Ruadhelm
Ruadhelm (* 8. oder 9. Jahrhundert; â um 857) war von 838 bis 842 Abt des Klosters Reichenau.
Leben und Wirken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ăber Ruadhelm, der im Jahre 838 die Leitung der Abtei Reichenau ĂŒbernahm, ist nur wenig bekannt. Gleichwohl ist sein Abbatiat ausreichend belegt. Er war Mönch des Inselklosters, bevor er nach dem RĂŒcktritt Erlebalds von den Konventsmitgliedern, unter Berufung auf das Recht der freien Abtswahl, zu dessen Nachfolger gewĂ€hlt wurde. Mit dieser Wahl kam die Mönchsgemeinschaft dem Wunsch Ludwigs des Frommen zuvor, der zur gleichen Zeit Walahfrid Strabo als Abt einsetzte.
Walahfrid konnte sich jedoch zunĂ€chst nicht gegen Ruadhelm durchsetzen, denn obwohl auch er aus dem Konvent des Klosters Reichenau stammte, widersetzten sich seine MitbrĂŒder der Entscheidung des Kaisers.[1] Dennoch lassen die Klosterannalen Walahfrids AbtswĂŒrde bereits 838 beginnen, wĂ€hrend im Abtskatalog sowie in der Chronik Hermanns des Lahmen ab 838 Ruadhelm als Abt verzeichnet ist. Dieser Widerspruch muss auch vor dem Hintergrund der karolingischen Bruderkriege gesehen werden. Nach dem Tod Ludwigs des Frommen war es zwischen seinen Söhnen zu einem Streit um die Reichsaufteilung gekommen. Walahfrid, der sich auf die Seite Lothars I. schlug, sah sich gezwungen das Kloster Reichenau, das im Machtbereich Ludwigs des Deutschen lag, zu verlassen. Ruadhelm dagegen war ein AnhĂ€nger Ludwigs des Deutschen und leitete die Abtei, bis sich Walahfrid mit Ludwig versöhnt hatte, 842 auf die Reichenau zurĂŒckkehrte und sich nun gegen den amtierenden Abt durchsetzen konnte.[2]
Wie bereits sein VorgĂ€nger Erlebald engagierte sich auch Ruadhelm um den Ausbau der Klosterbibliothek, erwarb zahlreiche BĂŒcher und betĂ€tigte sich auch selbst als Schreiber.[3]
Wann Ruadhelm verstarb, ist nicht ĂŒberliefert; es ist jedoch belegt, dass er nach seinem Abbatiat noch mindestens zwölf Jahre Mönch im Kloster Reichenau war.[4] Dem VerbrĂŒderungsbuch der Abtei Reichenau zufolge fĂ€llt sein Todestag auf den 8. Oktober. Er muss spĂ€testens 857 gestorben sein.[4]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Konrad Beyerle: Von der GrĂŒndung bis zum Ende des freiherrlichen Klosters (724â1427). In: Konrad Beyerle (Hrsg.): Die Kultur der Abtei Reichenau. Erinnerungsschrift zur zwölfhundertsten Wiederkehr des GrĂŒndungsjahres des Inselklosters 724â1924. 1. Teilband. Verlag der MĂŒnchner Drucke, MĂŒnchen 1925, S. 92 und S. 100â102.
- Roland Rappmann, Alfons Zettler: Die Reichenauer Mönchsgemeinschaft und ihr Totengedenken im frĂŒhen Mittelalter (ArchĂ€ologie und Geschichte 5). Thorbecke, Sigmaringen 1998, ISBN 3-7995-7355-0, S. 296â297.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Roland Rappmann, Alfons Zettler: Die Reichenauer Mönchsgemeinschaft und ihr Totengedenken im frĂŒhen Mittelalter (ArchĂ€ologie und Geschichte 5). Thorbecke, Sigmaringen 1998, ISBN 3-7995-7355-0, S. 296â297.
- â Konrad Beyerle: Von der GrĂŒndung bis zum Ende des freiherrlichen Klosters (724â1427). In: Konrad Beyerle (Hrsg.): Die Kultur der Abtei Reichenau. Erinnerungsschrift zur zwölfhundertsten Wiederkehr des GrĂŒndungsjahres des Inselklosters 724â1924. 1. Teilband. Verlag der MĂŒnchner Drucke, MĂŒnchen 1925, S. 100â103.
- â Konrad Beyerle: Von der GrĂŒndung bis zum Ende des freiherrlichen Klosters (724â1427). In: Konrad Beyerle (Hrsg.): Die Kultur der Abtei Reichenau. Erinnerungsschrift zur zwölfhundertsten Wiederkehr des GrĂŒndungsjahres des Inselklosters 724â1924. 1. Teilband. Verlag der MĂŒnchner Drucke, MĂŒnchen 1925, S. 92
- 1 2 Roland Rappmann, Alfons Zettler: Die Reichenauer Mönchsgemeinschaft und ihr Totengedenken im frĂŒhen Mittelalter (ArchĂ€ologie und Geschichte 5). Thorbecke, Sigmaringen 1998, ISBN 3-7995-7355-0, S. 296.
| VorgÀnger | Amt | Nachfolger |
|---|---|---|
| Erlebald | Abt von Reichenau 838â842 | Walahfrid Strabo |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Ruadhelm |
| KURZBESCHREIBUNG | Abt der Reichenau (838â842) |
| GEBURTSDATUM | 8. Jahrhundert oder 9. Jahrhundert |
| STERBEDATUM | 9. Jahrhundert |