EinschlĂ€ge verschlossen. Dadurch verringert sich die Infiltration und erhöht sich der oberflĂ€chliche Abfluss.[2]
Regentropfeneinschlagkrater entstehen, wenn die Tropfen auf weiche, bestenfalls feinkörnige, eventuell schlammige LandoberflĂ€chen treffen, deren Sediment 15 bis 35 Prozent Massenanteil Wasser enthĂ€lt.[3] Studien ergaben, dass das fĂŒr die Bildung kritische KorngröĂenspektrum auf der logarithmischen Krumbein-Ï-Skala den Wert 0,585 hat â das entspricht einer KorngröĂe zwischen 0,5 und einem Millimeter, also Mittel- bis Grobsand. Gröberer Untergrund kann durch einzelne Tropfen nicht energetisch verformt werden.[4]
Sobald ein Tropfen in das Substrat einschlĂ€gt, bildet sich ein Krater, wĂ€hrend sowohl Sediment als auch der Tropfen selbst deformiert werden. Nach einer kurzen Initialphase, in der der Krater seine maximale Tiefe erreicht, verbreitert er sich anschlieĂend durch kleine Kornlawinen, die von seinen RĂ€ndern ins Zentrum strömen, bis eine finale stabile Form erreicht ist. Das SeitenverhĂ€ltnis (Breite zu Tiefe) des Kraters hĂ€ngt dabei ausschlieĂlich von den unterschiedlichen Sedimenteigenschaften ab.[5] Seine generelle Form wird allerdings von verschiedenen Faktoren kontrolliert â am wichtigsten sind die Geschwindigkeit des Tropfens, die Art und der Deformationswiderstand des Sedimentes,[3] dessen FlieĂspannung oder Scherfestigkeit sowie die Anwesenheit und MĂ€chtigkeit einer Wasserschicht auf der OberflĂ€che.[6] Die Morphologie kann dabei von zirkumferenziellen Varianten bis hin zu perfekt ausgebildeten halbkugelförmigen Kratern reichen.
Sowohl der Tropfen als auch die OberflĂ€che werden beim Einschlag verformt und ein Teil der FlĂŒssigkeit kann in das Substrat eindringen.[4] Zwischen fĂŒnf und 22 Prozent der Einschlagsenergie flieĂen in die Kraterbildung, aber das VerhĂ€ltnis von Kratervolumen und kinetischer Energie des Tropfens ist kurvilinear, was darauf hindeutet, dass die Effizienz der Einschlagsenergie, Material von der OberflĂ€che zu entfernen, bei steigender kinetischer Energie sinkt. Dies hĂ€ngt auch damit zusammen, dass die Infiltrationsrate des Wassers durch die oberen Sedimentschichten um bis zu 70 Prozent abnimmt, je gröĂer der einschlagende Regentropfen ist.[7] Hingegen ist das VerhĂ€ltnis zwischen Einschlagimpuls und Kratervolumen eher linear und das VerhĂ€ltnis Impuls/Volumen ist konstant fĂŒr sĂ€mtliche TropfengröĂen, Tropfengeschwindigkeiten und SedimentoberflĂ€chen. Das Kratervolumen scheint ein wesentlich besserer Indikator fĂŒr das insgesamt durch den Einschlag aus dem Boden herausgelöste Material zu sein als das Spritzvolumen.[6]
Innerhalb der Krater können sich ringförmige Strukturen herausbilden. Diese sind darauf zurĂŒckzufĂŒhren, dass die Regentropfen, bevor sie komplett in das Sediment eindringen, durch ihre OberflĂ€chenspannung Sandkörner anziehen. Je geringer das Volumen des Tropfens infolge der Versickerung wird, desto enger werden die Ringe, in denen sich die Körner wieder ablagern.[8]
Forschung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In rezentem DĂŒnensand wurden Regentropfeneinschlagkrater erstmals 1972 von Theodore R. Walker (University of Colorado Boulder) und John C. Harms (Marathon Oil) fotografiert.[9] Thomas E. Eastler von der University of Maine at Farmington erzeugte 1978 erstmals experimentell Ringstrukturen innerhalb der kleinen Einschlagkrater.[10]
Heutzutage kann die Bildung von Regentropfeneinschlagkratern im Labor mit Hochgeschwindigkeitsanalysen experimentell sehr gut nachvollzogen werden. Typischerweise werden im Versuchsaufbau die Sedimentstruktur, die Sedimentdichte sowie die Fallgeschwindigkeit der Tropfen variiert. WÀhrend die Struktur der SubstratoberflÀche mit Doppellaser-Profilometern gemessen wird, verfolgt man den Prozess der Kraterbildung mit Hochgeschwindigkeitskameras mit einer Bildfrequenz von etwa 10.000 Hertz.[4] Die Scherfestigkeit der jeweiligen OberflÀchen kann mittels eines Penetrometers bestimmt werden, indem man die Eindringtiefe der Fallzylinder misst.[6]
Wissenschaftliche Bedeutung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Sofern man Regentropfeneinschlagkrater auf Sedimentgesteinen findet, können ĂŒber die Form und Anzahl RĂŒckschlĂŒsse auf die Regenart und die NiederschlagshĂ€ufigkeit zur Entstehungszeit gezogen werden.[1] DarĂŒber hinaus lĂ€sst sich aus der Form ableiten, wie viel Massenanteil Wasser das Sediment enthielt und mit welcher Geschwindigkeit die Tropfen fielen.[3] Aus diesen GrĂŒnden sind die Krater relevante Forschungsobjekte fĂŒr palĂ€ogeographische und palĂ€oklimatologische Studien.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 Israel Cook Russell: Notes on the surface geology of Alaska. In: Bulletin of the Geological Society of America. Band 1, â 1, 1890, S. 99â162.
- â Arthur Newell Strahler: Planet Earth. Its physical systems through geologic time. Harper & Row, New York City, ISBN 978-0-06-046459-2, S. 192.
- 1 2 3 Jindrich Hladil: Oblique raindrop impacts. In: VÄstnĂk ÄeskĂ©ho geologickĂ©ho Ășstavu. Band 68, â 3, 1993, Seiten 23â32.
- 1 2 3 Song-Chuan Zhao, Rianne de Jong, Devaraj van der Meer: Raindrop impact on sand. A dynamic explanation of crater morphologies. In: Soft Matter. Band 11, â 33, 2015, S. 6562â6568.
- â Rianne de Jong, Song-Chuan Zhao, Devaraj van der Meer: Crater formation during raindrop impact on sand. In: Physical Review E. Band 95, â 4, 2017.
- 1 2 3 Hossein Ghadiri: Crater formation in soils by raindrop impact. In: Earth Surface Processes and Landforms. Band 29, â 1, 2004, S. 77â89.
- â J. Otis Laws: Recent studies in raindrops and erosion. In: Agricultural Engineering. Band 21, 1940, S. 431â433.
- â David M. Rubin, Ralph E. Hunter: Sedimentary structures formed in sand by surface tension on melting hailstones. In: Journal of Sedimentary Petrology. Band 54, â 2, 1984, S. 581â582.
- â Theodore R. Walker; John C. Harms 1972: Eolian origin of flagstone beds, Lyons Sandstone (Permian), type area, Boulder County, Colorado. In: Mountain Geologist. Band 9, â 2/3, 1972, S. 279â288.
- â Thomas E. Eastler: Raindrop imprint. In: Rhodes W. Fairbridge, Joanne Bourgeois (Hrsg.): The encyclopedia of sedimentology. Dowden, Hutchinson, and Ross, Stroudsburg, 1978, ISBN 978-3-540-31079-2, S. 606â607.