Tel Kabri

Koordinaten: 33° 0′ 30,2″ N, 35° 8′ 20,8″ O
Tel Kabri bei dem zerstörten palästinensischen Dorf Al-Kabri bezeichnet die Reste einer antiken Stadt im heutigen Israel, die vor allem in der mittleren Bronzezeit (etwa 1750 bis 1500 v. Chr.) ihre Blütezeit erlebte. Aus dieser Zeit stammen Befestigungsanlagen und ein Palast. Es handelt sich um einen der größten Paläste der mittleren Bronzezeit in Israel. Der Ruinenhügel (Tell) ist etwa 34 Hektar groß. Der antike Name der Stadt ist nicht mit Sicherheit bekannt, sie wurde jedoch in der frühen Eisenzeit (ab ca. 1200 v. Chr.) von den Phöniziern als „Rehov“ bezeichnet. In römischer Zeit entstand östlich der Ruinen der bronzezeitlichen Stadt der Ort Kabrita.
Tel Kabri liegt etwa 5 km vom Meer entfernt. Der zur Stadt gehörige Hafen konnte bisher nicht identifiziert werden. Die Stadt erlangte wahrscheinlich ihre besondere Bedeutung durch zwei Quellen, die immer wieder Siedler anzogen. Eine dieser Quellen liegt innerhalb des ummauerten Stadtgebietes der mittleren Bronzezeit, die andere etwas östlich der Stadtmauer.
Grabungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Tel Kabri wurde in den 1950er Jahren als archäologischer Fundort identifiziert. Es gab in den folgenden Jahren einzelne kleine Grabungen, oftmals Rettungsgrabungen. Der Ort war zweimal das Ziel von Ausgrabungen in größerem Maßstab. Von 1986 bis 1993 fanden Untersuchungen unter der Leitung von Wolf-Dietrich Niemeier und Aaron Kempinski statt. 2005 wurden die Grabungen wieder aufgenommen, diesmal unter der Leitung von Eric H. Cline und Assaf Yasur-Landau.[1]
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Es gibt Belege, dass die Stelle der späteren Stadt schon zur Zeit der Yarmukian-Kultur um 6000 v. Chr. besiedelt war. In der frühen Bronzezeit entstand dort eine Stadt, die am Ende der Periode zerstört wurde. Der Ort war kurz darauf, ab der mittleren Bronzezeit I (MBI) um 2000 v. Chr., wieder besiedelt. Aus dieser Zeit stammen einige wenige Gräber und einige Reste von Wohnbauten. Diese Wohnbauten wurden irgendwann planiert und ein großer Palast errichtet.
Palast
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Von dem frühen Palast ist nur wenig bekannt.[2] Das Areal des Palastes ist bisher nur zum Teil ausgegraben. Verschiedene Bauphasen bezeugen, wie der Palast immer wieder erweitert, ausgebaut und renoviert wurde. Er scheint in der mittleren Bronzezeit II (ab 2000 bis 1500 v. Chr.) seine größte Ausdehnung und Prachtentfaltung gehabt zu haben. Diverse Räume sind nun mit minoischen Fresken ausgestattet worden.[3] Vor allem die Bemalung von Fußböden lässt sich belegen. Die Bemalung von Raum 611 war relativ gut erhalten und zeigt ein Schachbrettmuster von etwa 40 cm großen Quadraten, die durch rote Linien getrennt waren. An diversen Stellen sind noch Pflanzenmotive zu erkennen. Insgesamt scheint die Bemalung aber einen Fußboden aus Werkstein nachzuahmen. Solche Malereien sind gut aus der minoischen Welt bekannt.[4] Auch waren die Wände nun zum Teil mit behauenen Steinen verkleidet. 2013 wurden die Vorratsräume des Palastes zum Teil ausgegraben. Dort fand sich zahlreiche Keramik.[5]
Stadtmauer und Festung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ganz im Norden des Stadthügels wurden 1975 Teile der Stadtbefestigungen ausgegraben. Es handelte sich um einen etwa 35 Meter breiten Wall, der teilweise noch 5 Meter hoch ansteht. Dieser Wall wurde an der Innenseite durch eine 4 Meter breite Mauer flankiert. Die Mauer bestand aus Lehmziegeln auf einem Steinfundament. Eine Außenmauer war etwa 5,5 Meter breit und bestand aus zwei Steinschalungen. Das Innere war mit Erde, Geröll und Steinen gefüllt.[6]
Im Südwesten der Stadt stand in der Eisenzeit eine Festung auf der höchsten Stelle der Stadt. Es können verschiedene Bauphasen unterschieden werden. Nur die Nordwestecke der Festung wurde ausgegraben. Sie mag einst den ganzen Hügel eingenommen haben und wäre dann etwa 90 × 60 Meter groß gewesen. Die Festung könnte um 730 v. Chr. errichtet worden sein. Damals wurde die Region von den Assyrern erobert. Sie mag um 600 v. Chr. zerstört worden sein, als die Neo-Babylonier einfielen.[7]
Wohnbauten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nur an zwei Stellen der Stadt sind bisher Teile der Wohnstadt ergraben worden. In etwa der Mitte der Stadt (Area B) wurde Wohnbauten ergraben. Die Bauten der frühen Bronzezeit (IA und IB) sind oval und aus Stein. In der frühen Bronzezeit II sind diese Bauten durch rechteckige ersetzt worden.[8] Nahe der Stadtmauer im Norden der Stadt wurde ein weiterer Teil der Stadt mit Wohn- und Gewerbebebauung freigelegt (Area C). Dort gab es wahrscheinlich ab der Mittleren Bronzezeit eine Bebauung (MB IIA), von deren frühsten Resten jedoch nur wenig erhalten ist. Etwas später wurde ein großes Gebäude mit verschiedenen Räumen, die sich um einen Hof gruppierten, errichtet. Dieses Haus wurde umgebaut und ein Ofen wurde im Hof gebaut. Das Gebäude war etwa 200 Jahre in Betrieb und datiert in die Periode MB IIA.
Bestattungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im ganzen Stadtgebiet wurden Bestattungen gefunden. Sie liegen oftmals in gemauerte Kammern mit Mehrfachbestattungen. Als Grabbeigaben fanden sich vor allem Keramikgefäße und Schmuck sowie zahlreiche ägyptische Skarabäen. Kinderbestattungen erfolgten in Gefäßen, die unter den Fußböden der Häuser deponiert worden sind.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1956 Survey
- Moshe Stekelis: .על גרעין האובידיאן שנמצא בקיבוץ כברי In: Eretz Israel, Band 5 (1958), S. 35–37 (hebräisch).
- Moshe Stekelis: An obsidian core found at Kibbutz Kabri. In: Eretz Israel, Band 5 (1958), S. 85* (englische Zusammenfassung).
1957–1958 Rettungsgrabungen
- Max Wolfgang Prausnitz: The excavations at Kabri. In: Eretz Israel, Band 9 (1969), S. 122–129 (hebräisch).
- Max Wolfgang Prausnitz: Kabri. In: Israel Exploration Journal, Jg. 9 (1969), S. 268–269 (englische Zusammenfassung der Ausgrabungen 1957–1958).
1975–1976 Rettungsgrabungen
- Max Wolfgang Prausnitz, Aharon Kempinski: Kabri, 1976. In: Israel Exploration Journal, Jg. 27 (1977), S. 165–166.
The Tel Kabri Expedition 1986–1993: Endbericht
- Aharon Kempinski, Noa Angel-Zohar, Wolf-Dietrich Niemeier und andere: Tel Kabri. The 1986–1993 Excavations (in der Reihe Emery and Claire Yass Publications in Archaeology, herausgegeben von Na’ama Scheftelowitz und Ronit Oren). Institute of Archaeology of Tel Aviv University, Tel Aviv 2002, ISBN 965-266-015-9.
The Tel Kabri Expedition 1986–1993: Vorberichte
- Aharon Kempinski: Excavations at Kabri, 1: Preliminary Report of the 1986 Season. Tel Aviv University Press, Tel Aviv 1987.
- Aharon Kempinski: Excavations at Kabri, 2: Preliminary Report of the 1987 Season. Tel Aviv University Press, Tel Aviv 1988.
- Aharon Kempinski: Excavations at Kabri, 3: Preliminary Report of the 1988 Season. Tel Aviv University Press, Tel Aviv 1989.
- Aharon Kempinski, Wolf-Dietrich Niemeier: Excavations at Kabri, 4: Preliminary Report of the 1989 Season. Tel Aviv University Press, Tel Aviv 1990.
- Aharon Kempinski, Wolf-Dietrich Niemeier: Excavations at Kabri, 5: Preliminary Report of the 1990 Season. Tel Aviv University Press, Tel Aviv 1991.
- Aharon Kempinski, Wolf-Dietrich Niemeier: Excavations at Kabri, 6: Preliminary Report of the 1991 Season. Tel Aviv University Press, Tel Aviv 1992.
- Aharon Kempinski, Wolf-Dietrich Niemeier: Excavations at Kabri, 7–8: Preliminary Report of the 1992–1993 Seasons. Tel Aviv University Press, Tel Aviv 1994.
1999 Rettungsgrabungen
2004 Rettungsgrabungen
The Tel Kabri Archaeological Project: Grabungsberichte der laufenden Grabung
- 2005 preliminary report
- 2006 preliminary report
- 2007 preliminary report
- 2008 preliminary report
- 2009 preliminary report
- 2009 winter session preliminary report
- 2011 preliminary report
- 2013 preliminary report
- 2015 preliminary report, am unteren Ende der Webseite, ein Worddokument
- 2017 preliminary report
- 2019 preliminary report
The Tel Kabri Archaeological Project: Weitere Vorberichte
- Assaf Yasur-Landau, Eric H. Cline, Nurith Goshen: Initial Results of the Stratigraphy and Chronology of the Tel Kabri Middle Bronze Age Palace. In: Ägypten und Levante. Internationale Zeitschrift für ägyptische Archäologie und deren Nachbargebiete, Jg. 24 (2014), S. 355–364.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Henry Curtis Pelgrift: Tel Kabri. Ancient History Encyclopedia, 1. November 2015, abgerufen am 25. November 2016 (englisch).
- Amir Gilat: Remains of Minoan-style painting discovered during excavations of Canaanite palace. University of Haifa, 9. November 2009, abgerufen am 25. November 2016 (englisch).
- Noah Wiener: Minoan Frescoes at Tel Kabri. Bible History Daily, 7. Januar 2015, abgerufen am 25. November 2016 (englisch).
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Assaf Yasur-Landau, Eric H. Cline, Nurith Goshen: Initial Results of the Stratigraphy and Chronology of the Tel Kabri Middle Bronze Age Palace. In: Ägypten und Levante, Jg. 24 (2014), S. 355–364, hier S. 355.
- ↑ Assaf Yasur-Landau, Eric H. Cline, Nurith Goshen: Initial Results of the Stratigraphy and Chronology of the Tel Kabri Middle Bronze Age Palace. In: Ägypten und Levante, Jg. 24 (2014), S. 355–364, hier S. 356–357.
- ↑ Barbara Niemeier, Wolf-Dietrich Niemeier: The Frescoes in the Middle Bronze Age Palace. In: Aharon Kempinski und andere: Tel Kabri. The 1986–1993 Excavations. Institute of Archaeology of Tel Aviv University, Tel Aviv 2002, S. 254–285.
- ↑ Barbara Niemeier, Wolf-Dietrich Niemeier: The Frescoes in the Middle Bronze Age Palace. In: Aharon Kempinski und andere: Tel Kabri. The 1986–1993 Excavations. Institute of Archaeology of Tel Aviv University, Tel Aviv 2002, S. 254–285, hier S. 259.
- ↑ Assaf Yasur-Landau, Eric H. Cline, Nurith Goshen: Initial Results of the Stratigraphy and Chronology of the Tel Kabri Middle Bronze Age Palace. In: Ägypten und Levante, Jg. 24 (2014), S. 355–364, hier S. 364.
- ↑ Aharon Kempinski und andere: Tel Kabri. The 1986–1993 Excavations. Institute of Archaeology of Tel Aviv University, Tel Aviv 2002, S. 35–38.
- ↑ Gunnar Lehmann: Area E. In: Aharon Kempinski und andere: Tel Kabri. The 1986–1993 Excavations. Institute of Archaeology of Tel Aviv University, Tel Aviv 2002, S. 73–90.
- ↑ Na’ama Scheftelowitz: Area EB. In: Aharon Kempinski und andere: Tel Kabri. The 1986–1993 Excavations. Institute of Archaeology of Tel Aviv University, Tel Aviv 2002, S. 19–34.