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Sophie Pataky

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Lexikon deutscher Frauen der Feder (Buchdeckel)

Sophie Caroline Pataky geb. Stipek (geboren 5. April 1860 in Podiebrad, Kaisertum Österreich; gestorben 24. Januar 1915 in Meran, Österreich-Ungarn) war eine österreichische Bibliografin. Mit ihrem zweibĂ€ndigen Lexikon deutscher Frauen der Feder erschien 1898 das erste von einer Frau herausgegebene deutschsprachige Schriftstellerinnenlexikon.

Herkunft und frĂŒhe Jahre

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Der Vater Dionis Ć tĂ­pek war tschechischer Gutsverwalter im Schloss Poděbrad in Böhmen, die Mutter war eine Tochter des ungarischen Gutsverwalters IstvĂĄn (Sebastian) Szabadfy auf einem Schloss der FĂŒrsten von Batthyany.[1] Der spĂ€tere General Theodor Stipek war wahrscheinlich ein Bruder.

Über das frĂŒhe Leben von Sophie Pataky gibt es bislang keine Informationen. Sie lernte den Zeitschriftenverleger Carl Pataky wahrscheinlich in Wien kennen und heiratete ihn nach 1880. 1896 lebten sie in Berlin. Sophie Pataky gab an, dass sie in dieser Zeit vor allem als Hausfrau und mit „Familienpflichten“ vollstĂ€ndig in Anspruch genommen gewesen sei.[2]

Schriftstellerinnenlexikon

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Im September 1896 nahm sie am Internationalen Frauen-Kongress im Berliner Rathaus teil. Dadurch wurde sie auf die Frauenfrage aufmerksam, die ihr bis dahin nicht bewusst gewesen war. Sie entschied sich daraufhin, ein Schriftstellerinnen-Lexikon zusammenzustellen, und recherchierte dafĂŒr intensiv. Sie nahm Kontakt zu zahlreichen Autorinnen auf und erhielt von ihnen Informationen zu deren Biographien. Dazu ließ sie sich jeweils einige Werke von ihnen schicken, um diese kennenzulernen. Auf diese Weise entstand eine Bibliothek von ca. 1.700 BĂŒchern. Die Schriftstellerin Anna von Krane warf ihr daraufhin in einem Briefwechsel vor, sie wĂŒrde sich an den kostenlos zugesandten Werken bereichern.[3] Sophie Pataky schenkte jedoch im Jahr 1900 diese umfangreiche BĂŒchersammlung der Bibliothek des KaufmĂ€nnischen Hilfsvereins fĂŒr weibliche Angestellte in Berlin, deren Bestand spĂ€ter in die Berliner Stadtbibliothek ĂŒberging.[4]

Anfang 1898 veröffentlichte Sophie Pataky ihr zweibÀndiges Werk Lexikon deutscher Frauen der Feder, das eine gute Resonanz erhielt. Von 1898 bis etwa 1904 war Sophie Pataky Mitglied im Deutschen Schriftstellerinnenbund.[5]

Ab 1907 lebten Sophie und Carl Pataky in Meran in SĂŒdtirol, wo sie die Villa Steffihof in Untermais erwarben und bewohnten. Sophie Pataky starb am 24. Januar 1915 in ihrem Haus in Untermais an einem Gehirnschlag und wurde am 26. Januar 1915 auf dem örtlichen katholischen Friedhof begraben. In ihrem Testament vermachte sie der StĂ€dtischen Heilanstalt in Meran 20.000 Kronen und dem Maiser Versorgungshaus 10.000 Kronen.[6]

Lexikon deutscher Frauen der Feder

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Sophie Pataky begann im Herbst 1896, Material ĂŒber schreibende Frauen zu sammeln. Das letzte Lexikon ĂŒber Autorinnen war 1823/25 erschienen.[7] Ihr Ziel war es, „die schreibende Frau ĂŒberhaupt, gleichviel in welcher Form sie ihre geistige TĂ€tigkeit mit der Feder zum Ausdruck bringt“, im Buch zu erfassen.[8] Sophie Pataky suchte besonders in Zeitschriften und Prospekten nach Namen und schrieb dann die Buch- und Zeitschriftenverlage mit der Bitte um Vermittlung an. Die Reaktionen darauf erfolgten hĂ€ufig nicht, sodass sie zu vielen Autorinnen keinen Kontakt erhielt. Sophie Pataky hatte geplant, ihr Werk unter dem Titel Lexikon deutscher Schriftstellerinnen herauszubringen. Sie Ă€nderte den Titel jedoch, als einige Frauen eine Zuarbeit verweigerten, da sie sich nicht als richtige Schriftstellerinnen begriffen.

Innerhalb von 1ÂŒ Jahren ermittelte Sophie Pataky Angaben zu ĂŒber 5.000 Frauen. Es bleibt etwas rĂ€tselhaft, wie dieses in so kurzer Zeit niedergeschrieben werden konnte. Wahrscheinlich erhielt sie UnterstĂŒtzung von anderen Personen bei der Erstellung des Textes.

Im Januar 1898 verfasste sie das Vorwort. Bald danach erschien der erste Band im Verlag ihres Mannes sowie kurz darauf der zweite Band. Beide BĂ€nde wurden in verschiedenen Zeitschriften positiv rezensiert. 1899 wurden die Rechte des Buches an den Verlag Schuster & Loeffler verkauft, der von einem Schwiegersohn von Carl Pataky geleitet wurde.[9]

Das Lexikon deutscher Frauen der Feder enthĂ€lt Angaben zu Schriftstellerinnen von Romanen, Gedichten und weiterer Belletristik, aber auch von Journalistinnen, Reiseschriftstellerinnen, Kochbuchautorinnen und weitere. Damit wurde eine breitere Auswahl getroffen als in anderen Lexika. Zu vielen Frauen sind nur die Namen und Adressen angegeben. Über einige gibt es ausfĂŒhrliche biographische Angaben, die auf den SelbstauskĂŒnften beruhen. Sophie Pataky Ă€nderte die subjektive Ich-Form der Briefe bzw. autobiographischen Angaben in eine objektive Sie-Form eines Lexikons. Außerdem nahm sie einige kleinere stilistische VerĂ€nderungen vor und kĂŒrzte in einigen FĂ€llen. ZusĂ€tzlich wurde eine ausfĂŒhrliche Liste mit veröffentlichten Werken der Autorinnen aufgefĂŒhrt.

Insgesamt gibt es ĂŒber 6.600 EintrĂ€ge.[10] Da es zu einigen Autorinnen EintrĂ€ge unter ihrem Namen und unter ihrem Pseudonym gibt, liegt die tatsĂ€chliche Anzahl wahrscheinlich bei etwas ĂŒber 5.000.[11]

Das Lexikon deutscher Frauen der Feder enthĂ€lt Informationen ĂŒber viele Autorinnen, ĂŒber die es heute nur wenige oder ĂŒberhaupt keine weiteren Informationen gibt. Es bildet ein breites Spektrum schreibender Frauen ab.

Die Angaben beruhen fast ausschließlich auf den SelbstauskĂŒnften der Frauen. Somit wurden auch bewusste und unbewusste Ungenauigkeiten und Fehler ĂŒbernommen. Eine Kontrolle der gemachten Angaben fand nicht statt. Einige Geburtsjahre sind falsch, manche um einige Jahre verschoben, wodurch sich einige Autorinnen jĂŒnger darstellen wollten.

  • Lexikon deutscher Frauen der Feder. Eine Zusammenstellung der seit dem Jahre 1840 erschienenen Werke weiblicher Autoren, nebst Biographieen der lebenden und einem Verzeichnis der Pseudonyme. Herausgegeben von Sophie Pataky. Carl Pataky, Berlin 1898
    • 1. Band: A–L
    • 2. Band: M–Z
Digitalisate
Neuausgaben
  • Lexikon deutscher Frauen der Feder. VollstĂ€ndiger Neusatz beider BĂ€nde in einem Buch, Hofenberg, Berlin 2014, ISBN 978-3-8430-4450-9

Einzelnachweise

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  1. ↑ Marianne Jacob: Die AnfĂ€nge bibliographischer Darstellung der deutschen Literatur des 19. Jahrhunderts. Dissertation, Humboldt-UniversitĂ€t Berlin, 2003, S. 138, mit Anm. 160 (S. 230); nach Pfarrbuch der Gemeinde Poděbrad; der Vater Dionis Ć tĂ­pek wurde erwĂ€hnt im Iglauer Sonntags-Blatt vom 20. September 1868, S. 10 Text, in der Fremdenliste des Gasthofes zu drei FĂŒrsten
  2. ↑ Sophie Pataky: Lexikon deutscher Frauen der Feder. Band 1. Carl Pataky, Berlin 1898, S. 5.
  3. ↑ Anmerkungen zum Teilnachlass von Sophie Pataky (1860–?) im Archiv der deutschen Frauenbewegung in Kassel, S. 3. (Memento vom 8. Oktober 2013 im Internet Archive; PDF; 11 kB); der Briefwechsel ist im Archiv der deutschen Frauenbewegung in Kassel erhalten, so Nachlassdatenbank. Abgerufen am 15. Dezember 2022.; vgl. Bibliotheksstempel
  4. ↑ Dagmar Jank (2020): Frauenbibliotheken der ersten Frauenbewegung. In: Digitales Deutsches Frauenarchiv, abgerufen am 21. MĂ€rz 2023.
  5. ↑ Deutscher Litteratur-Kalender, 1900–1904, bei Vereine
  6. ↑ Maiser Wochenblatt vom 27. MĂ€rz 1915, S. 5 (Digitalisat der Teßmann-Bibliothek).
  7. ↑ August von Schindel: Die deutschen Schriftstellerinnen des neunzehnten Jahrhunderts. 2 BĂ€nde, 1823, 1825.
  8. ↑ Sophie Pataky (Hrsg.): Lexikon deutscher Frauen der Feder. Band 1. 1898, S. 10, Vorwort
  9. ↑ Dokument ĂŒber Verkauf von 1899, vgl. auch Birgit Kuhbandner: Unternehmer zwischen Markt und Moderne: Verleger und die zeitgenössische deutschsprachige Literatur an der Schwelle zum 20. Jahrhundert. Harrassowitz, Wiesbaden 2008, S. 141, mit kurzer ErwĂ€hnung.
  10. ↑ Rahmentext Zeno.org, mit automatischer ZĂ€hlung
  11. ↑ Lucia Hacker: Schreibende Frauen um 1900: Rollen – Bilder – Gesten. Lit, Berlin 2007, S. 27 Anmerkung 13, nimmt etwa 6.000 an.