Zum Inhalt springen

seiger

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
(Weitergeleitet von Saiger)

Das Adjektiv seiger (oder saiger) [ˈzaÉȘÌŻ.ɥɐ] ist ein im Bergbau und in der Geologie meist synonym fĂŒr senkrecht, lotrecht oder vertikal verwendeter Begriff, der zur nĂ€heren Beschreibung der Raumlage bergbaulicher oder geologischer Gegebenheiten benutzt wird. Beispielsweise wird im Bergbau ein senkrechter Schacht als seigerer Schacht, in der Geologie die senkrechte Stellung einer Kluft als seigere Kluft bezeichnet. Im Gegensatz dazu weicht ein tonnlĂ€giger Schacht von der Vertikalen ab und fĂŒhrt schrĂ€g in die Tiefe. Entsprechend ist ein Seigerriss eine senkrechte Schnittzeichnung (Aufriss) durch ein Bergwerk.

SaigertĂŒrmchen an St. Nikolai (Quedlinburg) mit dem Schlagwerk fĂŒr die Turmuhr
Grundriss und Seigerrisse eines Bergbaus

Die Nomen „Saigern“/„Seigern“, „Absaigern“/„Abseigern“, sowie die Verben „saigern“/„seigern“/„absaigern“/„abseigern“ beschreiben Prozesse des Absinkens von Bestandteilen eines Schmelzgemisches mit spezifisch höherem Gewicht gegenĂŒber solchen mit spezifisch leichter gewichtigen Bestandteilen, wie z. B. in Magmakammern (siehe Differentiation von Magmen), bei der Entstehung der Erde bzw. bei Entstehung des Schalenbaus der Erde.

Die im Bergbau ĂŒblichen Bezeichnungen fĂŒr Neigungen von senkrecht bis waagerecht sind:

  • seiger (>75–90 Grad).
  • tonnlĂ€gig (>45–75 Grad),
  • flach fallend (>15–45 Grad)
  • schwebend oder söhlig (kann ein geringes GefĂ€lle zur besseren WasserfĂŒhrung besitzen),
  • totsöhlig (prĂ€zise horizontal).

In einigen Gegenden im mitteldeutschen Raum wird auch die Uhr umgangssprachlich als Seiger bzw. Saiger bezeichnet. Diese Bezeichnung, die ursprĂŒnglich fĂŒr Turmuhren benutzt wurde, geht auf das frĂŒhneuhochdeutsche Wort seiger fĂŒr Waage zurĂŒck und leitet sich von dem waagerecht schwingenden Unruhbalken dieser Uhren ab.[1]

Wiktionary: seiger – BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. ↑ Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 23. Auflage. De Gruyter, 1999, S. 755.