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RĂŒbenburg

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Villa Knauer (Kabelsketal, 19. Jh.), mit programmatischem ZuckerrĂŒbenemblem und Inschrift: „Dir verdankt dieĆżs Haus sein Entstehen“.

RĂŒbenburg (auch RĂŒbenpalast) ist ein volkstĂŒmlicher Ausdruck fĂŒr den villenartigen Neubau eines Bauernhauses. Gemeint sind HĂ€user, die in Gegenden entstanden sind, deren Bauern durch den Anbau der ZuckerrĂŒbe zu einigem Wohlstand gelangten. Die Bezeichnung hat sich vor allem in den Regionen Braunschweig und Magdeburg verbreitet.

Amtshof im Wolfsburger Stadtteil Ehmen
BĂ€uerliche Villa in Barnstorf im Landkreis WolfenbĂŒttel
Villa in Pabstorf im Landkreis Harz

Ende des 19. Jahrhunderts setzte sich in Regionen mit geeigneten Böden der Anbau der ZuckerrĂŒbe durch. Die Pflanze benötigt tiefgrĂŒndige, nĂ€hrstoffreiche LĂ¶ĂŸböden, die vor allem in den Bördelandschaften vorhanden sind. Eine der grĂ¶ĂŸten zusammenhĂ€ngenden Börderegionen erstreckt sich vom Raum Braunschweig/Hildesheim bis nach Magdeburg. Nach erfolgreicher ZĂŒchtung der ZuckerrĂŒbe aus der RunkelrĂŒbe und mit der Entwicklung neuer DĂŒngemittel war der Boden fĂŒr die Entstehung der Zuckerindustrie in den Börderegionen bereitet.

Den Bauern boten sich nach der Bauernbefreiung, die um 1850 vollendet war, neue Möglichkeiten des Wirtschaftens. Als sie mit dem Anbau der ZuckerrĂŒbe begannen, entstanden zur selben Zeit die fĂŒr die Produktion notwendigen Zuckerfabriken. Die RĂŒbenbauern waren an den Fabriken, die meist in nicht allzu großer Entfernung gebaut wurden, als AktionĂ€re beteiligt (die Anlagen hießen in der Regel „Actien-Zuckerfabrik“). Sie verdienten also nicht nur mit dem Anbau der ZuckerrĂŒbe, sondern auch am Verkauf des Zuckers und anderer Endprodukte.

Auf diese Weise kamen etliche RĂŒbenbauern zu betrĂ€chtlichem Wohlstand und brachten das durch den Neubau ihres Wohnhauses zum Ausdruck. Wo vorher das bĂ€uerliche Fachwerkhaus stand, schossen nun steinerne PalĂ€ste aus dem Boden. Vielfach orientierte man sich an den bĂŒrgerlichen Villen, die zur selben Zeit in den StĂ€dten entstanden. Immer wiederkehrende Elemente waren prĂ€chtige TreppenaufgĂ€nge, große Eingangshallen und TreppenhĂ€user, Fensterrahmen mit Zementstuck, Ornamente, SĂ€ulen, Zwerchgiebel, Balkone, Freisitze. Die Bauherren bevorzugten architektonische Formen der Renaissance und des Historismus. Auf diese Weise versuchten die Bauern, an den Status adliger Gutsbesitzer heranzureichen, deren HerrenhĂ€user oft nur wenige Meter entfernt standen.

Dass die Bauern ihren neuen Reichtum auf diese Weise zur Schau stellten, blieb bei der Dorfbevölkerung nicht ohne Reaktion. Neid und Spott ĂŒber die neue Protzigkeit ließen schnell den Begriff der „RĂŒbenburgen“ entstehen, der sich bis heute im Volksmund erhalten hat. Inzwischen klagen viele heutige Besitzer allerdings auch ĂŒber die hohen Kosten, die durch den Unterhalt der GebĂ€ude entstehen.

Daneben erwarben sich die in diesen Gegenden parallel entstandenen wuchtigen Backsteinkirchen den umgangssprachlich-abschĂ€tzigen Titel „RĂŒbendom“[1].

Einzelnachweise

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  1. ↑ „Guter Rat im RĂŒben-Dom – Notizen von einer Tagung in der Evangelischen Akademie Magdeburg“ auf: www.altekirchen.de