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Sprungprozess

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie

Ein Sprungprozess ist ein spezieller stochastischer Prozess und somit ein Untersuchungsobjekt der Wahrscheinlichkeitstheorie, einem Teilgebiet der Mathematik. Anschaulich zeichnen sich Sprungprozesse dadurch aus, dass ihr Wert eine gewisse (zufĂ€llige) Zeit lang konstant bleibt, um dann einen Sprung zu einem weiteren Wert zu machen, auf dem sie wieder eine Zeit lang verharren. Im einfachsten Fall eines Sprungprozesses mit der Indexmenge und Zustandsmenge ℝ bilden die Pfade eines Sprungprozesses eine Treppenfunktion.

Zwei Pfade eines Poisson-Prozesses, einem typischen Sprungprozess

Gegeben sei ein stochastischer Prozess X=(Xt)t∈T mit Indexmenge T und Werten in E.

Dann heißt X ein Sprungprozess, wenn die Pfade des Prozesses, also die Abbildungen

Wω:T→E,

definiert durch

Wω(t):=Xt(ω)

stĂŒckweise konstant sind.[1]

Eine große Klasse von Sprungprozessen sind die ZĂ€hlprozesse, zu denen auch der Poisson-Prozess gehört. Anschaulich zĂ€hlen diese die Anzahl der bis zu einem gewissen Zeitpunkt eingetretenen Ereignisse, Ă€hnlich einem GeigerzĂ€hler. Bei jedem eingetretenen Ereignis springen sie um den Wert eins nach oben.

Auch bei Sprungprozessen sind degenerierte FĂ€lle möglich und mĂŒssen im Zweifel explizit ausgeschlossen werden. Einer dieser SpezialfĂ€lle ist eine sogenannte Explosion. Dabei hat der Sprungprozess in endlicher Zeit unendlich viele SprĂŒnge (nach oben).[2]

Ein möglicher Pfad solch einer Explosion wÀre gegeben durch

W(t):=n fĂŒr t∈[−1n;−1n+1)

mit t∈[−1,0). Solche Explosionen treten beispielsweise bei der Modellierung von Patientenaufnahmen in einem Krankenhaus bei Ausbruch einer Seuche auf. Dabei werden in immer kĂŒrzer werdenden AbstĂ€nden Patienten in das Krankenhaus eingeliefert. Im obigen Beispiel wĂ€re der zeitliche Abstand zwischen Patient n−1 und Patient n genau 1n Zeiteinheiten lang. Die Anzahl der belegten Betten zum Zeitpunkt t (vor der Explosion) ist durch W(t) gegeben.

Einzelnachweise

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  1. ↑ Yu.M. Kabanov: Jump Process. In: Michiel Hazewinkel (Hrsg.): Encyclopedia of Mathematics. Springer-Verlag und EMS Press, Berlin 2002, ISBN 1-55608-010-7 (englisch, encyclopediaofmath.org).
  2. ↑ David Meintrup, Stefan SchĂ€ffler: Stochastik. Theorie und Anwendungen. Springer-Verlag, Berlin Heidelberg New York 2005, ISBN 3-540-21676-6, S. 273–274, doi:10.1007/b137972.