Ulrich Albrecht
Ulrich Albrecht (* 30. Januar 1941 in Leipzig; â 26. Dezember 2016 in Berlin) war ein deutscher Friedens- und Konfliktforscher und Hochschullehrer. Von 1972 bis 2005 war er Professor am Otto-Suhr-Institut der Freien UniversitĂ€t Berlin. Er beschĂ€ftigte sich mit technischen Entwicklungen im RĂŒstungsbereich, der Dynamik von RĂŒstungswettlĂ€ufen und RĂŒstungskontrollbemĂŒhungen, sowie den Auswirkungen von RĂŒstung und MilitĂ€r auf Staaten und die Lebensbedingungen von Menschen. Er verband dabei Ingenieurwissenschaften und politologische Friedensforschung und legte damit Grundlagen fĂŒr eine naturwissenschaftliche Friedensforschung.[1][2]
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ulrich Albrecht wuchs in Halle (Saale) auf, sein Vater starb in der Schlacht von Stalingrad. Mit seiner Mutter, einer Lehrerin, und seinen beiden BrĂŒdern ĂŒbersiedelte er Mitte der 1950er-Jahre in die Bundesrepublik, nach Herchen,[3] und legte dort an einem evangelischen Gymnasium das Abitur ab. Vom Evangelischen Studienwerk Villigst gefördert, studierte er von 1960 bis 1967 zunĂ€chst Flugzeugbau bzw. Luftfahrttechnik an der RWTH Aachen, spĂ€ter auch Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaft an der UniversitĂ€t Stuttgart. Ein Studienpraktikum im MilitĂ€rflugzeugbau bei Messerschmitt-Bölkow-Blohm brach er vorzeitig ab.[4]
Nach seinem Abschluss als Diplom-Ingenieur war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Stuttgarter Institut fĂŒr Sozialökonomie, wo er 1970 mit einer Arbeit ĂŒber den weltweiten Waffenhandel promovierte. Von 1969 bis 1972 war Albrecht wissenschaftlicher Mitarbeiter an der von Carl Friedrich von WeizsĂ€cker begrĂŒndeten Forschungsstelle der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW) in Hamburg, unterbrochen von einem Aufenthalt als Gastforscher am International Institute for Strategic Studies in London (1970/71).[4][5]
Albrecht wurde 1972 als Professor fĂŒr Friedens- und Konfliktforschung an das Otto-Suhr-Institut der Freien UniversitĂ€t Berlin berufen, 1982/1983 war er VizeprĂ€sident der FU und 1987/88 Dekan des Fachbereichs Politische Wissenschaft. Von 1971 bis 1973 und von 1998 bis 2002 war er Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft fĂŒr Friedens- und Konfliktforschung (AFK).[3] Viele Jahre saĂ er im Beirat der Zeitschrift Wissenschaft und Frieden und unterstĂŒtzte auch die Zeitschrift Antimilitarismus-Information (ami). Er begrĂŒndete 1973 die VDW-Studiengruppe MilitĂ€rpolitik mit und ĂŒbernahm deren Leitung. Von 1974 bis 1984 war er Kuratoriums- und Konzilsmitglied, zuletzt auch Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Friedens- und Konfliktforschung (DGFK).[4]
Ab 1975 beriet Albrecht den Ăkumenischen Rat der Kirchen. In den 1980er-Jahren kritisierte er die mit dem NATO-Doppelbeschluss verbundene sogenannte NachrĂŒstung und setzte sich fĂŒr RĂŒstungskonversionsprojekte ein. Nach der friedlichen Revolution in der DDR arbeitete er 1990 als Leiter des Planungsstabes des dortigen AuĂenministers Markus Meckel (SPD) und versuchte dabei, seine friedenspolitischen Vorstellungen umzusetzen. Er engagierte sich langjĂ€hrig in den Pugwash-Konferenzen, worin sich Naturwissenschaftler und Sozialwissenschaftler gemeinsam fĂŒr Frieden und AbrĂŒstung einsetzten. In der Evangelischen Kirche wirkte er auĂerdem aktiv in der Synodenarbeit.
Infolge eines Schlaganfalles im Sommer 2001 war Ulrich Albrecht die letzten fĂŒnfzehn Jahre seines Lebens teilweise gelĂ€hmt und dadurch auf den Rollstuhl angewiesen. Dennoch setzte er bis 2005 seine Arbeit als Hochschullehrer fort, musste dann aber vorzeitig in den Ruhestand wechseln.[1][2]
Ulrich Albrecht war mit Astrid Albrecht-Heide verheiratet und Vater zweier Kinder.[4]
Publikationen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ulrich Albrecht: Die Abwicklung der DDR. Die â2+4-Verhandlungenâ. Ein Insider-Bericht. Westdeutscher Verlag, Opladen 1992, ISBN 3-531-12322-X.
- Ulrich Albrecht: RĂŒstung in der Konversion? Die aktuellen Entwicklungen beim Wandel von BeschĂ€ftigungsverhĂ€ltnissen in der RĂŒstungsindustrie und bei den StreitkrĂ€ften in Europa. In: BeitrĂ€ge zur Konversionsforschung. Band 1. Lit, MĂŒnster, Hamburg 1994, ISBN 3-486-24572-4.
- Ulrich Albrecht: Internationale Politik. EinfĂŒhrung in das System internationaler Herrschaft. 5. Auflage. Oldenbourg, MĂŒnchen, Wien 1999, ISBN 3-486-24572-4.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 Das OSI nimmt Abschied von Ulrich Albrecht (PDF). (PDF) In: www.polsoz.fu-berlin.de. Januar 2017, abgerufen am 11. MÀrz 2017.
- 1 2 Ute Finckh-KrÀmer: Nachruf Ulrich Albrecht. In: FriedensForum. Heft 2, 2017, ISSN 0939-8058, S. 23.
- 1 2 Hajo Funke: Prof. Dr. Ulrich Albrecht verstorben. Arbeitsgemeinschaft Friedens- und Konfliktforschung, 4. Januar 2017.
- 1 2 3 4 Ekkehard Forberg: Ulrich Albrecht â Eine Kurzbiographie. In: Ruth Stanley: Gewalt und Konflikt in einer globalisierten Welt. Festschrift fĂŒr Ulrich Albrecht. Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2001, S. 292â294.
- â Götz Neuneck: Nachruf auf Ulrich Albrecht. Vereinigung Deutscher Wissenschaftler.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Albrecht, Ulrich |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Friedensforscher und Hochschullehrer |
| GEBURTSDATUM | 30. Januar 1941 |
| GEBURTSORT | Leipzig |
| STERBEDATUM | 26. Dezember 2016 |
| STERBEORT | Berlin |