Satrapenaufstand
Der von Diodor[1] ĂŒberlieferte Satrapenaufstand bezeichnet den Aufstand zahlreicher kleinasiatischer Satrapen gegen Artaxerxes II. 366â360 v. Chr. UnterstĂŒtzt wurden sie durch den Ă€gyptischen König Tachos und die Spartaner. Die Unruhen griffen auf Syrien und Phönizien ĂŒber.[2]
Die Forschung streitet ĂŒber das AusmaĂ und die Bedeutung des Aufstandes. Schon die Frage, ob es sich tatsĂ€chlich um eine einzige groĂe Erhebung gehandelt hat, wie Diodor im Abstand von 300 Jahren behauptete, ist ungeklĂ€rt. Man kann ihn in mehrere einzelne AufstĂ€nde unterteilen, bei denen in Wahrheit unklar ist, ob diese miteinander zusammenhingen, und zwar in die Erhebung des Datames mit Zentrum in Kappadokien, die Rebellion des Ariobarzanes im hellespontischen Phrygien, welcher durch Sparta und Athen unterstĂŒtzt wurde, die Unruhen unter Beteiligung von Orontes I. (Zug nach Syrien), Datames (Querung des Euphrats) und Tachos (Zug mit UnterstĂŒtzung von Agesilaos II. und Chabrias nach Phönizien).[2]
Diodor schreibt zu diesem Aufstand, dass 362/1 v. Chr. die Bewohner der kleinasiatischen KĂŒste zu revoltieren begonnen, und auch die persischen Satrapen erhoben sich gegen Artaxerxes. Zur selben Zeit habe sich auch der Ă€gyptische König Tachos entschlossen, gegen die Perser zu kĂ€mpfen, und dieser konnte laut Diodor auch die Lakedaimonier ĂŒberzeugen, sich ihm anzuschlieĂen. Artaxerxes bereitete sich angeblich lĂ€ngere Zeit auf den Kampf vor, denn er musste sowohl gegen den Ă€gyptischen König, die griechischen StĂ€dte Kleinasiens, die Lakedaimonier und deren VerbĂŒndete als auch gegen die Satrapen, welche die KĂŒstengebiete verwalteten und beschlossen hatten, mit den Feinden des Perserkönigs gemeinsame Sache zu machen, kĂ€mpfen. Die hervorragendsten der Satrapen waren demnach Ariobarzanes, der Satrap von Phrygien, Maussolos von Karien, Orontes von Mysien und Autophradates von Lydien. Diejenigen Satrapen, die gegen Artaxerxes revoltierten, wĂ€hlten laut Diodor Orontes als ihren Feldherrn. Dieser brach allerdings angeblich das in ihn gesetzte Vertrauen, da er gehofft habe, er könnte der alleinige Satrap der gesamten KĂŒstenregion werden, wenn er die AufstĂ€ndischen dem Perserkönig auslieferte. Ein Ă€hnlicher Verrat ereignete sich laut Diodor auch in Kappadokien: Artabazos II., der Feldherr des Königs, marschierte in Kappadokien ein, und Datames, der Satrap dieses Landes, stellte sich ihm entgegen. Datamesâ Schwiegervater habe sich allerdings als VerrĂ€ter erwiesen. Dennoch konnte Datames das feindliche Heer besiegen und steigerte sein Ansehen als Feldherr dadurch laut Diodor immens; und Artaxerxes ordnete daraufhin laut Diodor dessen Ermordung an.[3] Insbesondere Michael Weiskopf hat dabei die These vertreten, Diodors Angaben seien vielfach falsch oder irrefĂŒhrend; mehrere der genannten Satrapen, vor allem Maussolos und Autophradates, hĂ€tten in Wahrheit nie gegen den Perserkönig rebelliert, und die Vorstellung eines GroĂen Satrapenaufstandes sei insgesamt ein âMythosâ. Anderen Forschern geht Weiskopfs Kritik allerdings zu weit.
Die AufstĂ€nde endeten jedenfalls damit, dass sich Orontes unterwarf, Datames ermordet wurde und Tachos um Gnade flehend zum GroĂkönig floh, nachdem er dem Kronprinzen Ochos unterlegen war und zudem eine Rebellion in Ăgypten fĂŒrchtete. Als letzte Phase des Satrapenaufstandes kann man die Erhebung des Artabazos gegen Artaxerxes III. (ab 352) zĂ€hlen. Die AufstĂ€nde sind wohl weniger als Zeichen einer grundsĂ€tzlichen SchwĂ€che der persischen Zentralmacht zu werten, sondern mehr als Symptome vorĂŒbergehender regionaler InstabilitĂ€t zu sehen, als wohl unabhĂ€ngig voneinander und aus unterschiedlichen GrĂŒnden im Laufe von etwa 10 Jahren Unruhen und Revolten ausbrachen, die Diodor spĂ€ter zu einem einzigen groĂen Aufstand verwob. FĂŒr das Scheitern der AufstĂ€nde war RivalitĂ€ten der Satrapen und im Ă€gyptischen Herrscherhaus ebenso verantwortlich wie militĂ€rische und diplomatische GegenmaĂnahmen Artaxerxesâ II.[2]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Pierre Briant: From Cyrus to Alexander. A History of the Persian Empire. Eisenbrauns, Winona Lake [IN] 2002, ISBN 978-1-57506-120-7, bes. 656 ff.
- Simon Hornblower: Persia. Political History, 400â336 B. C. In: The Cambridge Ancient History. Band 6. 2. Auflage. 1994, 45â96, bes. 84 ff.
- Robert A. Moysey: Diodoros, the Satraps and the Decline of the Persian Empire. In: Ancient History Bulletin. Band 5, 1991, 113â122.
- Michael Weiskopf: The So-Called âGreat Satrapsâ Revoltâ, 366â360 B. C. Concerning Local Instability in the Achaemenid Far West (= Historia Einzelschriften. Band 63). Steiner, Stuttgart 1989, ISBN 3515053875.
- Josef Wiesehöfer: Satrapenaufstand. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 11, Metzler, Stuttgart 2001, ISBN 3-476-01481-9, Sp. 110â111.
Anmerkungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Diodor 15, 90.1â4. perseus.tufts.edu
- 1 2 3 Josef Wiesehöfer, Satrapenaufstand, In: Der Neue Pauly 11, Sp. 110f.
- â Diodor 15, 90â92.