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Resistenza

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Die Resistenza (italienisch für Widerstand) waren die Parteien und politischen Bewegungen, die zwischen September 1943 und Mai 1945 Widerstand gegen die deutsche Besetzung Italiens und die faschistische Italienische Sozialrepublik (Repubblica Sociale Italiana, RSI) leisteten. Mit 200.000 bis 250.000 aktiv kämpfenden Partisanen zum Zeitpunkt ihrer größten Ausdehnung im April 1945 stellt die italienische Resistenza die zahlenmäßig stärkste Partisanenbewegung in Westeuropa während des Zweiten Weltkriegs dar, nach der jugoslawischen die zweitgrößte in Europa.

Eine Partisanenformation während der Resistenza

Erste Gruppen von Partisanen formierten sich nach dem 8. September 1943 als Reaktion auf das Bekanntwerden des Waffenstillstands von Cassibile. Durch Sabotageaktionen sowie Attentate auf Nationalsozialisten und italienische Faschisten nahm die Resistenza in einem Guerillakrieg den Kampf gegen die nationalsozialistische Besatzung und die Mitte September 1943 gegründete faschistische RSI auf. Die Nationalsozialisten und Faschisten reagierten nicht selten mit Repressalien. Im Zuge des italienischen Partisanenkriegs verübten Einheiten der SS, Wehrmacht und faschistischen RSI eine Reihe von Massakern, denen insgesamt mehr als 12.700 Zivilisten zum Opfer fielen. Zeitgleich zum Partisanenkampf drangen die bereits am 10. Juli 1943 auf Sizilien gelandeten angloamerikanischen Truppen im Rahmen des Italienfeldzugs langsam nach Norditalien vor. Nach der These des Historikers Claudio Pavone kann die Resistenza als Verbindung von nationalem Befreiungskrieg (gegen die deutsche Besatzung), Bürgerkrieg (gegen die republikanischen Faschisten) und Klassenkrieg (gegen die padroni, die besitzende Schicht) charakterisiert werden. Ende September und Anfang Oktober 1943 befreite sich Neapel in einer viertägigen Volkserhebung von der deutschen Besatzung. Rom wurde bereits im Juni 1944 von alliierten Truppen befreit, Florenz vor dem Hintergrund des alliierten Vorstoßes von Partisanen Anfang September 1944. Ende April 1945 kam es in Oberitalien zur Massenerhebung gegen die nazifaschistische Besatzung, sodass die meisten Städte der Lombardei, des Piemonts und Venetiens bereits vor den vorrückenden Angloamerikanern befreit waren. Am 28. April 1945 wurde Benito Mussolini von Partisanen erschossen, am Tag darauf wurde die Kapitulation für die in Italien stehenden deutschen Truppen unterzeichnet, die am 2. Mai in Kraft trat.

Führungsorgan der Resistenza war das von sechs antifaschistischen Parteien gebildete nationale Befreiungskomitee (Comitato di Liberazione Nazionale, CLN). Mit 40 Prozent stellten die kommunistischen Brigate Garibaldi den größten Teil der Partisanenbewegung; 25 Prozent bildeten Verbände der Aktionspartei (Partito d’Azione, PDA). Numerisch nicht unbedeutend waren auch die autonomen Verbände, die keiner Partei unterstanden. Die Formationen des städtischen Widerstandes waren in den kommunistischen Gruppi d’Azione Patriottica und Squadre d’Azione Patriottica organisiert.

Nach 1945 bestimmte eine antifaschistische Meistererzählung jahrzehntelang den öffentlichen Diskurs, der zufolge die Resistenza eine breit angelegte Volksbewegung war. Die Resistenza stellte für die öffentliche Meinung die ideelle Grundlage der 1947 verabschiedeten republikanischen Verfassung dar und war nach Auffassung mancher Historiker „Gründungsmythos“ der italienischen Republik. In den 1990er-Jahren kam es im Zuge des Zerfalls der Sowjetunion und des sogenannten Tangentopoli-Korruptionsskandals, der zum Ende des bisherigen Parteiensystems in Italien führte, zu einer Entmythisierung der Resistenza. Die italienische Widerstandsbewegung wurde Gegenstand sogenannter revisionistischer Geschichtsdeutungen. Polemische Debatten entspannen sich um dunkle Aspekte der Widerstandsbewegung wie das „Todesdreieck“ (triangolo della morte) in der Emilia-Romagna, das Massaker von Porzûs oder die sogenannten Foibe-Massaker in der slowenisch-kroatisch-italienischen Grenzregion. Der 25. April wird bis heute in Erinnerung an die Befreiung von 1945 als nationaler Feiertag begangen.

Während sich die ältere Forschung auf den militärischen Widerstand und die Geschichte der Parteien in der Resistenza konzentrierte, hat die jüngere Geschichtswissenschaft seit den 1980er- und 90er-Jahren auch den zivilen Widerstand als Forschungsfeld entdeckt. Zudem hat sich die Beschäftigung mit den nationalsozialistischen und faschistischen Massakern als eigenständiger Forschungszweig etabliert. Erst seit der Jahrtausendwende sind das Erbe der Resistenza sowie der städtische Widerstand eingehend untersucht worden.

Numerische Angaben

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Die numerische Dimension der Partisanenbewegung variiert stark je nach dem betrachteten Zeitpunkt: Während die Resistenza in den Wintern 1943/44 und 1944/45 Krisen durchlitt, die sich auch in einer niedrigen Gesamtzahl von Partisanen niederschlugen, kann der Massenzulauf, den die Bewegung Ende April 1945 erfuhr, kaum als repräsentativ gelten. Zwar lässt sich die zahlenmäßige Stärke der Partisanenbewegung nicht genau feststellen, nach Kriegsende wurden jedoch verschiedene offizielle und halboffizielle Schätzungen und Erhebungen vorgenommen. Die meisten jüngeren wissenschaftlichen Publikationen sprechen von einer Gesamtzahl von 200.000 bis 250.000 Partisanen.[1] Die italienische Resistenza war damit „zahlenmäßig die größte im westlichen Europa“.[2]

Luigi Longo, der politisch-militärische Anführer der kommunistischen Brigate Garibaldi und Vizekommandant des Corpo volontari della libertà („Freiwilligenkorps der Freiheit“), spricht in seinen Memoiren von 235.000 partigiani combattenti („kämpfende Partisanen“) und 117.000 patrioti civili („zivile Patrioten“). Als partigiani combattenti klassifizierte man dabei diejenigen, die mindestens drei Monate aktiv in einer Partisanenformation kämpften, für mindestens sechs Monate den Squadre d’Azione Patriottica (SAP) oder den Gruppi d’Azione Patriottica (GAP) angehörten und an mindestens drei Sabotage- oder Kampfaktionen teilnahmen, als patrioti civili hingegen diejenigen, die die Partisanenbewegung erheblich unterstützten oder für einen Zeitraum von weniger als drei Monaten in den Reihen der Resistenza kämpften. Laut dem Partisanen Amerigo Clocchiatti hingegen waren die aktiv kämpfenden Partisanen vielleicht 50.000; den Rest hätten die Parteien hinzugedichtet.[3]

Nach Giorgio Bocca gab es Mitte September 1943 in ganz Italien nicht mehr als 1.500 zum Kampf entschlossene Partisanen, der Historiker Guido Quazza nennt für Dezember des Jahres die Zahl von 9.000–10.000 aktiven Kämpfern in der Resistenza. Im April 1944 habe deren Zahl laut Bocca mit 12.600 einen ersten Höhepunkt erreicht, zusammen mit Helfern und Sympathisanten habe die Bewegung sogar 20.000–25.000 Frauen und Männer umfasst; Quazza gibt eine ungefähr vergleichbare Ziffer von 20.000–30.000 Partisanen für das Frühjahr 1944 an und für den Sommer eine Partisanenstärke von 70.000–80.000, Bocca dagegen nur von 50.000. Nachdem die Partisanenbewegung infolge des harten Winters 1944/45 auf ein Minimum reduziert worden war, stieg ihre Zahl laut Bocca gegen Kriegsende auf 80.000 an; Mitte April 1945 habe sie eine Größenordnung von 130.000 und zur Zeit der Massenerhebung Ende April 250.000–300.000 Mitglieder erreicht. Davon abweichend spricht Quazza nur von 120.000–130.000 Partisanen im April 1945.[4] Laut dem amerikanischen Historiker Charles Delzell, der sich seinerseits auf Max Salvadori und Roberto Battaglia stützt, gab es Ende 1943 einige Tausend Partisanen, deren Zahl angesichts des harten Winters und der deutschen Durchkämmungsaktionen auf 9–10.000 Ende Januar 1944 zusammenschrumpfte. Danach sei die Zahl wieder angestiegen, bis sie im Sommer 1944 fast 100.000 Kämpfer erreicht habe. Im Winter sei die Zahl erneut gesunken, um danach in der Aprilerhebung 1945 150.000 Partisanen zu umfassen.[5]

Insgesamt kamen während des Partisanenkriegs im italienischen Hinterland 70–80.000 Menschen ums Leben.[6] Die Toten des italienischen Widerstandes, d. h. im Kampf Gefallene oder in der Gefangenschaft Exekutierte, umfassen 30–50.000.[7] Ebenfalls 30.000 italienische Faschisten verloren ihr Leben „bei Kampfhandlungen oder durch Gewalttaten und Racheakte der Partisanen“. Im Kampf gegen die Partisanen starben nach Schätzung des Historikers Carlo Gentile etwa 3.000 deutsche Militär-, Polizei- und SS-Angehörige.[8] In den über 5.600 von Nationalsozialisten und Faschisten in Italien verübten Massakern fanden mehr als 23.600 Menschen, davon über 12.700 Zivilisten und 6.800 Partisanen, den Tod. 67 Prozent der Toten waren dabei Opfer nationalsozialistischer Gewalt, 20 Prozent Opfer von gemeinsam von Nationalsozialisten und Faschisten begangenen Gewaltakten und 13 Prozent gingen auf das Konto der Faschisten der Italienischen Sozialrepublik.[9] Zwischen September 1943 und Mai 1945 wurden ferner insgesamt 425 katholische Priester getötet: 191 von Faschisten, 125 von Deutschen und 109 von Partisanen.[10]

Von den circa 650.000 italienischen Soldaten, die als Militärinternierte nach Deutschland oder in die deutsch besetzten Ostgebiete deportiert wurden, starben 30–50.000 an Unterernährung, Kälte und den harten Arbeitsbedingungen oder waren Opfer von Erschießungen.[11]

Antifaschismus 1922 bis 1943

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Giacomo Matteotti

Während die bewaffnete Resistenza erst nach dem 8. September 1943 entstand, ist der Antifaschismus als Opposition zur faschistischen Bewegung im Grunde fast so alt wie diese selbst. Der Kampfbund Arditi del Popolo, der 1921 als Reaktion auf den Terror der Schwarzhemden während des Biennio rosso entstand, war die erste Organisation mit antifaschistischem Selbstverständnis. In den ersten zwei Jahren nach dem sogenannten Marsch auf Rom 1922–24 konnte die Opposition der Regierung noch in der Camera dei deputati und in ihrer Presse widersprechen.[12] Die Ermordung des sozialistischen Abgeordneten Giacomo Matteotti, der in einer mutigen Rede am 30. Mai 1924 die Manipulationen im Kontext der April-Wahlen angeprangert hatte, leitete zwar eine Regierungskrise ein, letztlich gelang es jedoch dem Diktator Benito Mussolini, den Boykott der Opposition auf einem symbolischen Aventin in einen innenpolitischen Erfolg umzumünzen: 1925 setzte mit einer Reihe von Gesetzen die Machtsicherung und Durchsetzung der Diktatur ein; die damit einhergehende Repression zwang Regimegegner ins Exil oder in den Untergrund.

Oppositionelle, die in Italien verblieben, gegen das Regime arbeiteten und von der faschistischen Geheimpolizei OVRA überführt wurden, mussten vielfach mit körperlicher Gewalt, Haft oder Verbannung (confino) rechnen: So wurde Giovanni Amendola, der die Aventinianer angeführt hatte, im Juni 1925 von einem faschistischen Schlägertrupp verprügelt; sein Tod im Folgejahr im französischen Exil war mit großer Wahrscheinlichkeit eine Spätfolge des Attentats.[13] Ein ähnliches Schicksal erlitt der antifaschistische Publizist Piero Gobetti. Der ehemalige Anführer des katholischen Partito Popolare Italiano, Alcide De Gasperi, musste ins Gefängnis, bevor er nach seiner Entlassung 1928 eine Anstellung im Vatikan fand und so weiter in Rom leben konnte; ebenso geriet der Kommunist Palmiro Togliatti in Haft, bevor er 1926 nach Moskau und von dort im Folgejahr nach Frankreich emigrieren konnte. Eine literarische Verarbeitung der Erfahrung des confino stellt Carlo Levis 1945 erschienener Roman Cristo si è fermato a Eboli (deutsch: „Christus kam nur bis Eboli“) dar, in dem dieser seine Jahre der Verbannung in einem kleinen Ort der Basilikata beschreibt.[14] Ein besonders hartes Schicksal ereilte den kommunistischen Politiker Antonio Gramsci, der 1928 vom Tribunale Speciale zu 20-jähriger Haft verurteilt wurde und 1937 verstarb. Selbst in Italien war die Kontrolle des kulturellen und geistigen Lebens jedoch nie total: Manchen liberalen Intellektuellen wie Benedetto Croce, der 1925 als Reaktion auf Giovanni Gentiles „Manifesto degli Intellettuali fascisti“ („Manifest der faschistischen Intellektuellen“) einen „Manifesto degli Intellettuali antifascisti“ („Manifest der antifaschistischen Intellektuellen“) verfasst hatte, gewährte das Regime Rede- und Schreibfreiheit.

Carlo Rosselli

1927 gründeten Oppositionelle in Paris die Concentrazione antifascista, die bis 1934 bestand und der mit Ausnahme der Kommunisten Mitglieder aller antifaschistischen Parteien angehörten. Zu diesem Kreis gehörten der linksliberale Gaetano Salvemini, der jedoch bereits 1933 nach Cambridge (Massachusetts) emigrierte, sowie als Generalsekretär der Sozialist Pietro Nenni. Der katholische Politiker Luigi Sturzo wanderte nach London, später nach New York aus.

1929 gründeten jüngere Antifaschisten um Carlo Rosselli in Paris die radikaldemokratische Organisation Giustizia e Libertà. Im Juni 1937 ermordeten faschistische Häscher Rosselli und seinen Bruder Nello.

Im Spanischen Bürgerkrieg kämpften insgesamt circa 3.000 italienische Emigranten aufseiten der Madrider Regierung gegen die Franquisten. Mit Blick auf die spätere Resistenza in Italien war es von Bedeutung, dass die italienischen Antifaschisten auf diese Weise bereits direkte Erfahrungen mit dem Partisanenkrieg gesammelt hatten.[15]

Nach der Niederlage Frankreichs im Juni 1940 emigrierten zahlreiche italienische Exilanten in die USA. Zwischen 1941 und 1943 existierten „zwei miteinander konkurrierende politische Zentren der antifaschistischen Emigration“: Einerseits die Gruppe in den USA unter der Führung Carlo Sforzas, die antikommunistisch eingestellt war und die offizielle Anerkennung der Alliierten suchte; andererseits der von den Kommunisten initiierte Untergrund in Vichy-Frankreich, der sich für eine breite antifaschistische Front engagierte.[16]

Im Laufe des Jahres 1942 begann in Italien der illegale Wiederaufbau der politischen Parteien.[17] Im Juli 1942 entstand die Aktionspartei (Partito d’Azione, PDA), deren erste nationale Zusammenkunft am 5./6. September 1943 in Florenz erfolgte. Die Sozialistische Partei (Partito Socialista Italiano di Unità Proletaria, PSIUP) gründete sich formal neu auf dem römischen Parteitag vom 22./23. August 1943.[18]

In Rom formierte sich ab Ende 1942 um den ehemaligen Ministerpräsidenten Ivanoe Bonomi ein antifaschistisches Komitee, das üblicherweise sonntags an verschiedenen Orten zusammentraf.[19]

Von den Arbeiterstreiks zur „Regierung der 45 Tage“ (März bis September 1943)

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Mit den Niederlagen des deutschen Afrikakorps in El Alamein und der 6. Armee in Stalingrad zeichnete sich bereits 1942/43 allmählich eine militärische Wende im Zweiten Weltkrieg zu Ungunsten der Achsenmächte ab. Die Bombardierung der großen italienischen Städte – Mailand, Genua, Turin, Neapel im Herbst 1942, der Außenbezirke Roms im Juli 1943 – und die zunehmende Lebensmittelknappheit verstärkten die Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Dadurch verlor das faschistische Regime Mussolinis an Popularität. Im März und April 1943 kam es, ausgehend von Fiat in Turin, zum ersten Mal in einem faschistisch oder nationalsozialistisch besetzten Land Europas während des Zweiten Weltkriegs zu einer Welle von Arbeiterstreiks in den industriellen Zentren Norditaliens. Dies war eine wichtige Manifestation der Massenunzufriedenheit gegenüber dem faschistischen Regime. Inwiefern diese Streiks sozioökonomisch, inwiefern politisch motiviert waren, ist umstritten.[20] In Turin kam es am 5. oder 8. März zu Streiks in den Fiat-Mirafiori-Werken, die sich bald auf Fabriken im ganzen Piemont ausdehnten.[21] In Mailand traten am 24. März um 10 Uhr die Arbeiter in den Fabriken Pirelli, Falck und Ercole Marelli in den Streik. Die faschistische Führung bewilligte am 2. April Lohn- und Gehaltserhöhungen.[22]

Pietro Badoglio

Unter den faschistischen Eliten gab es indessen seit November 1942 Pläne zu einem politischen Umsturz, wenn diese auch erst nach der Landung der Alliierten auf Sizilien am 10. Juli 1943 konsequent verfolgt wurden. Sie gipfelten im Sturz Mussolinis am 25. Juli 1943: In der nächtlichen Sitzung des faschistischen Großrates stimmten dessen Mitglieder mehrheitlich für die Resolution Dino Grandis, die dem König Viktor Emanuel III. empfahl, den Oberbefehl über die Streitkräfte wieder selbst zu übernehmen. Dieser erklärte Mussolini für abgesetzt und setzte den Marschall Pietro Badoglio als neuen Ministerpräsidenten ein. Die neue Regierung – rückblickend als „Regierung der 45 Tage“ bekannt – erklärte zunächst, der Krieg gehe weiter, nahm jedoch im Geheimen Verhandlungen mit den Alliierten auf und schloss am 3. September mit diesen im sizilianischen Cassibile einen Waffenstillstand.

Beginn der Resistenza (8. September bis Ende 1943)

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Den Waffenstillstand machte der amerikanische General Dwight D. Eisenhower fünf Tage später um 18:30 Uhr im Radio öffentlich bekannt, obwohl ihn Badoglio noch kurzfristig um einen Aufschub gebeten hatte. Badoglio erklärte seinerseits im Rundfunk um 19:45 Uhr: „Alle Feindseligkeiten vonseiten der italienischen Armee gegen die englischen und amerikanischen Streitkräfte müssen von nun an eingestellt werden. Sie wird aber Angriffe, von welcher Seite auch immer, abwehren.“[23]

Badoglio und der König flohen am Morgen des 9. September aus Rom über Pescara in das von den Alliierten besetzte Brindisi. Die unklare Politik der Führung bewirkte eine militärische Katastrophe: Im Stich gelassen und ohne klare Befehle, ergaben sich große Teile der italienischen Armee kampflos der Wehrmacht, die gemäß „Fall Achse“ die Apenninhalbinsel besetzte.[24]

Unterstützt wurden die Deutschen dabei zum Teil von Angehörigen der faschistischen Miliz, die nach dem Sturz Mussolinis nicht aufgelöst worden war, sowie von Armeeangehörigen, die Badoglio und seine Regierung als Verräter betrachteten. Der Militärhistoriker Gerhard Schreiber beziffert die Zahl derer, die sich in den Tagen nach der Bekanntgabe des Waffenstillstandes gegen die „Umsturzregierung“ des 25. Juli wandten, auf etwa 90.000 Mann.[25] Nach dem Historiker Andrea Rossi unterstellten sich am 8. September sofort über 30.000 Mann der deutschen Befehlsgewalt, die nach Ableistung des Führereids gemäß der Anordnungen des Reichsführer SS Heinrich Himmler in Italien mit Polizeiaufgaben und außerhalb Italiens mit der „Bandenbekämpfung“ betraut wurden. Es waren vor allem diese Einheiten, die anschließend mit aller Härte gegen politische Gegner vorgingen.[26]

Inwiefern Rom in dieser Situation verteidigt hätte werden können, ist kontrovers. Nachdem seine Verteidigung aufgegeben worden war, kam es dort am 9. September lediglich zu einem improvisierten Widerstand vor allem an der Porta San Paolo, an dem die Division Ariete und circa 2.000 bewaffnete Zivilisten teilnahmen.[27] Bisweilen wird der in Rom geleistete Widerstand als Beginn des nationalen Befreiungskriegs angesehen.[28] Nach einem Ultimatum des Oberbefehlshabers der Wehrmacht in Italien Albert Kesselring vom 9. September, in dem dieser ein Bombardement der Stadt androhte, unterzeichnete der von den Generälen Giacomo Carboni und Giorgio Calvi di Bergolo sowie dem Kriegsminister Antonio Sorice ausgesandte Oberstleutnant Leandro Giaccone einen Waffenstillstand, durch den Rom bis zum 23. September zur „offenen Stadt“ wurde.[29] Die Kommandanten der italienischen Streitkräfte in Turin, Mailand und den meisten anderen großen Städten Ober- und Mittelitaliens ergaben sich um den 10. September fast kampflos. Widerstandszellen, die erst nach längerem Kampf kapitulierten, stellten die italienischen Garnisonen in Cuneo, Savona, Ascoli Piceno und Treviso dar.[30] Auf der griechischen Insel Kefalonia wurden 6.000 italienische Soldaten ermordet, nachdem sie Widerstand gegen die Deutschen geleistet hatten.[31] Insgesamt wurden mehr als 600.000 italienische Soldaten nach Deutschland oder in die von den Nationalsozialisten besetzten Ostgebiete deportiert, wo sie als Militärinternierte „Zwangsarbeit für den Verbündeten“ leisten mussten.[32]

Am Nachmittag des 9. September entschieden in Rom die Mitglieder des antifaschistischen Komitees, sich nach französischem Vorbild in „Komitee der nationalen Befreiung“ (Comitato di Liberazione Nazionale, CLN) umzubenennen. Die Vertreter der sechs antifaschistischen Parteien (Partito Comunista Italiano, Partito Socialista Italiano di Unità Proletaria, Partito d’Azione, Democrazia del Lavoro, Partito Liberale Italiano, Democrazia Cristiana) einigten sich auf Ivanoe Bonomi als Präsidenten der neuen Organisation.[33] Wenig später konstituierte sich mit dem mailändischen CLN unter der Präsidentschaft Alfredo Pizzonis die wichtigste Untergrundorganisation des Nordens, die am 31. Januar 1944 zum „Komitee der nationalen Befreiung Oberitaliens“ (Comitato di Liberazione Nazionale per l’Alta Italia, CLNAI) wurde. Weitere CLN entstanden in Turin, Florenz, Genua, Bologna, Padua, Trient und Triest, in geringerem Ausmaß auch in Süditalien, wo der neapolitanische CLN der einflussreichste war. Die CLN lehnten die Regierung Badoglio zunächst ab.[34]

Im Unterschied zum älteren Antifaschismus entstand die eigentliche Resistenza, die Resistenza partigiana oder armata als Form des bewaffneten Widerstands gegen den Nationalsozialismus und Faschismus erst in dieser historischen Konstellation als Reaktion auf die Verkündung des Waffenstillstands. Die überwiegende Mehrheit der Partisanen stellten anfangs ehemalige Soldaten der italienischen Armee, denen es gelungen war, den von der neuen Besatzungsmacht vorangetriebenen Deportationen nach Deutschland oder in die Ostgebiete zu entgehen.[35] Den harten Kern der Partisanenbewegung bildeten die überzeugten, politisierten Antifaschisten, die für die Kampfmoral der Verbände besonders wichtig waren. Eine dritte Rekrutierungsgruppe bildeten ehemalige, in der chaotischen Situation nach dem 8. September entflohene angloamerikanische, sowjetische oder jugoslawische Kriegsgefangene. Auch Wehrmachtsdeserteure kämpften vereinzelt in der Resistenza.[36] Die meisten Aktivisten in der Resistenza dachten zu Beginn, dass die Alliierten rasch vorstoßen würden und die Kämpfe in Italien in wenigen Monaten vorbei sein würden.[37] Die Mehrzahl der Partisanen schloss sich nicht aus politischen Motiven der Resistenza an; andere Faktoren wie die Auflösung der Armee, der Wunsch, sich der Wehrpflicht in der RSI zu entziehen, oder schlicht Abenteuerlust spielten in vielen Fällen die entscheidende Rolle.[38] Die Wahl zwischen RSI und Resistenza war dabei „bisweilen nur durch eine dünne Wand, durch einen Zufall, durch ein Nichts voneinander getrennt“.[39]

Die frühesten Partisanenformationen entstanden im Piemont, wo die aus Frankreich zurückgekehrte 4. italienische Armee in der Auflösung begriffen war und wo die Partisanenbewegung fortan am stärksten vertreten war: Ab dem 12. September bildete sich unter der Führung Tancredi Galimbertis („Duccio“) in Madonna del Colletto, zwischen der Valle Gesso und der Valle Stura, die Formation Italia Libera. Sie bestand anfangs aus zwölf Männern, die der Aktionspartei (Partito d’Azione, PDA) angehörten und vom Antifaschismus Piero Gobettis beeinflusst waren.[40] Im Cuneese operierte zudem die ebenfalls dem PDA zugehörige Bande unter Führung Dante Livio Biancos.[41] Am 12. September folgten circa 80 ehemalige, überwiegend süditalienische Soldaten dem Leutnant Pompeo Colajanni („Barbato“) auf den Monte Bracco zwischen der Valle Po und der Val Pellice.[42] In Boves in der Provinz Cuneo leisteten am 19. September Versprengte der 4. Armee unter Führung Ignazio Vians den Deutschen Widerstand. Sie waren die ersten autonomen (d. h. unpolitischen) Partisaneneinheiten im Piemont. Die Deutschen steckten als Vergeltungsmaßnahme das Dorf in Brand und töteten 24 Personen.[43] In der Valsesia operierten die Garibaldiner unter Führung Cino Moscatellis, im Biellese die Garibaldiner Francesco Moraninos („Gemisto“), in der Val Chisone eine autonome Gruppe unter Maggiorino Marcellin („Bluter“) und in der Val d’Ossola organisierte der Mailänder Filippo Beltrami die erste Partisanenformation.[44] Bei Lecco in der Lombardei ereignete sich vom 17. bis 20. Oktober einer der ersten direkten Zusammenstöße zwischen Partisanen und dem Feind: In der Schlacht von Pizzo d’Erna erlitt die Partisanengruppe Pisacane eine Niederlage. In den Bergen oberhalb von Brescia und Bergamo formierten sich die Partisanenformationen Fiamme Verdi der Democrazia Cristiana. Große Bedeutung erlangte die Partisanenbewegung rasch auch in Venetien, wo insbesondere der Bellunese eine Hochburg der Resistenza wurde. Dagegen bildeten sich während des ersten Winters im emilianischen Apennin, im Trentino und in Südtirol nur sehr wenige Partisanengruppen.[45] Im ligurischen Apennin formierte sich die Banda di Cichero, in der Toskana gehörten zu den ersten Gruppen die in Vallucciole in der Provinz Arezzo und die des Monte Morello bei Florenz. Auch Umbrien und die Marken, wo sich zahlreiche ehemalige slowenische Kriegsgefangene der Resistenza anschlossen, waren aktive Partisanengebiete, dort bildete sich unter anderem die Banda di Colle San Marco bei Ascoli Piceno.[46] In der Nähe Teramos in den Abruzzen entstand mit der Banda di Bosco Martese eine frühe autonome Partisanenformation, die nach dreitägigen Kämpfen vom 25. bis 27. September jedoch zersprengt wurde. Im Latium, insbesondere in der Zone der Castelli Romani, verübten Partisanen Sabotageaktionen.[47]

In Rom entstand mit dem von Giuseppe Cordero Lanza di Montezemolo geleiteten Fronte militare clandestino bereits am 23. September eine Organisation des monarchischen Widerstands. Diese wurde mit der Festnahme Montezemolos und der meisten seiner Mitarbeiter jedoch schon Mitte Januar 1944 zerschlagen.[48]

Mussolini wurde indessen am 12. September 1943 im „Unternehmen Eiche“ von deutschen Fallschirmjägern befreit. Am 18. September hielt Mussolini von München eine Rede im Radio, fünf Tage später verkündete er die Gründung der faschistischen RSI. Das Königreich Italien, auch Königreich des Südens genannt, trat erst am 13. Oktober 1943 mit der Kriegserklärung an das Deutsche Reich wieder als „mitkriegsführendes Land“ (paese cobelligerante) in den Krieg ein, nun aufseiten der Alliierten gegen das Deutsche Reich.

Feiern in Neapel nach der Befreiung der Stadt

Am 21. September kam es in Matera zum Aufstand, wodurch sich die Stadt von der nationalsozialistischen Besatzung befreite. Ende des Monats brach in Neapel ein viertägiger Aufstand aus, der zum Abzug der deutschen Truppen führte. Vor dem Hintergrund der „vier Tage von Neapel“ („Quattro giornate di Napoli“) kam es von Ende September bis zur ersten Oktoberhälfte von Kampanien bis zu den Abruzzen und dem Molise zu mehreren Dutzend Erhebungen gegen die Nationalsozialisten, bis sich der Frontverlauf in Monte Cassino festigte.

Im September 1943 organisierten die Kommunisten in den Fabriken Turins und anderer Industriestädte geheime „Agitationskomitees“ („Comitati di agitazione“). Im November und Dezember 1943 ereigneten sich Streiks, die jedoch nicht dieselbe Wirkung wie die Streiks vom März 1943 und der Generalstreik von 1944 entfalteten.[49]

Die Universität Padua wurde zu einem Zentrum der Resistenza in Venetien. Der Rektor und Latinist Concetto Marchesi, der Mitglied der Kommunistischen Partei war, eröffnete das akademische Jahr im November 1943 nicht im Namen des Königs, sondern im Namen „der Arbeiter, der Künstler und der Wissenschaftler“ („dei lavoratori, degli artisti, e degli scienziati“). Bevor er am 1. Dezember in die Schweiz emigrierte, erließ er einen Appell an die Studentenschaft. Danach stellte sich der Professor und spätere Chef des venetischen CLN Egidio Meneghetti an die Spitze der Widerstand leistenden Akademiker.[50]

Am 3. November 1943 trafen sich Ferruccio Parri und Leo Valiani als Vertreter des mailändischen CLN in Certenago mit John McCaffery und Allen Welsh Dulles, Repräsentanten der alliierten Geheimdienste Special Operations Executive (SOE) und Office of Strategic Services (OSS). Parri überzeugte diese, die Partisanenbewegung mit Versorgungspaketen aus der Luft und finanziell zu unterstützen. Im ersten Herbst und Winter der Resistenza war die Unterstützung jedoch noch gering.[51]

In Mailand töteten gappisti am 18. Dezember 1943 in einem Attentat den hohen faschistischen Funktionär Aldo Resega.[52]

Entwicklung bis zur Befreiung Roms (Januar bis Juni 1944)

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Der Kongress des CLN in Bari vom 28. bis 29. Januar 1944 war die erste öffentliche parlamentarische Versammlung in Europa nach der nationalsozialistischen Invasion des Kontinents. Dort einigten sich die 90 Delegierten auf einen Kompromiss, der die Verschiebung der Frage nach der Staatsform auf ein Referendum nach dem Krieg und die Abdankung des Königs vorsah.[53]

Ab Ende 1943 hatten die Deutschen mit Durchkämmungsaktionen gegen die Partisanen begonnen. Im November 1943 wurden die Brigata Friuli und das Battaglione Roselli zerrüttet, sodass in den Bergen des Friaul während der Wintermonate nicht mehr als 50 Garibaldiner lebten. Im Piemont erwehrten sich die politischen Formationen der Angriffe besser als die autonomen. Im Zuge der desaströsen Antipartisanenbekämpfung in der Val d’Ossola fanden am 13. Februar Filippo Beltrami, Gaspare Pajetta und Gianni Citerio den Tod. In der zweiten Märzwoche 1944 wurden die autonomen Banden unter Enrico Martini („Mauri“) in der Val Casotto überrannt. Obwohl die Partisanenbekämpfung die Banden erheblich schwächte, erreichten die Durchkämmungsaktionen nicht ihr Ziel, die Banden völlig zu vernichten.[54]

Nach der Landung der Alliierten bei Anzio am 22. Januar 1944 verstärkten die Deutschen ihre Kräfte in Latium und zerschlugen die dortigen Partisanenformationen. Der Partisanenkampf in Mittelitalien verlagerte sich in der Folge nach Nordosten: in die Apenningebiete von der Maiella bis nach Spoleto, von den Gebirgszonen Umbriens und der Marken bis zu isolierten Gebieten der Maremma. Von Januar bis September 1944 operierte im Gebiet zwischen dem Fluss Sangro und Pesaro die bekannte Brigata Maiello unter Führung Ettore Troilos.[55]

Ab 1. März 1944 kam es zu einem Generalstreik in den oberitalienischen Städten, an dem Schätzungen zufolge 500.000 bis eine Million Arbeiter teilnahmen.[56] In Mailand und in geringerem Ausmaß in Turin stand die Produktion für eine Woche still. In Bologna traten neben die Streiks der Arbeiterschaft Demonstrationen der Bauern, in Florenz verbrannten die Streikenden einen faschistischen Kommandanten. In Venedig war der Streik von geringerem Ausmaß, während er in Triest, Genua und Biella scheiterte. Als Strafmaßnahme wurden von den Deutschen und Faschisten 2.000 Arbeiter verhaftet und in Konzentrationslager geschickt.[57]

Im Zuge der sogenannten „Wende von Salerno“ erklärte der aus dem sowjetischen Exil heimgekehrte kommunistische Politiker Palmiro Togliatti am 30. März, er würde mit Badoglio zusammenarbeiten unabhängig von der Frage, ob Viktor Emanuel III. abdanken würde oder nicht.[58] Nachdem dieser am 12. April auf amerikanischen Druck hin bekanntgegeben hatte, sich nach der Befreiung Roms zugunsten einer Statthalterschaft seines Sohnes Umberto zurückzuziehen, formierte sich in Salerno eine neue Regierung Badoglio, in der die fünf antifaschistischen Parteien des CLN (ohne die Democrazia del Lavoro) vertreten waren.[59]

Deutsche Soldaten in der Via Rasella, unmittelbar nach dem Attentat vom 23. März 1944

In Rom verübten am 23. März 1944 Gapisten einen Anschlag auf die deutschen Besatzungstruppen, dem 33 Südtiroler Angehörige des Polizeiregiments „Bozen“ und zwei Zivilisten zum Opfer fielen. Als Repressalie für dieses Attentat in der Via Rasella ließ der Kommandeur der Sicherheitspolizei und des