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Reiterbube

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
(Weitergeleitet von Rossbube)

Reiterbuben, auch Rossbuben oder Reiterjungen, waren Kindersoldaten, die den Söldnerheeren des 17. Jahrhunderts, vorwiegend im DreißigjĂ€hrigen Krieg, angehörten. Sie waren den – besser als die Landsknechte gestellten – Reitern als Trossjungen zugeordnet.

Die kriegsbedingten Folgen von Armut und Perspektivlosigkeit, die Vernichtung der Familie oder ganzer Dorfgemeinschaften wĂ€hrend des DreißigjĂ€hrigen Krieges und die Kriegssituation, in die sie bereits hereingeboren wurden, veranlassten Jungen, sich in den vermeintlichen Schutz der Söldnerhaufen zu flĂŒchten. Ihr Reiter, dem sie persönlich zugeordnet waren, sorgte fĂŒr Nahrung und ein gewisses Maß an Sicherheit, andererseits hatten sie ihn auf den FeldzĂŒgen zu begleiten und „rund um die Uhr“ zu versorgen.

Reiterbuben waren fĂŒr die Funktion der Söldnerheere des 17. Jahrhunderts von essentieller Bedeutung. Die Jungen reinigten die Waffen, versorgten die Pferde und pflegten den KĂŒrass. Außerdem ritten sie das Reservepferd und verrichteten Handreichungen der verschiedensten Art bei der Nahrungsversorgung und -zubereitung sowie der Unterbringung. Eine wesentliche Aufgabe war das Absuchen der Schlachtfelder nach Wertsachen, die PlĂŒnderung und das Leichenfleddern fĂŒr ihren Herrn nach dem Kampf.[1]

In den Romanen Der Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen und Die Ahnen (Band 5: Die Geschwister) von Gustav Freytag ist das Leben der Reiterbuben des DreißigjĂ€hrigen Krieges anschaulich geschildert.

Die Zahl der Kindersoldaten in den Söldnerhaufen des DreißigjĂ€hrigen Krieges lĂ€sst sich kaum beziffern, dĂŒrfte aber betrĂ€chtlich gewesen sein. Jeder berittene Söldner hatte in der Regel einen oder mehrere Buben als Gehilfen. In EinzelfĂ€llen sind Zahlen ĂŒberliefert, die es ermöglichen, den Anteil annĂ€hernd zu schĂ€tzen. Im Dezember 1630 beherbergte die Stadt Langenau ein Söldnerheer mit 368 Reitern, denen 307 Reiterjungen zugehörten.[2]

Normalerweise – und sofern er ĂŒberlebte – ging der Status des Reiterjungen etwa mit dem Alter von 16 Jahren nahtlos in den des Söldners ĂŒber.

In der Öffentlichkeit wurden die Reiterbuben als Spießgesellen der mordenden und plĂŒndernden Söldner, als Marodeure und als Spitzbuben wahrgenommen. Nach dem WestfĂ€lischen Frieden war es problematisch, die an das ungebundene Söldnerleben gewöhnten, verwaisten Kinder in die dörflichen und stĂ€dtischen Gemeinschaften einzugliedern. Viele dĂŒrften Straftaten begangen haben und am Galgen geendet sein, andere haben wahrscheinlich in den folgenden TĂŒrkenkriegen eine Aufgabe gefunden.[3]

Neben den Reiterbuben gab es noch andere Kindersoldaten, zum Beispiel die Trommlerbuben, die in den Söldnerhaufen marschierten und die Signaltrommel schlugen, die Schiffsjungen auf den Kriegsschiffen des 17. und 18. Jahrhunderts.

Einzelnachweise

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  1. ↑ Daniel Putzger: Kinder als Akteure in bewaffneten Konflikten, GRIN-Verlag Norderstedt 2005, ISBN 978-3640293117, S. 37–39
  2. ↑ Gerd Zillhardt: Der DreißigjĂ€hrige Krieg in zeitgenössischer Darstellung, Kohlhammer Stuttgart 1975, S. 201
  3. ↑ Friedrich Fiederlein: Kindersoldaten in Afrika. In: Schule & Mission, Heft 1, 2003, S. 10 (PDF (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2019. Suche im Internet Archive) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prĂŒfe den Link gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.))